Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 34 (24.8.1934)
- Date
- 1934-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Verwöhnte Strohwitwer speisen vorzüglidi im "TOD RESTAURANT HOTEL STEFANIE "TOD n., TaborstraSc 12, TeL R 46-5-57 Reichhaltige Menüs von S 1.60 auf». Täglich frische Fische. Spellen am Rost. Schöner schattiger Garten Danzig bleibt antisemitisch. Die gemeldete Ernennung eines jüdischen Mitgliedes in den staatlichen Wirtschaftsrat, die an sich natürlich keine Aenderung der antisemitischen Einstellung der Regierung und vor allen Dingen derJudenihetze der nationalsozialistischen Partei bedeutet, hat indessen sofort die Parteipresse auf den Plan gerufen, die jetzt mit besonderem Nachdruck fordert, daß in den neuen Selbstverwaltungskörpern der Wirtschaft nur nationalsozial istische Persönlichkeiten Platz finden dürfen. Sie dürfen nichts weiter sein — so erklärt das Danziger Regierungsorgan wörtlich — als Werkzeuge eines politischen Auftrages des Senats. Damit werden auch die Erwartungen zunichte gemacht, die von seilen der Danziger Wirtschaftskreise der Neuregelung der Selbstverwaltungskörper entgegengebracht wurden. Was die Juden anbetrifft, die in die Selbstverwaltungskörper, sei es durch WiaM, sei es durch Nominierung eintreten, so wird angenommen, daß sie, sobald sie sehen werden, daß ihr Einfluß gleich Null bleibt, von selbst auf die Aemter verzichten werden. _ J. T. A. Ein Bisehof Uber die Juden. Der Bischof von Johannesburg (Südafrika), Rev. A. B. L. Karney, hielt kürzlich im dortigen Rotaryklub eine Rede, in der unter anderem ausführte: „Die Deutschen machen denselben großen Fehler, den seinerzeit die Spanier gemacht haben. Die besten "Wissenschaftler, die besten Industriellen, die hervorragendsten Köpfe überhaupt verlassen ietzt das Land. Die Berichte aus Deutschland sind nicht übertrieben, sondern eher beschönigt. Seit jeher sind die Juden verfolgt worden, aber es gibt keine Na.tion, die die Juden verfolgt hätte, ohne selbst darunter zu leiden. Spanien hat sich bis heute noch nicht erholt und die Deutschen machen jetzt denselben Fehler. Ich würde sehr betrübt sein, wenn der Antisemitismus sich in unserem Lande ausbreiten wüfcde. Es sollte den Juden Gelegenheit gegeben werden, ihre bewundernswürdigen Gaben als Mitbürger unseres Landes zu entfalten. In England haben die Juden großen Anten genommen an der Entwicklung des Staates. Südafrika ist noch ein junges Land und die Juden hatten noch keine Gelegenheit, ihre Tugenden und Pflichten als Bürger zu entfalten. . Die Juden sind die fähigste Nation der Welt und wir wünschen, ihre Fähigkeit zum Wohle des Staates zu nützen, aber nicht durch Gewalt, nicht durch Antisemitismus." Einer, der ungebeugt blieb. Wir wollen von einem jüdischen Manne berichten, den das Leben zerzauste, der aber sich dem Schicksal entgegenzustemmen wußte und ungebeugt den Kampf ums Dasein wiederaufnahm. In einer deutschen Stadt sah sich eines Tages ein jüdischer Rechtsanwalt durch den Umschwung vor das gleiche Los gestellt, das mit ihm so manchen seiner Kollegen betroffen hatte. Die Gesetze schlössen ihn von der Ausübung des Berufes aus und nahmen ihm damit Brot und Existenz. Wäre er einer der vielen gewesen, die ohne seelische Widerstandskräfte verzweifelten, die hilflos dem Geschehen gegenüberstanden, so hätte auch er die Waffen gestreckt Unverzagt sah er sich jedoch nach einer neuen Existenzmöglichkeit um und nahm den Posten eines — Schammes in der Gemeinde seiner Heimatstadt an Ein Rechtsanwalt, der Schammes wurde, rümpft man da nicht die Nase, spricht man da nicht von mangelndem Standesbewußtsein und fehlender Berufsehre? Wir meinen, daß der Beruf des Schammes so ehrenwert ist wie jeder andere auch, daß er seinen Mann nicht nur — wenn auch schlecht — nährt, sondern auch ehrt Darüber hinaus beweist unser Rechtsanwalt daß die neue Zeit bei aller Tragik doch mit manchem iallthergebijachten Vortmteäl aufgeräumt hat Nicht mehr um den Schein geht es, sondern um das Sein. Wer da zufaßt, unbekümmert die ihm dargebotene Lebensmöglicbkeit ergreift, der schüfet über das äußere Sein hinaus auch das innere. Wer aber an alte Werte sich klammert, nicht mit Gegebenem rechnet, der verliert den Boden unter den Füßen, verzweifelt und wird haltlos. Ein Rechtsanwalt der Schammes wurde, das ist etwas absolut Neues und Ungewohntes. Der Rechtsanwalt, der seine Robe ablegen mußte, sie aber mit der des Schammes vertauschen konnte, erhebt sich weit über die Juden hinaus, die, verbittert und mit überlebten Vorurteilen behaftet, daxangehen müssen, sich ein neues Leben zu zimmern. Sicherlich sind die heute besser daran, denen das Judentum nicht Bürde ist sondern Erfüllung. Die in wahrer, tiefer Religiosität leben und im Glauben in seelischen und materiellen Nöten einen Halt finden. Mit Grauen sah man seit langen Jahren schon die Abwendung weiter jüdischer Kreise von den geistigen Gütern des Judentums, die gedankenlose Zuwendung zum rein Materiellen. Mußte sich eine solche Einstellung nicht bitter an denen rächen, die sich eines Tages vor dem Nichts sehen? Die nicht einsehen konnten, daß das Judesein tausendfaches Leid in sich schließt aber auch tausendfache Freude? Man hat es ihnen so oft vorgehalten, daß das Judentum den Hohen dem Niederen gleichstellt daß es nur den Menschen wertet und von sozialen- Unterschieden nichts wissen will. Nun verzweifeln sie, da sie nicht hören wollten und von ihrer imaginären Höhe stürzten. Sie sollten auf den Mann sehen, von dem hier die Rede war. Er könnte ihnen aufzeigen, was ein Jude zu leisten vermag, wenn eine neue Zeit anbricht die nicht mehr fragt nach dem Stand des Einzelnen, sondern nur die Persönlichkeit in Rechnung stellt. Sehen sie, die Verzweifelten, Gebeugten, auf diesen wahrhaft jüdischen Mann, dann werden sie neuen Mut schöpfen, erstarken und wieder hoffen, und das wird ihnen und mit ihnen dem ganzen Judentum zum Segen gereichen. Hans Loewenstein, Berlin. Wohnzimmer s 270— bestehend aus 1 Kasten, 3 türig Vollbau, 1 Lotterbett, 1 runden Tisclf und 2 Fauteuils. FEBDINAND HOHN; HL, Töborslraöe Nr. 22 •»•••■»••••••••»•••••••»•••••••••••i Ernste antijüdische Ausschreitungen in Litauen. In der litauischen Stadt S c h a u 1 e n kam es am Donnerstag, den 16. August, abends, zu ernstenantijüdischen Ausschreitungen, wobei acht Juden durch Messerstiche und Steinwürfe erheblich verletzt wurden. Fünf der Verletzten mußten ins Krankenhaus transportiert werden. Die Ausschreitungen haben die folgende Vorgeschichte: Am Mittwoch, den 15. August kam es zwischen einem nichtjüdischen Apotheker und einem Juden auf einer Straße in Schaulen zu einem Streit der in eine Schlägerei ausartete. Dabei soll der Apotheker durch Messerstiche am Kopf verletzt worden sein. Aufgehetzte jugendliche Litauer drangen dann am Donnerstag, 10 Uhr abends, mit Messern und Steinen bewaffnet, in eine zionistische Versammlung ein und griffen die Versammlungsteilnehmer an. An dem gleichen Abend wurden im Stadtpark von Schaulen an mehreren Stellen Juden überfallen und mißhandelt, wobei auch Schüsse fielen, die jedoch niemanden trafen. Als die Polizei erschien, waren die Täter bereits, geflüchtet Die Polizei leitete eine strenge Untersuchung ein. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht wegen dieser Vorgänge große Erregung. Antisemitische Pressehetze in Rumänien verboten. Die antisemitische Pressehetze, die in letzter Zeit mit besonderer Intensität betrieben wurde, soll nunmehr durch energische Maßnahmen unterbunden werden. Die Zensurbehörde gibt eine Reihe von Themen bekannt, über die Artikel in den Zei- Änläßlich der hohen Feiertage findet wie alljährlich der FESTGOTTESDIENST im Prachtsaal „Auge Gottes". IX., Nußdorferstr. 75, statt. Der Kartenverkauf findet ab 26. August täglich von Vi3—5 Uhr nachmittags, an Sonntagen von 9-12 Uhr vormittags, dortselbst statt Karten von S 5.— aufw. Vorstaad des Vorstand Tempelvereines BIkur Chaullm DC-, Müllnergasse IX., Llechtensteinstr. 113 •k» RESTAURANT BIUET n bestrenommlerte KUche Reichhaltige Menüs ä S 1.90 und 2.60. Sohwechater Bräu II., Hominer-Puräs'allä. 3 (nächst Salztorbrflcke) Telephon A 41-0-25 tungen nicht erscheinen dürfen. So wird es in Zukunft verboten sein, Artikel zu veröffentlichen, in denen die Tätigkeit und das Programm „extremer Bewegungen" in günstigem Lichte dargestellt wird. Außerdem heißt es ausdrücklich, daß keine Artikel erscheinen dürfen, die zum Klassen- und Rassenhaß aufreizen. Trotzdem wird die Pressehetze fortgesetzt Das Märchen von der arischen Rasse ist auf dem internationalen Kongreß der Anthropologen und Ethnologen* der vor einigen Tagen in London tagte, neuerlieh als das entlarvt worden, was es ist: als eine Fabel ohne jede wissenschaftliche Fundierung. Professor Sir Graf ton Elliot- Smith erklärte, ein wissenschaftlich gebildeter Ethnologe könne natürlich niemals von einer arischen Rasse, von arischem Blut arischen Augen oder arischem Haar sprechen, weil es so etwas nicht gebe und niemals gegeben habe. Gerade so gut könnte man von einem rundschädligen Wörterbuch oder von einer langschädligen Grammatik sprechen. Arisch sei eben gar keine Rassebezeichnung und die Wortzusammenstellung „arische Rasse" müsse als völlig sinnlos angesehen werden. Ebenso sinnlos sei es jedoch zu behaupten, daß die Arier die Zivilisation gleichsam erfunden hätten. Es sei vielmehr anzunehmen, daß die menschliche Zivilisation ihren Ausgang wahrscheinlich von Aegypten, sicher aber von den an den Küsten des Mittelmeeres lebenden Menschen genommen habe. Das bedeute keineswegs, daß die Mittelmeermenschen besser seien als irgend eine andere Menschengattung, sondern die Entwicklung der Zivilisation in diesen Gebieten sei auf die geographische Lage der Mittelmeerländer, auf das Klima usw. zurückzuführen. Die primitive Kultur, die von den nationalsozialistischen Agitatoren als urdeutsch und nordisch gepriesen wird, ist, wie der englische Gelehrte hervorhob, gar nicht nordisch, sondern sie stammt in Wirklichkeit von den Babyloniern, von denen sie die sogenannten Arier übernommen haben. Als den allergrößten Unsinn bezeichnete es Sir Grafton Elliot- Smith, das Wort „arisch" in dem Sinn von „nicht jüdisch" zu gebrauchen, denn das widerspreche allen Ergebnissen der anthropologischen Forschung. Sie ersparen fiel Zeil und flclfl, wenn Sie zu Rosen-Haschonoh statt spezieller Gratulationen allen Ihren Verwandten« Freunden. Bekannten, Kunden und Gästen in'der Neujahrs-Pestnummer der »WAHRHEIT" viel Glück sagen. Nur bis Freilag, den 31. August können Aufträge berücksichtigt werden. Um allen äenen, die durch „Die Wahrheit" gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien oder Personen erreicht denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulaüonsbestellung aufgegeben werden, Je ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. --Ausschneiden!-- Bestellschein An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glückwunsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6'— *) Doppelfeld zum Preise von S 11"— welches Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende *) Nichtzutreffendes bitte streichen. Textangabe:............................................................... 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