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Die Wahrheit · 1934-08-17 · Heft 33 (17.8.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 33 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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ME WAHRHEIT Seite J Jüdische Ncnjahr-Dillcffs Goldpräge-Text mit Kuvert per 100 Stück S 5.— Postkarten-Verlag JOSEF POPPER Wien XX., Olookengasse 1, IX. Stiege Telephon R 42-6-96 Gegründet 1897 Aus der braunen Holte. Reverend M. L. Perlzweig, Vorsitzender des Weltverbandes Jüdischer Studenten, wurde von Doktor Walter Kot sehn ig, Genf, namens des Ständigen Komitees des Internationalen Studenten- Dienstes (International Student Service) offiziell dahin informiert, daß infolge der letzten Ereignisse in Deutschland, die zu Ermordung, Verschwinden oder Gefangennahme einiger seiner verdienten Mitarbeiter geführt haben, der Internationale Studentendienst beschlossen hat, alle Beziehungen zu Organisationen, die direkt oder indirekt mit der jetzigen deutschen Regierung in Verbindung stehen, einzustellen. Alle Projekte betreffend Konferenzen, Touren usw., die eine Beziehungnahme zu deutschen Behörden bedingen würden, sind infolgedessen fallen gelassen worden. 4 Der Innenminister Dr. F r i c k bat soeben eine im ganzen Volk durchzuführende Untersuchung angeordnet, durch die die rassische Herkunft aller Einwohner festgestellt werden soll. Das Ergebnis der Untersuchung soll dazu dienen, „die Rasse zu verbessern." * Streichers „Fränkische Tageszeitung" berichtet, daß die Dokumente von 2000 Personen, die zwischen November 1918 und Januar 1933 die deutsche Staatsbürgerschaft erwarben, jetzt von der Polizei überprüft werden. Von den 1200 bereits geprüften Papieren wurden 15 eingezogen. Bei dieser Prüfung ist die „nationale Erwünschtheit und arische Abstammung'' für die Belassung der Staatsbürgerschaft entscheidend. * Die gleiche Zeitung veröffentlicblte am 7. August „Aus dem Bericht der Gewerbepolizei" unter der Ueberschrift „Eine Sonderanordnung gegen Tarnung jüdischer Geschäfte" folgende Mitteilung: „Für einen Deutschen, der heute noch in jüdischen Geschäften kauft, hat die billige Ausrede, er hätte nicht gewußt, daß dieses Geschäft ein jüdisches ist, keine Gültigkeit mehr, denn es wurde angeordnet, daß der Inhaber eines Ladengeschäftes am Eingange zu seinem Laden seinen Namen so anzubringen hat, daß die kleinen Buchstaben mindestens 10 cm groß geschrieben sind. Außerdem müssen die Lieferwagen der Firmen mit der Aufschrift des betreffenden Geschäftes verseilen sein, damit man feststellen kann, durch wen die Waren an die betreffenden Privatpersonen geliefert wurden." tionen und unerwünschten Resultaten führen muß, meinen aber doch, daß keine andere Alternative möglich war; sie weisen darauf hin, daß die Regierung diese jüdische Maßnahme abwenden könnte, wenn siedie Hauptursache des Uebels, die arabischen Freiwilligen-Trupps, ausheben würde. Palästina-Nachrichten. In Palästina eingetroffenen Meldungen zufolge soll Imam Jachja von Jemen cin-i Verordnung eriassen habem durch die i;em,en 11 i s c h e u Juden verboten wird, nach Palästina auszuwandern. Die jemenitischen Juden, die während der .etzten Woche die Reise nach Palästina angetreten haben, sollen gezwungen werden, nach Jemen zurückzukehren. Es heißt, daß die neue Verordnung auf den Einfluß des Großmufti von Jerusalem Hadsch Amin el Husseini zurückzuführen ist, dessen Prestige nach seinen erfolgreichen Bemühungen um den Frieden zwischen Jemen und dem Reiche Ibn Sauds bedeutend gestiegen ist. * Nach Verhandlungen zwischen dem Jerusalemer Komitee für Rechtshilfe an Einwanderer (Legal Aid for Immigrants Committee) und dem Geüeralinspektor der Polizei Roy Spicer wurden nunmehr den 32 jüdischen Mädchen, die im Frauengefängnis von Bethlehem untergebracht sind, Betten und Koschernahrung gegeben. Die Mädchen haben alle höhere Bildung. Man hält sie für polnische Staatsangehörige, aber sie weigern sich, ihre Nationalität zu nennen, in der Hoffnung, daß das völlige Fehlen von Dokumenten, aus denen ihre Herkunftsländer ersichtlich sind, die Regierung zwingen wird, ihnen zu gestatten, in Palästina zu bleiben. Czernowitz. Der in Radautz lebende jüdische Augenarzt Dr. Israel Brecher hat ein neues Heilverfahren zur Behandlung der Trachomkrankheit entdeckt: Dr. Brecher hat, nachdem er seine Methode drei Jahre lang experimentell erprobt und ständig verbessert hatte, das Verfahren der Wiener Universitätsklinik für Augenkrankheiten vorgelegt. Diese beauftragte das Wiener Serotherapeutische Institut, das Recht zur Erzeugung des von Dr. Brecher erfundenen Heilmittels zu erwerben. Dr. Brecher wurde ferner von der Universität Athen eingeladen, dort Vorträge über sein Heilverfahren zu halten. Max Baer boxt in Deutschland? Eine sensationelle Meldung bringt der „Paris Soir", die, obwohl mit Vorsicht aufzunehmen, dennoch nicht nur in der gesamten Sportweit, sondern überall, wo es Juden gibt, ungeheures Aufsehen erregen wird. Die Meldung selbst besagt nicht weniger, als daß ein deutsches Konsortium mit Unterstützung der Regierung einen Kampf um die Weltmeisterschaft zwischen dem Titelverteidiger, dem jüdischen Boxweltmeister aller Kategorien Max Baer und dem Sieger des am 26. August in Hamburg stattfindenden Treffens zwischen Schmeling und Neusei im November oder Dezember in Hamburg oder Berlin arrangieren wolle. Der Reinertrag dieser Begegnung käme dem deutschen olympischen Fonds zugute. Wie das Blatt schließt, soll Baer eine Kampfbörse von 300.000 Mark angeboten worden sein; man hofft in Deutschland, daß der Weltmeister auf Grund dieses ungewöhnlich hohen Anbotes annehmen und im Reich boxen werde! Wie gesagt, wir betrachten diese Nachricht wohl als unglaubwürdig und können uns nicht recht vorstellen, daß Nazideutschland 'einen jüdischen Sportler vom Schlage Baers im Reiche7 Lorbeeren erringen läßt, ohne nicht irgend welche ganz durchsichtige Hintergedanken bei dieser Sache zu haben. Wir erinnern nur an das Schicksal des deutschen Tennismeisters Prenn, der Olympionikin Mayer usw. — Auf jeden Fall aber wollen wir feststellen, daß Baer bei einem Kampfe in Deutschland, dessen Reellität unter keinen Umständen verbürgt wäre, egal ob er nun als Sieger oder Besiegter dabei hervorgeht, das „Dritte Reich" kaum heil verlassen würde. Wie wir seinerzeit berichteten, ist Schmeling eingeschriebenes Mitglied der S. A. und man kann sich ungefähr vorstellen, welchen Empfang man Baer bereiten würde, der bekanntlich in seinem vorletzten Kampf Schmeling die Weltmeisterschaft streitig machte, und welche Stimmung vor, während und nach so einem Kampfe gegen Baer herrschen würde. Sulfur. Arabische Spitzel gegen „illegale" Einwanderung. Die Arbeiterzeitung „Davar" wendet sich schärfstens gegen die von den palästinensischen Behörden geduldete Tätigkeit eines arabischen „Geheimdienstes", der aus Jugendlichen besteht, die freiwilligdie Grenzen bewachen, um alle als „illegal" verdächtigte Personen anzuzeigen. Diese meist ungebildeten Jugendlichen versuchen auch die Bewohner der Grenzgebiete zu fiberreden, sich der Menschenjagd anzuschließen. Die Duldung dieser Aktion seitens der Behörden könne die unliebsamsten Folgen hervorrufen. Die Tätigkeit dieses arabischen „Geheimdienstes" entwickelt sich, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, zu einem regelrechten Geschäft für seine Mitglieder. Kürzlich wurden 75 Juden, die in der Nähe von Wadi Hawarith von einem Segelschiff aus landeten, von Beduinen in Begleitung von Küstenpolizei gefangen genommen. An einigen Stellen des Landes sind die Behörden bereits gegen die „arabischen Wachen" eingeschritten. Als Gegenmaßnahme gegen den arabischen ♦.Geheimdienst" wurden jödiiseihe JugiendIiiche ersucht, im ganzen Lande ein Freiwilligen- Korps zusammenzustellen, um die große ilLegale arabische Einwanderung zu verhüten. Jüdische Sportler ohne Unterschied der Partei wurden aufgefordert, dem jüdischen Dienst beizutreten, der die Aufgabe hat, die Grenzen zu bewachen und die „beunruhigend hohe unerlaubte arabische Einwanderung" zu verhindern. Die Freiwilligen müssen arabisch verstehen. Die hebräischen Zeitungen mißbilligen zwar diese Maßnahme, die ihrer Meinung nach zu Provoka- Bukarest. Senator Birman, der Präsident der Jüdischen Gemeinde Bukarest, wurde zum Konsul von Guatemala in- Rumänien ernannt. Die rumänische Regierung hat die Genehmigung erteilt. Duglcnlsdics Köntgsllcht Seit vielen Jahren das anerkannt beste läahvXSOZ Man achte auf die ges. gesell. Mark« „Hyglen. KSnJgsllcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengassse S TelephM R 33-1-87 KtMiKS!^ Wien I., SeltenstettengaMe 2, Tel. U 88-1-28 XL, Zentrallriedliof, ata km I. ftr, Tel. U18-0-6S GemeindwAtomt*. Feiertags-Kurse in der Berliner Gemeinde. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat an sämtliche ihm angeschlossenen Gemeinden ein von seinem Vizepräsidenten Dr. Alfred Klee unterzeichnetes Rundschreiben gerichtet, in dem es heißt: Die Berliner Jüdische Gemeinde hat anläßlich der bevorstehenden hohen Feiertage Kurse eingerichtet, um denjenigen Erwachsenen und reiferen Jugendlichen, denen ausreichende Kenntnisse des Wesens, der Gebete und Bräuche der Feiertage fehlen, diese Kenntnisse zu vermitteln. Wir glauben, daß dieses Beispiel in den uns angeschlossenen Gemeinden Nachahmung finden sollte. Wenn jemals, so bedeutet in unserer ernsten Zeit ein lebendiges Miterleben der höchsten religiösen Feiertage für unsere Gemeinschaft eine Kraftquelle, deren Segen die Generationen vor uns immer wieder haben empfinden dürfen. Tausende haben in unseren Tagen das Bedürfnis nach dem jüdischen Erlebnis, sie haben heimgefunden, aber der Weg des Verständnisses ist schwer; wir haben die Pflicht, allen Suchenden diesen Weg zu erleichtern, dafür Sorge zu tragen, daß sie nicht nur äußerlich an unsere Gemeinschaft wieder herangeführt werden, sondern durch innerliches Miterleben lebendige Glieder unserer Gemeinschaft werden. Marienbad. Aus Anlaß des 50jährigen Bestandes ihrer architektonisch so schön ausgestatteten, der weihevollen Andacht und Erhebung gewidmeten Synagoge veranstaltete die Marienbader israelitische Kultusgemeinde eine wahrhaft hervorragende Feier. Am 5. August vormittags fand ein schöner Gottesdienst statt, an dem auch die Vertreter des Landes und der Badegemeinde, Deputationen verschiedener Kultusgcmeinden, der rumänische Minister a. D. Trenko, Jassy, nebst einem illustren Kurpublikum teilnahmen . Der jugendliche gediegene Oberkantor Leo Löwy rezitierte mit seiner prächtigen Tenorstimme im vollendeten Vortrage unter Orgel- und Chcrbegleitung das Ma tauwu und einen Festpsalm, worauf Rabbiner Dr. Diamant in seiner gehaltvollen Predigt auf die Bedeutung des Tempels und seiner Pflege des Gottesdienstes insbesondere in der heutigen bedrückten, schweren Zeit hinwies. — Abends vereinigte ein Konzert, ausgeführt von erstklassigen Musikern und Sängern, die sich vollkommen uneigennützig dem wohltätigen Zwecke zur Verfügung stellten, die Elite des jüdischen Kurpublikums, das dem rührigen Kultusvorstande für die Festveranstaltungen viel Lob spendete. Die Chewra Kadiscba In Baden hielt kürzlich ihre diesjährige Generalversammlung ab. Sic stand im Zeichen der Rücktrittserklärung des bisherigen Präsidenten Lackenbacher. Dieser Rücktritt erfolgte, weil Herr Lackenbacher das bereits vom früheren Kultusvorstand eingeführte und vom neuen zionistischen Kultusvorstand übernommene System, daß der Vorstand der Chewra Kadischa nur die manuellen Angelegenheiten zu erledigen habe, aber keine Verfügungen in bezug auf Taxen treffen dürfe, nicht akzeptieren wollte. Präsident Lackenbacher, der es wie kein zweiter verstand. Leidtragenden vornehm und taktvoll zu begegnen und dabei die Interessen der Gemeinde auf das gewissenhafteste zu vertreten, ließ sich diese Herabminderung des Aufgabenkreises der Chewra nicht gefallen und machte die Annahme einer Wiederwahl davon abhängig, daß die Chewra wieder in ihre angestammten und verbrieften Rechte eingesetzt werde. Da dies nicht geschehen ist. erklärte Herr Lackenbacher, die Präsidentenstelle nicht mehr annehmen zu können. Sein Rücktritt wird in dem überwiegenden Teil der Gemeinde sehr bedauert, weil jeder Badener weiß, was Ludwig Lackenbacher, der übrigens Ehrenmitglied der Chewra Kadischa ist, in dieser Vereinigung geleistet hat. Und so wurde ein neuer Vorstand, bestehend aus den Herren Keßler. Löwinger. Oedenburger und Rausnitz gewählt. Es wurde btoß ein Personenwechsel vorgenommen, das System bleibt dasselbe. Oberkantor S. Kwartin schreibt uns folgendes: In Badgastein. wo ich zur Kur weile, hatte Herr Oberkantor M a r g o 1 i e s die Freundlichkeit, mir sein neuestes Werk, „N i g u n e i H a t f i E a h zu übergeben. Ich habe daran meine Freude gehabt; denn in unserer Zeit, in welcher die alten traditionellen Niggunim immer seltener jene Beachtung finden, die sie haben sollen, ist es ein verdienstliches Werk, den jungen Leuten, welche sich unserem Berufe widmen, ein Buch wie das meines Kollegen Margolies in die Hand geben zu können, aus dem sie bei Beachtung aller musikalischen Gesetze auch jenes Chasunos lernen können, das später die Hauptstütze ihres Wirkens bilden soll. Das bisher erschienene Heft, die Gesänge für den Freitag-Abend enthaltend, läßt lebhaft den Wunsch nach weiterer Fortsetzung dieses Werkes entstehen. Ii Das Restaurant BiUet hat sich, der Zeit anpassend, entschlossen, bei gleichbleibender hochwertiger Qualität seiner Speisen reichhaltige Menüs zu S 1.90 u n d S 2.60 einzuführen. Vorzügliche eisgekühlte Getränke. Schwechater Bräu. II., Hammer-Purgstall- Gasse 3 (nächst Salztorbrücke). i

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