Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 36-37 (9.9.1934)
- Date
- 1934-09-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: HL. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 sehen Persönlichkeit, nämlich des verstorbenen Wiener Oberrabbiners Chajes entgegenhalten: „Wir wissen und erkennen, daß große jüdische Gruppen seit Jahrhunderten m den Ländern, wo sie leben, tief verankert sind und daß ihre Entwurzelung eine erhebliche Schwächung ihrer Kraft in sich schließen würde." Statt sich über solche Juden zu entrüsten, sollte sich Lady Simon lieber an jene halten, die vom Zionismus abgefallen sind, weil die Praktiken der Palästina-Regierung sie an der Realisierbarkeit der Herzl-Ideale verzweifeln lassen. Wenn die temperamentvolle Dame dann noch immer das Bedürfnis empfindet, von „Schande" zu sprechen, wird säe es wahrscheinlich weniger auf jüdische Kreise münzen, als vielmehr auf englische, die ihrem Gatten amtlich nähe stehen ... Die englische Palästina-Regierung, vom Völkerbund mit der Schaffung einer jüdischen Heimstätte betraut, zeigte eine merkwürdige Angleichung an die Methoden Hitlers, die den deutschen Juden die Heimat verleiden sollen: So wie die jüdischen Unternehmer in Deutschland gezwungen wurden, ihre jüdischen Angestellten zu entlassen und an deren Stelle nationalsozialistische aufzunehmen, so sollen die jüdischen Arbeitgeber in Palästina veranlaßt werden, statt jüdischer Arbeiter arabische einzustellen. Diesem Zwecke dient die Drosselung der jüdischen Einwanderung in Palästina, während Araber von auswärts nach Belieben die „jüdische Heimstätte" überfluten dürfen. Während Palästina auf solche Art den deutschen Emigranten nur in ganz unzureichendem Maße Zuflucht gewährt, entpuppt es sich für den vom Weltboykott sonst überall aufs schwerste getroffenen deutschen Warenmarkt als wahrer Freund und Retter. Nach einer von der „Jüdischen Rundschau", also einem auch den Zionisten unverdächtigen Zeugen nahm Nazi-Deutschland unter den Importländern Palästinas den zweiten Rang, gleich nach England, ein. Im Vorjahre mußte es diesen Rang noch mit Amerika teilen, im letzten Jahre hat es aber diesen Rivalen trotz der Boykottpropaganda noch zu überflügeln vermocht . . . Den Dank für diese treue Kundschaft stattete das Hitler-Reich den palästinensischen Juden dadurch ab, daß es den Arabern eine arabische Uebersetzung der „Protokolle der Weisen von Zion" lieferte, so auch diese — Semiten zum Antisemitismus bekehrend... Diese Propaganda-Literatur ist allerdings das einzige Exportgut der Deutschen, das sie auch außerhalb Palästinas noch anbringen können . . . Ihre Wirkung ist nicht überall dieselbe. Während in so freiheitlichen Ländern, wie die Schweiz eines ist, die Durchdringung mit nationalsozialistischen Schlagworten eine ernste Gefahr bedeutet, die den Staat in grellsten Gegensatz zu seiner geschichtlichen Tradition zu bringen droht, hat das Beispiel Deutschlands anderswo auf die Gemüter, die ursprünglich eine dem Hitlergeiste verwandte Einstellung zeigten, geradezu abschreckend gewirkt. In Ungarn hält Gömbös, der gleich Hitler als „Rassenschützler" in die Politik eingetreten ist, aber im Gegensatz zu Hitler im Moment der Machtergreifung mit den Tendenzen seiner früheren Zeit vollständig brach, weiter an dem von isdilas, Rheuma, Gicht Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Metbode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Flehten-, KoblensSurebäder, Diathermie. Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8—6 Uhr HeUansiaU ..Ybermla" L, Franz Josetskai 1 — TelephonR 29-1-37 Leiter: Dr. Wplf.Somer ihm wiederholt verkündeten Prinzip der Gleichberechtigung aller Konfessionen fest. Polen wird in überraschendem Gegensatz zu dem im Hitlerbuch „Mein Kampf" verkündeten Programm von Deutschland gleißnerisch umworben. Aber flach den Schmeichelworten, mit denen Goebbels bei seinem Warschauer Besuch nicht sparte, verriet der Schuß, der den polnischen Innenminister meuchlerisch hinstreckte, den wahren Geist des Hakenkreuzes. Polen hat daher sehr einschneidende Schutzmaßregeln gegen dieses Gift in Anwendung gebracht — zum größten Unbehagen der antisemitischen Kreise. Rumänien, das gerade die 15-Jahrfeier der Judenemanzipation begeht, hat gleichfalls scharfe Zensur gegen antisemitische Propaganda eingeführt. Italien, zuerst der angebetete Lehrmeister der deutschen Faschisten, hat sichs mit diesen durch seine österreichfreundliche Haltung gründlich verdorben. Die Ungeschicklichkeit einiger Zionisten, die den italienischen Patriotismus durch Begeisterung für Palästina ersetzen und gleichzeitig einen antifaschistischen Putsch fördern wollten, hätte dort beinahe eine antisemitische Welle hochgehen lassen, doch ist sie zum Glück wieder verebbt, ohne größeren Schaden angerichtet zu haben. Hoffentlich wird sich auch Jugoslawien, das jetzt von den Hitlerianern umschwärmt wird, gegen die antisemitische Verseuchung, von der es sich bisher freigehalten hatte, auch weiterhin immun zeigen. Den aus Oesterreich flüchtigen Nazi- Putschisten bezeugt es allerdings eine so einladende Gastfreundschaft, daß unter diesen das Lied „Komm mit nach Warasdin!" trotz seiner nichtarischen Herkunft das Horst Wessel-Lied verdrängt hat . . . „FAMILIENSCHUTZ« Gemeinnützige Vereinigung für FamilienJürsorge Wien II.. AgpernbrOckengasse 2_Tel. R 43-500 Durch Monatsbeiträge von S 1 bis 10 kann man bei uns sicherstellen: Studienbeiträge für Töchter und Sohne Ausstattungsbeiträge für Töchter Vorsorge für das Alter und für die Hinterbüehsnen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hobe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit 4. Volle Garantie der Lebensversicherungsgesellschaft „Phöaix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. De« „FAMILIENSCHÜTZ" wird von der Wiener Kulttugcmatad« befürwortet Oesterreich hat dem Dritten Reiche seinen Führer geliefert. Der Dank ist grotesk genug: Oesterreich wird mit dem größten Hasse des Hitler-Reiches beehrt. Der Juli-Putsch hat die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Anti-Nazi sehr deutlich gemacht. Die Juden haben dieser Notwendigkeit mit gewohntem patriotischem Opfermut Rechnung getragen. Der jüdische Student Eißler hat sich in seiner Sommerfrische freiwillig zum Kampfe gegen die aufrührerischen Hitlerianer gestellt und hat den Heldentod auf dem Schlachtfeld gefunden. Hoffentlich werden auch auf der Seite der Regierung die Zeichen der Zeit verstanden. Dann kann von Oesterreich die Genesung der Welt von der Hakenkreuzpest ausgehen. „Oesterreich über alles, wenn es nur will!" Durch Wahrheit und Barmherzigkeit zum Frieden. Ein Weckruf zum Neujahr 5695. Von Prof. Dr. Moriz Emil Proßnitz. Die Weltereignisse des abgelaufenen Jahres erwecken in uns folgende Wunsch- und Hoffnungsgedanken: Mögen die Posaunentöne des zum Segen herankommenden Neujahrsfestes den. Beginn des göttlichen Erlösungswerkes für die ganze Menschheit künden. Möge in der gesamten Judenheit der Wille zur Buße erwachen, zu dem Glauben an einen allbarmherzigen Gott und an die göttliche Wahrheit der Thora, der Lehre des allbarmherzigen Gottes, zurückzukehren. Mögen alle Teile und Kreise im Judentum durch den Gottesgeist der Wahrheit, der Barmherzigkeit und des Friedens zur Eintracht und Einigkeit gelangen. Möge die „Union österreichischer Juden" die gesamte österreichische Judenschaft im religiösen und vaterländischen Geiste um sich scharen, denn Oesterreich und im besonderen Wien scheint, vom Standpunkt weltgeschichtlicher Betrachtung, ausersehen zu sein, daß von hier die Erlösung und der Friede für die ganze Menschheit ausgehe, in Erfüllung des Psalmenwortes: „Die in Tränen säen, sollen in Jubel ernten." Mögen wir daher andächtig beten: „Laß, o Gott, unser Herr, die Ehrfurcht vor dir über alle deine Geschöpfe kommen . . . ." „Die Frommen werden es schauen und sich freuen, wenn das Unrecht seinen Mund versehließt, und alle Bosheit wie Rauch verschwindet, wenn du, o Gott, die Herrschaft der Sünde und des Frevels von der Erde hinwegschaffen wirst." Mögen wir ferner für alle unsere christlichen Mitbürger und für alle Menschen andächtig beten: Owinu malkenu. Unser Vater im Himmel, unser König, schreibe uns in das Buch des Lebens und des Glückes, u. V. i. H., u. K., schreibe uns in das Buch der Ernährung und Verpflegung, u. V. i. H., u. K., schreibe uns in das Buch der Tugenden und der guten frommen Werke und sittlichen Taten, u. V. i. H., u. K.. schreibe uns in das Buch der Verzeihung und Versöhnung, unser Vater im Himmel, unser König, schreibe uns in das Buch der Erlösung und des Heiles. Amen. Den toten Helden zum Gedenken! In den jüdischen Häusern werden am Kol Nidre-Abend zur Erinnerung an dahingeschiedene teure Familienmitglieder Lichter entzündet werden. Manches dieser kleinen Lichter wird der Erinnerung geweiht sein an den Vater, an den Sohn, an den Bruder, die in dem schweren Völkerringen des Weltkrieges mit ihrem Leben die Sicherheit ihres Vaterlandes erkauft haben. Niemals wird der Heldentaten dieser wackeren Männer vergessen werden. Ein gewaltiges Denkmal, geweiht der Erinnerung an die gefallenen Söhne der Gemeinde, ragt auf dem alten jüdischen Zentralfriedhofe. Rund um dieses Denkmal schlafen sie, diese tapferen Helden den ewigen Schlummer. In dankbarer Pietät haben Verwandte den meisten von ihnen ein Grabdenkmal errichtet. Viele dieser Helden aber sind vergessen. Schmucklos, ohne jeden Stein der Erinnerung liegen ihre Gräber. Der Bund jüdischer Frontsoldaten hat es sich zur Ehrenpflicht gemacht, auf allen diesen vergessenen und verlassenen Gräbern Grabsteine zu errichten, um in Dankbarkeit die Helden zu ehren, deren Gräber vergessen zu sein scheinen. An diesem edlen Werke der Pietät müssen alle Juden dieser Stadt mitwirken und mithelfen. Vor allem aber ergeht der Ruf an alle diejenige, deren Existenz und deren Zukunft durch diese Helden geschützt und vor dem Aergsten bewahrt wurde. Für uns Lebende starben diese Toten, wir Lebende müssen diesen Toten danken. Der Dank ist nicht nur Ehrenpflicht, sondern jüdisches Gebot. E. F. Am 16. September, 10 Uhr 30 Minuten vormittags, werden zunächst hundert dieser Grabsteine auf dem Zentralfriedhof. I. Tor, feierlich enthüllt und der Obhut der Israelitischen Kultusgemeinde übergeben werden. Das Programm dieser Heldengedenkfeier, welcher die Spitzen der Behörden. Vertreter der Generalität, des Offizierskorps, der militärischen Verbände. Vertreter der Gemeinde Wien und der Kultusgemeinde beiwohnen werden, ist folgendes: Militärischer Empfang. Oberkantor Fischer und Chor: „Seele, was betrübst du dich". Prolog von Kam. Alir. Winzer: Gesprochen von Kameraden Direktor Jakob Feldhammer. Offizielle Begrüßung und Rede des Bundesführers. Gebet vor der Schlacht. Musik. Gedenkrede Sr. Ehrwürdeh des Herrn Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang und die bei der Steinstellung vorzunehmenden rituellen Zeremonien und Gebete. Oberkantor und Chor: Schiwissi. Oberkantor: El mole rachamim. Sr. Ehrwürden der Herr Oberrabbiner spricht das „Kaddischgebet". Rede des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann. Cll#BlA f3r meine 16jährige Tochter, sehr arbeitsam wll%lltS und intelligent, Praktikantin-Lehrstelle S. Schey, XIX., Silbergasse 8