Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 32 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 Fesisaal im Hotel Continental, Wien IL, Taborrtrafie 4 Österreichische Schauspieler ans Deutschland „Die Funfer-Truppe" (Berlin) Leitung: Walter Grün, veranstalten Mittwoch, den 8. August 1934, abends 81/, Uhr einen Abend AUS VERBRANNTEN BÜCHERN Am dem Programm: Beer-Hofmann, Feuchtwanger, Klaband, Schnitzler, Zweig Es wirken mit: INA MARK, STELLA SANDERS, HANS GROSS, EGON SALA, ROBBST WF1SS Preise der Plaue: S 1.—, 1.50.—, 2.— 2.50. — Karten-Vorausbestellungen: Telephon A 41-+-24 _ daß sie bedroht sind, zu schützen, zwingt mich festzustellen, daß ich hiermit Eure Exzellenz respektvoll darauf hinweise, daß die volle Verantwortung für die Sicherheit dieser beiden Männer unzweifelhaft vollständig auf der von Eurer Exzellenz geleiteten Mandatsverwaltung ruht." -wichter in die Gruben gefallen sind, die sie selbst für ändere gegraben haben. Eines ist sicher: auch In der Türkei hebt ein Erwachen an, die Türken haben vor mehr als einem Jahrzehnt die Welt überrascht durch die blutige Vernichtung des Bastardvolkes der Armenier, das türkische Volk wird auch mit dem jüdischen Mischvolk noch einmal eine Abrechnung halten, die der Größe des Leides entspricht, das der jüdische Wucherer in das türkische Bauernland gebracht hat." Bekanntlich hatten auch bei den letzten antisemitischen Judenvertreibungen in Thrazien, gegen deren Urheber die türkische Regierung nunmehr energisch vorgeht, die deutschen Nationalsozialisten ihre Hände im Spiel. * Aus Adrianopel wird gemeldet, daß von dem dortigen Kreisgericht drei Personen wegen Beteiligung an den jüngsten antisemitischen Ausschreitungen zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Die türkischen Zeitungen weisen bei dieser Gelegenheit auf die Schnelligkeit hin, mit der das türkische Gerichtswesen die Schuldigen der Bestrafung zuführte, und erklären, in der Türkei gebe es keine Judenfrage. (Z. T. A.) Ein guter Geschäftsmann. Noch vor einigen Tagen wurde optimistisch gemeldet, Richard Strauß werde seine neue Oper „Die schweigsame Frau" infolge des Angriffes im „Stürme r" nicht in Dresden, sondern in W i e n in der S t a a t s o p e r zur U r a u ii ührung bringen lassen. Davon kann jetzt nicht mehr die Rede sein, denn seine Absage an Salzburg bekundet seine Stellung zu Oesterreich und zur österreichischen Kunst. Der Geschäftsmann RichardStrauß wußte immer Bescheid, wenn es galt, sein Werk zu placieren. Im Fall Richard Strauß besitzt nämlich das Genie starke_kommerzielle Fähigkeiten. Im Fall der „Schweigsamen Frau" scheint nun Richard Strauß — augenblicklich wenigstens — aus der Tatsache, daß er in Unkenntnis des Kommenden bei S t e f a n Z w e i g ein Textbuch bestellte, die Folgerungen ziehen zu wollen, die der „Stürmer" von ihm verlangt. Er wird die Oper trotz eventueller Angebote aus England und aus Amerika einfach nicht zur Aufführung bringen lassen, weil ihm der Vertrieb seines Gesamt Werkes im Dritten Reich vorteilhafter erscheint als das etwaige Geschäft mit der Premiere einer neuen Oper, deren Textbuch deutschen Machthabern zu wenig reinrassig ist. Palästina-Nachrichten. Die Zuteilung der dieser Tage bewilligten neuen 1200 Arbeiter-Einwanderungs-Zertifikate stellt den zweiten Fall in der Geschichte der Palästina-Einwanderung dar, in dem zwischen den Ausgabe-Terminen für Zertifikate eine Ergänzungs-Schedule gewährt ward. Das erste Mai geschah dies während der Amtsdauer des ersten High Commissioner Sir Herbert Samuel. Die Jewish Agency hat die Hälfte der neuen Zertifikate für Einwanderer aus Deutschland und aus Deutschland ausgewanderte Personen in andere Länder bestimmt. Die Zertifikate sollen zum größten Teil an solche Arbeiter ausgegeben werden, die in die palästinensische Schwerindustrie, wie die chemischen Werke am Toten Meer, die Ruthenbergschen Elektrizitäts-Werke und die Zement-Fabrik „Nescher", eingereiht werden sollen, da diese Industrie-Betriebe besonders schwer unter dem Arbeitermangel leiden. * Wie der JTA mitgeteilt wird, hat Wladimir Jal>otinsky als Präsident der Weltunion der Zionisten- Revisionisten an den High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauchope ein Telegramm folgenden Inhalts gesandt: „Von zuverlässiger Seite erfahre ich, daß die Polizei-Inspektoren Barker und Goffer Stavsky und Rosenblatt gewarnt haben, ihr Leben sei in Gefahr, aber die Tel Aviver Polizei könne sich für ihre Sicherheit nicht verbürgen. Dieser unerhörte Fall, in ^em die Polizei sich ihrer selbstverständlichen Pflicht entzieht, Leute, von denen sie zugegebenermaßen weiß. Harte Urteile gegen illegale Palästina- Einwanderung. Vor dem Haifaer Gericht hatten sich 32 jüdische Mädchen und vier junge Leute wegen illegaler Einwanderung: zu verantworten. Die Angeklagten, die sich bereits seit dem 7. Juni, zum Teil im Frauengefängnis zu Bethlehem, in Haft befinden, wurden zu je vier Monaten Gefängnis und nachheriger Landesverweisung verurteilt. Der harte Spruch des Richters machte einen erschütternden Eindruck auf die Betroffenen, die Mädchen brachen in Weinen aus, einige fielen in Ohnmacht. Polizei umzingelte die Verurteilten und führte sie aus dem Gerichtssaal. Niemand wurde gestattet, sich ihnen zu nähern. Wie die JTA erfährt, hat der polnische Generalkonsul Schritte zur Linderung des Loses der vom Haifaer Gericht verurteilten 36 aus Polen stammenden Mädchen und jungen Leute ergriffen. Die Flucht aus dem Dritten Reich. In der Zeitschrift der Zentralwohliahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin wird ein Bericht über die Auswanderung der Juden aus Deutschland veröffentlicht. Dem Bericht geht eine Abhandlung voraus, in der das „Auswanderungsproblem der deutschen Juden" behandelt wird, weil „Laien und Fachleute immer und immer wieder tragen, wo in der Welt die in Deutschland überflüssig gewordenen Juden Unterkunit finden könnten." Der Verfasser gibt sodann die Zahl der auswanderungsiähigen Juden, das sind die unter 30 Jahren, auf etwa 120.000 an, so daß also etwa 60.000 Arbeitsplätze zu suchen seien. Er verteilt diese Arbeitsplätze auf die Länder in Uebersee und Europa und teilt dabei Palästina 16.000. Frankreich 11.000, England 3300, den Vereinigten Staaten von Amerika 7000, Holland und Polen je 4500 usw. Arbeitsplätze für die jüdischen Auswanderer aus Deutschland zu. Er stellt fest, daß bereits Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführungvon Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 Tel. A4S-S-37 etwa 70.000 Juden Deutschland verlassen haben. Das Entscheidende für die Lösung des jüdischen Auswanderungsproblems sei weniger die Organisation als die Selbsthilfe. Wenn erst 5000 bis 10.000 Juden aus Deutschland ordentlich untergebracht sind, wird der Rest durch diese automatisch nachgezogen werden. ^^a^oeL^J Von Clotilde Benedikt. In einer stürmischen Woche des Weltgeschehens ist still, aber nicht unbemerkt einer der größten Geister unter den Juden der Gegenwart dahingegangen. Im 71. Jahre starb der Professor der Philosophie und gewesene Rektor der Basler Universität, Carl Joel, der Sohn des Rabbiners von Hirschberg in Schlesien. Ich will hier nicht von Joels Werken sprechen, nicht von seinen Plato-Studien, nicht von seinem Buch über Sokrates, dem Standardwerk, in dem er in der Form von Dialogen das Bild des großen Griechen wohl endgültig für die Wissenschaft fixiert hat, nicht von seiner Geschichte der Griechischen Philosophie, nicht von seiner epochemachenden Rede (1903) über die Zukunft der Philosophie, in der er klar gezeigt hat, wie sich im modernen Leben Lehre und Leben getrennt haben; nicht von seinem letzten Werk: Ueber die Wandlung in der Weltanschauung, das sich in der Form kühn neben Nietzsche stellen darf und ungeahnte Weiten eröffnet, indem es im Laufe der Jahrtausende eine sinnvolle Ordnung im Ablaufe des Geschehens und Denkens aufzeigt Joel hat sich selbst einen Ketzer in der Philosophie genannt, weil er zuerst wieder einen freien Willen für die Handlungen des Menschen postulierte. Aber von alldem möchte ich hier nicht reden, sondern von der Art, wie die Schweiz Joel im Leben und Sterben feierte. Es ist charakteristisch für Schweizer Geistesleben, daß der Jude Joel durch vier Jahrzehnte die protestantischen Theologen der Schweiz heranziehen durfte, indem ihm deren Ausbildung und Prüfung in der Philosophie oblag. Bei seinem siebzigsten Geburtstage wurde er von der Regierung von Basel als der Mann gefeiert, der zuerst nach dem Urbasler, dem Kunsthistoriker Burkhardt wieder seine Disziplin in den Mittelpunkt des europäischen Geisteslebens gerückt habe und alie Ritter vom Geist aus zwei Weltteilen in sein gastliches Haus gezogen habe, in dem, einem Junggesellenheim echt-jüdisch zuerst die Mutter, die Rabbinerswitwe, dann die unvermählte Schwester Hedwig waltete. Und nun kommt das Auffallende. Wenn im letzten und diesem Jahrhundert ein Großer unter den Juden oder Judenstämmlingen an einer der drei Spazialhaus für Voll« uad Striokg Moritz Nagel Wien, 2~ Bez., Taborslrafke r*r. t7 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 45-8-69_ Fakultäten unserer Universitäten jubilierte oder starb, vermieden es die großen „liberalen" Blätter — und ich muß gestehen, unter freudigster Zustimmung der Familie des Betreffenden — ängstlich, das Judentum oder die jüdische Abstammung des Gelehrten zu erwähnen, obwohl diese Blätter fast ganz von Juden redigiert wurden. Die urchristlichen Gelehrten und Staatsmänner, die bei Joels Grabe am Basler Judenfriedhof sprachen oder Artikel in den ganz christlichen Blätter schrieben, haben alle hervorgehoben, daß nur ein Jude sich so in das große Ethos eines Sokrates versenken konnte, man habe in jedem der Werke Worte und im Wirken des Studentenvaters Joel „das Raunen der Ahnenstimmen aus elf jüdischen Rabbinerhäusern gehört, auf die er seine Familie zurückführen konnte"'. „Joels Wandlungen" werden Jahrzehnte von Wandlungen überleben, und es wäre zu wünschen, daß sich manche geistige Wandiung im Sinne des weisen Denkers vorbereite und vollziehe. ___ Aus aller Weit New York. Laut Bericht des Vorsitzenden des United Jewish Compaign Felix M. W a r b u r g hat diese Institution gemeinsam mit dem Joint Distribution Committee im laufenden Jahre bereits 1,555.000 Dollar für Hilfe an die deutschen Juden gesammelt. Die in diesem Jahre zum Zwecke der Hilfe an die deutschen Juden aufzubringende Summe ist bekanntlich auf 3 Millionen Dollar festgesetzt worden. Paris. Der Präsident der französischen Republik Lebrun ernannte den langjährigen Direktor der Jewish Colonisation Association (Jca) Louis Onnsrc zum Offizier der Ehrenlegion. Louis Oungre wurde 1880 in Arlon (Belgien) geboren. Als Direktor der ka hat er auf das Wohlfahrtsr und soziale Werk dieser Weltinstitution itroßen Einfluß. Er unternahm ausgedehnte Reisen durch Argentinien, Brasilien, Polen, Rußland und andere Länder, wo die Ica ein jüdisches Kolonisationswerk aufgebaut hat und andere soziale Werke der Juden tördcrt, und veröffentlichte hierüber vielbeachtete Reise- und Inspektionsberichte. Warschau. Der Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde hielt eine Sondersitzung ab und beschloß, einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung Polens zur Hilfe für die Opfer der UebersohweHirn ungskatastrophe in Galizien zu erlassen. In das Rettungskomitee der Stadt Warschau wurden als jüdische Vertreter der Vizepräsident der Gemeinde Lorn e r, der Präsident der Repräsentanz der Gemeinde Trokenheim und das Vorstandsmitglied Stückgold entsandt. Die Jüdische Gemeinde besteuerte sich selbst mit einer ansehnlichen Summe zugunsten des Rettungswerkes und forderte die übrigen Gemeinden Polens auf, das Gleiche zu tun. Budapest. In letzter Zeit wurden die von den orthodoxen Gemeinden erhaltenen rituellen Badeanstalten (Mikwoth) vielfach von untergeordneten Verwaltungsbehörden als gewerbliche Betriebe qualifiziert und dementsprechend besteuert; auch wurde ihre weitere Erhaltung von der Einholung einer Gewerbe-Lizenz abhängig gemacht. Nunmehr hat der Handelsminister grundsätzlich entschieden, daß die rituelle Badeanstalten, die nicht in gewinnsüchtiger Absicht geschaffen wurden. lediglich als konfessionelle Einrichtungen zu gelten halben, für die nach dem Gewerbegesetz eine Gewerbe-Lizenz nicht erforderlich ist. (Z. T. A.) Dqglcnlsdies liönigslicht WtfsR Seit vielen Jahren das anerkannt beste irii» M^-nosw Man achte auf die \\W nNnlM> KSnlSslkM" uact Mmw Schutt Fabrik und Büro: UN«» XIV., Telaplun R 33-1-87