Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 36-37 (9.9.1934)
- Date
- 1934-09-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064504-3064539--19902-3085089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DffiWA i! itlJ Seite IS Grone Jddisdie Nationai-DiograpMe von S. WlDlDlEer in 6 Lexikonbtaden komplett erschienen. Ein Nachtragsband erscheint demnächst. Dieses mit Unterstützung zahlreicher Wissenschaftler aus alter Welt verfaßte Werk enthalt aber tO.0.4) Lebensbeschreibungen namhafter jud. Männer und Frauen aller Zeiten und Lander und liefert wie kein ähnliches Werk den Nachweis des Beitrages der Juden zur Kcltur der Menschheit. Deshalb soll es in keinem jud. Haus fehlen. Es kostet in 6 eleg. Hilblederbänden bei direkter Bestellung durch den Herausgeber S. Wtninger, Cernauti, anstatt wie bisher 8 275.— nur S 2C0.—. Verlanget Prospekte. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien 1- Kohlmessersasse 4, Tel U 27-0-65. Aus der braunen Hölle. Die Zahl der aus Deutschland seit dem Regierungsantritt Hitlers ausgewanderten Juden beträgt nach einer Mitteilung des Preußischen Pressedienstes 65.000. Davon sind 21.000 nach Frankreich gegangen, 10.000 nach Palästina, S000 nach Polen, 4000 in die Tschechoslowakei, je 3000 in die Vereinigten Staaten, nach Holfand, in die Schweiz und in die skandinavischen Länder, je 2000 nach England und nach Belgien und 6000 in andere Länder. « Anläßlich der Veröffentlichung des Berichtes der Westdeutschen Karnhof A.-Q. (vorm. Leonhard Tietz A.-G.) in Köln für 1933/34, in dem zum erstenmal seit Bestehen der früher hoch rentablen Gesellschaft ein Verlust — in der Höhe von 5,84 Millionen — und ein Umsatz rückgang von 28% ausgewiesen wird, werden nochmals die Namen der aus den leitenden Körperschaften der Gesellschaft ausscheidenden Mitglieder bekanntgegeben. Es sind dies die bisherigen Vorstandsmitglieder Franz Levy und Julius Schloß und die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder R.-A. Dr. Fliel, Köln. Kommerzienrat Theodor Theodor Frank. Berlin (DD-Bank), und der frühere Generaldirektor Dok.tor A. L. Tietz, Amsterdam. Damit und durch Bestellung neuer stellvertretender Vorstandsmitglieder wird, wie es in dem Bericht heißt, die seit dem Frühjahr 1933 im •Gang befindliche Neuordnung der Führungsverhältnisse abgeschlossen. Palästina-Nachrichten. Die Palästinaregierung teilt mit. daß sie jetzt im Begriffe sei, eine mit den nötigen Schiffen ausgestattete See-Schutzkraft zur Verhütung illegaler Landungen an der Palästina-Küste in den Dienst gestellt, die zu Pferde und zu Fuß den Patrouillendienst gegen illegale Einwanderer längs der- Landgrenzen in einer intensiven Weise versehen wird. Einheiten des transjordanischen Grenzheeres werden mit der Polizei im Patrouillendienst längs der nordöstlichen Grenze zusammenarbeiten. Alle diese Maßnahmen wurden, wie mitgeteilt wird, vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope dem Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister unterbreitet und von diesem gutgeheißen. * Der Eigentümer und der Kapitän des griechischen Dampfers „ionian" hatten sich vor dem Jaffaer Distriktsgericht unter der Beschuldigung, illegale jüdische Einwanderer nach Palästina gebracht zu haben, zu verantworten. Das Jaffaer Distriktsgericht unter dem Vorsitz des englischen Hauptfriedensrichters Commander Bodilly verurteilte den Eigentümer der „Ionian" zn sechs Monaten Gefängnis und 100 Pfund Geldstrafe, den Kapitän zu drei Monaten Gefängnis und 50 Pfund Geldstrafe. Das gleiche Gericht verurteilte drei Juden, Lehrer für Körperkultur auf dem Messegelände von Tel Aviv, unter der Beschuldigung der Beihilfe bei der Landung von 17 Juden, die mit der „Ionian" kamen, zu 50 Pfund Geldstrafe. Die 17 illegal gelandeten Juden wurden des Landes verwiesen. Die vom Gericht verhörten Polizeibeamten behaupteten, daß viele andere illegale jüdische Einwanderer mit der „Ionian" eintrafen und an Land gehen konnten, ohne von der Polizei gefaßt worden zu sein. * Das Regierungsdepartement für öffentliche Arbeiten führt gegenwärtig in Tel Aviv und in der Umgebung der Stadt Arbeiten aus, bei denen eine Anzahl arabischer Arbeiter aus Aegypten und dem Hauran, jedoch kein einziger palästinensischer Jude beschäftigt werden. * Die Zentrale der Poale Agudas Jisroel ist im Begriffe, einen langgehegten Plan zu realisieren; die Errichtung eines eigenen Heimes, das den einwandernden orthodoxen Chaluzim erste Unterkunft bieten soll. Dem Heim soll eine Synagoge und Bibliothek angegliedert werden. Die Ausführung des Planes wird durch die großzügige Bodenschenkung eines nicht genannt sein wollenden Agudisten ermöglicht. Hilferuf der jüdischen Blinden. Der Hilfsverein der jüdischen Blinden, Wien IL, Rembrandtstraße 18 (Tel. Nr. A 47-2-77), der auf eine dreißigjährige segensreiche Tätigkeit für die notleidenden jüdischen Blinden zurückblickt, ist infolge der wirtschaftlichen Krise der letzten Jahre und infolge der großen Zahl der seine Unterstützung in Anspruch nehmenden, in Not geratenen Blinden aller Barmittel entblößt. Um die Not dieser hilflosen Menschen wenigstens teilweise lindern zu können, bittet er, ihn anläßlich der hohen Feiertage mit Spenden zu bedenken. Postsparkassenkoato Nr. 133.213. Juden! Das vergangene Jahr stand im Zeichen eines furchtbaren wirtschaftlichen Kampies, der Alle schwer bedrückt hat Im harten Ringen um die nackte Existenz mußten viele Juden ihre Unternehmen und Betriebe einstellen oder einschränken. Dadurch wurden unzählige jüdische Angestellte und Arbeiter ihren Arbeitsplätzen entrissen und jüdische Handwerker mußten ihre Werkstätten verlassen. Auch die aus der Schule entlassene jüdische Jugend tindet trotz aller Umschichtungs- und Einordnungsbestrebungen überall verschlossene Türen. Schon beim ersten, ernste» Lebensschrttt werden die riottnungen der jüdischen Kinder angesichts der Aussichtslosigkeit des Erlangens einer Berufsmöglichkeit zunichte. Der jüdische „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" ist bestrebt. Arbeitslosen nach. Möglichkeit Arbeit "zu beschaffen. Jugendliche zu beraten und sie geeigneten Lehrstellen zuzuführen. Bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens haben ihre Mitarbeit zur Verfügung gestellt. So mancher schwere Schlag konnte gemildert so manche iudische Familie vor den schlimmsten Folgen der Verzweiflung gerettet werden. Alle unsere Anstrengungen sind jedoch zu schwach und zu klein gegenüber dem großen, alles zu Boden drückenden wirtschaftlichen Elend und der entsetzlichen Verarmung, von denen die Wiener Judenschaft betroffen wurde. Wenn uns ein Erfolg beschieden sein soll, so müssen alle Juden mitarbeiten. In diesen ernsten Tagen ergeht an jeden einzelnen Juden der Rur und die Gewissensmahnung, zur Erreichung unseres Zieles nach seinen Kräften beizutragen und durch Anforderung seines Bedarfes an Angestellten, Arbeitskräften aller Berufszweige und Hauspersonal, den Beschäftigungslosen Arbeit zu beschaffen. Wendet Euch immer in allen Dienst- und Arbeitsanforderungsfällen an den jüdischen „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis", Wien L, Kohlmessergasse 4, Telephon U 27=0-65. denn Ihr helfet dadurch den am Rande ihrer Existenz befindlichen Juden. Für den Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis: Konun.-Rat Karl Klemperer. Präsident des Vereines. Dr. Isidor Klaber, Obmann der Zentralkommission für soziale Fürsorge der Israel. Kultusgemeinde. Geza KHnger, Obm.-Stellv. der Zentralkommission für soziale Fürsorge der Israelitischen Kultusgemeinde. Hoirat tag. Leop. Herzka, Vizepräsident des Vereines. «ftr* Aus alter Weit. Der Prinz Georg von England, der sich soeben in Oesterreich verlobt hat, hat seit Jahren die Aufgabe übernommen, den englischen Hof in London und auch in anderen großen Städten bei jüdischen Veranstaltungen zu vertreten. Er unterzieht sich dieser Aufgabe mit einer Liebenswürdigkeit, Gründlichkeit und, soweit es die Förderung von Humanitätsanstalten betrifft, mit einer Munifizenz, die weit über das Maß dessen hinausgeht, das man selbst im liberalen England gewohnt ist. So tanzt er selbst eifrigst bei jüdischen Mittelstandsfesten und gab in diesem Jahre ein schönes Beispiel, indem er die Sekretärin eines jüdischen Vereines ostentativ oft zum Tanz aufforderte. C. Benedikt. Rom. Zum Nachfolger des vor kurzem verstorbenen Leiters des Wissenschaftlich-kriminologischen Instituts in Rom Prof. O 11 o 1 a n g h i, der Jude war, ist wieder ein jüdischer Gelehrter, Prof. Falco von der Universität Neapel, bestimmt worden. Toronto. Der jüdische Friedhof in der Pape Avenue zu Toronto. der älteste jüdische Friedhof der Stadt, wurde ge.schändet. Vierzehn Grabsteine wurden zertrümmert dreißig andere stark beschädigt. Zwei Jugendliche wurden als die Täter ermittelt und von der Polizei in Haft genommen. Die einzige Jüdische Kunststellenorganlsatlon ist die JÜDISCHE KULTURSTELLE verbunden mit dem jüdischen Bildungsreferat der Stadt Wien, IL, Aspernbrückengasse 2, Tel. R 48-2-91. Jahresbeitrag inklusive Mitteilungsblatt S 2.50. Den Mitgliedern stehen bedeutend ermäßigte Karten in fast alle Theater Wiens (einschließlich der Bundestheater) zur Verfügung. SemeindeefMEonifc. Im Josefstädter Tempelverera, VIIL, Neudeggergasse, sind noch einige wenige, restliche Karten für die Feiertage im Sekretariat erhältlich. Chewra Kadischa XIX. Vor kurzem beging die Vereinsleitung die Feier ihres 10jährigen Bestandes. Aus diesem Anlasse fand eine Festsitzung statt, bei welcher Rabbiner Dr. A. Frankfurter und der Obmann des Tempel Vereines XIX., Herr Bela Frankel als Ehrengäste anwesend waren. Vom Chewra- Vorstand erschienen die Herren: Altbach, Fröschl, Gal, Gold, Grünberger, Liebreich, Spielholz, Trnka, Weigl. Obmann Direktor Brüll begrüßte die Ehrengäste und Vorsteher und eröffnete die Sitzung mit einer feierlichen Ansprache. Rabbiner Frankfurter hielt eine festliche Rede, in der er in iesselnder Weise die Gründung und Entwicklungsgeschichte des Vereines aufrollte. Er sprach sich in lobender Weise über die segensreiche Tätigkeit aus und schloß mit Worten wärmster Anerkennung für die Vorstehung, allen voran für Obmann Brüll. Der Obmann des Döblinger Tempelvereines. Herr Frankel würdigte die Verdienste des Obmannes Direktor Brüll und seiner opferwilligen Mitarbeiter und dankte allen Vorstehern, indem er die Vereinsleitung zu ihren schönen Erfolgen beglückwünschte. Herr Weigl rühmte in kerniger Rede die objektive und zielbewußte Leitung des verdienstvollen Obmannes, dem es zu verdanken ist, daß die Sitzungen streng sachliche und einmütige Beratungen aufwiesen. Herr Altbach gratulierte gleichfalls Herrn Direktor Brüll. Der Vorsitzende, gerührt vo_rt den vielen Beweisen ehrender Anerkennung, dankte allen Rednern und Vorstehern. Trauung. Herr Samuel Fischer. Vizepräsident der Chewra Kadischa und des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk, hat sich mit Frau Julie Neumann, geb. Krakauer, vermählt. Todesfall. Der im 17. Bezirke seit Jahrzehnten ansässig gewesene angesehene Kaufmann Rudolf U rbach ist nach längerem Leiden im 72. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene, der über eine umfassende Bildung verfügte, erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Er war ein Mann von strengster Rechtschaffenheit, unermüdlichem Fleiße und fesselnder Liebenswürdigkeit. Sein warmfühlendes Herz zog ihn stets zu den Enterbten des Glückes hin und waren es insbesondere die Kinder, denen er im „Vereine der Kinderfreunde zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk" seine Fürsorge angedeihen ließ. Als langjähriger Obmann dieses Vereines hatte er sich um dessen Ausgestaltung außerordentlich bemüht. Auch andere jüdische Institutionen fanden an ihm einen eifrigen Förderer. Viele Jahre bekleidete er in der Bezirkskommission XVI—XVII die Stelle eines Schriftführers. Das Leichenbegängnis fand am 20. August am Zentralfriedhof — 4. Tor — unter zahlreicher Beteiligung aus Vereins- und Freundeskreisen statt. Die Präsidien der Chewra-Kadischah XVI—XVII und der übrigen dortigen humanitären Vereine gaben ihm das letzte Geleite. Nach Verrichtung der Trauergesänge durch Herrn Kantor Harendorf hielt dem Verstorbenen Herr Rabb. Dr. M. G. M e h r e r einen ergreifenden Nachruf. Sodann hob der Obmann der „Kinderfreunde", Herr Oberveterinärrat Heinrich R o s e n z w e i g. die Verdienste seines unmittelbaren Vorgängers hervor und dankte ihm für seine langjährige karitative Arbeit. Sein segensreiches Wirken wird im Bezirke unvergeßlich bleiben. „Hachnusas Kalu", Verein zur Unterstützung armer Bräute und Waisenmädchen (Obmann S. Buchsbaum), hat im abgelaufenen Jahre dank der intensiven und uneigennützigen Arbeit des Gesamtvorstandes und des Damenkomitees unzähligen bedürftigen Mädchen Unterstützungen gewährt Der Verein hat armen Bräuten durch namhafte Beträge zu einer Existenz verholfen, viele Waisenbräute ausgeheiratet und jenen Waisenmädchen, die durch eine Heirat nach Palästina sich dort ein Heim gründen konnten, die Reisespesen gegeben. Durch die vielen Unterstützungen sind die Vereinsmittel vollständig erschöpft. Soll der Verein weiterhin segensreich wirken und seine Pflicht erfüllen, so ist Hilfe edler .Mitmenschen notwendig. Der Verein dankt allen Spendern für die bisherigen Unterstützungen und wendet sich an diese mit der Bitte, auch in Hinkunft dem humanitären Verein ihr Wohl- Verband der Sabbatfreunde „Schomre Schabbos", Wien IL, Leopoldsgasse 16, Telephon A 46-0-15. Der Magistrat der Stadt Wien hat mit Kundmachung vom 5. September d. J.. ZI. M.-Abt. 54/4216/34, den Verschleiß von Koscher-FIeisch, -Fleischwaren, -tierischen Fetten, -Fettwaren, -Geflügel und Fischen, iin Bereiche des 2., 9., 15. und 20. Wiener Gemeindebezirkes, am Sonntag, den 9. September d. J. (Erew Rosch-Haschono) von 8 bis 10 Uhr vorm. gestattet Anläßlich der hohen Feiertage findet wie alljährlich der FESTGOTTESDIENST im Prachtsaal „Auge Gottes". IX., Nußdorferstr. 75, statt. Der Kartenverkauf findet täglich dortselbst statt. Karten von S 5.— aufw. Vorstand Blltur Chaullm IX., Llechtenstelnstr. 113 Vorstand des Tempelvereines IX., Müllnergasse