Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 36-37 (9.9.1934)
- Date
- 1934-09-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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.„ V* ftlllVIlLI 1 Spezialität» für Volle und Striokgara* Moritz Nagel Wien, Z~ Bez., Taborsfirafie Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 45-8-69 Anschließend Reden offizieller Persönlichkeiten und Delegationen. . Kranzniederlegung. Musik spielt: „Ich hatt einen Kameraden". Bundeshymne. Abblasen. Ende der Feier. Defilierang. DasJBundesheer stellt zu dieser Feier eine Ehrenkompagnie mit Musik bei. Die Städtischen Straßenbahnen haben einen besonders verstärkten Verkehr der Linie 71 zugesagt und werden zu dieser Feier die Linie 6 direkt zum Zentralfriedhof iühren. Die Generaldirektion der Bundesbahnen gewährt allen auswärtigen Teilnehmern an dieser Heldengedenkieier eine fünizigprozentige Fahrpreisermäßigung gegen Vorweis der Teilnehmerkarte in der Zeit vom 14. bis 17. September. Die Feier soll eine schlichte, aber imposante Kundgebung der österreichischen Judenheit werden, um der iiichtjüdischen Welt vor Augen zu iühren. daß der Geist jüdischer Pietät, der Geist jüdischer Solidarität und der Geist vaterländischer Gesinnung bei der Judenheit Oesterreichs stärksten Widerhall finden. Sie Können Ihres f ernannten. Bekannten und freundes In der owjeMJniOH Gut und Blut fürs Vaterland. In seinen Lebenserinnerungen „Aus der alten in die neue Zeit" ehrt der General der Infanterie Berthold v. Deimling die Haltung der deutschen Juden als Soldaten im Weltkriege mit Worten, die auch für die jüdischen Frontkämpfer Oesterreichs ihre volle Gültigkeit haben. Sie seien deshalb in diesen Tagen, da Oesterreich seinen Helden des Weltkrieges ein ehrendes Mal errichtet, wiedergegeben: „Nach der Ermordung Walter Rathenaus, eines Mannes von europäischer Bedeutung, dessen Verständigungsversuche als Außenminister gerade damals Früchte zu tragen begannen, ging eine starke antisemitische Welle durch die deutschen Lande, die mich als alten Soldaten verpflichtete, für die jüdischen Frontkameraden einzutreten. Vor allem bezichtigte man die jüdischen Kriegsteilnehmer der Drückebergerei. Ueberall seien sie zu sehen gewesen, nur nicht im Schützengraben. Nun habe ich als kommandierender General die Erfahrung gemacht, daß die jüdischen Soldaten und Offiziere ihre Pflicht und Schuldigkeit genau so getan haben wie ihre Kameraden von anderen Konfessionen. Manchem konnte ich das Eiserne Kreuz übergeben, einigen sogar das der Ersten Klasse. Ks war nicht schwer, die Vorwürfe zu entkräften, denn die Statistik redete eine zu deutliche Sprache. Danach haben 80.000 jüdische Soldaten an der Front gestanden, von denen 12.000 auf den Schlachtfeldern geblieben sind. Etwa 35.000 haben Kriegsauszeichnungen erhalten, 23.000 sind befördert worden, darunter 2000 zu Offizieren. Im Flugdienst waren viele hundert jüdische Soldaten. Der mit dem Pour le Merite ausgezeichnete und gefallene Jagdflieger Leutnant Frankl war Jude. Im ganzen haben die deutschen Juden das gleiche Blutopfer für das Vaterland dargebracht wie die anderen Konfessionen. Mir selbst ist der Fall bekannt, daß eine jüdische Witwe vier Söhne im Felde hatte, von denen drei fielen. Sie reklamierte darauf den vierten für eine Verwendung hinter der Front. Bevor ihr Antrag zur Ausführung kommen konnte, fiel auch dieser vierte und letzte Sohn. Die Judenhasser mögen sich einmal klar machen, was in der Seele einer solchen Mutter vorgeht, wenn sie immer und immer "wieder hören muß, die Juden seien Drückeberger gewesen. Als ich in dieser Zeit einmal in Nürnberg in einer demokratischen Wohnzimmer s 270— bestehend aus I' Kasten, 3türig Vollbau, 1 Lotterbett, 1 runden Tisch und 2 Fauteuils. rcpPJMMjP R.T0^^^^-22 Versammlung sprach, wurde mir zu Beginn ein Brief übergeben. Darin stand: „Herr General! Gegen Sie ist ein Attentat geplant wegen Ihrer judenfreundlichen Haltung. Man nimmt in nichtjüdischen Kreisen an, daß Sie von Juden gekauft und bestochen seien. Es würde mir leid tun, wenn Sie einer derartigen Verschwörung zum Opfer fielen. Ein aufrichtiger Kamerad und Warner — von Amim." Natürlich habe ich meine Rede genau so gehalten, wie ich es mir vorgenommen hatte, und bin erst recht warm für meine jüdischen Kameraden eingetreten." „Es geht um die Würde der Menschheit" Der Anthropologe Dr. Ignaz Zollschan, Karlsbad, führte in seinem auf der Genfer Jüdischen Weltkonferenz gehaltenen Referat über Rassefragen u. a. aus: Heute gelten im offiziellen Deutschland Rassenphilosophie, Rassenforschung und Anthropologie als identische Begriffe. Der Inhalt dieser Lehre ist folgender: Immer und überall war und ist es nur die einzige Menschenart, auf welche aile großen Leistungen, die die Geschichte der Menschheit verzeichnet, zurückgehen. Alles Schöpferische, alle Gestaltungskraft stamme aus dieser einen einzigen Wurzel. Auch die heutige Machtverteilung und zivilisatorische Expansion habe ihren Ursprung in jenem Urphänomen der einen einzigen rassengebundenen Kulturproduktivität. Sie allein habe sich von Urzeiten her bewährt, jede große historische Epoche wäre immer mit ihrem Auftauchen identisch. Ihre Wanderung und ihr Blutzuschuß bedeuten Aufstieg der Völker. Die Abnahme ihres Bluteinflusses erkläre das Sterilwerden von Völkern und den Verfall alter Kulturen. Lebensgebot dieser nordischen Rasse sei daher die Schonung ihrer Potenzen und Bewahrung vor einer Blutmischung. Der Selbstvergottung der eigenen Rasse wurde der Jude als das Prinzip des Bösen schlechthin entgegengestellt; als wertwidrig und vernichtungswirkend. Denn die Juden sind nach dieser Beurteilung nicht einmal mehr als minderwertige Rasse, sondern als Gemisch heterogener Rassenelemente zu bezeichnen. Bastardiert schon am Anfang ihrer Geschichte könne sich die Heterogenität ihrer Konstitution nicht anders als zersetzend auswirken. Diese Lehre wird innerhalb eines großen Volkes zur L e i t i d e e, wird von den Gebildeten als der Wissenschaft letzter Schluß hingenommen, von der Masse mit der Kraft religiöser Verpflichtung erlebt. Uns Juden aber ist mit dieser Lehre eine Schändung angetan, dieunsnochweitmehrtrifftalsdie grausame Entrechtung in Deutschland. Es geht um die Ehre unseres Blutes, um die Ehre unserer Lehre und unserer Geschichte. Um unserer Freiheit und Menschenwürde willen müssen wir die Rassenverleumder vor ein Forum stellen, das nach strengstem Anspruch auf wissenschaftliche Zuständigkeit und Objektivität zusammengesetzt sein soll. Dr. Z o 11 s c h a n hat in einer vor einigen Monaten erschienenen Broschüre den Vorschlag gemacht, die führenden Universitäten und Akademien mögen in einer Enquete die wissenschaftliche Klarstellung der dieser Frage zugrundeliegenden Problematik in Angriff nehmen. In drei iür diese Fragen zuständigen Sektionen des vor zwei Wochen abgeschlossenen internationalen Anthropologen-Kongresses in London wurde eine Resolution von dem führenden englischen Anthropologen und Vorsitzenden der Sektion A des Kongresses, Sir G. Elliot Smith, eingebracht, es sollen in den verschiedenen Staaten eingehende Untersuchungen über die Grundbegriffe der Rassenlehre in Angriff genommen werden, am besten unter Führung des „Institutes für Intellektuelle Zusammenarbeit." Der Referent empfahl der Konferenz, sich diese Resolutionen zu eigen zu machen (was auch geschehen ist) und sich für das Zustandekommen einer solchen Enquete mit aller Kraft einzusetzen, damit auch Deutschland an diesen Untersuchungen mitbeteiligt sei. Er schloß: „Es geht nicht um unsere Würde allein, sondern um die Würde Menschheit überhaupt." durch „TOROSIN «4 (Warenhäuser in allen Städten der UdSSR) alle gewünschten l«B«««B»HI«i» H«- ktalduii«»B«a«aatliid«und I artllMl sp«s«afr«l ausfolgen lassen. Bestellungen, Auskünfte und Preislisten in der Handelsvertretung der UdSSR, Wien /., Wallnerstraße 9. Tel. U 21-5-55 ■lala« Preis« (umgerechnet in österr. Schillingen zum gegenwärtigen Kurs): Mehl. 1 kg von S 0.19 bis 1.19; Rais 1 kg von S 0.47 bis 0.85; Würfelzucker, 1 kg S 1.32: Honig in Dosen. 1 kg S 1-66; Tetbutter in Dosen, 1 kg von S 2.13 bis 3-56; Herrensocken. 1 Paar S 0.47 bis 4.75; Damenschuhe. 1 Paar S 17.75 bis 26.10; Herrenschuhe. 1 Paar S 19.70 bis 24.90. Der Wille zur Gemeinschaft — der Wille zum Opfer. Zum Beginn des neuen Jahres richtet die Reichsvertretung der deutschen Juden an „alle Gemeinden und alle Männer und Frauen in ihnen, das alte und das junge Geschlecht in treuer Verbundenheit" die folgende Mahnung: Aller Wunsch, ob wir ihn darbringen oder ihn empfangen, setzt eine Bereitschaft voraus. Zwiefach ist sie in diesen ernsten Tagen von uns gefordert: als der Wille zur Gemeinschaft und als der Wille zum Opfer. Wir sind mehr denn je auf uns selbst gewiesen. Nur wenn wir zusammenhalten, frei von Eigensucht und Eigensinn, und nur wenn eines jeden Können, auch eines jeden Habe dem verbindenden Ganzen dienen will, nur dann werden wir bestehen. Mahnung und Bürgschaft dessen zu Sein, das ist die große Aufgabe der Reichsvertretung. In dem Willen zu ihr spricht der Wille zur Gemeinschaft und zum Opfer. Möge er sich im neuen Jahre bewähren. Die Reichsvertretung der deutschen Juden gez. B a e c k. Zedakkah! Motto: Unsere Hände haben diesen Tod nicht verschuldet... (5. B.M.Kap. 21.) Jener sterbenskranke „Oberrabbiner", über dessen Schicksal in der letzten Nummer der „Wahrheit" berichtet wurde, hatte sozusagen den Boden unter den Füßen verloren. Der Ortsbehörde wollte der Rechtsbegriff nicht einleuchten, warum man einen Sterbenskranken, der im Reich beheimatet ist, nach einem fremden Staate abschiebt? Die jüdische Armenfürsorge wurde angerufen, die Mittel für den Rücktransport zu leisten. Jüdische Wohlfahrt versagt nie! Eine Woche lang genoß der Schwerkranke reichsdeutsche „Gastfreundschaft" in einem Grenzkrankenhause, zum Sabbat aber sandte man ihn nach Eger zurück — nämlich: zum „Ewigen Sabbat", an dem es weder Zank noch Haß und Verfolgung mehr gibt. Der mystische Oberrabbiner Ahron Jizchak wurde an dem ersten Selichottage, an dem Tage, an dem man die göttliche Versöhnung erfleht, auf dem Egerer Gottesacker zur ewigen Ruhe gebettet. _A. W-tsch, Eger. Wie aHjährltcb findet auch heuer in der lsr. Kiaderbewahraastalt, IL, Scblif amtsgasse IS» anläfHich der hohen Feiertafle ein feierlicher Gottesdienst unter Mitwirkung vorzMgHcber Kantores statt.