Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 38 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 ■und Dankbarkeit jener Kameraden zu gedenken, welche auf blutiger Walstatt für des alten Reiches Größe in vorbildlicher Treue und Edelmut das größte Opfer auf dem Altar unseres Vaterlandes gebracht haben. Ihre Gräber sind Heiligtümer, denn sie umschließen Märtyrer der großen Idee, das Leben dem Vaterlande, der Heimat und dem Volke zu opfern. Lorbeer als Anerkennung, Blumen als Grüße, stille Tränen als Perlen tiefsten Empfindens gehören auf diese Gräber. Der Opfertod dieser Kameraden ist uns heilig. Heilig aber bleibt uns ihr Vermächtnis, es mahnt uns zu unseren eigenen Pflichten unserem Volke und unserem Vaterlande gegenüber. So mögen denn die Grabsteine, die heute in treuer Kameradschaft vom Bund jüdischer Frontsoldaten errichtet wurden und die hier in dieser Stunde ihre Weihe gefunden haben, nicht nur der Erinnerung an die Blutzeugen der Vaterlandsliebe dienen, sondern auch zur Vaterlandsliebe entflammen. So wie unsere toten Kameraden vom ersten Tage des Krieges an ihre Pflicht alle mutig und überzeugungstreu erfüllt haben, so wollen auch wir weiter unsere Pflicht tun, treu und in unbegrenzter Liebe zu unserem Vaterland. So wollen auch wir weiterhin eine einwandfreie patriotische Gesinnung an den Tag legen, treu unserem hingemordeten Führer Dr. Dollfuß, treu der österreichischen Idee, für die er den Märtyrertod fand, freudig mitarbeiten am Wiederaufbau des Vaterlandes und getreu der Sendung unserer österreichischen Kultur, unsere ganze Kraft einsetzen für ein freies, glückliches Oesterreich. Der in Vertretung des Bundeskanzlers Doktor v. Schuschnigg erschienene Reichsführer-Stellvertreter der Ostinärkischen Sturmscharen, Major a. D. Dr. Kimmel, hielt eine zündende Ansprache: Wir Ostinärkischen Sturmscharen sind heute gekommen und haben einen Lorbeerkranz an den Grabsteinen der gefallenen jüdischen Helden niedergelegt, zum Zeichen, daß jenen Helden diese Ehrung zukommt, daß allen, die für Oesterreich gefallen sind, diese Ehre gebührt. Und so wollen die Ostmärkischen Sturmscharen heute bei der Weihe dieser Gräber versichern, daß wir in alter österreichischer Kameradschaft verbunden sind und bei -allen jenen stehen, die gewillt sind, das Lied vom alten Kameraden hochzuhalten, welches sagt, daß wir marschieren wollen im gleichen Schritt und Tritt, so wie •wir draußen gemeinsam miteinander gekämpft haben. Steine sprechen, die Steine sollen Zeugnis geben, daß Iiier Helden ein Denkmal gefunden haben, jene Helden, die in Oesterreichs Geschichte verankert sind, wie auch heute, wie seit eintausend Jahren, Männer bereit sind, für Oesterreich zu leben, und wenn es sein muß, für Oesterreich zu sterben. Und so grüße ich euere toten Kameraden, die auch unsere Kameraden sind, ich grüße -sie nicht nur selbst als alter Frontsoldat, sondern auch namens aller unserer Frontsoldaten, ich grüße sie im Namen jener Helden, die bereit waren, ihr Blut für die Heimat hinzugeben, mit dem Gruße, daß Oesterreich ewig stehen wird, und diese Worte wollen wir verbinden mit dem Wunsch unserer Bundeshymue: Gott -mit dir, mein Oesterreich! Bemerkenswert waren die Ausführungen des Präsidenten des „Schwarzen Kreuzes", Generalmajor Hoppe, der sich auf Grund seiner Erfahrungen in einer ausführlichen Rede mit den hervorragenden Leistungen der jüdischen Soldaten im Weltkriege befaßte. Generalmajor Hoppe schloß seine hochinteressante Rede, in der er u. a. von seiner eigenen Lebensrettung durch einen jüdischen Fähnrich erzählte, mit der Erklärung: Es geht nicht an, daß bei eigener Verbitterung wegen Wirtschaftsnot eine solche Ungerechtigkeit gegen jüdische gefallene Kameraden Platz greift, die es nicht schlechter als andere verstanden haben, für Gott und Vaterland zu sterben. Wie viele kenne ich persönlich, die ihre einzigen Söhne, Stützen ihres Alters, verloren haben. Jüdische Kameraden, die hier auf dem Gottesacker ruhen, nicht nur hier, sondern auf allen Militä.rfriedhöfen, wo eure Gräber nicht von Heimaterde bedeckt sind, ich habe <5s als meine Ehrenpflicht gehalten, euch dies zu sagen, ruhet sanft, bis der Tod unsere Kameradschaft vereint! Als letzter der offiziellen Persönlichkeiten sprach Generalmajor Jaschke, der Präsident des Heldendenkmalkomitees: Die Gedenkfeier, die wir heute gesehen, ehrt unsere Toten, aber sie ehrt auch jene, die Treue mit Treue vergelten. In treuer Kameradschaft wurden vom Bund jüdischer Frontsoldaten 100 Kriegersräber errichtet und die Namen der Kameraden der Vergessenheit entrissen. So lange wir sie hegen und pflegen, werden sie für uns nicht gestorben sein, denn ihr Gedächtnis lebt weiter. Sie bleiben uns nahe, immer und immer wollen wir zu ihnen kommen und ihrer gedenken und ihnen danken für die Opfer, die sie gebracht haben. Die Erde werde ihnen leicht! Das Heldendenkmal, das vor acht Tagen auf dem Heldenplatz eingeweiht wurde, umfaßt das Gedenken an unsere großen Toten, die kaiserliche Armee und an alle lebenden und toten Helden, welcher Zunge und welcher Konfession sie auch angehören. Auf den Wänden des Heldendenk- 'males als auch in den Büchern finden Sie die Namen jener Helden, die für Oesterreich gefallen, gleichgültig, woher sie kamen und wer sie waren. Dieser Allgemeinheit haben wir auch dahin Ausdruck gegeben, daß die eine Halle als neutraler Raum für alle Konfessionen immer dazu dient, damit aller gedacht werden kann, die auf den Schlachtfeldern gefallen sind. Bundesführer-Stellvertreter Dipl.-Kaufmann S t iaßny forderte hierauf zur Kranzniederlegung auf. Nach der Kranzniederlegung spielte, die Musik das Lied „Ich hatt' einen Kameraden", worauf unter den Klängen der Bundeshymne die Feier ihren Abschluß fand. Die Defilierung erfolgte diesmal auf der Simmeringer Hauptstraße. Vor dem Generalmajor Klepsch und dem Bundesführer Hauptmann v. Friedmann defilierte zu den Klängen der von der alten Deutschmeisterkapelle gespielten Parademärsche eine Kompagnie des Bundesheeres des LR. 3 unter Kommando des Majors Adolf und drei Regimenter des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" in der Stärke von 3000 Mann unter dem Kommando des Bundesführer- Stellvertreters Diplomkaufmann S t i a ß n y. Wohl noch nie hatte Wien eine derartige Anzahl stramm in Reih und Glied marschierenden Juden gesehen. Man sah unter.den Defilierenden, von denen ein großer Teil die kleidsamen Uniformen des „Bund jüdischer Frontsol- daten Oesterreichs" trug, Männer im besten Alter und Greise mit weißen Haaren Es gab wohl keine bessere Widerlegung der immer wieder auftauchenden Behauptungen, daß die Juden im Kriege ihre Pflicht nicht erfüllt hätten. Die Feier, deren tadellose Organisation auffiel, war in ihrer schlichten Würde sicherlich geeignet, allen Oesterreichern vor Augen zu führen, wie viel die österreichische Judenschaft für das gemeinsame Vaterland in der Stunde der Gefahr geleistet hat. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL wmi ol, BiRaaAssa nr. i» hiuui xviii., wAmuNarasiwuas n Telephon Nr. A 17-349 and A 1S-3-34 Lteterwt für HallamtaHw AbteilungetiffirKoscherfleisch ■mter JIvfsioM 4mm ahpw Isr. KaHMQmmiml» Sämtliche Fleischsorten von ausschlltflllcb PriaM-Qaalität zu den billigsten Marktpreis«« Der Legislative Council droht. In besserem rituellen Hause wird junges Mädchen als Pensionärin mit Familien- Anschluß aufgenommen. Auskunft: vormittags Telephon R 46-6-66 Nach Nachrichten aus sicherer Quelle wird die Frage der Schaffung eines Legislative Council in Palästina bei den Beratungen des High Commissioners mit der Britischen Regierung während des gegenwärtigen Besuches des High Commissioners in London in den Monaten September und Oktober behandelt werden. Bei diesen Beratungen wird die endgültige Entscheidung über den Plan der projektierten verfassungsmäßigen Veränderungen in Palästina und über den Zeitpunkt der Einführung dieser Veränderungen fallen. Im Zusammenhang ^^^^^■■^^^■■■^^■■■■^^■■■■■■■■MIA Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführungvon Malerarbeiten jeder Art II., Rolenkreuzga»»e 3_Tel. A 45-5-37 hiermit verlohnt es sich, einen kurzen Ueberblick über den bisherigen Verlauf der Ereignisse in der Frage des Legislative Council zu geben. Die Frage des Legislative Council für Palästina tauchte zum erstenmal hn Jahre 1922 auf, als im Weißbuch des damaligen Kolonialministers Churchill und des seinerzeitigen palästinensischen High Commissioners Sir Herbert Samuel die Schaffung eines Legislative Council proklamiert wurde. In jener Zeit zählte die jüdische Bevölkerung Palästinas 83.000 Seelen, d. h. 11 Prozent der Gesamtbevölkerung Palästinas. Im Legislative Council sollten die Juden in der Gesamtzahl der 12 gewählten Mitglieder zwei Plätze erhalten. Die damalige Exekutive der Zionistischen Organisation beschloß einstimmig, das genannte Weißbuch und den vorgeschlagenen Legislative Council anzunehmen. Als Ergebnis dieses Beschlusses beteiligte sich der Jischuw an den Wahlen zum Legislative Council. Dieser kam jedoch nicht zustande, weil die Araber ihn boykottierten und die Beteiligung an ihm ablehnten. Nach Verlauf einiger Jahre rollte die Mandatarmacht die Frage des Legislative Council erneut auf und als der damalige High Commissioner C h a n c e 1lor im Sommer 1929 in London war, nahm die britische Regierung den Beschluß an, die erforderlichen Schritte zur Verwirklichung des Projektes zu unternehmen. Die Vorbereitungen wurden jedoch infolge der blutigen Ereignisse vom August 1929 unterbrochen. Im Weißbuch Passfields vom Jahre 1930 wurde der Beschluß der Regierung, eine, gesetzgebende Instanz in Palästina zu schaffen, erneut proklamiert. Der Brief des Premierministers MacDonald an Dr. W e i zm a n n wurde durch die britische Regierung als authentische Interpretation des Passtield-Weißbuches hinsichtlich der Fragen, die in diesem Briefe berührt werden, erklärt. Hinsichtlich der Punkte des Weißbuches jedoch, die in dem Macdonald-Briei nicht berührt werden, blieb der ursprüngliche Text des Weißbuches in Kraft. Eine der Fragen, von denen der MacDonald- Briet überhaupt nicht handelt, ist die Frage des Legislative Council, und diese Frage blieb daher unverändert, so wie sie im Weißbuch Passfields formuliert wurde. Bei der Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes im Jahre 1932 erklärte der gegenwärtige High Commissioner Wauchope auf die Frage des Vertreters Großbritanniens, Lord Lugards, daß die Zusicherung der britischen Regierung hinsichtlich der Schaffung eines Legislative Council in Palästina in Kraft bleibe» und daß die Regierung, sobald die Wahlen zu den Stadtverwaltungen nach dem neuen Gesetz durchgeführt sein würden, an die Erfüllung dieser Zusicherung herantreten würde. Nach dieser Erklärung des High Commissioners in Genf erklärte Dr. Chajim Arlosoroff s. A.. der damalige Leiter des politischen Departments der Jewish Agency in Jerusalem auf einer am 7. Dezember 1932 abgehaltenen Presse-Konferenz zur Frage des Legislative-Council u. a. folgendes: „Man hat berichtet, daß die Exekutive der Jewish Agency der Regierung erklärt haben solle, daß sie sich dem Plane der Schaffung eines Legislative Council nicht widersetzen, oder wenn sie es sogar tun werde, gegen den Plan nicht kämpfen werde. Diese Nachricht ist vollständig erlogen." In seinen weiteren Ausführungen stellte Dr. Arlosoroff fest: „Bei der Sitzung des Zionistischen Aktions-Komitees und des Administrative Committee im Jahre 1930 wurden der Exekutive interne Weisungen erteilt, deren Inhalt in folgender Form resümiert werden kann: Infolge der grundsätzlichen Aenderungen der politischen Situation, die im Lauie der letzten Jahre eingetreten ist, ist nicht anzunehmen, daß die seitens der Zionistischen Organisation zur Frage des Legislative Council im Jahre 1922 gegebene Zustimmung für uns auch heute noch gültig ist. Abgesehen hiervon hat bekanntlich der Präsident der Zionistischen Organisation aur dem letzten Kongreß innerhalb seiner prinzipiellen Erklärungen erklärt, daß wir nach einer solchen Ordnung in Palästina streben, bei der kein Volk das andere in Palästina beherrschen kann. Diese Formel muß im Zusammenhang mit der gegenwärtig behandelten Frage unterstrichen und als Feststellung aufgefaßt werden, daß wir als Grundlage iür Verhandlungen keinerlei konstitutionelles Projekt anerkennen können, das nicht auf dem Grundsatz völliger Gleichheit beider Völker beruht." Die von Dr. Arlosoroff in seinen Ausführungen herangezogenen Beschlüsse der höchsten Instanzen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. die eine völlige Gegnerschaft gegen das Projekt der Schaffung eines Legislative Council in der vorgeschlagenen Form zum Ausdruck brachten, wurden auch bei der letzten Tagung des Zionistischen Aktions-Komitees in Jerusalem wiederholt und bestätigt. Sie dienten auch als Richtlinien für die Vertreter der Exekutive der Jewish Agency bei ihren gegenwärtigen Unterhaltungen mit der Palästina-Regierung. Nach allen Anzeichen hat die englische Regierung jetzt die Absicht, im Einklang mit der früher erwähnten Erklärung des High Commissioners in Genf vorzugehen, und da die Wahlen zu den Stadträten in Palästina vor ihrem Ende stehen, beabsichtigt die Regierung anscheinend, bereits im Laufe des nächsten Winters Feststellungen über die Grundlagen des Legislative Council in Angriff zu nehmen. In der arabischen Presse wird über die Frage, ob sich die Araber am Legislative Council beteiligen sollen oder nicht, eine große Diskussion geführt. Die Gegner einer Beteiligung behaupten, daß der Legislative Council in Wirklichkeit nur eine beratende Körperschaft sein und daß eine ganze Reihe wichtiger Fragen überhaupt nicht zu seiner Kompetenz gehören wird. Trotzdem ist die Mehrheit der arabischen öffentlichen Meinung für eine Beteiligung am Legislative Council, und es sind dort starke Gewissensbisse über die gegnerische Haltung der Araber zu dem Legislative Council im Jahre 1922 erkennbar. Mitglieder der Londoner und der Jerusalemer Executive der Jewish Agency halten gegenwärtig in London gemeinsame Beratungen ab, die der Frage der Stellungnahme zu der von der Mandatsregierung geplanten Errichtung eines Legislative Council für Palästina gewidmet sind. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist die gesamte Exekutive entschlossen, nicht nur den Plan der Schaffung eines Legislative Council kompromißlos zu bekämpfen, sondern auch den Council, wenn er errichtet werden sollte, zu boykottieren. Man befürchtet jedoch, daß gewisse Elemente des Jischuw, die in Opposition zur Exekutive stehen, ihre Wortführer in den Council entsenden werden, falls der High Commissioner sie hierzu einladen sollte. Es wurden Erwägungen, angestellt, wie man dieser Eventualität begegnen könnte. Das Organ der Exekutive „New Judea" schreibt hierzu: „Die jüdische Bevölkerung Palästinas und die gesamte Judenheit werden nicht ihre Hand dazu reichen, daß ein Altar errichtet wird, auf dem ihre Rechte auf ein Nationalheim geopfert werden. Mag der Legislative Council ohne jede jüdische Mitwirkung; geschaffen werden, es ist aber schwer, sich vorzustellen, wie dies geschehen könne, ohne daß das Mandat verletzt wird," X.