Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 39 (28.9.1934)
- Date
- 1934-09-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Hilferuf der jüdischen Blinden. Der Hilfsverein der jüdischen Blinden, Wien II., Rembrandtstraße 18 (Tel. Nr. A 47-2-77), der auf eine dreißigjährige segensreiche Tätigkeit für die notleidenden jüdischen Blinden zurückblickt, ist infolge der wirtschaftlichen Krise der letzten Jahre und infolge der großen Zahl der seine Unterstützung in Anspruch nehmenden, in Not geratenen Blinden aller Barmittel entblößt. Um die Not dieser hilflosen Menschen wenigstens teilweise lindern zu können, bittet er, ihn anläßlich der Feiertage mit Spenden zu bedenken. Postsparkassenkonto Nr. 133.213. Wozu der Lärm? Es gibt Kreise innerhalb des Judentums, die von der augenblicklichen Palästinakonjunktur geradezu verblendet sind. Für sie bedeutet Palästina die Lösung der Judenfrage schlechtweg. Und taucht bald hier, bald dort eine Ansiedlungsmöglichkeit für Juden auf, dann wissen diese Leute mit einer Fixigkeit, die wahrlich einer besseren Sache '. wert wäre, frohlockend von der Unmöglichkeit dieser neuen-Aussichten und Möglichkeiten zu berichten. Einer von den wenigen, die den Mut finden, über die Mauern des Parteigebietes hinwegzusehen, ist Nathan Birnbaum. Durchaus propalästinensisch eingestellt, erteilt er denen, die da glauben, Palästina in Erbpacht genommen zu haben, wieder einmal eine Lektion. Er schreibt: „In den letzten Wochen hört man wieder von allen Seiten: es gibt nur ein einziges Einwanderungsland das praktisch in Betracht kommt — Palästina, und in etwas schadenfrohem Ton die Hinzufügung, — alle anderen vorgeschlagenen Gebiete sind gesperrt. Mit Angola ist es nichts, mit Brasilien ist es nichts, usw., usw. ... Ich frage zum so und'sovielten Male: Wozu ist das nötig? Was soll es nützen? Wozu der lärmende Propagandaton? Fehlt es denn an Menschen, die nach Palästina wollen und nicht hineinkommen? Kommt denn bei dieser Methode auch nur ein Mann oder eine Frau mehr nach Erez-Jisroel, als die englische Regierung hineinlassen will? Wird von den vielen Juden, die eher heute als morgen auswandern müßten und kein Zertifikat bekommen, auch nur dem kleinsten Bruchteil geholfen, wenn die natürlich nicht so leicht und so schnell erfolgreichen Bemühungen Kolonisationsgebiete als schon durchaus und endgültig gescheitert hingestellt werden? Ich warne zum so und sovielten Male. Alle diejenigen, die diese Art Propaganda betreiben, werden einmal bereuen, sie betrieben zu haben, statt im Gegenteil für Palästina und anderwärts zu arbeiten. Nicht nur das notleidende jüdische Volk, sondern auch Erez Jisroel selbst in seiner Bedeutung für das Volk, braucht dieses „anderwärts" so nötig wie der Hungrige einen Bissen Brot." Kleine Anfragen an den großen Fuhrer. Wie lange noch wollen Sie gestatten, daß das deutsche Volk Radio hört? Die Radiowellen sind doch von dem Juden Hertz entdeckt; deutsche Bauern Kunstdünger verwenden? Die künstlichen Düngstoffe wurden von den Juden Haber, Bosch, Caro erfunden! in Deutschland Strauß'sche Musik gespielt wird? Die Texte stammen doch von dem Juden Hugo von Hoffmannstal; in Deutschland die .iLoreley" gesungen wird? Sie wurde bekanntlich von dem Juden Heine gedichtet; arische Kavaliere mit dem giftigen Salvarsan behandelt werden? Es wurde von dem Juden Ehrlich, entdeckt; deutschen Menschen Blut für die „Wassermannsche Reaktion" abgezapft wird? Sie stammt von dem Juden August von Wassermann; deutsche Frauen ihre Migräne mit Pyramidon bekämpfen? Es wurde von den Juden Filehne und Spiro erfunden. Kurt Garnatz. Den jüdischen Respekt vor den Glaubens werten der Andersgläubigen kann man ernsthaft nicht in Frage stellen. Es bedarf hiezu schon der besonderen Findigkeit eines berufsmäßigen Hetzers, der im letzten „Wiener Montagblatt" die Tatsache, daß ein jüdischer Delikatessenhändler in seiner Auslage die bekannte Weinsorte „Lacrimae Christi' zum Verkauf anbietet, als eine jüdische Pietätlosigkeit gegenüber den — Tränen des christlichen Religionsstifters deutet... Es wäre nur zu wünschen, daß dieser so empfindliche Wächter über die christlichen Glaubenswerte dieselbe Feinfühligkeit, die er für seine eigene Religion beansprucht, auch den Glaubenswerten der anderen entgegenbrächte, wie es wirklich taktvolle Menschen tun. Dann hätte er es vermieden, den sicherlich vergeblichen Versuch zu machen, den christlichen Konsumenten den Appetit auf ein sehr bekanntes Pflanzenfett durch die Enthüllung verderben zu wollen, daß dieses Fett — wie schaurig! — unter der Aufsicht eines Rabbiners hergestellt wird, also koscher ist. Herr Frauenfeld, sozusagen auch ein Sachverständiger für antisemitische Propaganda einerseits und für koschere Genüsse andererseits, wird gewiß mit schallendem Gelächter in die allgemeine Heiterkeit über diese — Enthüllungen des „Wiener Montagblattes" eistimmen. Wir Juden aber stellen fest: Wenn sogar ein Zeitungsschreiber, der professionsmäßig auf die Entdeckung jüdischer Untaten ausgeht, uns nichts Aergeres nachsagen kann als die angeführten „Schlechtigkeiten", dann bedeutet dies wohl das schönste Wohlverhaltungszeugnis für uns Juden - . Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotankreuzgasse 3 .Tel. A45-5-37 Die Sprache der Heimat. Anläßlich des Neujahrstages hat die Kulturelle Vereinigung der türkischen Juden ein Manifest veröffentlicht, das in allen Synagogen nach den religiösen Zeremonien zur Verlesung gebracht wurde. In dem Manifest werden die Ziele der Vereinigung dargelegt, wobei es unter anderem "heißt; .*j,Es ist; außerordentlich b ed a u e r 1 i c h, daß die türkischen jüdischen Bürger, die im Heimatland der Türken leben und dieselbe Luft atmen wie sie, eine andere Sprache als die türkische gebrauchen und eine andere als die türkische Kultur habe n." Das Manifest betont dann, daß dies einzig und allein die Folge einer üblen Gewohnheit sei. Es sei Zeit, damit aufzuräumen, daß die Juden der Türkei weiter ein altertümliches Spaniolisch zum Schaden des Türkischen sprechen. Zum Schluß wird an alle freien und glücklichen Juden der jungen und starken Republik die Aufforderung gerichtet, in Hinkunft die türkische Sprache zu gebrauchen. Arierparagraph für 66 Millionen Deutsche. Die Reichsregierung bereitet, einer Meldung des Berliner Korrespodenten der „News C h r on i c 1 e" zufolge, ein Gesetz vor, das die A u s d e hnung des Arierparagraphen auf die gesamte Bevölkerung des Deutschen Reiches vorsieht. Alle Bürger des Dritten Reiches, etwa 66 Millionen Menschen, sollen im Sinne des neuen Gesetzes auf ihre rassische Abkunft geprüft werden. Personen, in deren Stammbaum jüdisches Blut angetroffen wird, sollen die Rechte des „Volksbürgers" verlieren. Die Untersuchung wird in riesigem Maßstab schon in allernächster Zeit beginnen und voraussichtlich Monate dauern. I In besserem rituellen Hause wird junges Mädchen als Pensionärin mit Familien- Anschluß aufgenommen. Auskunft: vor- - . mittags Telephon R 46-6^66 Nordische Juden. Nach den Untersuchungen des hervorragenden Lemberger Anthropologen Jan Czekanowski haben die Juden in Polen trotz ihrer Isolierung im Ghetto ihren anthropologischen Charakter im Laufe der Jahrhunderte wesentlich verändert, so daß das orientalische Element heute bei ihnen auf das Niveau einer schwachen Beimischung zurückgegangen ist. Unter der jüdischen Bevölkerung Warschaus dominiert nach Professor Czekanowski das nordische : Element. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHl whn ix* unaoAssa nr. i» nuuii xviii., wJbuuMowisfiMsa •» TtUphon Nr. A 17-340and A 1W-34 Umtmrum* lUr HllwtaH— AbteilungenrarKoscherfleisch ■ater AafslsM *mm mhrm RultMaeHMiatf* WIm. Sämtliche Fielachsorten von ausschließlich PriflM-QnaÜtät zu den billigsten Marktpreisen Aus der braunen Hätte. Bei Einführung des Arier-Paragraphen für die Staatsbeamtenschaft in Deutschland wurde vorerst das Auswärtige Amt von dieser Bestimmung ausgenommen, weil sonst Fürst Herbert von Bismarck aus London hätte abberufen werden müssen. Bei der „Gleichschaltung" der Deutschen Adelsgenossenschait gab es eine Sensation, als sich herausstellte, daß bei Prüfung jener Adelsfamilien, die sich auf einen rein arischen Stammbaum bis 1750 berufen können, just der bayerische Reichsstatthalter und unentwegte Hitler- Anhänger General Ritter von Epp nicht in der Lage sei, auf 32 rein arische Ahnen hinzuweisen und daß sich auch bei ihm ein „jüdischer Bluteinschlag" feststellen ließ. Das geplante neue Adelsgesetz wurde deswegen bis auf weiteres zurückgestellt. * In der soeben erschienenen revidierten Ausgabe des Handbuches für junge Soldaten, für das die Leitung der deutschen Reichswehr verantwortlich ist, wird, zum erstenmal offiziell, den Offizieren und Soldaten geboten. Jüdische Firmen bei ihren Einkäufen zu meiden. Der Boykott jüdischer Firmen wird als eine der „Pflichten des deutschen Soldaten" erklärt. o Nach dem Muster der in der ganzen Welt berüchtigt gewordenen Ritualmord-Nummer hat Julius Streicher soeben eine neue Sonderausgabe des „Stürmer" in verstärktem Umfange und erhöhter Auflage erscheinen lassen, die den Sammel- Titel „Die Juden als Weltfeind" trägt. Bild- und Textmaterial dieses Heftes, das in vielen Zehntausenden von Exemplaren in ganz Deutschland verbreitet wird, sind eine einzige Mordhetze gegen die Juden. Das Heft enthält mehr als 50 durch Retouchen karikierte Photos jüdischer Persönlichkeiten, unter ihnen Gelehrte, Politiker, Bankiers, revolutionäre Führer, aber auch durch Skandalprozesse bekaant gewordene Juden; man sieht u. a. Karikaturen von Rathenau, Hugo Preuß (Schöpfer der Weimarer Verfassung), Max Warburg, Paul Hirsch (früherer preußischer Ministerpräsident), Leo Trotzki, Sinowjew, Radek, Barmat u. v. a. Der verbindende Text ist in Kapitel eingeteilt, die folgende Ueberschriftcn tragen: „Juden als Schwindler", „Juden als Träger der Korruption", „Juden als Vernichter der Moral". „Juden als Rote". In Deutschland wird der Umstand, daß Streicher, dessen Ritualmordhetze Deutschlands Ansehen in der Welt so viel geschadet hat, nun wieder mit einer verschärften Judenhetze auf den Plan zu treten wagt, dahin aufgefaßt, daß Stre-ichers Position bei Hitler, besonders seit dem letzten Nürnberger Parteitag außerordentlich stark ist. * Wie aus Buer (Westfalen) berichtet wird, ist die dortige Synagoge geschändet worden. Es wurden fast die gesamten Fensterscheiben eingeschlagen und das Innere des Gotteshauses dur&b Steine. Unrat und dergleichen verunreinigt. Der Syjiagogenvorstand hat sich an den Oberbürgermeister gewandt und ihn gebeten, Schutzvorkehrungen zu treffen. Das Reichspropagandaministerium und die Reichstheaterkammer hatten seinerzeit genehmigt, daß Max Hansen und Otto Walburg, obwohl sie Nichta r i e r sind, in Deutschland spielen dürfen, weil der eine Däne und der andere verdienter Frontkämpfer sei. Aus den gleichen Gründen war zwei Berliner Theatern die Ermächtigung erteilt worden, beide Künstler im Herbst auftreten zu lassen. Trotz dieser bereits gemachten Zusage hat der Reichspropagandaminister das Auftreten der beiden Schauspieler nunmehr mit der Begründung verboten, daß angesichts des vor einiger Zeit in Genf von einigen jüdischen Organisationen proklamierten Weltboykotts gegen Deutschland bei dem Auftreten der beiden Künstler Unruhen im Kreise der Theaterbesucher entstehen könnten, was von vornherein vermieden werden soll. m Die „Main-Fränkische Zeitung" bringt nachstehende Notiz aus Hesslar: „Zur Nachahmung empfohlen": „Auch unsere Gemeinde ist erwacht! Seit Sonntag früh tragen alle Wohn- und Wirtschaftsgebäude an den Toren und Türen in roter Lackfarbe aufgetragene Gesangunterricht für Oper, Operette, Film etc. erteilt »än*«r Rochnils, IX., Thumgasse "10/tla. Stimmprüfung ..kostenlos von 7—8 Uhr abends. Talenten Freiplätze