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Die Wahrheit · 1934-08-24 · Heft 34 (24.8.1934) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 34 (24.8.1934)
Date
1934-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis dieser Nummer 40 Grosdien ,n Deutschland verboten! Jüdisch e Die tbakrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer JudenS^m ' > Erscheint jeden Freitag flioilililiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiü Redaktion und Administration; Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 50. Jahrgang__Wien, 24. August 1934_ Nummer 34 Hitler als Bringer innerer Einheit Für den Fall des Ablebens des Reichspräsidenten sieht die deutsche, auch vom Reichskanzler Hitler beschworene Verfassung die Wahl eines neuen Staatsoberhauptes durch das ganze Volk und bis zur Durchführung dieser Wahl die Stellvertretung des Präsidenten durch den Vorsitzenden des Reichsgerichtes vor. Diese beiden Maßnahmen erschienen Herrn Hitler derzeit untragbar. Der Vorsitzende des Reichsgerichtes hat sich durch den Ausgang des Reichstagsbrand-Prozesses die Gunst der Nationalsozialisten verscherzt. Bekanntlich endete dieser Prozeß mit dem Freispruch Torglers und der drei mitangeklagten Bulgaren. Diese Bulgaren mußten seither sogar wirklich freigelassen werden, während anderseits die tatsächlichen Brandstifter in der Blutnacht des 30. Juni Hitlers Angst vor Verschwörungen gegen sein Leben zum Opfer fielen. Es ergab sich also die für das Dritte Reich ganz ungewöhnliche Situation, daß die eigentlichen Uebeltäter zum Handkuß kamen, die hiefür ursprünglich in Aussicht genommenen Sündenböcke aber freigingen — ein gewaltiger Verstoß gegen den Geist der Hakenkreuzjustiz, der den unglückseligen Vorsitzenden des bloßgestellten Gerichtes für eine auch nur provisorische Berufung an die höchste Spitze des Reiches unmöglich machte. Aber auch die Wahl eines neuen Präsidenten erschien Herrn Hitler nicht ganz geheuer. Er hat sich hierüber jüngst in Hamburg ziemlich ausführlich ausgesprochen. Der langen Rede kurzer Sinn war unverkennbare Angst des Osaf, daß die Wahl nicht in seinem Sinn ausfallen würde. In dieser fatalen Situation brachte er das große Opfer, sich selbst in die Bresche zu stellen. Er erklärte, daß der Reichskanzler fortab zugleich auch das Reichsoberhaupt sein solle, und ließ diese Entscheidung durch ein Plebiszit nachträglich legalisieren. Solch eine Abstimmung, bei der das Volk vor eine bereits vollzogene Tatsache gestellt, bloß Ja und Amen zu sagen hat, erscheint den hierin schon einigermaßen trainierten Wahlmachern Hitlers am wenigsten bedenklich und der Erfolg gab ihnen auch diesmal wieder recht. Es wurden 38,362.760 „Ja" und bloß 4,294.654 „Nein" gezählt. 90 Prozent aller Abstimmungsberechtigten haben einem in der ganzen Weltgeschichte ohne Präjudiz dastehenden Ereignis ihre Sanktion erteilt. Selbst die größten Despoten auf den Herrscherthronen hatten ihre Ministerpräsidenten. Kaiser Wilhelm II., der Bismarck stürzte und erklärte, er wolle sein eigener Kanzler sein, hat offfeell doch die traditionelle Form gewahrt und Caprivi mit dem Kanzleramt betraut. Erst Hitler blieb es vorbehalten, Regent und Regierungschef in einer Person zu sein, und das Volk der Dichter und Denker erklärte sich damit einverstanden. - Ist es wirklich einverstanden? Wie wenig ernst Hitler und sein Kreis die von ihnen inszenierten Volksbefragungen nimmt, geht am deutlichsten aus der Tatsache hervor, daß man sogar die Juden mitstimnien läßt. Wenn eine jüdische Warenhausangestellte! einer arischen Kundschaft 2 Meter Barchent verkauft oder ein jüdischer Arzt einem christlichen Patienten einen Zahn plombiert, so gilt dies im Dritten Reich als ein provokatorischer Akt jüdischer Einmengung in das deutsche Volksleben. Wenn aber staatsrechtliche Fragen zu beantworten sind, wie die, ob Deutschland dem Völkerbund angehören soll oder ob die Würde des Staatspräsidenten mit der des Reichskanzlers in ein e r Hand — der Hand Hitlers — zu vereinigen ist, dann darf auch der Jude von seinem längst grausam zerzausten, kaum noch auf dem Papier fortbestehendem Staatsbürgerrechte Gebrauch machen. Und wehe ihm, weiwi er von dieser „Erlaubnis" keinen Gebrauch macht! Oder wenn eif gar glaubt, bei dieser Gelegenheit mit dem Stimmzettel für die Leiden und Erniedrigungen, die ihm seitens der jetzigen Machthaber in Deutschland widerfahren, Revanche nehmen zu sollen . . . Wieviele „Wähler" sich von der Abstimmung absentieren, ebenso die Zahl der „Nein"- Sager, wird von den Regisseuren der Komödie festgesetzt, die ja wissen, daß ein einstimmiges „Ja"- Edikt von der Welt noch weniger geglaubt würde als das offizielle Siegesbulletin Hitlers. Auf welche Weise diese zur Frisieraig des Resultates nun einmal für notwendig gehaltenen Zahlen errechnet werden, ist unbekannt und! auch ganz uninteressant, wenn auch die Vermehrung der angeblichen „Neih"-Sager von Abstimmung zu Abstimmung eine beachtenswerte Selbsterkenntnis und richtige Einschätzung ihrer legendär „wachsenden" Beliebtheit beim Volke seitens der Arrangeure verrät. Sicher ist nur, daß die Wähler selbst am allerwenigsten Einfluß auf das offizelle Wahlresultat haben. Das Gegenteil wäre ja ein unerlaubter, in den Folgen ganz unabsehbarer Rückfall in die „Weimarer Zeiten", in denen alle Macht vom Volke ausging. Wenn Wähler, abgesehen von den hiefür von den Wahlmachern nominierten, sich der Abstimmung enthalten oder gar mit „Nein" votieren, gefährden sie keineswegs das von Hitler gewünschte Wahlresultat, das schon vor der Wahl feststeht, sondern nur ihre eigene Sicherheit, ihre Freiheit und ihr Leben. Das wissen alle — am besten die Jude», die ja den nationalsozialistischen Terror am ausgiebigsten verspüren, und das — wenn nicht etwa reine Vergeßlichkeit der Staatslenker in einer so nebensächlichen Angelegenheit — ist wohl der Grund der paradoxen Tatsache, daß die Juden, die sonst im Dritten Reiche gar nichts zu reden haben, just bei Volksentscheidungen über die wichtigsten Staatsangelegenheiten mitstimmen dürfen. Die nationalsozialistischen Rassenforscher wissen, daß der Selbsterhaltungstrieb des Individuums bei allen Rassem dominiert, daher sind dem Hakenkreuzterror Wähler aller Rassen gleich lieb und wert. Er spannt sie alle vor den Triumphwagen Hitlers," den sie in schöner Eintracht gemeinsam zum Siege führen'. Und die „Frankfurter Zeftung" schreibt ganz richtig: „Für den Zweck der Abstimmung macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob ein „Ja"-Sager der Regierung blindlings sein Vertrauen schenkt oder ob das „Ja" das Ergebnis eines Abwägens und der klaren Einsicht in edne gegebene Situation ist." Zarter kann man die nationale Konzentrierung im Zeichen der Angst vor dem Konzentrationslager nicht umschreiben ... Man kann dem nationalsozialistischen Totalitätsprinzip sicherlich nicht das Bestreben absprechen, die vielfachen Formen des deutschen Rasiere Didi gut and billig OcsterreicMsclies Qnailfäfs-faDrtkaf Ueberau erhältlich Geisteslebens in ein einheitliches Klischee zu zwängen. Aber darf man, selbst dort, wo dies gelungen zu sein scheint, vom innerer Einheit sprechen? Nur eine einzige Bevölkerungsschfchte existiert, der das Hitler-Regime tatsächlich die innere Einheit wiedergibt, die vor Anbruch des Dritten Reiches schon bedenklich brüchig geworden war: die bisher so vielfach zerklüftete J u d e n h e i t. Wohl ist unter dieser — in Deutschland wie leider überall in der Welt — der alte Parteienhader noch nicht verstummt. Aber wenn irgend jemandem, so muß Hitler das große Werk gelingen, die Judenschaft zu jener einheitlichen, religiös regenerierten Masse zusammenzuschweißen, als die sie aus jeder Verfolgung nur verjüngt hervorgegangen ist. Das entspricht zwar nicht ganz den Idealen Hitlers, aber um so mehr der jüdischen Geschichte. Diese garantiert Hitler dafür die von ihm so heiß ersehnte Unsterblichkeit. Wenm sein Name unter den „Ariern" längst vergessen sein wird — im jüdischen Liedes wird sein Andenken gleich dem Hamans fortleben als „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". läme^Mm 2. bis 8. September 1934 (Rotunde bis 9. September) Luxus- und Gebrauchsartikelmesse / Möbelmesse - Elektrizität im Haushalt"/ „Neuzeitliche Gasgeräte" Gewerbliche Kollektiv - Ausstellungen / Internationale Rundfunkmesse / Textilmesse / Bekleidungsmasse/Strickwaren/Pelzmode / „Spindel und Webstuhl" (Heimatliche Textilerzeugng) INTERNATIONALE FILM- UND KINO¬ AUSSTELLUNG Technische Messe / Bau- und Straßenbaumesse Typenschau „Haus und Grund" /„Der neuzeitliche Holzhausbau" / „Der Realitäten-Vermittler und Verwalter" / Erfindermesse / Bflrobedarf / Wintersportausstellung / Lebensmittel SONDERAUSSTELLUNGEN BRASILIENS, BULGARIENS, ITALIENS UND UNGARNS Land- und forstwirtschaftliche Musterschau Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte / Gerstenschau/Gartenbau.GartenarchitekturundBaumschulartikel / Blumensebau ' Saatzucht-Ausstellung Kleintier-Ausstellung Pferdeschau mit Vorführungen (7. bis 9. September) Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPREIS-ERMÄSSIGUNGEN! Messeausweise a S o.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft. Wien VII.. Messeplarz l — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde o d e r des Messepalastes und der Neuen Burg) ä S 2.50 bei den Kassenschaltem der Messehäuser.

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