Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 34 (24.8.1934)
- Date
- 1934-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Aber der Erfolg war ganz anders als di© Juden sich ihn vorgestellt hatten. Wie? sagten die Araber. Es gibt also doch noch ein Volk auf der Welt, das sich dieser Pest zu erwehren versteht? Dann wollen wir noch einmal versuchen, ob wir dazu nicht auch Manns genug sind. Es entstand eine ungeheure Gärung, bis sie jetzt losgebrochen ist und sich inderhierlandesüblichen Art Ausdruck verschafft hat. Die Verblüffung über diesen unerwarteten Erfolg ihrer Greuelhetze war bei den Juden ungeheuer . . . Diesmal also haben sich die Weisen von Zion mit aller ihrer berechnenden Schlauheit selbst in die Finger geschnitten. Es wäre nur zu hoffen, daß der Greuel schwinde! auch anderwärts seinen verdienten Lohn erhielte." Streng rituell... wird Kunerol erzeugten modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%iges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirks- Frieden in Algerien. Der Bürgermeister von Constantine, Marinaud, hat der französischen Regierung die Forderung vorgelegt eine Reihe von Maßnahmen zu treffen, durch die eine Wiederholung der anti j üdi schen Unruhen unmöglich gemacht werden soll. Ein militärisches Luftgeschwader von -500 Flugzeugen soll dauernd in Algerien stationiert werden. Die anläßlich der Unruhen vergrößerte Garnison von Constantine soll in ihrer jetzigen Stärke aufrecht erhalten werden. Eine amtliche Kommission möge eingesetzt werden, die eine offizielle Schätzung der Verluste vorzunehmen und einen großen Hilfsfonds zu schaffen hätte. Den jüdischen Kaufleuten, deren Läden zerstört wurden, soll sofort ein Moratorium eingeräumt werden. Wie die Jüdische Telejraphen-Agentur erfährt, haben Qeneralgouverneur Carde und die Regierung diese Forderungen gebilligt. Von den wegen Beteiligung an den antijüdischen Unruhen in Constantine Verhafteten stehen vier unter Mordanklage. Die Verhaftungen dauern an. Mehr als 200 Versicherungsansprüche wurden von geschädigten Ladenbesitzern erhoben. Zwischen jüdischen und arabischen Führern finden Versöhnungsaktionen und Austausch gegenseitiger Sympathie-Erklärungen statt. Sämtliche mohammedanische Mitglieder des Gemeinderats von Oran, Algerien, haben die folgende Kundgebung erlassen: „Die moslemitischen Vertreter im Gemeinderat von Oran bekräftigen nach den Ereignissen von Constantine noch1 einmal ihren Willen, daß Frieden zwischen den Rassen und Religionen herrsche. Sie erfahren mit Bedauern den Entschluß des Generalrats Ghighi. des einzigen jüdischen Stadtrats von Oran, bei den nächsten Wahlen nicht wieder zu kandidieren. Sie versichern ihn ihrer rabbiners S. Ehrenfeld Mattersburg hergestellt zu KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung! Dankbarkeit für die von ihm uneigennützig geleistete Arbeit und sprechen den Wunsch aus, daß ein jüdischer Kandidat mit echt menschlichen und französischem Geist für den freiwerdenden Posten des Generalrats sich zur Verfügung stelle." Da Ghig*h& bei seiner Weigerung verblieb, wurde der jüdische Advokat Karsenty zum Mitglied des Stadtrats nominiert. Wie das „Pariser Tageblatt" meldet, wurde der in Frankreich weilende jüdische Friseur aus Constantine Adolphe Guedj bei Erhalt der Nachrichten über die Vorgänge in Constantine wahnsinnig. Als ihm mitgeteilt wurde, daß die Pogromisten seinen Friseurladen ausgeplündert und zerstört haben, verließ er Paris, um nach Constantine zurückzukehren. In Marseille wurde er von Wahnsinn befallen. Er zertrümmerte mehrere Fensterscheiben. Er wurde überwältigt und in eine Anstalt gebracht. ' standen. Sie wurde in diesen Tagen im Gebäude des Stadtschulrates installiert. Mir, als Leiter dieser Stelle ist Prof. Dr. M. P a p o als Mitarbeiter bestimmt worden. Diese Arbeitsgemeinschaft wird in stetem, ununterbrochenem Kontakt mit der Kultusgemeinde bleiben, als deren Teilglied und Fortsetzung in das Allgemeine Volksbildungsamt sie sich betrachtet Sie wird eine A rbeitszentrale werden, aus allen Teilen des Judentums zusammengesetzt, um in ehrlicher, aufstrebender jüdischer Arbeit ein Bild der Eintracht und des friedlichen Zusammenarbeitens zu bieten. Die jüdische Volksbildungsstelle. Von Prof. Dr. K. Kupfer, Referent für jüdische Volksbildung. Wir haben in unserer letzten Nummer über die Bestellung eines Vertrauensmannes für jüdische Volksbildung seitens der Gemeinde Wien berichtet. Wir erhalten nun von diesem folgende Zuschrift: Als sich aus dem furchtbaren Ringen der Februar- und Julitage unseres ereignisreichen Jahres der neue österreichische Staat entwickelte, wurde ein V o 1 k s b i 1dungsamt für Wien geschaffen, das alle Volksbildungsinstitute und Zentren umfaßte und fortwährend neue dazu gründete. Die Grundlage des neuen Staates ist religiös und deshalb stellte sich die Notwendigkeit ein, ebenso wie bei dem Religionsunterrichte in den Schulen auch in der Volksbildung eine Teilung nach Konfessionen vorzunehmen. So entstand die jüdische Stelle im Volksbildungsamte. Die neugeschaffene jüdische Volksbildungsinstitution, die die Zustimmung und Ermunterung des Bürgermeisters und des Bundespräsidenten gefunden hat, sollte durch einen Religionslehrer, der gleichzeitig Bundesbeamter ist, geleitet werden. Auch der Referent für das gesamte Volksbildungswesen Wiens ist aus dem Kreise der Mittelschullehrer hervorgegangen. Die Besetzung erfolgte im engsten Einvernehmen mit dem Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Friedmann, dem Rat der Bürgerschaft, Dr. Ehrlich und dem Präsidenten der autonomen-spaniolischen Gemeinde, Heskia, in Wien. Die rein religiös-kulturellen Tendenzen dieser Stelle werden noch dadurch betont, daß der Volksbildungsreferent der Stadt Wien in meiner Begleitung in den nächsten Tagen dem Oberrabbiner Dr. Feuchtwang einen Besuch abstatten wird, um über die Volksbildungsziele eine Aussprache zu pflegen. Die jüdische Volksbildungsstelle folgt im großen und ganzen den Richtlinien des allgemeinen Volksbilüungsamtes. Aber sie wird ihre jüdische Eigenart voll und ganz bewahren. In erster Linie: Pflege und Studium der jüdischen Religion und Kultur außerhalb der Pflichtschule für unsere Jugend und auch für die Erwachsenen. Wo sie_vollauf geschieht, wird sie bloß registriert, vermerkt und als positive Leistung gewertet werden. Aber leider ist der weitaus größere Teil der Judenschaft — und nicht nur in Wien — indifferent, was durch viele Beispiele bewiesen werden kann. Jeder Rabbiner, jeder Religionslehrer und jüdische Volksbildner weiß davon ein Lied zu singen. Gegen diesen religiösen Indifferentismus wird das jüdische Volksbildungsamt kämpfen: durch belehrende Kurse aus der jüdischen Weisheitsquelle, der Bibel, des Talmud und der jüdischen Literatur soll der religiösen Gleichgültigkeit entgegengewirkt werden. Die Fremdheit in jüdischen Religionsbegriffen, die Inkongruenz zwischen schönen Worten und mangelhaftem Handeln in Sachen des Judentums muß einer p ositiven Einstellung Platz machen. Der Religionsunterricht in den Pflichtschulen allein ist für das jüdische Kind zu wenig. Da müssen Kurse und Anregungen zum Hausunterrichte einseizgn. Die Kenntnis des Gebetbuches, der laufenden Wochenabschnitte, der Bibel, der unentbehrlichen jüdisch-religiösen Tatnandlungen, wie z. B. das Tefilinlegen, soll zum Gegenstand von neuen Unterrichtskursen auch, für Erwachsene werden. In Deutschland hat die Not die Juden beten gelehrt Die Gebetkurse für Erwachsene in Deutschland nehmen einen ungeahnten Aufschwung und gerade vor den höchsten Feiertagen wird z. B. mit Volleifer studiert um zu bewirken, daß alle Betenden eine wahre große Betgemeinschaft bilden, die in Gottesinnigkeit den „Tag des Gerichtes" im Tempel verbringen will. Das jüdische Volksbildungsamt will mithelfen, daß aus dem Innern heraus, aus dem jüdischen Volke selbst, der Drang zum Tempelbesuch entstehen soll, demzufolge die Tempel nicht nur an drei Tagen im Jahre gefüllt werden. Denn die Religion hat unser Volk erhalten und die Religion gibt uns die innere Kraft alles Böse zu überdauern. Die jüdische Religion hat zuerst erkannt und ausgesprochen (Jesaias Kapitel II), daß der Völkerbund- und Menschheitsgedanke einst eine Realität erringen und daß eine übernationale Ordnung und Sittlichkeit in das Menschheitsgewissen aufgenommen werden wird. Die jüdische Religion ist die Grundlage einer Gemeinschaftserziehung. Sie ist die Grundlage einer staatsbürgerlichen Erziehung. So sollen möglichst bald jüdisch-rejigiöse Verbände unter den jüdischen Mittelschülern und den jüdischen Hochschülern ins Leben gerufen werden, die durch das jüdische Volksbildungsamt stets nach den Grundlehren unserer Religion geleitet werden sollen. Dadurch wird der jüdisch-religiöse Charakter gebildet und gefestigt werden. Das ist nur ein Teil der jüdisch-religiösen Arbeit der Volksbildungsstelle. Es sind noch andere jüdische Volksbildungsziele und Themen vorhanden, die in dieses Arbeitsgebiet gehören, wie z. B. jüdische Geschichte, hebräische Sprache, Anteil der Juden an der Kultur der Völker u. ä. m. Die jüdische Volksbildungsstelle ist im engsten Einvernehmen mit der Israelitischen Kultusgemeinde ent- Aas der braunen Hölle. Die Ermordung des jüdischen Arztes Doktor Lindemann in Glogau (Deutsch-Schlesienf) am 1. Juli hat, wie der J. T. A. mitgeteilt wird, in Schlesien großes Aufsehen erregt Lindemann war 38 Jahre alt, Inhaber des Eisernen Kreuzes I. und II. Klasse und Vorsitzender der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Er wurde von SA-Leuten aus setner Wohnung entführt und unterwegs erschlagen. Seine Leiche wurde den Angehörigen bis heute noch nicht ausgeliefert. In England erregt eine Berliner Meldung des Londoner „Daily Herald" Aufsehen, in der davon die Rede ist, daß in Deutschland eine neue Welle von Terror, Verfolgungen und Morden im Anzüge ist. In Berlin sei bereits eine „T o t e n 1 i s t e" von 500 Personen aufgestellt worden. Diese verhängnisvolle Liste umfaßt die Namen prominenter Juden, früherer Mitglieder der Demokratischen Partei, des Zentrums und anderer kleinerer Parteien. Durch die Morde an Juden soll versucht werden, die Schuld an Deutschlands wirtschaftlichem Zusammenbruch von Hitler abzulenken und auf die Juden zu schieben, die durch ihre Boykott-Aktionen im Auslande den deutschen Export ruinieren. „Daily Herald" erklärt, seine Informationen seien verbürgt. Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Breslau telegraphiert: „Die soeben erschienene Nr. 32 der Wochenschrift „Der Stürmer" beschäftigt sich ausführlich mit dem Breslauer Mordfall Fehse, der im Jahre 1926 weiteste Kreise der Oeffentlichkeit in Aufregung hielt. Wie erinnerlich, waren damals zwei Kinder im Alter von 8 und 12 Jahren auf bestialische Weise ermordet worden. Die Tat ist nie aufgeklärt, ein Mörder nie ermittelt worden. Die genannte Nummer des „Stürmer" veröffentlicht jetzt einen mehrere Spalten langen Brief der Großmutter der Kinder und überschreibt ihn, auch in der Hauptüberschrift, mit den Worten „Der Ritualmord zu Breslau". Eine sehr ausführliche Schilderung des Mordes kommt zu dem Schluß, daß die beiden Kinder geschichtet worden sind. Mehreren Personen, darunter Polizeibeamten in Breslau wird in .einer geheimnisvollen Andeutung die Mittäterschaft unterstellt. Der stellvertretende Polizeipräsident hat die Nummer des „Stürmer" (gegen die auch die Reichsvertretung der deutschen Juden bei den zuständigen Behörden schärfstens protestierte. D. Red.) beschlagnahmen lassen. In der amtlichen Begründung heißt es. daß der Bericht, des Blattes in allen wesentlichen Punkten völlig unzutreffend und außerdem geeignet sei, das Ansehen der Polizeibeamten in erheblichem Maße herabzusetze n." Ja