Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 33 (17.8.1934)
- Date
- 1934-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der „Stürmer" als Lesebuch. 99 Dem Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg, SA-Oberführer Dr. Markmann, ist es am 12. Juli gelungen, durch zwei Dokumente den Geist des neuen Deutschland, seinen Stolz und sein reines Wollen mit einer Klarheit zu umreißen, die viele Deutsche beiderseits der Grenzen bisher vergeblich angestrebt haben. Das erste Dokument ist ein Schreiben der Stadtverwaltung Magdeburg an sämtliche Vertreter der ausländischen Presse in Berlin. Links oben au! dem Bogen prangt in Blinddruck das Magdeburger Wappen, die Zeilen sind in deutscher Maschinenschrift gesetzt. Ein eindrucksvoller Brief, ein feierlicher Appell des Stadtoberhauptes an die Völker aller Zungen, auf ihren Reisen der guten Stadt Magdeburg nicht zu vergessen. Denn die sei das Zentrum deutscher Kultur. Jeder Einwohner freue sich auf die fremden Touristen, mit offenen Armen, mit Sympathie werden jedermann aufgenommen, gleich welchen Stammes er sei, ob Jude, ob Nichtjude! i So steht das da. Der Ruf an die Juden krönt das Schreiben, ist die Pointe, niemand kann das anders oder mißverstehen. Eine Oase in Hitler- Deutschland dies Magdeburg — so sollte man glauben. Manch einer, der diese Stadt von dreihundertfausend Einwohnern für das spießigste, langweiligste Nest Mitteleuropas gehalten hat, will schon innerlich Abbitte leisten, da — ja, da haben wir noch das andere Dokument Das ist schlichter gedruckt, mit der Schreibmaschine durchgeschlagen. Eine Rundverfügung an alle Magdeburger Volks-, Mittel- und höheren Schulen; Mit der Anweisung, künftighin zwei Stunden wöchentlich darauf zu verwenden, den deutschstämmigen Kindern an Hand mehrerer Nummern des „Stürmer", insbesondere der Ritualmordnummer, die Gefahren aufzuzeigen, die ihnen von der. jüdischen Rasse drohen. Der Oberbürgermeister weist ausdrücklich daraufhin, daß die Sexualdelikte der Juden möglichst nur in den Oberklassen behandelt werden sollen. Wer dies Dokument verstehen und würdigen will, der muß schon einmal eine Nummer des „Stürmer" in Händen gehabt haben. Eine Originalnummer muß es sein — aber ein einziges Exemplar genügt! Es verlohnt auch nicht, ein Wort über die Bedeutung, den Charakter, den Inhalt dieser Nürnberger Zedtung^zu sagen, die der Regierungspräsident und Gadführer von Franken. Julius Streicher herausgibt. Wer im Sommer 1934 noch nichts vom „Stürmer" weiß, der kennt Deutschland nicht Alles andere ist Kulisse, Bluff, Blendwerk — der „Stürmer" repräsentiert das Dritte Reich, er allein von allen deutschen Zeitungen. Jetzt wird er in den Schulen, im Anschauungsunterricht wie es in der Verfügung heißt den Kindern als wertvolles deutsches Schriftgut gezeigt sein Inhalt wird kommentiert seine Tendenz gelehrt Ein Volksschullehrer, der überraschenderweise nur mit seinem Anfangsbuchstaben D. genannt ist, hat diesen Anschauungsunterricht angeregt. In der letzten Nummer des „Stürmer" steht ein großes Bild, das dieser Lehrer, der anscheinend schon seit Jahresfrist das wahre Deutschtum für seine Schüler aus der Lektüre des „Stürmer" holt, diesem seinem Leibblatt geschickt hat Es ist ein klares Bild. Da steht dieser Lehrer — der äußerlich eine erstaunliche Aehnlichkeit mit Streicher Jiat — vor der schwarzen Schultafel. An der Wand hängt Hitlers Bild, quer darüber eine Hakenkreuzfahne. Da stehen die Schulbänke, der Klassenschrank, an der Wand hängen die Kleidungsstücke der Schüler. Es ist alles so, wie wir es aus unserer Jugend, aus tausend deutschen Schulklassen kennen . . . Und auf die Schültafel sind die Nummern des „Stürmer" mit Heftzwecken befestigt Von oben blinkt der berüchtigte Zeitungskopf. Rechts und links schreien einige der wilden Schlagzeilen: „Die Juden sind unser Unglück", „Kauft nicht bei Juden", „Wer vom Juden frißt, stirbt daran!", „Jeder Jude will euch schänden!", „Alle Juden sind Gauner und Betrüger!" Und dann folgen die Karikaturen, die wüsten Fratzen, die wir von den Titelseiten des „Stürmer" kennen. Grausige Szenen, die eine tiefinnerlich verderbte. pervertierte Phantasie in versoffenen Nächten ersann. Da hängen die grausigen Bilder der Ritualmordnummer. Da steht der Lehrer D. mit dem Zeigestock und weist auf eines dieser Bilder, auf dem die Karikatur eines Menschen einen Mädchenleib betastet... Und da, vor der Tafel, stehen die Schüler. Kinder. Sie sind zehn-, höchstens zwölfjährig. Im Matrosenanzug, im Sporthemd, im Pullover. Nein, keiner von diesen Jungens ist zwölf Jahre alt — das sind Kinder im dritten Schuljahr! Und sie sehen mit staunenden, gläubigen, angstvoll aufgerissenen Augen auf diese Bilder. Und vielleicht auf den kleinen jüdischen Schüler in ihrer Mitte, der das doch auch machen wird, wenn er einmal größer ist, dessen Eltern Christenkinder schlachten, das Blut in Schalen auffangen und trinken ... Es ist nicht auszudenken! Die englischen Zeitungen, die das Bild zahlreich veröffentlicht haben, schreiben darunter: Das ist Deutschland! Dies Bild aus einer deutschen Schule, so sagen sie, wiegt mehr als tausend Rundfunkreden. Sie wollen Distanz zu einem Volk, das seine Kinder so erzieht Und fragen starren Blicks, ob es auf Erden noch ein Land, noch einen Völkerstamm gibt, die solcher Jugendvergiftung fähig wären. Julius Streicher ist sehr stolz auf dies Bild. Und er hat in riesigen, fetten Lettern,' einen Text darunter gesetzt Der lautet so: „Wenn wir nicht schon jetzt anfangen, der deutseben Jugend das Wissen von der Gefährlichkeit der jüdischen Rasse beizubringen, dann ist die Mök- SCHÖNES ZIMMER eventuell mit Pension für berufstätige Dame oder 1 bis 2 Kinder (bis 16 Jahre) mit Beaufsichtigung bei alleinstehender distinguierter Dame zu vergeben. Referenzen stehen zur Verfügung. Zu besichtigen von 10—11 und 2—4 Uhr bei Gut tmann, Wien IL, Praterstraße 47/II./21a. lichkeit gegeben, daß Deutschland wieder einmal der Judenherrschaft verfällt Nur ein Volk, das den Juden nicht kennt, läßt sich, so 'Weit bringen, daß es Fremdrassige in seinem Lande so' hausen läßt wie die Juden bisher in Deutschland gebaust haben. Das weiß auch der Lehrer D. in Magdeburg. Er weiß, daß Anschauung das Fundament der Erkenntnis ist. Er weiß, daß das Gelernte unverlierbar wird, wenn neben dem Ohr auch das Auge des Kindes beim Lernen mit dabei war. Wie es der Lehrer D. macht, damit sein Unterricht in der Rassenfrage lebendig ist, das erzählt er uns mit dem Bild, das er dem „Stürmer" zukommen ließ. Der deutsche Reichskanzler, der Minister für Propaganda, die lallwöchentlich über die Sender aller möglichen Länder Sympathien für Deutschland mit drohenden Worten fordern, die sich vor Staunen und Empörung über das ablehnende Verhalten der Kulturnationen nicht zu fassen wissen und die immer wieder Juden und Emigranten dafür verantwortlich machen, sollten wissen, daß ein solches Bild, eine solche Verordnung das Dritte Reich und seine Repräsentanten mit einer Schärfe, Klarheit, Bedingungslosigkeit Lügen strafen, die kein noch so großes Maul, kein noch so grelles Geschrei wettmachen kann. {„Westland". Saarbrücken.) Japan wünscht deutsch-jüdische Änsiedlung. In einem Gespräch mit Pressevertretern erklärte der führende japanische Diplomat Sugimuro, Japan würde es begrüßen, wenn 50.000 Juden aus Deutschland sich in dem neuen unter japanischem Einfluß stehenden Staat Mandschukuo dauernd niederließen. Die Erklärung des japanischen Diplomaten erhält einen besonderen Beigeschmack, .wenn man bedenkt, daß die Mandschurei an das von der Sowjet-Union als autonomes jüdisches Gebiet proklamierte Biro-Bidschan grenzt Bekanntlich wurde seinerzeit von der Aufstellung einer besonderen, für Grenzschutzzwecke bestimmten Truppe in Biro-Bidschan gesprochen. Diese Meldungen wurden später von sowjet-russischer Seite dementiert London. Wie „London Gazette" mitteilt, wurde Major H. L. Nathan, Mitglied des Unterhauses, zum stellvertretenden G rafschaftsst a 11 h a 1ter von London ernannt. s ic ersparen viel Zell und ecld. wenn Sie zu Rotch-Haichonoh statt spezieller Gratulationen allen Ihren Verwandten. Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in'der Neuiahrs-Festnummer der „WAHRHEIT" viel Glück sagen. Nur bis Freitag, den 31. August können Aufträge berücksichtigt werden. Um allen jenen, die durch „Die Wahrheit" gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien oder Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Qratulatlonsbestellung aufgegeben werden, ]e ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. -Ausschneiden!- Be§tellf«fliein An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonob-Glückwunsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6*— *) Doppelfeld zum Preise von Sil'— welchen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende *) Nichtzutreffendes bitte streichen. Textangabe:............................................................... Unterschrift: Abkehr Danzigs vom Nationalsozialismus I Wie der Präsident des Danziger Senats mitteilt, ist als Spitzenvertretung der Danziger Wirtschaft ein sogenannter Wirtschaftsrat ins Leben gerufen worden, der genau -so wie eine neu zu schaffende Handelskammer, nicht mehr nur durch Nominierung. sondern auch aus Wahlen hervorgehen soll Damit hat Danzig, das zu allererst zahlreiche Wirtschaftsexperimente des nationalsozialistischen Programms übernommen und durchgeführt hat, und zwar, bevor man sich in Deutschland an diese Dinge herangewagt hat, auch als erstes wieder das Führerprinzip in der Wirtschaft abgelegt Die Abkehr Danzigs von dem nationalsozialistischen Parteiprogramm, deren Ursache in der Notwendigkeit lag, mit Polen zu einer Verständigung zu gelangen, tritt am stärksten in der Tatsache zutage, daß der Senat in den Wirtschaftsrat auch jüdische Kaufleute berufen \vird_ Wie der Danziger JTA-Vertreter erfährt, ist bereits ein angesehener jüdischer Getreidegroßkaufmann, der insbesondere auch mit Polen ausgedehnte Handelsbeziehungen unterhält, als Mitglied in den Wirtschaftsrat nominiert worden. Schachten in Deutsch-Oberschlesien gestattet. Wie der Berliner JTA-Vertreter aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat der Reichsinnenminister den Juden in Deutsch-Obersch1 es i en das Schlachten von Vieh nach jüdischem Ritus gestattet. Die oberscblesischen Juden hatten in einem Gesuch an den Reichsinnenminister Dr. Frick gebeten, das Schächtverbot für Deutsch-Oberschlesien nicht gelten zu lassen. Sie wiesen darauf hin, daß die Juden in Deutsch-Oberschlesien unter dem Schutze des Völkerbundes stehen, und von der gegen die jüdische Minderheit unterschiedlich vorgehenden Reichsgesetzgebung auszunehmen seien. Als Antwort auf diesen Appell hat der Reichsinnenminister den Regierungspräsidenten in Oppeln (Oberschlesien) angewiesen, dem Ersuchen der Juden zu entsprechen und das Schächten zu gestatten. Die Zahl des in Oberschlesien nach jüdischem Ritus geschlachteten Viehs muß jedoch den Bedürfnissen der oberschlesischen Juden angepaßt sedn; Ausfuhr in das übrige Reichsgebiet ist ausdrücklich untersägt. Es handelt sich also um eine rein lokale Erlaubnis, aus der die Juden des übrigen Reiches keinen Vorteil ziehen können. Stellenmarkt: Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergasse 4 (Telephon U 27-0-65) sucht dringend: a) Stellen für Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Manipulanten, Inkassanten. Lageristen, b) Arbeit für gewerbliche Fachkräfte aller Art (darunter auch Bäcker, Bauingenieure, Anstreicher) sowie ungelernte Arbeiter, c) handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen.