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Die Wahrheit · 1934-08-24 · Heft 34 (24.8.1934) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 34 (24.8.1934)
Date
1934-08-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 niR WAHRHEIT Die Juden in der deutschen Sprachgemeinschaft Von Reg.-Rat Dr. Emil Weinberg. \ : i Der Verfasser dieser Zeilen hielt voY einiger Zeit in einer Versammlung der „Union" über das Buch von Georg Schmidt-Rohr „Die Sprache als Bildnerin der Völker" einen Vortrag. (Siehe den Bericht hierüber in der vorliegenden Zeitung vom 3. November 1933, Nr. 44.) Dieses Buch war Ende 1932, .knapp vor Beginn der Hitler-Regierung erschienen. Inzwischen ist im Mai 1933 eine zweite Auflage dieses Buches herausgegeben worden. Der Titel lautet nunmehr: „Muttersprache. Vom Amt der Sprache bei der Volkwerdung". Eugen Diederichs Verlag in Jena. (Das Buch wurde auch von der Bibliothek der Wiener Isr. Kultusgemeinde angeschafft) Es wirft sich nun von selbst die Frage auf: Welche Stellung hat der Verfasser in dieser neuen Auflage unter Hitlers Regierung zu den die Juden betreffenden Fragen eingenommen? Er hat im großen und ganzen seine Stellung hierzu unverändert aufrechterhalten. Er sieht nach wie vor in den Jüdischen Deutschen" eine sonderartige Untergruppe des deutschen Volkes, die sich zwar von der Gesamtheit deutlich abhebt, aber deshalb nicht etwa ein besonderes Volk daneben bildet (Gelegentlich spricht er von ihnen als von sonderartiger Gesamtheit von Begabungen.) Nichtsdestoweniger hat er einige Punkte seiner diesbezüglichen Ausführungen der ersten Auflage ergänzt, berichtigt, abgeändert und unzweideutig Stellung zu den Maßregeln der Regierung gegen die Juden bis Mai 1933 genommen, obwohl er im übrigen Hitler als großen Führer bezeichnet und von ihm sagt daß sein Lebensatem Volksverantwortung sei. Im Vorworte zur zweiten Auflage weist der Verfasser darauf hin, daß seine Stellung zur Judenfrage zu persönlicher Herabwürdigung führte, obwohl er wisse, daß auch Fichte, Bismarck und Mussolini auf seiner Seite stünden. Besonders letzterer habe sich gegen die Zerreißung der Einheit der italienischen Nation durch irgend eine Rassenlehre, etwa die antisemitische, ausgesprochen. Der Abschnitt in dem sich der Verfasser mit der Stellung der Juden innerhalb des deutschen Volkes beschäftigt heißt nunmehr: „Zurückweisung der schädlichen Formen des Rasseglaubens". Darin wurden unter anderem folgende Stellen neu aufgenommen: „Die heute üblich gewordene Form der Suche nach den .echten Deutschen' ist ein afterwissenschaftlicher Verrat am Volkstum. Ein echter Deutscher zu sein ist nicht schon eine nationale Leistung, wie sich heute Leute mit blauen Augen einbilden. Aber sich als guter Deutscher in seinen Handlungen im Alltag bewähren, das sollte gelten.... Gefährlich ist alle demagogische Zerspaltung der deutschen Einheit die den .echten' Deutschen den Blankowechsel ausstellt, daß sie von vornherein bessere Deutsche seien als die weniger echten. (Warnungen dieser Art haben dem Verfasser nach seiner Angabe maßlose Feindschaft zugezogen.) ...Wenn die in Deutschland lebenden Vertreter der nordischen, dinarischen, ostischen Rasse und der Mischungen aus diesen Rassen als Einheit gesehen und.als .arische Rasse' in Gegensatz zu den Juden gestellt werden, so ist wohl eine Reihe von Klüften zwischen den deutschen Menschen geschlossen, es bleibt aber eine Klufi zwischen deutschsprechenden Menschen, über deren Tiefe und Bedeutsamkeit die Verantwortlichen im deutschen Volk in allem Ernst Klarheit schaffen sollten. Dieser Fragekreis ist nicht mit antisemitischen Kundgebungen geklärt . . . Wenn nun auch eine praktische Entscheidung (gegen das Judentum) gefallen ist von der ich wie von allen Maßnahmen der Regierungszeit Hitlers mit Leidenschaft wünsche, daß sie sich auch aus einem weiteren Abstand als notwendig, richtig, heilsam und dem deutschen Namen ehrend erweisen möge, so ist auch dem Vergangenen und nur Grundsätzlichen gegenüber Gewissensforschung eine der deutschesten aller deutschen Tugenden. Es wäre leicht und bequem, mich den vielen und vielzuvielen anzuschließen, die ihre nationale Gesinnung heute mit der Bekundung von Ansichten zeigen, die den meinen nicht entsprechen. Aber es wäre Feigheit, aus persönlichen Zweckerwägungen nicht von der Freiheit der Wissenschaft Gebrauch zu machen. Es ist zweifellos, daß die Juden das deutsche Geistesleben — sehr oft in verhängnisvoller Weise — beeinflußt haben. (?) Es ist aber zweifellos, daß die Juden, seit sie ihre eigene Sprache aufgaben, noch außerordentlich viel stärker vom deutschen Geistesleben beeinflußt worden sind, das ihnen überhaupt erst eine Begriffswelt gegeben hat, das sie mit seiner Sprache in allerengste Berührung bringt mit tausend Jahren deutscher Geschichte... Judenverfolgungen als Ventil für die Verbitterung der Massen helfen nicht wirklich unsere Lage bessern. Sie lenken nur von dem Notwendigen, Notwendenden ab. Wirklich notweudend ist es, daß man nicht immer im andern den Schuldigen sucht, sondern daß man sich vielmehr auch gelegentlich an seine eigene Nase faßt, daß man dazu aufruft jeder solle bei sich selbst anfangen, Deutschland zu verbessern... Die endgültigen Gesetzesbestimmungen betreffend die Juden werden von der volkswirtschaftlichen Erkenntnis der Klugheit und dem geistigen Mut unseres Geschlechtes Zeugnis ablegen. Es war in der Ordnung, (?) daß die ganze Gruppe (der deutschen Juden) für die Verfehlungen so maßgeblicher Glieder (vermutlich einzelne Zersetzer) einen Denkzettel erhielt Aber nun sollte es genügen, daß jeder ejnzelhe Schädling aus ihr unnachsichtigst zur Rechenschaft gezogen wird. Die grundsätzliche nationale Verfemung dieser Untergruppe ist leerläufiger, fruchtloser Nationalismus, der uns auf unserem nationalen Wege nicht wirklich vorwärts bringt." Caie Pension Echsfein Semmering Mit Bedauern haben wir festgestellt, daß eine der schönsten Stellen der ersten Auflage sich in der zweiten nicht mehr vorfindet Darin wurde gesprochen von den Leistungen der^dejitschen Juden für die deutsche Wirtschaft.und Wissenschaft von dem Heldentode tausender.und abertausendcr Juden auf den Schlachtfeldern für ihr deutsches Vaterland; -. - - Zusammenfassend läßt sich sagen: Abgesehen von einzelnen Entgleisungen des Verfassers, in denen er die Gesamtheit der Juden für angebliche "Verfehlungen Einzelner verantwortlich macht, bewundern wir dankbar den Bekennermut des Verfassers. Unbekümmert um die gewaltige Gegenströmung im Reiche hat er es ein zweitesmal gewagt seine Anschauungen über die Stellung der Juden innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft kundzutun und gegen Irrlehren anzukämpfen. Mögen die Anschauungen des Verfassers bald Anerkennung und Verbreitung finden! Dann werden die deutschen Juden, deren Seelenleben in letzter Zeit so tief verwundet wurde, hoffen können, in absehbarer Zeit wieder gerecht beurteilt zu werden. fillenpension Kreutberg 'Breitenstein a. Semraering (1050m) Tel: Breitenstein U — Leitung: Frau Lola Schiff Herrliche Lage, erstklassig» (streng rituelle) Verpflegung bei mäßigen Preisen. GeBffnet amek während der Feiertage (Gelegenheit zum Beten). Auf Wunsch Prospekt Jüdische Tagungen in der Schweiz. In Genf haben am Ende der Vorwoche und in den ersten Tagen dieser Woche bemerkenswerte internationale jüdische Tagungen stattgefunden, über die, wenn ihr Ergebnis vorliegen wird, was im Momente der Drucklegung unseres Blattes noch nicht der Fall ist, noch berichtet werden wird. Zunächst fand in der Vorwoche eine unoffizielle Aussprache der Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency mit einer Anzahl führender nichlzionistischer Mitglieder der Agency statt. Die Beratungen, die unter dem Vorsitz des Präsidenten des Londoner Jewish Board of Deputies Neville Lasiii abgehalten wurden, hatten den Zweck, das Maximum an Zusammenarbeit zwischen dem zionistischen und nichtzionistischen Teil derselben zu stärken. Man kam nach einem sehr lebhaften Meinungsaustausch überen, daß zu diesein Zweck unverzüglich Schritte unter Anpassung an die Bedingungen in den verschiedenen Ländern unternommen werden sollen. Seit Montag, den 20. August, tagt in Genf die III. Jüdische Weltkonferenz bei Anwesenheit von Vertretern der jüdischen Gemeinschaften aus fast allen Ländern der Welt. Sie dürfte zum Zeitpunkte des Erscheinens unserer heutigen Nummer bereits ihren Abschluß gefunden haben, denn ihr Ende war für Donnerstag, den 23. August, vorgesehen. Unter den Begrüßungen, die der Konferenz zukamen, ist besonders bemerkenswert eine Botschaft des französischen Außenministers B a r t h o u, der ihr folgendes schrieb: durch die Welt geht, befassen. Schließlich sollen Termin und Wahlmodus für den wiederholt verschobenen Jüdischen Weltkongreß festgesetzt werden, der nach einer letzten Genfer Meldung 3m Herbst 1935 zusammentreten soll, wogegen aber noch Opposition, insbesondere der italienischen Vertreter, besteht. Wir werden, wie gesagt, über die Konferenz noch berichten. „Es gibt für einen Jüdischen Weltkongreß keine nützlichere, keine wichtigere und keine edlere Rolle, als die menschliche und gesetzliche Gleichheit aller Religionen und aller Rassen zu proklamieren. Es ist peinlich, darauf zurückkommen zu müssen nach der Emanzipation, die das Werk der französischen Revolution gewesen ist. Aber die Ereignisse fordern es, und es ist nötig, die Zivilisation zu retten vor der rückläufigen Bewegung, die sie bedroht. Möge der Jüdische Weltkongreß zur Vernunft und zum Herzen der Welt sprechen. Seine Stimme wird gehört werden. Louis Barthou." Die Konferenz, die unter Vorsitz von Stephen Wise tagt, hat sich, wie der Präsident des Comitee des Delegations Juives in Paris, Dr. Nahum G o 1 dm ann, in seiner großangelegten Eröffnungsansprache ausführte, die Aufgabe gestellt, die Lage der Juden in den verschiedenen Länder zu analysieren und die spezifischen Fragen, die sich aus dieser Situation ergeben, zu erörtern. Es handelt sich hierbei selbstverständlich vornehmlich um die deutsche Judenfrage, in welchem Zusammenhang auch das Problem des Festhaltens an der Boykottparole erörtert werden soll, aber auch die Sicherung der Rechtspositionen der Juden in den Ländern des Ostens und Mitteleuropas soll besprochen werden. Hierbei wird auch die Frage der Minoritätenrechte zur Erörterung gelangen. Außerdem soll über die kritische Lage der Juden in Sowjet-Rußland beraten werden, die die ernsteste Aufmerksamkeit des Weltjudentums erfodert. Neben all diesen Fragen wird die Konferenz sich auch mit der neuen Welle des Antisemitismus, die jetzt Eine sonderbare Filmzeittmg. In Wien erscheint ein „Oesterreichs scher Film- und Bühnenkurier", in dessen Juli-August-Ausgabe sich unter anderen folgende Ergüsse fanden: „In Deutschland wird jedem Film die Spielerlaubnis versagt, an dem Juden, sei es in welcher Form immer, mitwirken. Mit dieser Tatsache muß man nicht nur rechnen, sie ist auch ein A k t a u sgleichender Gerechtigkeit gegenüber jüdischer Ueberheblichkeit und Diktaturstrebens gerade in der Filmbranche. Die Filmindustrie ist fast vollständig verjudet, und von dem alles zersetzenden jüdischen Geist und Unmoral erfüllt." „Da der Verband ausnahmslos nur arische Mitglieder vom Berufsstand aufnimmt . . . wurde von jüdischer Seite der müßige Versuch gemacht, den Verband bei den Behörden als getarnte Organisation hinzustellen. Es sei den Herren gesagt, daß wir korporativ und nominativ der Vaterländischen Front beigetreten und nur gewerkschaftlich eingestellt sind." In einigen Stellen befaßt sich dieses, von Maßnahmen des nationalsozialistischen Berliner Propagandaministers begeisterte Filmorgan mit der Veröffentlichung von Zitaten aus dem ^Stürme r" und mit Betrachtungen über die „rassische" Abstammung von Künstlern und in der Filmbranche tätigen Personen. Wie unsere Zitate zeigen, sind schon die grammatikalischen Mängel, die in sehr großer Zahl in diesem betont nationalen Blatt zu finden sind, bezeichnend und verdächtig. Die auffällige Berufung des-„Reichsverbandes der technischen Personale der Bühnen-, Film- und Kinoindustrie Oesterreichs", als dessen offizielles Organ der „Oesterreichische Film- und Bühnenkurier" sich bezeichnet, auf die „Vaterländische Front" war aber eine Voreiligkeit. Denn die Pressestelle der Vaterländischen Front teilt mit: Die Berufsorganisation der Vaterländischen Front hat sich veranlaßt gesehen, den Reichsverband des technischen Personals der Bühnen-, Film- und Kinomdustrie Oesterreichs aus ihrer Organisation auszuschließen und Johann Leopold Pock aller Funktionen zu entheben. Es ist wohl anzunehmen, daß sich die Vaterländische Front angesichts des sonderbaren Treibens der antisemitischen Filmorganteation veranlaßt gesellen hat, alle Beziehung zu derselben zu lösen. Pogrome — ein „verdienter Lohn". Die Berliner „Deutsche Zeitung" veröffentlicht einen Bericht, der ihr von einem „soeben Laus Marokko nach Deutschland gekommenen Freunde" zur Verfügung gestellt wurde. Darin heißt es unter anderem: ......Kleinere Zusammenstöße kommen täglich vor, aber die Franzosen sorgen nach Kräften dafür, daß dabei ihren lieben Juden nach Möglichkeit wenig geschieht. Wenn es diesmal ernster geworden ist, so haben die Juden es sich ganz allein selbst zuzuschreiben, und die Geschichte ist für deutsche Leser recht wissenswert. Wie überall, so haben auch hier die Juden eine tolle Hetze gegen das Dritte Reich zu entfesseln versucht. Unter Benützung der Pariser Emigrantenpresse wurden die wildesten Greuelmärchen verbreitet. Da hörte man von großen Judenmassakers in allen möglichen deutschen Orten . . . und die einfache Bevölkerung war geneigt, diese Geschichten gutgläubig aufzunehmen.

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