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Die Wahrheit · 1934-07-27 · Heft 31 (27.7.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 31 (27.7.1934)
Date
1934-07-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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c s V DIE WAHRHEIT Seite Z Weitere 1200 zusätzliche Zertifikate. Die Palästina-Regierung übergab der Jewish Agency weitere 1200 zusätzliche Zertifikate für Einwanderer, darunter 600 für landwirtschaftliche, 465 für industrielle Arbeiter und 75 für deutsche Juden. Die Not der jüdischen Journalisten in Deutschland. Im Gefolge der Gleichschaltung der Presse in Deutschland und den Auswirkungen des Arierparagraphen im Schrifttumsgesetz sind bekanntlich tausende jüdischer Redakteure und Mitarbeiter .der Tages- und Fachpresse brotlos geworden. Der Führter der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland und Mitglied der Reichsvertretung der deutschen -Juden Dr. Friedrich Brodnitz befaßt sich mit der Lage dieser Kategorie der brotlos gewordenen jüdischen Intelligenz, deren Umstellung auf eine neue Existenzbasis besonders schwierig ist. Kaum ein Tag verging in den letzten Monaten, an dem nicht in der Pressestelle der Reichsvertretung der deutschen Juden von einem jüdischen Journalisten Rat für den Neuaufbau seiner Existenz erbeten wurde. Die Schriftleitungen der jüdischen Blätter werden mit Angeboten von Mitarbeit überschüttet. Dr. Broduitz untersucht die Frage, ob diese einstigen Redakteure im Beruf bleiben sollen oder nicht. Hier sollte, meint er, eine strenge Sonderung vorgenommen werden. Mögen die jüdischen Zeitungen dem Umfang nach zugenommen haben, der Topf ist viel zu klein, um alle zu ernähren, die aus ihm essen wollen. Im Beruf bleiben sollte nur der wirkliche Journalist, dem Schreihen-Müssen eine innere Notwendigkeit bedeutet, dem Schreiben-Dürfen ein Gewinn ist Die anderen müssen eine Berufsumschichtung durchmachen. Wer noch jung genug ist, wird den Wieg zum handarbeitenden Beruf gehen müssen, die mittleren Jahrgänge werden, gestützt von den zuständigen jüdischen Institutionen, Möglichkeiten neuen Erwerbs suchen, und die alten Menschen werden leider die Hilfe der Wohlfahrtspflege in Anspruch nehmen müssen. Diejenigen aber, die den Weg zur jüdischen Zeitung gefunden haben, sollten zu einem Schulungskurs zusammengefaßt werden, in dem sie mit ihrer neuen Materie vertraut gemacht werden. Schließlich müßten sie mit dem grundlegenden Umbau und Neuaufbau der materiellen und geistigen Struktur des deutschen Judentums vertraut gemacht werden. Noch nie war es so verantwortungsvoll wie heute, jüdischer Journalist zu sein. Das deutsche Judentum wird sich in diesen Jahren seinen eigenen Lebensstil schaffen oder es wird nicht weiterbestehen. Diesen neuen Lebensstil formen zu helfen, ist die Aufgabe des jüdischen Journalisten. Noch immer die „Protokolle". Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Nah um Sokolow wurde vom Johannisburger Gericht als sachverständiger Zeuge in der Angelegenheit der .Protokolle der Weisen von Zion" vernommen. Die Anklage richtete sich gegen drei Führer der südafrikanischen Nazlorganisatiön der „Grauhemden" von Moltke, Inch und Olivier, die einen Aufruf verbreiteten, in dem dem Prediger der Port Elizabeth Synagoge, Rev. A. Levy, vorgeworfen wurde, daß er in einer Predigt die jüdischen Weltherrschaftspläne gemäß den „Protokollen der Weisen von Zion" enthüllte. Ferner wurde behauptet, daß die „Protokolle" vom Ersten Zionistenkongreß in Basel 1897 beschlossen und von Theodor Herzl unterzeichnet worden waren. Präsident Sokolow erklärte vor Gericht, er habe persönlich an der Aufstellung der Tagesordnung des Ersten Zionistenkongresses mitgewirkt. Ueber den gesamten Verlauf des Kongresses existiert ein offizielles Protokoll. Er wies darauf hin, daß der Publizist Ward Price in der Londoner „Times" nachgewiesen hat, daß die sogenannten .Protokolle" eine plumpe Fälschung seien und daß ihre QuelleeinPamphlet gegen Napoleon III. sei, das sich im Britischen Museum befindet Die „Protokolle" sind nichts als eine Abschrift dieses Pamphlets, in die an Stelle des Namens Napoleon der Name Herzl und an Stelle der „Franzosen" die „Juden" gesetzt wurden. Sokolow erwähnte, daß Henry Ford ihm gegenüber das Bedauern ausgesprochen hat, daß er sich einmal durch die Lektüre der „Protokolle" zum Judenhaß hat verführen lassen; jetzt habe er sich überzeugt, daß die .Protokolle" eine plumpe Fälschung dunkler Elemente seien. Rev. A. Levy erklärte als Zeuge, die „Grauhem- -den" haben den Sinn seiner Predigt einfach in <4as Gegenteil umgefälscht Das Urteil ist noch nicht geprochen. Fränkische Poesie. In Franken, dem Revier des Gauleiters Streicher, prangen an den Einfahrtsstraßen fast aller kleineren Ortschaften Tafeln: „Eintritt für Juden verboten" oder „Juden sind hier nicht erwünscht" und ähnlich. In dem Ort Heilsbronn aber hat ein Nachfahr des Herrn Goethe den Streicher*schen Spruch in poetische Form gegossen. An der Einfahrtsstraße flest der Wanderer: „Zurück, zurück, du Jud! Hier fließt nur arisch Blut!" L Rabbiner Meier Hildesheimer. I Am Montag, den 23. Juli, verstarb in Berlin nach kurzer Krankheit, an den Folgen einer Darminiektion, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, Prediger und Schulleiter der Gemeinde Adass Jisroel in Berlin, eine der populärsten Persönlichkeiten im deutschen Judentum und überall, wo Juden wohnen, bekannt. Als Erbe seines berühmten Vaters, Rabbiner Esriel Hildesheimer, leitete er auch das Berliner Rabbinerseminar, das jüdischen Gemeinschaften überall in der Welt religiöse Führer gab. Dr. Meier Hildesheimer wurde 1864 in Eisenstadt geboren. Er führte an den von ihm geleiteten Schulen als einer der ersten in Deutschland den Jugendgottesdienst ein. Der Leitung der Weltorganisation Agudas Jisroel gehörte er als Mitglied des Zentralrates an. Er war auch Mitglied des Hauptvorstandes des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. In der Weltjudenheit war er insbesondere durch sein ausgedehntes soziales Wirken — besonders für die notleidenden religiösen Juden in Rußland — bekannt geworden. Er war Mitglied der europäischen Leitung des American Joint Distribution Committee und der Leitung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Er unternahm ausgedehnte Reisen durch die jüdischen Gemeinschaften in der ganzen Welt. Arbeitsbeschaffung und Berufs- Umschichtung. Von Dr. A. Schmerlen Unermeßlich ist die Not der aus ihren Berufen ausgeschalteten und abgebauten jüdischen Arbeitnehmer. Ihre Zahl steigt ununterbrochen. Vergebens sucnen die Angehörigen des schwer bedrängten jüdischen Mittelstandes Arbeit am Verkaufspult und im Büro, um nur zur Ueberzeugung zu gelangen, daß die Suche aussichtslos und daß eine berufliche Umschichtung notwendig sei. Nicht anders ergeht es jüdischen Arbeitnehmern, die Arbeit in der Fabrik, bei der Werkbank oder Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 Tel. A 45-5-37 Maschine suchen. Außerdem erscheinen jetzt nach Schluß des Schuljahres jüdische Mädchen und Knaben als Arbeitsuchende, um gemäß den Umschicktungsbestnebungen handwerkliche Lehrstelleu zu erlangen. Wir müssen daher zwecks.Arbeitsbeschaffung produktive Hilfsaktionen ins Leben ruien, däe eine Einordnung der jüdischen Erwerbslosen in das Wirtschaftsleben möglich machen. Jüdische. Fabriksinhaber und Erzeuger müssen im Interesse unserer umsciiulungswilligen Arbeitnehmer in ihren Unternehmungen im Bedarfsfalle Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und ihnen produktive Arbeit ermöglichen, denn -1ie Frage der Volksumschichtung muß auch vom jüdischen Arbeitgeber gefördert werden. Jüdische Produzenten müssen im Hinblick aui die gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen auch jüdische Berufstätige beschäftigen, denn unendlich groß ist die Zahl der arbeitswilligen Schneider, Schuhmacher, Wäscheerzeuger, Stricker usw. In der ersten Zeit der Umstellung wird auch der jüdische Arbeitgeber ein wenig Geduld aufbringen müssen, um bald zu erkennen, daß auch der jüdische Arbeitnehmer nach einigen Tagen, bzw. Wochen der Umschulungsarbeit eine vollwertige und verläßliche Arbeitskraft bietet Als wesentliche Hilfsaktion zur Arbeitsbeschaffung kommt der Stellennachweis, der im Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, organisiert wurde, in Betracht. Bei diesem kann der jüdische Arbeitgeber seinen Bedarf an Angestellten (Verkäufern, Buchhaltern, Korrespondenten, Stenotypisten, Nachhilfslehrern usw.) sowie an qualifizierten und Hilfsarbeitern anfordern. Nur dann, wenn sämtliche Mitglieder unserer Branchen-, Bezirks- und Fürsorgekommissionen der Kultusgemeinde, die jüdischen Vereine und Wohlfahrtsinstitutionen sich in den Dienst der Sache stellen werden, wird der Arbeitsnachweis zur Linderung der Notlage der jüdischen Arbeitnehmer beitragen können. Es hat den Anschein, daß angesichts der jüdischen Arbeitslosigkeit die Frage der Einschichtung und Einordnung in die Arbeits- und Erwerbsbetriebe ebenso dringend erscheint wie die der Umschichtung. Die jüdischen Industriellen, Großkaufleute und Unternehmer dürfen sich nicht länger zuwartend, reserviert oder gleichgültig zu den die jüdischen Arbeitslosen betreffenden Um- und Einschichtungsproblemen verhalten. Eine wirtschaftliche Enquete ist dringend vorzubereiten und schleunigst einzuberufen. In diesem Zusammenhang muß folgendes gesagt werden: Der vielgeschmähte Handelsvertreter und Reisende muß wieder seine Tätigkeit im Interesse des Handels und Exportes aufnehmen, denn sto sind, wen» Speaialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Tabontraße Nr. 17 Fabriksniederiage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 45-8-69 man ihre Tätigkeit vom höheren wirtschaftspolitischen und neuzeitlichen Standpunkt betrachtet. — die treibende Kraft der Unternehmer. Zuerst müssen die Handelsreisenden und Vertreter den Absatzmarkt erobern und den Betrieb beleben, und dann erst können in diesen Unternehmungen Arbeit und Erwerb für Kontoristen, Disponenten, Lageristen usw. beschafft werden. Mit Recht wies Herr Handelsminister Stock ing e r darauf hin, daß die mit dem Auslande vereinbarten Beziehungen nicht immer hundertprozentig ausgenützt werden, zumal die begünstigten Industriebranchen aui dem betreffenden Arbeitsmarkt nicht zu Hause sind. Es ist die Aufgabe der Exportfirmen, sich zu bemühen, mit dem Auslandskonsum in Verbindung zu treten. Man leistet gute Dienste für sich und Oesterreich, wenn man nach eingeholter Information bei den amtlichen Stellen die Handelstätigkeit mit dem Auslande wieder aufnimmt und dadurch dem Unternehmer und dem Arbeitnehmer Erwerbsmöglichkeit schafft. Jüdische Arbeitgeber, erfasset den Ernst der Zelt, fördert die Arbeitsbeschaffungsaktion zu Gunsten der jüdischen Arbeitslosen und decket den Bedarf an Angestellten und Arbeitern durch den Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, 1., Kohlmessergasse 4 (Telephon Nr. U 27-0-65). Stellenmarkt: Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringend: a) Stellen für Kontoristen, Buchhalter. Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Manipulanten, Inkassanten, Lageristen, b) Arbeit für gewerbliche Fachkräfte aller Art (darunter auch Bäcker, Bauingenieure, Anstreicher) sowie ungelente Arbeiter, c) handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen. jfus alter Wett New York. Eine vom Ehrenpräsidenten Dr. Stephen S. Wise und dem Präsidenten Bernard Deutsch unterzeichnete Proklamation des American Jewish Congress ruft die amerikanische Judenheit zur Schaffung einer zentralen Organisation zur Demokratisierung des jüdischen Lebens und zum Kampf für jüdische Gleichberechtigung auf. Die Leitung der Organisation soll aus Wahlen hervorgehen, die am 29. April 1935 stattfinden und an denen sich alle Juden der Vereinigten Staaten über 18 Jahre beteiligen sollen. Budapest. In den Kreisen der Pester wie der Ofener Judenschaft ist eine Bewegung entstanden, die auf die Vereinigung der beiden Kultusgemeinden abzielt Es ist hierzu ein 500 Mitglieder umfassender Exekutiv-Ausschuß gebildet worden. Die führenden Persönlichkeiten der Ofener Judenschaft vertreten übereinstimmend die Auffassung, daS die Vereinigung der beiden Gemeinden die einzig richtige Lösung auch zur Behebung der materiellen Schwierigkeiten wäre. Die Ofener Judenschaft wünscht schon längst, die weltberühmten Institutionen der Pester Israelitischen Religionsgemeinde (Spitäler, Asyle, Waisenhäuser usw.) in Anspruch nehmen zu können. Aber auch vom Gesichtspunkt der Einheit des ungarischen Judentums wird die Vereinigung gewünscht Krakau. Im Alter von 64 Jahren verstarb der Vizepräsident von Krakau, Dr. Ignati Landau, Besitzer der hohen Auszeichnung „Polonia restituta" (Wiedererstandenes Polen). Im Kriege begründete Dr. Landau die Jüdische Demokratische Partei Seit 1905 gehörte er dem Krakauer Stadtrat an, seit 1929 war er Vizepräsident (Vizebürgermeister) von Krakau. Warschau. Im heutigen Warschau leben etwa 350.000 jüdische Seelen, die 30 Prozent der allgemeinen Bevölkerung der Hauptstadt ausmachen. Trotzdem ist ihr Einfluß klein; in der städtischen Beamtenschaft z. B. machen die Juden nicht viel mehr als 1 Prozent aus. Nunmehr wird die Schaffung eines Groß-Warschau vorbereitet das alle Ortschaften im Radius von 40 Kilometern um die Hauptstadt einschließen und die Zahl der hauptstädtischen Bevölkerung verdoppeln wird. Da in den einzubeziehenden Ortschaften nur wenige Juden wohnen, wird der Prozentsatz der Juden in Groß-Warschau kaum noch die Zahl 15 erreichen. Prag. Wie Dr. F. Fajfr im „StatistScky Obzor" mitteilt, sind religiöse Mischehen in des Tschechoslo.wakei in rapidem Aufstieg. Bei den Katholiken waren 1921 noch 85,05 Prozent beiderseits katholische Ehen, 193Q nur mehr 72,78t beim tschechoslowakischen Glaubensbekenntnis fällt der analoge Prozentsatz von 90,21 auf 78,36; bei den Konfessionslosen von 75,66 auf 46,66; bei den Jude» von 93£8 auf 90,38: bei den „Böhmischen Brüdern" von 80,60 auf 68,71. Was die jüdischen Mischehen betrifft so betragen diese in den westlichen Provinze« mehr als 10 Prozent der rein jüdischen Ehen; dies wird aber dadurch ausgeglichen, daß es bei den karpa thorussischen Juden fast keine Mi sc liehen gibt >k I i >' \

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