Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 34 (24.8.1934)
- Date
- 1934-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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iffE WAHRHEIT Seite S Ich bitte, auch auf diesem Wege alle Freunde, Bekannte, Korporationen etc., die mir und meiner Familie anläßlich des Ablebens meinei teuren Gattin tröstende Beweise ihrer Teilnahme an unserem großen Schmerze erwiesen haben, meinen herzinnigen Dank entgegennehmen zu wollen. Dr. Nahum Blauer. Wien, im August 1934. Alles nur Brunnenvergiftung 1 Dr. Walter Groß, Leiter des Rassenpoliti- •schen Amtes der NSAPD., in einem Leitartikel des „Völkischen Beobachter" vom 20. Juli: „Erklärlich ist diese Einstellung nur dann, wenn man annimmt, daß geschickteBrunnenvergittung in der Welt tatsachlich ein sachlich falsches Bild von den rassischen Grundsätzen des Nationalsozialimus verbreitet hat. Deshalb sei hier noch einmal mit Schärie festgestellt, daß der Nationalsozialismus gar nicht daran denkt, andere Rassen herabzusetzen oder als minderwertig zu bezeichne n." Staatsrat Gauleiter Grohe in seiner „berühmt" gewordenen Ansprache an 100.000 Mitglieder der Hitlerjugend in Koblenz am 22. Juli: „Wohl aber* betrachtet das deutsche Volk eine Rasse als minderwertig. Das ist die jüdische. Der Jude ist der Feindjederanständigen Gemeinschaft in der ganzen Welt... Jeder deutsche Junge und jedes deutsche Mädchen muß sich i schämen, einen Juden auch nur freundlich anzusehen..." Barbären. Wie die JTA bereits meldete, hat die Stadt Berlin die städtischen Vormundschaftsstellen für nichtarische Kinder niedergelegt und der Jüdischen Gemeinde angeboten. Dem Beispiel Berlins folgten binnen kurzem viele andere Städte, wie Dresden, Leipzig, Breslau, Nürnberg u. a. Unter dem Titel „Grausamkeit gegen jüdische Mütter" schreibt in seiner Nummer vom Sonntag, den 5. August der „Neue Vorwärts": „Es beginnt schon bei den Entbindungsheimen. Sie weigern sich selbstverständlich, eine Nichtarierin aufzunehmen. Darüber hinaus aber werden auch strenge Nachforschungen angestellt, ob die Wöchnerin in jeder Weise den nationalsozialistischen Rassegesetzen entspricht und ob das Kind nicht etwa von einem nichtarischen Vater stammt. Daß diese Frage wichtiger ist .als alle anderen medizinischen und hygienischeu, geht aus dem Fragebogen hervor, den die Wöchnerinnen, die in das Entbindungsheim der Reichsversicherung in Berlin aufgenommen werden wollen, auszufüllen haben. Da steht an erster Stelle die Frage: Abstammung des Vaters (Rassezugehörigkeit), Anerkenntnisunterschrift des arischen Vaterteils. Erst dann folgen die Fragen nach der ehelichen oder unehelichen Geburt, nach dem Gesundheitszustand der Mutter, den früheren Krankheiten der Elternteile und die rein medizinischen Fragen. Es ist kürzlich im Entbindungsheim der Stadt Erfurt vorgekommen, daß man eine Wöchnerin einen halben Tag vor der Entbindung entlassen hat, weil sich herausgestellt hatte, daß der Vater jüdischer Abstammung war. (Thüringische Landeszeitung vom 16. Juni, Üeberschrift: Judengeburt in der Straßenbahn). Die Wöchnerin wurde nämlich infolge der Aufregungen in der Straßenbahn von starken_Wehen überfallen und gab einem Mädchen das Leben. Erst da griff die Polizei ein und brachte Mutter und Kind im städtischen Krankenhaus unter! Eine einheitliche Regelung für sämtliche Krankenhäuser besteht nicht. So kommt es auf die Einstellung der betreffenden Städte oder auch nur der Aerzte an, wie sie sich in solchen Fällen verhalten. In der Regel benehmen sie sich allerdings denkbar roh und brutal, wovon nicht allein der Vorfall in Erfurt Zeugnis gibt." Mahnung zur Einfachheit! In den heutigen Zeiten, wo der herrschende Antisemitismus die Juden in eine exponierte Stellung zwingt, ist es Schicksalsfrage jedes einzelnen, wie allen zu helfen wäre. Diese Sorge der Judenh«it ist Sorge jedes Kopfes jeder Familie. Die jüdische Frau hat neben ihren natürlichen und beruflichen Pflichten eine ganz neue jüdisch-soziale Pflicht. Sie soll stützend, beratend, versöhnend wirken, indem sie zur Einfachheit mahnt, zur Einfachheit erzieht Wir Juden sollen nicht konkurrieren wollen, nicht imponieren wollen, wir sollen nur wirken. Nicht wirken im Sinne von Auffallen, Glänzen, Ueberglänzen, zur Schau stellen! Vielmehr wirken im Sinne von Ausüben und Ueben. Ausüben: unseren Beruf in seinen Grenzen, üben: Gerechtigkeit . Das Rückgrat und der Schutz jedes anständigen Menschen sind Bescheidenheit, Rechtlichkeit, Gerechtigkeit Also auch der Schutz des Juden. Jede Bescheidenheit "äußert sich in Geduld, Ausdauer, Abwarten, Fügen, Einfügen. Und nicht in sich Aufdrängen, Eindrängen, Einmischen. Gerade der Jude bemühe sich, bescheiden und unauffällig nicht nur zu leben, auch miterleben! Die jüdischen Frauen sollten jede Auffälligkeit der Kleidung, jeden besonderen Schmuck und Putz, jede auffällige Schminke vermeiden. Man nützt sich wenig und schadet den anderen! Denn, wenn nur eine unliebsam auffällt heißt es von allen, sie seien protzig! Wenn sich in öffentlichen Lokalen, in Tram und Bahn nur zwei Juden schlecht und laut benehmen, fällt es allen zur Last! Hier heißt es Einkehr üben und keinem mehr Anlaß und Grund zur Kritik geben. Wohl aber soll Selbstkritik im weitestgehenden Maße geübt werden und soll Selbsterziehung — Wunder wirken. Wir sind keine politische Gemeinschaft, wir sind eine religiöse, und gerade unsere Religion ist von tiefster Ethik. Diese Ethik nicht nur theoretisch, auch praktisch zu beherrschen, wäre oberstes Gebot dieser schweren Zeit. Wir Juden sind immer bereit, dem Einzelnen zu, helfen. Aber der Einzelne sündigt oft mehr an allen, als je gut zu machen ist. Woher stammt denn unsere Widerstandskraft gegenüber Elend und Verfolgungen? Nur aus unserer großen Vergangenheit aus der Vergangenheit heroischjüdischen Geistes. Das Schicksal der deutschen Juden beschäftigt die ganze Welt. So schrecklich der Ruin und Untergang so Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art ll.f Rolenkreuzgasie 3 Tel. A 49-5-37 Oe wie Oesterreich. Die deutschen Nachrichtenagenturen, schreibt das „Prager Tageblatt", passen selbst die Wörter, mit denen sie telephonisch oder im Rundfunk komplizierte Eigennamen buchstabieren, der politischen Linie des Regimes an. Nach der Machtergreifung durch Hitler wurden die rassisch anstößigen Namen über Nacht ausgemerzt. „N wie Nathan" wich „N wie Nikolaus", „S wie Samuel" heißt jetzt „S wie Siegfried". Aus „A wie Anna" wurde „A wie Adolf". Als Berlin mit Wien unzufrieden wurde, mußte „Oe wie Oesterreich" — „Oe wie Oeffentlichkeit" Platz machen. Nachdem der Reichskanzler Herrn von Papen beauftragt hat, freundschaftliche Beziehungen zu Wien wieder herzustellen, heißt es wieder: „Oe wie Oesterreich". vieler Existenzen auch ist, so wundervoll ist die Einigkeit unter den Juden vieler Länder. Der jüdische Stolz, der Stolz, Jude zu sein, umschließt alle Brüder aller Kreise und Klassen. Man hört die anderen von hohen jüdischen Erfolgen sprechen, von Erfolgen in Wissenschaft und Kunst! Man hört große Namen, deren Träger Juden sind. Man nennt große Männer, erlebt bedeutende Aufstiege aus kleinen Anfängen — nach Schilderungen — mit. Wo Lebensenergie ist, ist auch Lebensfähigkeit! Die Juden sind Heroen der Geschichte. Sie haben keine Zeit zu „verschlafen". Immer müssen sie wachen und sorgen, immer müssen sie über ein Leben wachen, das voller Fragen ist, die nicht sie, die nur ihr Leben und w i e sie es leben, beantworten kann! Die Juden werden nicht gehaßt weil sie, sondern wie sie Juden sind. Das Leben der Juden mag noch so arm sein, der jüdische Geist ist es nicht! Der ist nicht zu brechen. Und dieser Geist, gepaart mit der Ethik unserer Religion, ist unser Halt und Hort wie eh und je und sei unser Erzieher — zur Einfachheit. _ Seiina Krenberger. Die arabischen Jadenjagden in Palästina. Die Bildung illegaler Trupps aus jungen Arabern, die sich die Machtbefugnis von Gendarmen anmaßen und jüdische Palästina-Wanderer am Betreten palästinensischen Bodens hindern, hat ihre ersten blutigen Früchte getragen. In der Nähe der jüdischen Kolonie Nathania und in Chederah kam es zu ernsten Zusammenstößen zwischen solchen arabischen Trupps und jungen Juden. Am 14. August abends versuchten in der Nähe von Nathania freiwillige arabische Grenzwachen jüdische Einwanderer, die angeblich ohne gesetzliche Erlaubnis in das Land kommen wellten, am Betreten palästinensichen Bodens zu verhindern. Dabei entwickelte sich ein ernster Kampf zwischen arabischen und jüdischen Jugendlichen. Die Kampfhandlung wird von der Jerusalemer Leitung der palästinensischen Polizei auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur zugegeben: es wird angenommen, daß die Regierung über diesen Vorfall ein Communique herausgeben wird. Noch ernster scheinen Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden in der jüdischen Kolonie Chederah gewesen zu sein. Wie es heißt, sollen dort zwei junge Araber, die sich unter dem angreifenden Trupp befanden, ernstlich verletzt worden und einer soll am 17. August den Verletzungen erlegen sein. Polizeiverstärkungen gingen von Jerusalem nach Chederah, um weitere arabisch-jüdische Zusammenstöße zu verhindern. Es wird angenommen, daß die Regierung nunmehr der Einmischung unbefugter Personen in die offiziellen Handhingen der Behörden Einhalt gebieten und daß es zur Verhaftung einwandernder Juden seitens arabischer Jugendlicher, die sich Polizeibefugnisse anmaßen, nicht mehr kdmmen wird:. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: Hl.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 Die palästinensischen Zeitungen stellen fest, daß die Gefängnisse in Palästina voll sind von Juden, die unter der Beschuldigung, illegal in das Land gekommen zu sein, verhaftet worden sind Das Gericht in Haifa verurteilte wegen ungesetzlicher Einwanderung 23. meist syrische. Juden und 3 christliche Russen m je zwei Monaten Gefängnis und zur Landesverweisung nach Verbüßung der Strafe. * Die Gerüchte, daß ein bei Nathania verletzter arabischer Pfadfinder gestorben sei. haben sich nicht bestätigt; der Zustand des Verletzten ist zufriedenstellend. Die Erregung flaut ab. In ganz Palästina herrscht Ruhe. In Jaffa, Nablus und Tulkarem wurden die verstärkten Polizei-Patrouillen zurückgezogen. Jtus alter Welt Washington. Unter großem militärischen Zeremoniell wurde der Leichnam des verstorbenen belgischen Gesandten in Washington Paul May, der bekanntlich orthodoxer Jude war, aus der provisorischen Gruft im Arlington-Friedhof geholt, um nach Belgien überführt zu werden. Zahlreiche hohe Regierungsbeamte und die ausländische Diplomatie wohnten der Zeremonie bei. Der Leichnam wurde aui einer Lafette zum Bahnhof gefahren und wird im Hafen von Annapolis an Bord des belgischen Kreuzers „Pensacola" gebracht werden der sich zu diesem Zwecke in den amerikanischen Gewässern eingetunden hat. Am 27. August wird das Eintreffen des Kreuzers mit der Leiche in Antwerpen erwartet Der amerikanische Botschafter David Morris geleitet als persönlicher Vertreter des Präsidenten Roosevelt den Leichnam Paul Mays in die Heimat Belgien. Warschau. Nach 15jähriger Tätigkeit an deutschen Buhnen ist der Schauspieler Kurt Kaisen, der zuletzt dem Ensemble des Berliner Kulturbund- »*ters anKenörte und als eines der hervorragendsten Mitglieder dieser Truppe geschätzt wurde, zum jiddischen Theater übergegangen. Sein erstes Auftreten am Warschauer Jiddischen Theater als Trager der Hauptrolle in Arnold Zweigs Sergeant Grischa" wird in literarischen und künstlerischen Kreisen als bedeutender Erfol" gewertet. Die Kritik hebt gleichzeitig die Leistung Katschs, der das Stück inszeniert hatte, als Regisseur hervor. Der Kunstler hat seinen nunmehr dreimonatigen Autenthalt in Warschau dazu benutzt, seine Kenntnisse m der jiddischen Sprache, die zu pflegen er seit seiner Jugend nicht mehr Gelegenheit hatte, aufzufrischen und zu erweitern. ^•..LAmsterdam' ,n Zusammenhang mit dür Feier des 40jahrigen Bestehens des Verbandes jüdischer Reli-?'?"sl?h*er in Holland „Achawah" ernannte Königin Wilhelmine Herrn M.Mendels, der bereits seit 40 Jahren Sekretär des Verbandes ist. zum Ritter des Ordens Oranaen-Nassau. Herr Mendels hat auch als Journalist in jüdischen Kreisen Amsterdams einen Namen. Mailand. Im Alter von 54 Jahren ist der bekannte italienisch-jüdische Alpinist Maurizio Monselisi in Mailand gestorben. Monselisi. der Sekretär des „Club Alpino Italiano" war. gehörte zu dem engeren Bekanntenkreis des jetzigen Papstes Pius XI., der sich viele Jahre lang in Mailand aufhielt und gemeinsam mit Monselini eine Reihe von Hochtouren unternommen hat. Auch sonst ist der Verstorbene im öffentlichen Leben hervorgetreten. Er war bekannt durch seine eifrige Betätigung in patriotischem Sinne, gehörte dem Vorstand der Mailänder Sektion des Vereins „Dante Aleghieri" an und war Förderer mehrerer jüdischer Wohlfahrts- Einrichtungen in Mailand. Berlin. Am 28. Juli voltendete der Philosoph Ernst Cas sirer sein 60. Lebensiahr. Cassirer stammt aus Breslau, ist Schüler Hermann Cohens gewesen, habilitierte sich in Berlin, war dann bis zum vorigen Jahr Professor an der Universität Hamburg Jetzt lebt er in England. Ein in Umfang und Tiefe imposantes Werk legt für seine philosophische Arbeit Zeugnis ab. 1(F AMI LI ENSCH tlTZ'* Gemeinnutzige Vereinigung für Familienftirsorge Wien II.. AspernbrSckenqaaae 2_ Toi. R 43-500 Daren Monatsbeiträge von S I bis 10 kann man bei uns sicherstellen: Studienbeiträge für Toohter und Sohne Ausstattungsbelträge für Töchter Vorsorge für das Alter und für dia Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hohe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit. 4. Volle Garantie der Lebensversicherungsgesellschaft .Phönix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Der „PAM1LIEN3CHÜTZ" wird von der Wiener Kultusgemetndo befürwortet