Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 36-37 (9.9.1934)
- Date
- 1934-09-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DIE WAHRHEIT Es ist bei der Bedeutung des Werkes wohl kaum zu bezweifeln, daß dem Herausgeber bei der jüdischen Welt jene Unterstützung zuteil werden wird, die es ihm ermöglicht, seine Arbeit fortzusetzen. Roman der Rassenverfolgung. Kurt Sonnenfeld, der bekannte Autor einer Reibe packender Zeitromane, hat mit seinem neuesten Werk „Sanatorium der verwandelten Gesichter" (Verlag: Der literarische Zeitspiegel, Wien 11., Leopoldsgasse 6—8) ohne Zweifel einen Volltreffer erzielt Er sucht darin dem Problem des Rassenwahns auf besonders originelle Weise beizukommen, und es gelingt ihm vorzüglich. Seine ganze Empörung gegen die Schande der Rassenverfolgungen kommt darin vehement zum Ausdruck. Es gelingt ihm in seiner bekannten überlegenen Darstellungsform, der blutbefleckten Visage des Rassenfanatismus die Maske heuchlerischer Wissenschaftlichkeit herunterzureißen und sie als das zu entlarven, was sie in Wirklichkeit ist. Die Hauptfigur des Romans, der berühmte Professor Selbe, anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Gesichtschirurgie, macht als Opfer des Dritten Reiches den Leidensweg so vieler Geistesgrößen durch, die den neuen Herren des Landes durch ihre gerade und aufrichtige Gesinnung lästig geworden sind. Er hat sich nichts anderes zuschulden kommen lassen als die gewissenhatte Ausübung seines Berufes und die internationale Berühmtheit seines Namens. Er half Tausenden von Menschen, die seine große Kunst aus irgendwelchen Gründen in Anspruch nehmen mußten. Er verwandelte die Physiognomien der Menschen und mußte sich darum als Nichtarier den Vorwuri des Rassenverrats gefallen lassen. Bespien, angeprangert, besudelt floh er über die Grenze und erreichte im fremden Lande, was ihm in seinem eigenen versagt war: Anerkennung und Hilfsbereitschaft An diesem Sujet das den. sicheren Aktualitätssinn des Autors verrät entrollt sich die Hintergründigkeit des ganzen Problems in der anschaulichsten Weise. Was bleibt denn im Grunde von der aufgeblasenen Rassentheorie noch übrig, wenn die ärztliche Kunst heute imstande ist die wesentlichen Rassenmerkmale eines Menschen nicht nur.auszulöschen, sondern gar in andere umzuwandeln?! Daß der Autor die Frage von dieser Seite her aufzurollen sucht, ist das Wesentliche dieses Werkes, denn dadurch trifft es den Kernpunkt des Problems und enthüllt unerbittlich die ganze innere Hohlheit und die wurmstichige Ungelehrsamkeit der sogenannten Rassentheorie. Ueber die bloße Tagesaktualität hinaus greift die Negerszene des Romans, in der ein junger Farbiger der südamerikanischen Staaten von der fanatisierten Menge gelyncht wird, in die Bezirke dichterischer Gestaltung und vermittelt dem Leser ein Erlebnis von grauenhaft starker Wirkung. Kurt Sonnenfeld verbindet in diesem fesselnden Roman Leidenschaftlichkeit des Vortrags mit prägnanter Formgebung. Es ist das Buch eines Dichterjournalisten, das man in einem Zuge bis zur letzten Zeile durchliest, um es dann noch einmal in Ruhe anzufangen. Sb. Rhythmik und Sfrophik der Bibel? Ein Schriftsteller, der nicht genannt sein will, ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Im August 1930 hat mir Dr. Jehosuah Gottesmann erklärt, er arbeite an einer ihm aufgetauchten Idee, die Bibel sei ursprünglich in Strophen gehalten gewesen und dann erst in die gegenwärtige Form umgewandelt worden: er versuche, durch eine, entsprechende Rekonstruktion verschiedener Stellen und Analyse einer seiner Meinung nach bestehenden Rhythmik der Bibel seine Ansicht zu stützen. Ich verwies auf die infolge Ersatzes der Vokale durch Nekudes sich ergebenden So versprechen wir ihm, dem vorgenannten Joseph De la Penha und seinen Nachfolgern, Unseren Schutz und Unsere Unterstützung in Bezug auf den vorgenannten Besitz als Unserem Vasall gegen jede Not und Störung. Ausgefertigt zu Het Lo, am 1. November 1697. William R. Auf Anordnung seiner Majestät in Abwesenheit des Sekretärs: gez. William van Hüls". Es ist anzunehmen, daß diese Schenkung auf Grund eines Darlehens erfolgt ist das De La Penha dem König William seinerzeit gemacht hat Wahrscheinlich als Ausgleich wurde ihm dieses Dokument und damit das Land Labrador übergeben; daß diese Uebergabeund Besitzergreifung durch die Familie De La Penha Tatsache geworden ist geht aus einer Anzahl weiterer Dokumente hervor. So wurde z. B. eines gefunden, in dem David De La Penha einem Schiffsbesitzer verbietet an den Küsten des Landes der De La Labradors. Netze auszulegen, um zu fischen, da nur er als Besitzer das Recht hierzu habe. In einem Testament Joseph De La Penhas, in dem er sein Vermögen seinem Sohn David vermacht, wird der Wert dieses Gebietes mit 12.000 Gulden angegeben . . . . . . und heute ist der Wert dieses Territoriums auf an die 60 Millionen Dollar gestiegen. Es ist also nur zu leicht verständlich, daß die Familie De La Penha — im Verein mit dem smarten Mr. Lee Friedmann bemüht ist dieses Land wieder in ihren Besitz zurückzubringen. Mit typisch amerikanischer Geschäftstüchtigkeit ist bereits eine Aktiengesellschaft gegründet worden, deren Majorität in den Händen der Familie De La Penha liegt und an der sich auch eine Reihe führender amerikanischer Großbanken beteiligt haben. . Daran hatte William III. wohl nicht gedacht! Immerhin wird es interessant seirj. den Verlauf dieses Prozesses, der in den nächsten Monaten in London verhandelt werden soll, zu beobachten. Dieser sensationellste und aufsehenerregendste Prozeß, der ProzeßumLabrador... Harry Farbig. Schwierigkeiten eines entsprechenden einwandfreien Nachweises. Gottesmann sagte mir, es verursache ihm aus eben diesem Grunde viel Arbeit Ich erwähnte auch, daß man beim Versuche, ganz unpoetische Prosastellen irgend welcher Bücher oder Zeitschriften rhythmisch zu gliedern, sehr oft positive Ergebnisse zeitigen könnte. Eine von ihm mir angebotene Einsichtnahme in die Arbeiten lehnte ich aus verschiedene^ Gründen ab und empfahl ihm, falls er sich zur Ueberzeugung von der Richtigkeit seiner Vermutung durchringen sollte, die Ouintessenz seiner Idee zu veröffentlichen und dann zur ausführlichen Arbeit zu schreiten. Er war gegen eine teilweise Publikation und sagte mir, er wolle seine Idee mit Prof. Torczyner in Berlin besprechen. Nach etwa 6 Monaten erzählte er mir. daß sich Prof. Torczyner sehr lobend über seine betreffenden Arbeiten geäußert und bereit sei, ihn im Rahmen der Publikationen der Hochschule für die Wissenschaft des Judenrums mit einem entsprechenden Artikel gewissen Umfanges zu Worte kommen zu lassen, daß es ihm jedoch wegen Krankheit unmöglich sei. an der Sache hinreichend zu arbeiten. Einige Monate später starb Dr. Gottesmann. Ich empfahl den Personen, die über den Nachlaß verfügen, die Sache nach Sichtung durch berufene Kreise erscheinen zu lassen; da es aber zweifelhaft ist. ob dies jemals geschehen wird, möchte ich eine möglicherweise ganz oder teilweise richtige Idee auf diesem Wege lebend erhalten. Hygiene des Judentums. Vor wenigen Tagen ging durch verschiedene Tagesblätter die Notiz, daß am 23. August 1748, also vor 150 Jahren, Kaiser Josef IL die Verordnung erließ, daß alle innerhalb der Städte befindlichen Friedhöfe in Oesterreich aufgehoben und neue, von den bewohnten Ortschaften angemessen entfernt gelegene Friedhöie angelegt werden sollen. Diese kaiserliche Entschließung, eine der bedeutendsten reformistischen Taten Josefs II., hatte nicht allein in kulturhistorischer, sondern auch in hygienischer Beziehung eine Umwälzung in ganz Oesterreich zur Folge. Denn bis zu jener Zeit wurden bekanntlich die Leichen teils in den Grüften innerhalb der Kirchen, teils auf den die Kirchen umschließenden Friedhöfen beerdigt Allerdings dauerte es noch Dezennien, bis dieser bedeutungsvolle Erlaß Josefs II. zur allgemeinen Durchführung kam. Demgegenüber können wir Juden mit berechtigtem Stolze darauf hinweisen, daß schon ungefähr 1500 Jahre früher aus dem Talmud die religiöse Vorschrift erfloß, daß Begräbnisplätze nicht näher als 50 Ellen zur Stadt und noch weniger in der Stadt selbst angelegt sein durften, ein aus hygienischen Gründen sehr vernünftiges Gesetz. Sehr richtig wird im Traktat Kethuböth 20 b bemerkt: „Liegt die Stadt nahe zum Friedhofe, kommt mit der Zeit alles auf den priedhof." Auch auf offener Straße durfte kein Grab liegen und man nannte ein solches Grab im Hinblick auf die sanitätswidrige Wirkung ein das Publikum schädigendes Grab. In diesem Zusammenhang $ei -feiysc-. daran erinnert daß auch Gerbereien und sonstiges schmutziges Gewerbe fern von der Stadt gehalten werden müßten, damit die Einwohner der Stadt nicht in ihrer Gesundheit geschädigt würden. So zeigt sich in diesen' hygienischen Vorschriften, die noch vervielfältigt werden könnten, die sittliche Höhe des Judentums; denn so manche auf die Gesundheit und die Hygiene bezughabenden Entschließungen und Vorschriften der neueren Zeit haben ihr Vorbild und ihre Durchführung bereits in Bibel und Talmund gefunden. Rabb. Dr. Alfred W i 11 m a n n, Nikolsburg. Ladislaus Takäcs: Der Ungar in. der Welt. (Verlag Dr. Georg Vajna & Co., Budapest, 1934, 4°, 364 S.) Ein Buch, das nicht von Juden handelt, das das Wort Jude ängstlich meidet und das in seiner Gänze doch fast als ein Ehrenbuch der Judenheit angesprochen werden kann. Der Verfasser, gewesener Bankdirektpr, der in Wien lebt nennt es einen „Versuch, ungarisches Lebenswerk in knappen und deutlichen Umrissen zu schildern". Mit verblüffender, vielseitiger Versiertheit läßt er Hunderte von Lebensgeschichten und Geschicken an uns vorüberziehen, deren Bedeutung, deren Wirken und Schaffen er mit feinfühliger, farbiger Feder zeichnet. Und wie es auf jeden Leser als überraschende Offenbarung wirken muß, welche Fülle von Talenten diese kleine Nation der kulturellen Aufbauarbeit der Menschheit geliefert hat, so freut es uns. unier den Vertretern sämtlicher Kulturgebiete eine den Prozentsatz des numerus clausus weit übersteigende Anzahl von Juden und gewesenen Juden anzutreffen; meiner Schätzung nach fast ein Drittel sämtlicher im Buch erwähnten Personen. Man lese das Kapitel über Aerzte oder Ingenieure, über Maler und Musiker, über Bühnen- und Filmkünstler. über Wirtschaft, Sport oder Journalistik, man beachte die reichen Tabellen von Chemikern, Mathematikern, Rechts- und Sprachgelehrtendie die Lehrstühle ausländischer Hochschulen bevölkern, und wahrlich, nicht die Unbedeutendsten von ihnen sind es, in denen wir Glaubensgenossen erkennen. Ihr Name, ihre Position, ihre Leistungen haben den Nimbus des Vaterlandes vermehrt, dem sie mit unerschütterlicher Treue anhängen: mögen, aber auch wir Juden darauf stolz und selbstbewußt sein, daß sie zu uns gehören, daß jüdischer Geist jüdisches Wissen und Wollen in ihnen form- und wertebildend tätig war. Dr. A. Fürst Budapest. Können wir an einen persönlichen Gott glauben? Die Frage bespricht L. Lubasch in dem soeben erschienenen Heft 4 der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Besonders lehrreich ist sein Nachweis, daß bereits die Religionsphilosophen des Mittelalters einen Gottesbegriff ausgebildet haben, der sich von jedem Anthropomorphismus freihält und dabei den Ansprüchen der Religion genügt: der Lösungsversuch, zu welchem die Lage der Gegenwart anregt, liegt in verwandter Richtung. Unter den Verfassern der fachwissenschaftlichen Aufsätze des gleichen Heftes finden wir Männer wie Baeck. Buber, Julius Guttmann: insbesondere wird Bubers Behandlung der zweiten Responsion der Ke- Redaktion und Administration „Die Wahrheit" entbieten allen Mitarbeitern, Abonnenten und Inserenten die herzlichsten Wünsche mit der Bitte, auch im neuen Jahre dem Blatte gleich treue Gefolgschaft wie bisher zu leisten. duscha (mit ihrem auf Zeitströmungen anspielende» Schluß) auch weitere Kreise interessieren. Der größte Teil der Beiträge ist I. Elbogen zum 60. Geburtstage gewidmet Man abonniert die „Monatsschrift", indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von Mk. 10.— an die Gesellschaft (Postscheckkonto: Berlin Nr. 7030) sendet. Die jüdischen Eltern werden heuer den Bedarf für Schulbücher ihrer Kinder in jüdischen Buchhandlungen decken: voran steht da die bekannt kulante Buchhandlung des Herrn Hermann Tuchner, II., Große Stadtgutgasse 1, Ecke Taborstraße 52. Streicher „wirbt" im Auslände. Trotz des in Deutschland bestehenden Verbotes, Julius Streichers Nürnberger Wochenschrift „Der Stürmer" ins Ausland zu bringen, versucht Streicher auf eigene Faust — oder sollte das- Verbot aufgehoben sein? — den „Stürmer" im Ausland zu verbreiten. Dafür zeugt das folgende Werbeschreiben des „Stürmer"-Ver!ages an einen Prager Zeitungsverschleiß, das gewiß auch an viele hunderte Zeitungsverschleiße im Ausland gerichtet worden ist. Der Brief trägt den Kopf: „Der Stürmer, Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit. Herausgeber: Julius Streicher" und die Fuß-Zeile: „Ohne Lösung der Judenfrage keine Erlösung des Deutschen Volkes!" und hat folgenden Wortlaut: Verlag GR./Me. Nürnberg-A. 16. August 1934 Pfannenschmiedsgasse 19. An den Zeitungsverschleiß Vaclavske Nam. Prag II. Die ganze Welt ist interessiert an der „Emigranten» frage". Heraufbeschworen wurde diese Frage durch die heimatlosen, nicht bodenständigen Juden, die heute da und morgen dort zu Hause sind, die jedem Volk zur Last fallen. Wer diese „Emigranten" sind und wie sie sich in Deutschland aufgeführt haben und heute noch aufführen, das wird mit einer seltenen Offenheit und Rückhaltlosigkeit in unserer Rassenkampf-Wochenschrift „Der Stürmer" veröffentlicht Jeder, der auch nur geringe Sympathien für Deutschland und seinen heroischen Kampf gegen AHjuda hat, wird uns verständnisvoll in unserem Kampfe unterstützen. Bitte bestellen Sie bei uns eine entsprechende Anzahl des „Stürmer", der zweifellos in Ihrem Lande guten Absatz finden wird. Heil Hitler! Verlag „Der Stürmer" (Unterschrift). Der „Panarische Weltkongreß" verschoben. Wie der „Völkische Beobachter" mitteilt, ist der für September in Aussicht genommene „Antisemitische und panarische Weltkongreß" verschoben worden. Man verhandelt mit einer Gruppe, die in Brüssel einen ähnlichen Kongreß vorbereitet hatte, zwecks Zusammenlegung beider Veranstaltungen. Anreger des „Panarischen Weltkongresses" ist bekanntlich Julius Streicher. nufiitnisdics ffönlgsllchf Wmmmmmmmmmmmmm fSeit vielen Jahren das anerkannt Irzjilli 9«*. geich. Mark« „Hyglen. KSnfgsllcht" Braun hirschengaasaa 3