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Die Wahrheit · 1934-07-27 · Heft 31 (27.7.1934) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 31 (27.7.1934)
Date
1934-07-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Se'te 6 kerbundes im Jahre 1927 für Personen ohne staatlichen Paß beschlossen worden war. Da für die Ausgabe eines solchen Dokuments eine internationale Konvention nicht notwendig war, konnte sie sofort erfolgen. Nunmehr haben die Staaten, die in erster Reihe an der Auswandererfrage interessiert sind, allgemein die Vorschläge angenommen; die betreffenden Regierungen sind bereit, den Ausgewanderten entweder das von der Konferenz im Jahre 1927 vorgeschlagene Dokument oder ein in dem betreffenden Lande eingeführtes ähnliches Identitäts- und Reisepapier auszustellen. Betreffend die Gültigkeitsdauer dieser Reisedokumente konnte eine einheitliche Praxis aller beteiligten Länder nicht erzielt werden. In England, Polen und Schweden sind die Regierungen bereit, ein Dokument mit einjähriger Gültigkeitsdauer auszustellen. In anderen Jugoslawien: In Beograd hat sich unter der Leitung des früheren Gehilfen des Finanzministers, Avram Levic, ein Ausschuß gebildet, der im Einvernehmen mit der „N a r o d n a o d b r a n a" (Organisation für nationale Verteidigung) für ein engeres Zusammenwirken der Juden mit dem Staatsvolk wirken will. Dieser Ausschuß wird ein Unterausschuß der „Narodna odbrana" sein. Ueber die Aufgaben des Ausschusses wird u. a. mitgeteilt: „Es ist bekannt, daß Jugoslawien jene weitherzige Politik vollkommener Gleichberechtigung der Juden fortsetzt, die schon das frühere Serbien gegenüber den Juden geübt hat. Indessen ist die Haltung zahlreicher Juden, besonders in den früher ungarischen Gebieten, zum Staate, der ihnen weitestgehende Rechte einräumt, nicht die gleiche. Es wurde deshalb ein Ausschuß zur Nationalisierung der Juden im Staatssinne gebildet. Mit dieser Parole wird Herr Levic demnächst alle jüdischen Niederlassungen in Jugoslawien, vor allem die großen Zentren der Vojvodina, bereisen, um alle Volksgenossen aufzurufen, sich unter der nationalen Devise der „Narodna odbrana" zusammenzuschließen und ihre Kinder im jugoslawischen Geist zu erziehen. Das bedeutet nicht, daß die Juden veranlaßt werden sollen, sich von ihrem Glauben oder von ihren Volksgenossen in Palästina abzuwenden. Man kann Aktionen edler Menschen unterstützen; man kann auch sein Volk an den Ufern des Jordan im Lande der Vorväter fördern, man darf aber da^ bei nicht vergessen, daß Jugoslawien einer großen Zahl jüdischer Bürger Existenzmöglichkeit gibt und somit das Recht hat, yon seinen Bürgern L o y a 1 ität zu verlangen." «»—■—WM—iWBM „Der Stürmer" ist also wirklich selig in den Herrn Wotan entschlafen. Schnöder Mammon war es. der das von reinstem Idealismus beseelte Blatt umbrachte. Diesmal ist nicht der Jude •schuld, sondern ein gut arisches Druckereiunternehmen, das anscheinend nicht den gleichen Idealismus besaß wie die Hetzer vom „Stürmer". Die schrieben frisch von der giftspritzenden Feder weg, ohne zu bedenken, daß ihr ungeistiges Produkt auch in teure Druckerschwärze verwandelt werden sollte. Als aber der Druckerei des „Stürmer" diese Verwandlung zu teuer wurde, da gab sie den Sudlern den Laufpaß und nun hat es ausgestürmt Die blutrünstige Hetze des jetzt eingegangenen Blattes, das seine antisemitischen Weisheiten gewöhnlich aus dem gleichnamigen Nürnberger Trichter des weltberüchtigten Lumpen Streicher bezog, hat bei allen anständig und gesittet denkenden Menschen ohne Unterschied der Konfession Empörung und Entrüstung ausgelöst, die sich in vehementen Angriffen vieler Blätter äußerte. Auch unser Organ hat dem „Stürmer" gar oft gehörig auf die Finger geklopft, ohne daß die sonst sehr wehleidigen Herren Urteutonen darauf reagierten. Nur als einmal infolge einer falschen Ländern ist die Gültigkeit auf sechs Monate beschränkt, in anderen wiederum soll die Gültigkeitsdauer je nach den Umständen variieren. Die Mitglieder des Verwaltungsrates haben ferner beschlossen zu empfehlen, daß dieses Reisedokument für die Erteilung von Visen in gleicher Weise anerkannt werden soll wie ein staatlicher Paß, und daß die Staaten den Ausgewanderten die Visa kostenlos ausstellen sollen. Diese Empfehlung wurde allen Staaten übermittelt, und man hofft, daß viele sie annehmen werden. * Der obige Bericht zeigt, daß der vielverlästerte Flfichtlingsoberkommissar MacDonald doch redlich bemüht ist, mit seinem Mitarbeiterstabe Möglichkeiten für eine Lösung des immer brennender werdenden Emigrantenproblems zu finden. D. Red. Italien: Unter dem Vorsitz des Oberrabbiners von Rom Prof. Angelo Sacerdoti wurde in Mailand eine Beratung der Rabbiner der wichtigsten Städte Italiens abgehaltee, die zwei Tage gedauert hat. Nach längerer Aussprache, in der alle wichtigen Probleme des jüdischen Lebens in Italien berührt wurden, wurden die religiösen Führer des italienischen Judentums in einer Resolution verpflichtet, die religiöse und tradü$onelle jüdische Erziehung^ der Jugend mit allen Mitteln zu fördern. In einer zweiten Resolution wurde betont, daß die Zugehörigkeit zum Judentum nicht bedeuten könne, daß man darum weniger Italiener sei als der Nichtjude. In dieser Resolution wurde auch ausgesprochen, daß eine jüdische politische Presse in Italien keine Existenzberechtigung hat. In einer dritten Emmii focca, RadloWlen Mitglied der österreichischen Musiklehrerschaft, unterrichtet in jedem Gesanggenre, richtet in 15 bis 20 Minuten heisere, verschleimte, gebrochene und glanzlose Stimmen tadellos ein. IL, Schreigasse 12. / Telephon A 43-504 Resolution wurde der Rat des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens aufgefordert, die erforderlichen Mittel für die Stärkung des jüdischen öbubens und der jüdische n K u 11 u ir imlraiehisctien Judentum in Zusammenarbeit mit den Rabbinern bereitzustellen. Die Rabbiner-Konferenz brachte ihre Loyalitätsgefühle gegenüber dem König und dem Regierungschef Mussolini zum Ausdruck und spnacli ein Gebet für das Wohlergehen des italienischen Volkes. Information unsererseits eine Behauptung gegen den „Stürmer" aufgestellt wurde, die sich nicht als vollkommen richtig erwiesi, da lief der „Stürmer" zum Kadi und verklagte unseren Chefredakteur wegen Ehrenbeleidigung. Unsere Leser kennen den Ausgang dieses Prozesses, aber sie wissen auch, daß mehr als diese Belanglosigkeit die Wucht der Angriffe wog, die wir wiederholt gegen den „Stürmer" unternahmen, ohne daß dieser uns Gelegenheit gab, ihre Wahrheit zu beweisen. Auch ein anderer Wahrheitsbeweis ist nun, was man nur bedauern kann, hinfällig geworden. Der Prozeß der mutigen christlichen Vorkämpferin gegen den Antisemitismus Irene H a r a n d contra den „Stürmer" wird nicht stattfinden. » Gerade am Tage ihrer Einstellung war die Wochenschrift „Der Stürmer" noch einmal vor dem Presserichter. Ihr verantwortlicher Redakteur Hans Nowak hatte sich wegen Presse-Ehrenbeleidigung zu verantworten, weil „Der Stürmer" in einer seiner letzten Nummern einen jüdischen Säckehändler, der mit Chaim W. in dem Artikel genannt war, vorgeworfen wurde, den Tod eines arischen Anstreichers auf dem Gewissen zu haben. Wegen dieses Artikels brachte Chaim Weingarten die Ehrenbeleidigungsklage ein. Er erklärte, unter ^RESTAURANT RILLET beslrenommierle Küche Reichhaltige Menüs ä S 1.90 und 2.60. Schwechater Bräu II.. Hanuner-PartSstalltf* 3 (nächst Salztorbrficke)_ Telephon A 41-0-25 Chaim W. könne nur er verstanden werden, es gebe keinen anderen Säckehändler, der so heißen könnte. An der ganzen Sache sei nicht das Geringste wahr, er kenne den Anstreicher gar nicht. Ueberdies sei von der Polizei die Auskunft eingelangt, daß der Anstreicher in der Trunkenheit Selbstmord begangen habe. Redakteur Nowak, der Beklagte, hatte den Wahrheitsbeweis an? geboten, zog ihn aber später mit der Erklärung zurück, es liege eine Personenverwechslung vor. Er bot eine Ehrenerklärung und die Zahlung der Kosten an'. Weingarten verlangte aber auch die Zurückziehung einer Stelle im Artikel, sowie die Veröffentlichung der Ehrenerklärung in .zwei weiteren Wiener Tageszeütunr gen, was Nowak aber ablehnte. Der Redakteur wurde zu 100 Schilling G e 1 d^ strafe oder fünf Tagen Arrest verurteilt Außerdem wurde er verhalten, das Urteil in der nächsten Numme des „Stürmer" zu veröffentlichen. Es gibt aber keine „nächste Nummer" mehr, da der „Stürmer" jetzt eingeteilt worden ist. Was soll der arme „Stürmer" da machen? Max Liebermanns Bekenntnis. Am 20. Juli vollendete der große Maler Max. Liebermann, ehemals langjähriger Präsident der Akademie der Künste, sein 87. Lebensjahr. Ein Mitglied des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens überbrachte dem Meister aus diesem Anlaß die Glückwünsche seines Kreises. Max Liebermann ergriff nochmals die Gelegenheit, um ein Bekenntnis zum Judentum und zu seinem Judesein abzulegen. Der Besucher gibt seine Eindrücke über Liebermanns Wohnung am Wannsee bei Berlin u. a. wie folgt wieder: Liebermann, der Deutsch«, der Maler deutscher Landschaft, der „echte Berliner", steht überzeugt und schicksalsverbunden zu dem wesentlichsten, das uns angeht: zum Judentum. „Wir müssen uns als Juden auf uns selbst besinnen" — das ist der Kern der bewegt und mit Frische geführten Unterhaltung. Liebermann ist an dem Gespräch mit seiner ganzen lebhaften Art beteiligt Die Augen blitzen, sind jung und klar, sehende und sprechende Augen, das Lachen oft voll Schärfe und Ironie. Wir kommen auf die jüdische Jugend zu sprechen. Liebermann geht noch mehr aus sich heraus. Er wird erregt, unterbricht seine Sätze, durch plötzliches Nachdenken. „Die jüdische Jugend", sagt Liebermann, „ist in ihrem Geist heute wieder von einer Idee getragen! Das ist das Gute. So muß es sein!" — „Sehen Sie, meine Jugend war in dieser Richtung problemlos, ich habe den Unterschied zwischen Jude und Nichtjude niemals empr funden, und auch später in meinem Leben glaubte ich es einem Menschen nicht, wenn er zu mir kam und mir von Kämpfen erzählte, die er beruflich auszufechten hatte, nur weil er Jude ist. Ich sagte dann stets: Sie müssen eben tüchtiger sein. Aber heute, verstehe ich diese Menschen. Es nützt uns nichts, das Tüchtigsein. Im Geist müssen wir das Wertvolle sehen. Es ist weniger wichtig, wie die jüdische Jugend, rein äußerlich, materiell, dm Augenblick lebt* wesentlicher ist ihre innere Haltung, ihr Geist. Und der ist gut!" Die Frage des Legislative Council. Die in letzter Zeit immer wiederkehrenden Gerüchte über.die bevorstehende Errichtung eines Legislative Council (Gesetzgebender Rat) in Palästina haben in der Mitteilung einer Jerusalemer- Zeitung festere Form angenommen. In dieser Veröffentlichung wird ein angeblicher Plan über die Einsetzung der gesetzgebenden Körperschaft dargelegt, den der High Commissioner bei seinem jetzigen Aufenthalt in England — Sir Arthur Wauchope ist am 21. Juli abends in England eingetroffen — mit dem Minister für die Kolonien Sir Philipp Cunliffe-Lister und anderen stän* digen Beamten des Colonial Office erörtern wilL Im September soll dann eine offizielle Verlautbarung der Palästina-Regierung über den Legisilative Council erfolgen. Wie die Zeitung weiter zu melden weiß, soll sich der Rat aus 20 Mitgliedern zusammensetzen.. Den Vorsitz wird der High Commissioner führen^ 8 Sitze sollen den Mohammedanern, 4 bis 6 den Juden, 2 den Christen und 4 den englischen Leitern der Regierungs-Departements eingeräumt werden. Sämtliche Mitglieder des Rates werden e rnannt, nicht gewählt werden. Die Funktion der Körperschaft soll eine rein beratende, keineswegs gesetzgebende sein. Bekanntlich setzen die Zionisten der Errichtung eines Legislative Council energischen'Widerstand entgegen, während sie von den Arabern als erster Schritt z»r Selbstregierung und zu.einem „freien arabischen Palästina" hingenommen wird. HMIÜIIimHÜIIH Mitglieder und Freunde der „Union" Sommermonate jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends, im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater Äusstellungsstr. (vis-a-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache gegeben ist Oberall Assimilationspplitik. «■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■■■■■■■■■■■«■■■■■■■■■■■B Ausgestürmt.

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