Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 35 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 4 DIE WAHRHEIT Wahrer und Mehrer jüdischen Kulturgutes, Stets wenn schwere Schicksalsschläge das Judentum erschütterten, suchte die jüdische Seele in den Werken ihrer Dichter und Denker neue Kraft und Belebung. So erfüllt auch heute das Verlangen nach Schöpfungen jüdischen Geistes weite Schichten der deutschen Juden. Das Buch als Träger des Geistes soll für das wieder erwachte Gemeinschaftsgefühl eine wichtige Stütze sein. Darum lag der Gedanke nahe, dem deutschen Schrifttum jüdischer Herkunft wieder eine Stätte zu bereiten, von der aus es sich entfalten kann. Unter der Förderung und Mitwirkung der bedeutendsten jüdischen Organisationen Deutschlands ist vor einiger Zeit in Berlin (W 15, Pariserstraße 7) die Jüdische Buch-Vereinigung ins Leben gerufen worden. Das jüdische Kulturgut zu wahren und zu mehren, sein Dasein und sein Wachstum zu «ichern und zu fördern, ist ihre geistesgeschichtliche Aufgabe. Einerseits gilt es, den jüdischen Autoren die sonst versagte Möglichkeit zu geben, ihre Werke zu veröffentlichen, andererseits der jüdischen Gemeinschaft d i e Bücher zugängig zu machen, nach denen sie Verlangen trägt. " Welches Buch könnte heute mehr diesen Anspruch erheben, wenn nicht das Buch der Bücher, die Bibel. Die bedeutendsten Kenner haben sie in jahrelanger Arbeit übersetzt. So ist „die jüdische Bibel in deutscher Sprache" geschaffen worden, deren erster Band Ende September ausgegeben wird. Die Uebersetzer sahen ihr Ziel darin, das Urbild möglichst genau wiederzugeben und dabei ein verständliches und leicht zugängliches Deutsch zu schreiben. So wie die ehrwürdigste Vergangenheit soll auch lebendige Gegenwart in der Reihe der Veröffentlichungen der Vereinigung sichtbar werden, in jedem Jahr werden Romane der besten deutschjüdischen Autoren erscheinen. Bisher konnte die Vereinigung ihren Mitgliedern den großen neuen Roman von Georg Herrn a n n „Eine Z e i t s t i r b t" darbieten, als Krönung einer Reihe von Romanen, in denen Georg Hermann die jüdische Gesellschaft des bürgerlichen Zeitalters meisterhaft geschildert hat. Durch besondere Vereinbarungen ist es außerdem gelungen, den nachgelassenen Roman von Jacob Wassermann „Joseph Kerkhovens dritte Existenz" für die Jüdische Buch-Vereinigung zu erwerben, dessen erster Teil bereits herausgegeben ist; der zweite erscheint Ende des Jahres. Der Roman schließt als dritter die Trilogie ab, die mit dem „Fall Mauritius" begann, und, steht ebenbürtig neben den größten Schöpfungen des Meisters. Auch in diesem Buche offenbart sich die großartige psychologische Kunst des Dichters, der alle Höhen und Tiefen menschlichen Erlebens erschließt und die Gestalten seiner dichterischen Phantasie, uns wie kein anderer nahe zu bringen weiß. Zur Durchführung ihres Programms erwarten alle, die sich für das Zustandekommen der Jüdischen Buch-Vereinigung einsetzten, die Mithilfe der jüdischen Menschen in Deutschland. Aber auch im jüdischen Oesterreich dürfte dem Wirken dieser Vereinigung, das mit so wertvollen Produktionen deutsch-jüdischen Geistes eingesetzt hat, großes Interesse entgegengebracht werden. Deshalb geben wir noch empfehlend die Mitgliedschaftsbedingungen bekannt: Die JBV bietet ihren Mitgliedern im Jahre vier Bücher auf holzfreiem Papier, in Ganzleinen gebunden. Die Mitgliedschaft erwirbt man für einen monatlichen Beitrag von RM 1.—. Dazu wird eine einmalige Eiiischreibegebühr von RM 0.25 erhoben. Der Mitgliedsbeitrag ist vierteljährlich vor Erscheinen uines neuen Buches zahlbar. TAPEZIERER ZERKOWITZ Werkstätte für moderne Möbel sowie aller Reparaturen intoester Ausführung undMaterial Spezialist imjTapezleren von Wohnungen und Lokalen unter Garantie. L, Neutorgasse 18, Tel. U 23-8-28. Wohnung^ Tel. U 22-7-31 Werkstätte: I, Seitenstettengasse 2 _ Frau Dr. Cohen, geborene v« Hindenburg. Der Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg ist in der Residenzstadt Posen geboren. Und das hat nichtarische Ursachen. Das „Posener Tageblatt", das gleichgeschaltete Organ der Deutschen im ehemaligen Großherzogtum Posen, berichtet darüber. Und die Familiengeschichte der Hindenburgs liefert die nötigen Ergänzungen und Belege. Als der Vater des Reichspräsidenten, Robert v. Beneckeudorff und v. Hindenburg anno 1834 in die preußische Armee eintrat, stellte er sich als Avantageur bei dem in Posen garnisonierenden Infanterie-Regiment. Mit der Begründung, daß in dieser Stadt zwei seiner Schwestern lebten, die nacheinander mit dem Medizinalrat Dr. Eduard Cohen verheiratet waren. Eduard Cohen, ein Jude, war in London geboren. Er nannte sich später nach dem holländischen Wohnort seiner Vorfahren Cohen van Bare n. Vor allem seine zweite Gattin, die M edizinalrätin Dr. Cohen, geborene v. Beneckendorff und v. Hindenburg, spielte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine große Rolle in der Posener Gesellschaft. In ihrem Haus lernte Robert v. Hindenburg im Frühjahr 1S45 Luise Schwickart kennen, in ihrem Haus war die Hochzeit am 17. Oktober 1845. Und als dem Paar am 2. Oktober 1847 ein Sohn geboren wurde, der den Vornamen Paul empfing, war der Jude Dr. Eduard Cohen Taufpate. Die Führer mögen sich entsetzen, die Rassenforscher mögen toben, das deutsche Volk mag die Augen aufreißen — es ist urkundlich festgestellt, daß der Eckart des deutschen Volkes, der greise Reichspräsident, das Patenkind und der Neffe des Juden Cohen van Baren ist! Aus der Ehe des Medizinalrates mit den beiden Tanten des Generalfeldmarschalls gibt «s zahlreiche Kinder. Und wir wüßten gern, ob sie, die Nichtarier, an der Beisetzung ihres leiblichen Vetters im Tannenbergdenkmal teilnehmen durften. Oder ob man sie als rassefremde, volkszersetzende, verbrecherische Elemente von dannen gejagt hat. Die Lage der Juden in Polen. Neville Laski, der Präsident des englischjüdischen Board of Deputies und Mitvorsitzende des Joint Foreign Committee, der in den letzten Tagen in Polen weilte (er hielt sich auf der Durchreise auch in Wien auf), sprach sich dem Warschauer JTA-Vertreter gegenüber über den Zweck seines Polen-Besuches u. a. wie folgt aus: Wenn auch die tragische Lage des deutschen Judentums im Mittelpunkt des Interesses der englischen Juden steht, halten wir die Augen nicht verschlossen gegenüber dem schweren Schicksal der Juden'in Polen. In Warschau habe ich mich bemüht, in die Gefühls¬ und Gedankenwelt aller Schichten der Bevölkerung einzudringen. Die A r m u t ist so groß, daß ein Durchschnitts-Westeuropäer sich hiervon keine Vorstellung machen kann. Es ist sehr zu bedauern, daß den Gesellschaften JOINT, TOZ usw. nur sehr beschränkte Mittel für ihr Rettungswerk zur Verfügung stehen. Das Joint Foreign Committee beobachtet die Lage der Juden in Osteuropa im Sinne der Minderheitenklauseln in den Friedensverträgen. In diesem Sinne erscheint es von Nutzen, daß ein engerer Kontakt zwischen den englischen Juden und den jüdischen Gemeinschaften in Polen, Litauen und den anderen baltischen Ländern hergestellt werde. Leider hindert die Zersplitterung unter den polnischen Juden die Erlangung der notwendigen Informationen. Es fehlt eine repräsentative Institution des polnischen Judentums. Anläßlich der hohen Feiertage findet wie alljährlich der FESTGOTTESDIENST im Prachtsaal „Auge Gottes". IX., NuBdorferstr. 75, statt. Der Kartenverkauf findet ab 26. August täglich von 7*3—5 Uhr nachmittags, an Sonntagen von 9-12 Uhr vormittags, dortselbst statt. ' Karten von S 5.— aufw. Vorstand des Tempelvereines IX., Miillnergasse Große JUdlsdte Naflonol-Dlographle von S. Wlnlllger in 6 Lexikonbanden komplett erschienen. Ein Nachtragsband erscheint demnächst. Dieses mit Unterstützung zahlreicher Wissenschaftler aus aller Welt verfaßte Werk enthalt Uber lO.O'JO Lebensbeschreibungen namhafter jtid. Manner und Frauen aller Zeiten und Lander und liefert wie kein ähnliches Werk den Nachweis des Beitrages der Juden zur Kultur der Menschheit. Deshalb soll es in keinem jüd. Haus fehlen. Es kostet in 6 eleg. Halblederbänden bei direkter Bestellung durch den Herausgeber S. Wininger, Cernaul i, anstatt wie bisher 8 275.— nur S 2C0—. Verlanget Prospekte. Der Judenpogrom in Algier. In einem in Paris eingetroffenen offiziellen Bericht des jüdischen Konsistoriums aus Constantine wird mit aller Entschiedenheit in Abrede gestellt, daß ein jüdischer Soldat sich in der Moschee von Constantine in einer die religiösen Gefühle der Mohammedaner verletzenden Weise betragen und damit die Unruhen provoziert hat. Es wird festgestellt, daß es sich um einen w o h 1vorbereiteten Plan zur Plünderung des jüdischen Viertels gehandelt hat. Gegen die Behörden werden schwere Vorwürfe wegen ihrer Duldung der Vorbereitungen zu diesen Ausschreitungen erhoben. Wie endgültig - festgestellt wurde, sind bei den Pogromen in Algier 46 Juden umgekommen. * Eine von mehr als 2000 Personen besuchte Versammlung der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus in Paris, in der Bernard Lecache den Vorsitz führte und der sozialistische Deputierte Perrin der Hauptredner war, faßte eine Resolution-, in der der Rücktritt des Gouverneurs von Algerien Carde und des Bürgermeisters von Constantine Morinau, sowie die Abberufung und Bestrafung aller anderen für die antijüdischen Ausschreitungen in Constantine und in anderen algerischen Städten verantwortlichen Beamten gefordert wird. Gegen Morinau wurde eingewendet, daß er schon zur Zeit der Dreyfus-Affäre eine antisemitische Politik betrieb. Die französische Regierung wurde aufgefordert, mitzuteilen, ob es wahr sei, daß die Garnison von Constantine während der Unruhen in den Kasernen konsigniert blieb,-; weil das Constahtiner Zuaven-Regiment den bedrängten Juden zu Hilfe kommen wollte. Ferner solle die Regierung bekanntgeben, warum die antisemitische Hetze zugelassen und militärische Hilfe nicht sofort in Anspruch genommen wurde. Schließlich wurde die Regierung gefragt, warum die Zensur die Nachrichten über die Ausschreitungen zurückgehalten hat. (Z. T. A.) Vorstand Bikur Chaullm IX., Liechtensteins^. 113 s ic ersparen viel Zeit und Geld. wenn Sie zu Rosch-Haichonoh statt spezieller Gratulationen allen Ihren Verwandten» Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in der Neujahrs-Festnummer der „WAHRHEIT" viel Glück sagen. Nur bis Dienstag, cUn 4. September können Aufträge berücksichtigt werden. Um allen jenen, die durch „Die Wahrheit" gratulieren, die Gewißheit zu sehen, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien oder Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden, je ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. --Ausschneiden!-- An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glückwunsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6'— *) Doppelfeld zum Preise von S II-— welchen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende *) Nichtzutreffendes bitte streichen. Textangabe: Unterschrift:. ~a-r; JtSA-fjgj»] ^^^y