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Die Wahrheit · 1934-09-09 · Heft 36-37 (9.9.1934) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 36-37 (9.9.1934)
Date
1934-09-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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vmmtigg Pfme® ßF — 4#ftfi«*. Ome* Der Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister hat dem Mitglied des Unterhauses Coionel Josiah Wedgwood die ihm in der Unterhaussitzung vom 20. Juni versprochene Information in bezug auf die Bevölkerungszahl und die Zahl der Stimmberechtigten unter Arabern und Juden in Jerusalem und in den anderen Städten Palästinas schriftlich zugehen lasseh. In dem Begleitschreiben teilt der Kolonienminister mit. die Zählen basieren auf Mitteilungen des High Commissioner für''Palästina' Sir Arthur Wauc]iope, der Ihnen das auf Grund der MuhicipaT Corpörations Ordiriance Von 1933'liergestellte Register zugrunde gelegt hat.- In zionistischen Kreisen erfährt man mit Überraschung, wie weh i g die Zahl de r stimm oerechtigten Juden dem wirklichen Verhältnis der tischen' Bevölkerung zur Oesamtbevölkerung enticht Sollte die Verteilung der Sitze in dem zukünftigen Legislative ^burfcil, ' dessen Schaffung in immer drohendere Nähe rückt, zumal nun auch die Araber ihren bisherigen. Widerstand gegen den Council aufgegebenv haben sollen, auf Grund der Zahl der Stimmberechtigten unter Arabern und Jnden erfolgen, so würden die Juden außerordentlich ungünstig abschneiden, und damit wäre der gesamten Entwicklung dieses Problems eine sehr ungünstige Prognose gestellt Aber auch bei den kommenden Munizipal wählen würden die luden, was die Zahl ihrer Stimmberechtigten betrifft, in einer Weise in den Hintergrund gedrängt werden, die #|r nicht ihrer wirklichen Bevölkerungsstärke und noch weniger ihrer Bedeutung als aufbauendes Element im Lande entspricht Den Mitteilungen des Kolonienministers an Wedgwood-ist zu entnehmen: In Jerusalem leben 51.222 Juden und 39.229 Araber; stimmberechtigt aber sind 4362 Araber und 4235 Juden. In Jaffa gibt es unter 47.168 Arabern 4345 Stimmberechtigte, unter 7209 Juden nur 514 Stimmberechtigte. Von den in Haifa lebenden 34.148 Arabern sind 5186 stimmberechtigt, von den 15.923 Haifaer Juden sind 3010 stimmberechtigt. In Safe'd leben 6891 Araber, davon sind 249 stimmberechtigt. Von den 2547 Safeder Juden sind 561 stimmberechtigt. In Tiberias leben 3210 Araber (275 Stimmberechtigte) und 3181 Juden (525 Stimmberechtigte). In diesen beiden Städten, in denen eine autochthone jüdische und eine zu einem Teil fluktuierende arabische Masse lebt, ist das Verhältnis der Juden nicht ungünstig. In den meisten anderen Städten Palästinas ist die Zahl der jüdischen Stimmberechtigten entweder ganz bedeutungslos oder es gibt überhaupt nicht jüdische Stimmberechtigte. In' Akko z. B. sind von 237 Juden nur 12, in Beisan von 88 Juden nur 14, in Hebron von 135 Juden nur 2 stimmberechtigt Von den 79 Juden in Nazareth ist keiner stimmberechtigt In Nablus leben 167 Samaritaner und 6 Juden, aber nur 10 „Juden" (in der Wählerliste werden die Samaritaner zu den Juden gerechnet) sind stimmberechtigt. In Bethlehem leben 2 Juden, in Gaza lebt 1, in Ramien 1 Jude; nur der Jude in Ramien ist stimmberechtigt Tel Aviv ist in der Liste nicht enthalten, weil dort nicht vor dem 10. Jänner 1935 gewählt wird. Mit Ausnahme von Tel Aviv gibt es in den Städten 20.325 arabische und 8583 jüdische Stimmberechtigte. Die arabische Bevölkerung in den Städten beträgt 257500, die jüdische (Tel Aviv ausgenommen) 82.865. Danzig und der Boykott, Die Genfer Boykottbeschlüsse der Jüdischen Weltkonferenz gegen Deutschland haben auch i-n Dänzig erhebliches Aufsehen erregt Qbwoht Oanzig unter den Boykott nicht fällt, befürchtet man in Danziger Kreisen, daß die fortgesetzte Hetze gegen die jüdische Bevölkerung in Danzig sich schließlich doch innachteiligem Sinne für die Wirtschaftsinteressen der Freien Sjadt auswirken könnte. Recht bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die Stellungnahme der katholischen „Danziger Volkszeitung", die wörtlich erklärt: „Es ist leider zu befürchten, daß die Boykottbeschlüsse gegen Deutschland sich trotz aller entgegenkommenden Erklärungen des Danziger Senats (die immer nur auf dem Papier geblieben sind und von der für das gesamte politische und wirtschaftliche Leben Danzigs maßgebenden Partei, wie die untenstehende Meldung beweist, in keiner Weise respektiert werden. Anm. d. Red.) auch nachteilig für Danzig auswirken können. Man weiß, wie sehr gerade auch in Polen der Handel in jüdischen .Händen liegt und wenn die polnischen Juden sich gegen Danzig stellen sollten, würden sie manche der neuerlichen Abmachungen zwischen Danzig und Polen illusorisch machen können. Wir hoffen, daß dies nicht geschieht aber im Interesse, der Danziger Wirtschaft und des Auflebens der Handelsbeziehungen bitten wir den Senat der ja weitestgehende Erklärungen den Juden gegenüber abgegeben hat, auch dafür zu sorgen, daß in der Praxis alles vermieden wird, wodurch der Boykott gegen Deutschland auf Danzig ausgedehnt wird. Wir haben keine Veranlassung, die Juden zu verteidigen oder sie in Schutz zu nehmen, sie sind dazu wohl selbst Manns genug, aber wir halten es gerade im Interesse unserer Wirtschaft für abträglich, wenn man von marschierenden Gruppen immer wieder den Refrain hört: Hängt den Juden!" Das „Danziger Echo", die einzige jüdische Zeitung Danzigs, erklärt zu der gleichen Frage, daß man in internationalen Kreisen, und zwar nicht nur in jüdischen, erwartet daß die Behandlung der jüdischen Bevölkerung Danzigs eine wesentlich unterschiedliche ist und sein wird gegenüber der Diffamierung und Diskriminierung der Juden in Deutschland, zumal in Danzig die verf a.ssungsmäßigen Voraussetzungen für eine Entrechtung der Juden nicht gegeben sind. Die Genfer Boykottbeschlüsse sowie die Nachrichten, die in der ausländischen Presse über die Lage der Juden in Danzig erschienen sind, sollten für den Danziger Senat ein Anlaß mehr sein, um sich bei der Behandlung der Juden an die Verfassung zu halten. Die Ausführungen des katholischen wie des jüdischen Organs beweisen, wie ernst man die Lage in Danziger Wirtschaftskreisen ansieht; ein Boykott Danzigs seitens der polnischen Ju- Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder-Art 11., Rotnkreuzg«»»C 3_ Tel. A 43-5-37 den würde allerdings den völligen Ruin Danzigs und seines Hafens bedeuten, zumal für die Wirtschaft die Möglichkeit besteht sich des polnischen Hafens Gdynia zu bedienen, wo die jüdischen Wirtschaftskreise als erwünschte Faktoren angesehen werden. ' * Der Angestellte des Zoppoter Spielklubs Teßner, der im März d. J. den Rabbiner Deutsch auf der Straße überfallen und schwer m i ßhandelt hatte, wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt Das Gericht lehnte den Antrag dest Staatsanwalts auf Verhaftung des Verurteilten ab; dies obwohl Teßmer während der Verhandlung einer Belastungszeugin mit „Rache" drohte. Teßmer gehört einem nationalsozialistischen Wehrverband an. Kardinal Faulhaber . . . 5 IjS H t!. - iiS '.i > •»* In einej W/glt von srjyljt Und bar an Menschenliebe,' " Wo jedes gute Werk verhüllt Wo. grau der Tag und trübe, Da steht allein in dunkler Nacht, In öder kälter Leere Ejn Mann und hält für Gott die Wacht, Stark wie der Fels im Meere. Verfolgt, besudelt und gehaßt Kämpft er allein im Lande Für Menschenrecht, das längst erblaßt, Und gegen Schmach und Schande. Als Menschenfreund, so edel, gut, Tritt er, Gefahr'n umflossen, Da auf im Glauben und mit Mut Für Wahrheit unverdrossen. Er fürchtet nicht den Hohn und Spott, Der wilden Meute Rache, Er streitet ganz allein für Gott Und für die heil'ge Sache. Es ringt sich durch sein edles Wort Dem guten Herz entgegen, Es wurzelt in der Seele fort Und wird zu Gottes Segen. Wie herrlich und wie wunderbar, Wem solche Kraft beschieden, Wenn Menschen selbstlos, trotz Gefahr Sich opfern für den Frieden. Hab' Dank, du edles Mensehenherz Für diesen schweren Streit, Wer kämpfet gegen Schmach und Schmerz, Steht Gott, der Herr, zur Seit' ... Sulfur. JTÄ-Korresppndent verläßt Deutschland. Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Berlin, Israel Albert Levitan, ein amerikanischer Staatsangehöriger, wurde dieser Tage in das Hauptbüro der Berliner Gestapo (Geheimen Staatspolizei) zitiert, dort etwa vier Stunden festgehalten und sehr eingehend über seine Korrespondenten-Tätigkeit verhört. Nach Intervention des Generalkonsuls der U. S. A., Herrn Geist, wurde Levitan freigelassen. Er würde von einem Gestapo-Agenten in seine Wohnung zurückgebracht Sodann wurde seine Wohnung durchsucht und alle seine Manuskripte, Telegrammkopien und Prfvatbriefe wurden Ijeschlagnahmt. Die Gestapo hat Herrn Geist auf seine Anfrage über den Stand der Angelegenheit erklärt, die gegen Levitan* eingeleitete erste Untersuchung, ob er sich kommunistisch betätige, sei als grundlos fallen gelassen worden, hingegen habe die JJntersuchung festgestellt, daß Levitan „falsche Nach rieht en"ins Ausland gesandt habe, in denen Hitlers Autorität in Deutschland angezweifelt wurde. Wegen dieser Tätigkeit werde Levitan ausgewiesen werden. Als der Generalkonsul di£ Mitteilung machte, daß Levitan §ich 'nach 'London begeben habe, um sich mit sei- Aus Frankreich. Minister Ri voll et nahm persönlich die Enthüllung der in der Vogesen-Stadt St Die. unweit der Saar, dem Feldrabbiner Abraham Bloch errichteten Gedenktafel vor und würdigte in einer Ansprache die große Persönlichkeit Blochs, der im August 1914 in der Nähe der Stadt durch eine deutsche Granate getötet wurde, als er gerade einem sterbenden katholischen Soldaten, der ihn für einen katholischen Geistlichen hielt, auf dessen Bitte das Kruzifix an die Lippen reichte. An der Enthüllungsfeier nahmen zahlreiche Abordnungen der französischen Frontkämpferorganisationen, Vertreter der militärischen und Zivilbehörden sowie der verschiedenen religiösen Gemeinschaften teil. Minister Rivollet schloß seine Gedenkrede mit dem Appell, daß in Frankreich zwischen den Angehörigen aller Konfessionen Einigkeit und Frieden herrschen mögen. Am 2. September wurde im Hause des französischen Luftfahrtmiriisteriums eine Gedenkfeier für den vor sechs Jahren, am 2. September 1928, bei einer Flugzeugkatastrophe in der Nähe von Nancy ums Leben gekommenen Ministers für Handel und Luftfahrt Maurice Bokanowski, der bekanntlich Jude war und von eingewanderten polnisch-jüdischen Eltern abstammte, abgehalten. Den Vorsitz bei der Gedenkfeier hielt der jetzige Minister für Luftfahrtwesen General Denain. nen Auftraggebern über seine weitere Tätigkeit zu beraten, wurde seitens der Gestapo erklärt, daß Levitan, falls er zurückkehre, zweifellos ausgewiesen werden würde. Es gibt keine Jüdische Rasse. Der weltberühmte Archäologe und Historiker Sir Flinders Petrie befaßt sich in den „Times" mit den Rassetheorien der Nationalsozialisten. Er erklärt diese Theorien für absurd und schreibt: „Meine letzten archäologischen Ausgrabungen in Gaza haben mir eine Händhabe zur rassischen Einschätzung des jüdischen Volkes gegeben. Es gibt keine jüdische Rasse, es gibt nur eine jüdische religiöse Gemeinschaft Juden und Engländer sind lebendige Beispiele für die Vorteile von Rassenmischungen." Toscaninl's Absage' an Bayreuth. Das „Neue Wiener Journal" erfährt authentisch, daß der italienische Meister Artüro Tosc a n i n i nahen Verwandten Richard Waghers, die ihm die Einladung zu einer Rückkehr nach Bayreuth für' das Jähr 1936' überbracht hatten, eine scharfe Abfuhr erteilt und erklärte, so lange nicht in Deutschland dirigieren zu wollen, als dort Künstler aus „rassischen" Gründen vom künstlerischen Wirken ferngehalten werden. Die Juden in Charbin. Dem Generalsekretär der Wiener Isr. Allianz. Rabbiner Dr. A. Kaminka, sind über die gegenwärtige Lage der jüdischen Gemeinde in Charbin (Mandschurei) folgende Informationen zugegangen. Die Gemeinde zählt jetzt zirka 10.000 hauptsächlich aus Rußland stammende Juden (es waren über 13.000, es sind jedoch 1932 infolge einer großen Ueberschwemmung viele verarmte Juden weggezogen). Viele von ihnen sind Hausbesitzer und nehmen in Handel und Industrie eine hervorragende Stellung ein, viele betätigen sich auch in freien Berufen. Unter den russischen Beamten der Ostchinesischen Eisenbahn (die jetzt Gegenstand eines Konfliktes mit Japan geworden) befinden sich auch Juden auf bedeutenden Posten, ebenso in Spitälern und Schulen, die mit der über 2000 km sich erstreckenden Bahn verbunden sind. Charbiner Juden haben in den. letzten Jahren sich auch in Shanghai, in T i e n t s i n, in M u k d e n und in der Hafenstadt Dairen niedergelassen, Charbin hat zwei große Synagogen und einige kleine Bethäuser, eine jüdische Volksküche, ein Altenheim, ein Spital, eine jüdische Volksbank, eine Talmud Thora, einen jüdischen Frauenverein, eine Vertretung des Emigrationsbüros „Hicem" und zwei russischjüdische Wochenschriften, von denen eine allgemeinzionistisch und die andere revisionistisch ist Einer von den drei europäischen Stadträten ist ein Jude, ebenso ein Vizepräsident der Charbiner Handelskammer und ein Vorsitzender des Handelsklubs. In der letzten Zeit hat die. ökonomische Lage der Juden sich verschlechtert, was aber nichts mit Antisemitismus zu tun hat, sondern eine Folge der Zurückdrängung des europäischen Elementes durch die Japaner ist Eine judenfeindliche Hetze betreiben die zaristischen Weißgardisten, sie haben jedoch geringen. Erfolg. Eine Anzahl jüdischer A e r z t e aus Deutschland, die von den Hilfskomitees dorthin geschickt wurden, haben' sich dort eine Existenz begründen können.

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