Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 39 (28.9.1934)
- Date
- 1934-09-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT schweren Schlag für das Hüter-Regime. Das war kein Kunststück, die wehrlosen deutschen Juden zu knebeln, zu verfolgen, zu boykottieren. Heute aber, wo das nationalsozialistische Regime die Folgen seiner feigen Handlungsweise zu spüren bekommt, heute, wo ihnen die Faust gezeigt wird, beschweren sie sich darüber, daß das Ausland angeblich kein Verständnis für die wirtschaftlichen Erfordernisse Deutschlands habe. In seiner bekannten Rede in Bad Eilsen beklagt sich der Wirtschäftsdiktator Schacht, daß die Wirtschaft von der Politik erdrückt werde und daß die Boykottbewegung den deutschen Außenhandel treffe. Er hat sich aber an die falsche Adresse gewandt. Er hätte vor allem an seinen „Führer" appellieren müssen, der um der billigen innerpolitischen Erfolge seiner antisemitischen Propaganda wegen Deutschlands Ansehen aufs Spiel gesetzt hat „Die Vereinigten Staaten sind dasjenige Land," schrieb in diesen Tagen die „Frankfurter Zeitung", „bei dem der schärfste Widerspruch besteht zwischen den Hemmungen für die Aufnahme' deutscher Waren und dem Wunsch zugleich, Zinszahlungen von Deutschland zu empfangen und eigene Rohstoffe abzusetzen." Tatsächlich sind die Vereinigten Staaten aus politischen Gründen nicht mehr gewillt, Ware aus Deutschland zu beziehen, um so Schacht seine Devisenbeschaffungspolitik zu erleichtern. Auch die Verhandlungen über einen Rohstoffkredit, die hinter den Kulissen geführt wurden, sind an der ablehnenden Haltung der öffentlichen Meinung in U. S. A. gescheitert.. Dr. Schacht kann sich weiter über die angebliche Unvernunft des Auslandes bitter beschweren. Es wird nichts helfen. Die scharfe Waffe des Boykotts wird solange gegen das Dritte Reich angewandt, solange Rassenhaß! und Neuheidentum in Deutschland gepredigt werden. Der Nationalsozialismus kann aber seine Rassenpolitik nicht aufgeben, denn er würde sich dann selbst aufgeben. So wird der . Kampf weiter fortgeführt, bis zum Ende. Chauffeur, Automechanlker der auf seinem letzten Posten auch Inkassi besorge und erstklassige Zeugnisse besitzt, sucht Beschäfligung. Unter „&UDerSt VCTl&Olldl" an die Administration des Blattes MBBiaauMHw „Die Weisen von Zion" in Südafrika. Das von dem Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes in Grahamstown (Südafrika), Sie Thomas Graham, am 21. August gegen die Führer der antisemitischen Grauhemden-Organisation, Harry Victor Inch, Johannes von Moltke und David Hermanus Olivier, die antisemitische Pamphlete in Form von „Dokumenten der Weisen von Zion", von denen sie behaupten, sie stammten aus der Synagoge von Port Elizabeth, zu einer judenfeindlichen Hetzkampagne verwendet hatten, auf Grund einer Klage des Predigers der Synagoge von Port Elizabeth, Rev. Abraham Levy, gefällte Urteil liegt nunmehr im vollen Wortlaut vor. Das Urteil und seine Begründung, deren Verlesung VA Stunden in Anspruch nahm, faßt den Gang des Beweisverfahrens dieses denkwürdigen Prozesses zusammen, in dem die Angeklagten der Verleumdung schuldig befunden und zur Zahlung einer Entschädigungssumme von 1775 Pfund an den Privatkläger, Rev. A. Levy, verurteilt wurden. „Nach Anhörung sämtlichen Zeugen", heißt es in dem Urteil, „und insbesondere nach der von Prof. Dingemans (einem christlichen Theologen) an dem Dokument geübten vernichtenden Kritik, die eineii tiefen Eindruck auf uns gemacht hat, sowie nach sorgfältigem Studium des Inhalts des Dokuments, sind wir zu folgender Schlußfolgerung gelangt: Sowohl das angeblich aus der Western Road Syna- goge stammende Dokument als auch die beiden Doku- . mente, von denen Inch behauptete, er habe sie aus der Emanuel Hall bekommen, sind von derselben Person oder denselben Personen zusammengestellt Der Aufbau der „Dokumente", die in ihnen gebrauchte Phraseologie und zum Ausdruck gebrachten Ansichten lassen keinen Zweifel darüber zu, daß sie von einer Person oder Personen verfaßt wurden, die glauben oder zu glauben vorgeben, daß die Juden in Europa, in Südafrika und auf ganzen Welt sich zu dem Zwecke organisiert haben, die christliche Religion zu stürzen. Die Grauhemden- Bewegung in Port Elizabeth ist eine Gesellschaft, die zugegebenermaßen judenfeindliche Ziele verfolgt Ihr Wunsch ist es, die Juden aus Südafrika zu vertreiben. Die jüdische Religion wird verhöhnt und den Juden werden fälschlich gotteslästerliche und schreckliche Leh- - ren zugeschrieben. Alle drei Dokumente enthalten läster- : liehe Ansichten über die christliche Religion, wie sie nach der vorgeblichen Meinung der Grauhemden und ihrer Jünger von den Juden vertreten werden. Mit anderen Worten: die drei Dokumente tragen unver- - kennbar den Stempel des Ursprungs aus gleicher Quelle, sie schildern die Juden vom Standpunkt der Führer der - Grauhemden. Wir sind überzeugt, daß diese „Dokumente" das untrügliche \ Zeichen ihrer Zusammenstellung durch ein Mitglied oder durch Mitglieder der Grauhemden- Bewegung tragen, und daß sie leicht von Inch und von Moltke oder von einem der beiden verfaßt werden konnten. Porträt eines antisemitischen Hetzapostels. Das Urteil beschäftigt sich sodann mit der Persönlichkeit und der Glaubwürdigkeit des auf Antrag der Angeklagten vorgeladenen Zeugen.Captain Beamish, eines berüchtigten antisemitischen Hetzapostels und persönlichen Freundes Hitlers und Julius Streichers, der es als seine Lebensaufgabe betrachtet eine jüdische „Weltverschwörung" aufzudecken, und sich im Laufe des Prozesses bemühte, die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion" nachzuweisen. Ueber seine Zeugenaussage, in der er behauptete, er sei es gewesen, der die führenden Persönlichkeiten der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland zu ihrem radikal-antisemitischen Standpunkt gebracht hat wird in dem Urteil gesagt: „Es fällt schwer, die Zeugenaussage eines so gearteten Mannes ernst zu nehmen. Der Zeuge Beamish machte . auf uns den Eindruck eines Menschen, der von den von ihm ausgesprochenen Ideen vollkommen besessen, unduldsam in seinen Anschauungen ist und eine übertriebene Vorstellung von seiner eigenen Bedeutung hat Er hält sich für einen modernen Kreuzfahrer, dessen Mission es ist der Welt das Bestehen einer von den Juden seit dem Anfang ihrer Geschichte organisierten Weltverschwöriing zur Niederwerfung der ..Christenheit und zur Vernichtung' der Zivilisation zu, enthüllen. Jede' judenfeindliche Veröfferitiiehung, auf die er stieß, hat er mit Begierde aufgebauscht und jede darin enthaltene judenfeindliche Behauptung als Tatsache genommen. Er war außerstande, auch nur die Spur eines wesentlichen Beweises zur Stütze seiner Behauptungen zu erbringen. Kein Opfer eines Bauernfängers hat sich jemals so leicht und bereitwillig täuschen lassen. Nach der Feststellung, daß auch der Angeklagte v. Moltke in der Sache der „Dokumente" nicht guten Glaubens gewesen sein kann und daß die Grauhemden- Bewegung, bis zu deren Auftreten Judenhetze in Südafrika unbekannt gewesen ist, offenbar ein besonders wirksames Propagandamittel gesucht habe, um sich bei dem von Natur aus freiheitsliebenden und in religiösen Dingen toleranten südafrikanischen Volk durchsetzen zu können, wird in dem Urteil ausgeführt: „Den Angeklagten ist es nicht gelungen, auch nur die Spur eines Beweises für das Bestehen einer sogenannten jüdischen Weltverschwörung zu erbringen. Die „Protokolle der Welsen von Zion" — eine Fälschung. Von großer Bedeutung ist der Teil des Urteils, in dem auf Grund der als beweiskräftig anerkannten Zeugenaussage des Präsidenten der Jewish Agency Nahura S o k o 1 o w die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion", mit denen die „Dokumente" aus Port Elizabeth in Zusammenhang gebracht worden waren und die in dem mißlungenenJVexteidigungsversuch der Angeklagten eine große Rolle spielten, als Fälschung zu antisemitischen Propagandazwecken erklärt werden. „Es ist behauptet worden", heißt es in dem Urteil, „daß die Protokolle auf dem 1897 in Basel abgehaltenen I. Zionistenkongreß von Dr. Herzl geheim verkündet worden seien; aus der Aussage des Führers der zionistischen Bewegung Nahum Sokolow, dessen Zeugenschaft wir ohne jedes Zögern anerkennen, geht jetloch beweiskräftig hervor, daß auf diesem-Kongreß niemals auf ein derartiges Dokument Bezug genommen oder seiner Erwähnung getan wurde. Herr Sokolow erklärte, daß er dem Kongreß beigewohnt hat, daß die Verhandlungen der Öffentlichkeit zugänglich waren, daß er Mitglied sämtlicher Kommissionen war und zu einem wesentlichen Teil an der Zusammenstellung der Tagesordnung mitwirkte. Dem Kongreß wohnten viele christliche Studenten bei, und es gab keinerlei Geheimnisse irgendwelcher Art im Zusammenhang mit den Sitzungen. Herr Sokolow hat ferner erklärt, daß er von der Existenz der Protokolle zum erstenmal anläßlich eines Besuches in Paris im Jahre 1920 erfuhr. Er kehrte nach London zurück, wo er sie zum erstenmal zu Gesicht bekam und las. Er bemühte sich, der Entstehungsgeschichte des Dokuments nachzugehen, und zufällig entdeckten Beamte des Britischen Museums ein gegen die Herrschaft Napoleons III. veröffentlichtes Pamphlet, das im Museumskatalog unter „Antinapoleonische Pamphlete" verzeichnet ist Das war die französische Ausgabe der „Protokolle". Er fand, daß die „Protokolle" ein plumpes Plagiat dieser Streitschrift darstelle n"._______ Brief aus Rumänien. Von unserem Korrespondenten. Die Zeit um den Jahreswechsel veranlaßt uns besonders, Blick und Gedanken ein wenig der Vergangenheit zuzuwenden!'Es-'war'eine sefabtvqUeljühd beschwer-: liehe Wegstrecke, die wir'im vergangenen Jahre durchschritten haben. Die Finsternis der wirtschaftlichen Not wurde zwar durch einen Lichtschein, die Uebcrnahme der Regierung durch die N a t i o n a 11 i b e r a 1 e n erleuchtet, aber nur zu bald mußte auch dieser verblassen angesichts des ruchlosen Verbrechens, welches an dem Haupte dieser Partei;verübt wurde. Mit dem Regierungsantritte der Liberalen wurde der antisemitischen Bewegung, die vorher schon eine Gefahr nicht nur für'die jüdische Bevölkerung, sondern auch für das ganze Reich gebildet hatte, zwar ein Riegel vorgeschoben: die Leidenschaften waren jedoch schon zu sehr aufgewühlt, als-.daß sie durch Verordnungen eingedämmt hätten werden können. Dazu Kommt noch der Umstand, daß die Judenfeinde nach Berlin Pilgerfahrten unternehmen, um sich daselbst in den Lehren Göbbels und Streichers zu vervollkommnen. Reich beladen heimgekehrt bot sich ihnen das günstigste Betätigungsfeld bei der leicht empfänglichen Jugend. Damit war aber Tüchtige Köchin sucht Posten für Vi Tage. Erstklassige Referenzen. Zuschriften a. d. Exped. dieses Blattes erbeten zum Schaden des Landes auch ein getiihrliches Feuer entfacht Daß angesichts dieser Gefahr auch die maßgebenden jüdischen Kreise nicht ihre Hände in den Schoß gelegt sondern Gegenmaßnahmen ergriffen haben, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Es ist aber beachtenswert daß nej den cuzistischen Angriffen gegen die Juden in der vergangenen Parlamentssession die Regierung selbst die Verteidigung der Juden führte, wobei die wiederholten Reden des Unterstaatssekretärs Jamandl geradezu_ klassisch waren. Während also früher die jüdischen Interessen durch die Deputierten des Reichsblocks verteidigt wurden, dessen Vertreter bei jeder Gelegenheit von den antisemitischen Elementen angestänkert, terrorisiert, ja sogar tätlich mißhandelt worden sind, fand nun die mächtige Stimme von der Regierungsbank lauten Widerhall im ganzen Hause. Damit soll aber keineswegs die Fähigkeit und das ehrliche Bestreben der Deputierten des Reichsblocks geschmälert oder ihren Leistungen irgendwie Abbruch getan werden; bei den gegebenen Umständen waren ihre Kräfte ganz unzureichend, um die jüdischen Interessen mit Erfolg wahrnehmen zu können. Die Regierung der. Liberalen bietet Gewähr genug zum, Schutze der Rechte unseres Volkes.. . 9 _. i... > - Wie in-unserem Lande üblich, hat mit dem Wechsel der' Regierung vslch auch ein1 Wechsel in der Kultusgemeindeleitung der meisten Städte,: somit auch in unserer Czernowitzer Kultusgemeinde vollzogen. An Stelle des früher aus zehn Parteien zusammengewürfelten Kultusrates hat die Regierung einen Gerenten in der Person des Herrn Dr. Menczer sowie einen Kultusbeirat eingesetzt. Ehrlich gesagt, war die Tätigkeit der früher so heterogenen Repräsentanz, bis auf einige Aktionen, keine besonders ersprießliche. Die unwürdigen Streitigkeiten und gegenseitigen Verunglimpfungen sind hier noch jedermann in Erinnerung und es hat den Anschein, als ob das Prinzip, „nach mir die Sintflut", vorherrschend gewesen wäre. Wie ist es denn sonst möglich, daß so viele Rückstände, Steuerstrafen und Schulden zurückbleiben konnten? Durch die Einsetzung der Gerentschaft ist aber für manche Hetzer und Mandatsjäger neuer Weizen aufgeblüht. Das Schlagwort „Autonomie" kam nun in Mode, bis die Gerentschaft nach wiederholten Enqueten und Beratungen Neuwahlen in den Kultusrat ausschrieb. Aber schon bei der Vorlage der einzelnen Kandidatenlisten zeigte es sich, daß die Autonomie wohl ein sehr nützliches Werkzeug ist wenn es im Gebrauche Sachkundiger steht; in den Händen von unerfahrenen Laien aber gestaltet es sich zu einem zweischneidigen Schwert. Angesichts der großen Zahl der angemeldeten Listen sowie der Mannigfaltigkeit der Kandidaten konnte ein ersprießliches Zusammenwirken zum Wohle der Judengemeinde nicht erwartet werden, weshalb die Regierung es vorzog, die Wahlen vorläufig aufzuschieben. » In unserem Heimatlande gibt es bekanntlich Mitbürger aller Nationalitäten, deren Eltern oder Großeltern nach Rumänien eingewandert sind und daselbst das Heimatrecht erworben haben. Solche Elemente möchten, obgleich noch selbst kaum ansässig, beständig den Haß gegen die Juden schürea indem sie dieselben als Fremde bezeichnen und bei jeder Gelegenheit auf ihre Einwanderung hinweisen. Zumeist sind sie selbst Fremde hierzulande, die nur aus Geschäftsgründen den Mund gegen die Juden voll nehmen, während . sie in ihrem Herzen das Rumänertum verwünschen. Diesen hat nun unser einheimischer Historiker und Publizist Dr. K a s s n e r, eine gehörige Belehrung erteilt, indem er, auf die Historiker J. F. Neugeba'uer und F. J. Sulz er sich stützend, nachweist daß die Juden schon im ersten Jahrhundert nach ihrer Vertreibung durch Titus nach Dacien kamen, woselbst ihnen der mächtige König Decebalus die Stadt Thalmus, unweit des Rothenturmpasses, als Wohnsitz. anwies. Dadurch ist jedenfalls erwiesen, daß die Juden seit nahezu 2000 Jahren in Rumänien ansässig, hier also keine Fremden, zumindest aber ebenso wie die Deutschen. Ukrainer, Polen usw. erbgesessen sind. _Bernhard R i p p e 1, Czernowitz.r ZWEI OELGEMÄLDE Verhältnissehalber aus Privatbesitz billig zu verkaufen. i,Im SchafstaU" von Anton Schrödl S 350.— j - ^Stilleben" von Wffllm NIetsch S 150.—; Nähere Auskünfte Tel B 30-5-23.