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Die Wahrheit · 1934-07-20 · Heft 30 (20.7.1934) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 30 (20.7.1934)
Date
1934-07-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT ^RESTAURANT DILLE! -r feestiwnoiamterte Küche Reichhaltige Menüs äS 1.90 und 2.60. Scbweohater Bräa SL. Hammer-Purttsiallä. 3 (nächst Salztorbräcke) Telephon A 41-0-25 wurden dahin instruiert, daß auch diejenigen Kurorte, die offiziell deutsche Juden vom Kurbesuch ausschließen, ausländische Juden aufzunehmen und willkommen zu heißen haben. Einige Kurorte haben in ihren Antworten darauf hingewiesen, daß eine solche Lockerung der antijüdischen Politik von der Bevölkerung nicht verstanden würde. Besonders Baden-Baden und Borkum wehren sich gegen ausländischjüdischen Besuch. „Fränkische Tageszeitung" berichtet mit Triumph, daß die Sommerfrische Müggendorf judenrein geworden sei und am Eingang zum Ort ein großes Schild aufgehängt habe: „Juden sind hier nicht erwünscht!" Dieser Triumph sei den Hakenkreuzlern ausnahmsweise gern vergönnt. Denn er erinnert allzusehr an die bekannte Geschichte vom Fuchs und den saueren Trauben. Es ist ja kaum anzunehmen, daß erholungslustige Juden oder auch nur Kurbedürftige, die wie Juden aussehen, der Versuchung erliegen dürften, sich ausgerechnet nach Nazi-Deutschland auf Sommerfrische zu begeben, wo sie Gefahr laufen, jedem ihnen begegnenden Lümmel ihren Paß vorweisen zu müssen, damit sie einen Gruß und nicht etwa einen Fußtritt bekommen. Auch ohne diese Gefahr darf man vom jüdischen Selbstbewußtsein wohl erwarten, daß sich unsere Glaubensgenossen bei der Wahl ihres Sommeraufenthaltes ein ruhigeres und sympathischeres Land wählen werden, als es gegenwärtig Deutschland ist. Ruckwanderang judischer Ausländer aus Deutschland. Der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau teilt Zahlen über die Rückwanderung jüdischer Ausländer aus Deutschland in ihre Heimatländer i. J. 1933 im Rahmen eines Berichtes über die Arbeit der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge mit. Die Rückwanderung stellt die Hauptstelle vor schwierige Probleme, weil viele dieser ausländischen Juden seit Jahrzehnten in Deutschland ansässig sind und sich dem deutschen Kulturkreis wirtschaftlich und kulturell eingegliedert haben. In zahlreichen Fällen mußten zunächst paß- und staatsrechtliche Fragen in den betreffenden Heimatländern geklärt werden. Zwei Personenkreise stellen die Hauptstelle vor beinahe unlösbare Schwierigkeiten: Einmal die Staatenlosen, die Deutschland freiwillig oder infolge einer Ausweisung verlassen wollen und die nicht ohne weiteres die Möglichkeit haben, sich in ein anderes Land zu begeben, da die paßrechtlichen Voraussetzungen nicht vorliegen. Sodann jene Personen, die auf Grund des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen vom 14. Juli 1933 früher innegehabte deutsche Staatsangehörigkeit nicht ohne weiteres wieder erwerben können. Der paßrechtliche Status dieser Personen ist im Augenblick noch völlig ungeklärt. Nur wenige Länder haben Staatenlose in den vergangenen Monaten, und wenn, so in beschränkter Zahl, aufgenommen, und diese Möglichkeiten verringern sich ständig. Die Situation dieser Personenkreise ist daher vielfach als verzweifelt anzusehen. Die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge hatte sich im Jahre 1933 insgesamt mit der Rückwanderung von 18.694 Personen zu befassen. Diese Zahl umfaßt keineswegs die gesamten in ihre Heimatländer im Jahre 1933 zurückgewanderten Personen, sondern nur diejenigen, die sich fürsorgebedürftig an die Bezirkssteüett der Hauptstelle für jüdische Wamderfürsorge gewandt haben. Die Zahl der Juden nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, die Deutschland i. J. 1933 verlassen haben, wird man demnach vorsichtigerweise mit etwa 30.000, beziffern können. Von den 18.694 Rückwanderungen waren 14.334 Männer, 2989 Frauen und 1371 Kinder. Die besonders hohe Zahl von Männern, unter den Rückwanderern zeigt, daß es sich nur zu einem geringen Teil um Familienwanderung handelt, in erster Linie dagegen unverheiratete und arbeitsfähige Männer abgewandert sind. Die Abwanderung von Familien erfordert eine längere Vorbereitung und Prüfung der Möglichkeiten* gleichzeitig aber auch viel größere Fürsorgemaßnahmen. Die Nationalitäten der i. J. 1933 von der Hauptstelle betreuten 18.694 Rückwanderer gliedern sich nach folgender Aufstellung: 8804 Rückwanderer waren polnischer, 1951 ungarischer, 1917 tschechoslowakischer, 968 österreichischer, 890 rumänischer, 207 russischer, 187 litauischer, 118 lettländischer, 103 palästinensischer, 83 holländischer und 35 amerikanischer Staatsangehörigkeit. Bei 1494 Rückwanderern ist die Staatsangehörigkeit unbekannt, 1461 Rückwanderer waren staatenlos, ein Rest von 476 Rückwanderern verteilt sich auf verschiedene Staaten. In den allermeisten Fällen hat eine Rückwanderung nach den ursprünglichen Heimatländern stattgefunden. Von diesem Grundsatz ist nur dann abgegangen worden, wenn besondere Beziehungen, sei es wirtschaftlicher, sei es familiärer Art, in anderen Ländern Europas oder Uebersee vorhanden waren. « Das jüdische Hilfskomitee für deutsche Flüchtlinge in Prag fertigte am 11. d. M. 40 deutsche Emigranten, die bisher in Prag weilten, nach Brasilien ab, wo ihnen eine Existenz gesichert wurde. Das Komitee hat in diesem Jahre bereits 69 Personen nach Uebersee, hauptsächlich, nach Brasilien, geschickt. Nach Palästina wurden in den letzten 11 Monaten 297 deutsche Emigranten aus der Tschechoslowakei abgefertigt. Die jüdische Bodenständigkeit in Deutschland. Professor Ismar Elbogen veröffentlicht in der im Verlag M. u. H. Marcus. Breslau, demnächst erscheinenden „Germania Judaica" einen Artikel ,J)eutschland", dem u. a. zu entnehmen ist: Juden haben sieb auf dem Boden des Deutschen Reiches schon in der Römerzeit niedergelassen, sie sind für Köln als römische Bürger im Jahre 321 direkt, für Trier um dieselbe Zeit indirekt bezeugt Es ist nicht unwahrscheinlich, daß es auch an anderen Orten des Rhein- und Maasgebietes, die größere römische Truppenlager beherbergten, jüdische Siedlungen gegeben hat Dasselbe darf im Donaubezirk in Augsburg, Regensburg oder der Gegend von Wien angenommen werden. In Regensburg wollen neuere topographische Forschungen in der Zeit um 330 dieselbe Judenstadt festzustellen, die später bis 1519 die Gemeinde beherbergte. Auch das Kölner Judenviertel blieb innerhalb der alten Römerstadt bestehen. Im ganzen aber scheinen die jüdischen Siedlungen in Deutschland infolge der Stürme der Völkerwanderung oder infolge von Vertreibungen durch die fränkisdhen Könige zugrunde gegangen zu sein. Ein neuer Ansatz von Siedlungen beginnt erst wieder unter Karl dem Großen. Zu seiner Zeit wohnten bereits Juden in Aachen. Die Juden der deutschen Gemeinden des Mittelalters sind zum überwiegenden Teil durch Einwanderung ins Reich gekommen. Es ist wahrscheinlich, daß sie zunächst über die westliche Hälfte des Karolinger-Reiches, über Mosel und Rhein erfolgte. Audi von Italien her über die Alpen dürften sie gegangen sein. Ausgeschlossen ist auch nicht, daß aus den Slawenländern und überhaupt vom Südosten her Juden eingewandert sind. Der arabische Jude Ibrahim Ibn Jakub erwähnt um 965 Kaufleute, die aus Ungarn nach Prag kamen. Festgestellt ist, daß die Raffelstetter Zollordnung auf das Gewohnheitsrecht verweist, das bereits zur Zeit Ludwigs des Deutschen, d. h. vor 876, jüdischen Kaufleuten gegenüber zur Anwendung gekommen ist und demnach einen regelmäßigen Handelsverkehr zwischen Bayern und der Ostmark voraussetzt. Bezeugt ist eine Gemeinde im äußersten Osten in Magdeburg, wo Otto der Große 965 die Juden ^der Gewalt des Bischofs unterstellt, und in Merseburg, wo 973 dasselbe geschieht. Gar manche Gemeinde aber mag älter sein als ihre Nennung in den Geschidbitsquellen. Von den Gemeinden an der Mosel wird Metz zuerst 888, Trier erst 1066 erwähnt obwohl unzweifelhaft beide lange vorher jüdische Bevölkerungen hatten; im Mittelrhein Mainz 906, Worms 960, Speyer sogar erst 1084, am Niederrhein Köln erst 1012. an der Donau Regensburg 981. Während das Gebiet der Saale, der Elbe und der Moldau von rund 965 an von Juden besiedelt ist werden Gemeinden am Main nicht vor 1000 genannt (Bamberg 1033). Auffallend spät wird Thüringen erwähnt Erfurt erst nadK 1100. Als Verfolgungsstätten im Jahre 1096 werden genannt: Metz, Trier, Köln, Speyer, Worms, Mainz. Regensburg, Prag, Halle. Am Main mag zuerst Frankfurt als Zollstation von Juden bewohnt worden sein, später treten Würzburg (1119). Aschaffenburg (1146), gleichzeitig Nürnberg auf. An der Donau werden Tulln (nach 1097) und Krems (1136) genannt; 1128 ist von Juden in Kärnten die Rede. Auf 1150 führen die ersten Nachrichten über Juden in Breslau und Schlesien überhaupt Gegen Ende des Jahrhunderts werden die ersten Juden im eigentlichen Bayern genannt Aus der Zeit um 1200 stammen die ersten sicheren Nachrichten über Gemeinden im Elsaß und in Schwaben. Am spätesten wird die Straße an der Rhön (Fulda 1235) über Thüringen (Eisenach 1230) nach Sachsen (Leipzig nach 1200) und dem Harz (Blankenburg 1200) erwähnt Dieses Siedlungsnetz wurde durch die grausamen Verfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes (1348—1350) zerstört. Damit erreichte die alte Geschichte der deut- „F AMI LI EN SCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familientürsorge Wien II.. Aapernbrückentjasae 2 - Tel. B 43-500 Dntch Monatsbeiträge von S I bis 10 kann man bei nos sicherstellen: Studienbeiträge für TSohter und Sohne Ausstattungsbeiträge für' Töchter Vorsorge für da* Alter und für die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hobe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daher sofortige. Wirksamkeit. 4. Volle Garantie der Lebensversicherungsgesellschaft „Phönix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Der „FAMlLIENSCHUrZ" wird von der Wiener Kulttugemclnde befürwortet * sehen Juden ein schreckliches Ende. Doch damit endet die Geschichte der Juden auf deutschem Boden nicht; wenn die Bischofsstädte die Juden vertrieben, .hauen die Bischöfe sie in ihren Sprengein gehalten, wenn; die Reichsstädte sie nicht duldeten, haben die Reichsstände sie aufgenommen. In den kleinen, heute verwaisten Gemeinden des deutschen Westens und Südens liegen die Sitze eines zählen Kampfes ums jüdische Sein und einer lebendigen üemeindetradition. Der antisemitische Schwindel. Im Berliner „Aerzteblatt" erklärt Doktor Görcke, der Leiter der Abteilung für Rassen« forschung beim Innenministerium, die Rassentheorie sei vom biologischen Standpunkt nicht bedeutsam, sie sei aber eine politische Notwendigkeit, sich der Juden zu entledigen. Endlich einmal ein offenes Eingeständniis, daß die ganze, antisemitische „Wissenschaft" nur eine Spekulation auf die menschliche Dummhei.t Ist. Dasselbe, was da der offizielle Leiter der nazideutschen Rassenforschung zugibt, gilt natürlich auch für die Ritualmordhetze, die „Protokolle der Weisen von Zion", die „Entlarvungen" des Talmud usw. AMe diese Manipulationen fallen in das kriminell anrüchige Gebiet des unlauteren Wettbewerbs. Uni so grotesker ist esj daß!in Ma nnheim ein Arbeiter fristlos entlassen wurde, weil er die Wahrheit eines Ritualmordartikels im „Stürmer" bestrittein! hatte. Das Gericht verurteilte zwar die Firma, den Mann weiter zu beschäfügein, doch wurde dem Kläger im Urteil der Vorwurf gemacht, daß er sich überhaupt auf solche Gespräche eingelassen habe . . . Ein wahrhaft salomonisches Urteil! * In Linz wurde am Samstag das berüchtigte „Handbuch der Judenfrage" von Fritsch in den Buchhandlungen von Organen der Polizeidtrektton beschlagnahmt. * Die rumänischen Zeitungen bringen den folgenden Bericht über eine Rede, die Unterstaatss'i-kret ä r J a m a n d i in der Nähie von Jassy gehalten hat: „Ich fühle mich verpflichtet, das Volk ai warnen, den Anhängern des Hasses Gefolgschaft zu leisten. Hütet euch vor jenen, die den nationalen Gedanken monopolisieren wollen! Die Behauptungen der Extremisten sind unsinnig, die Z i e 1 e der Antisemiten sind ungerecht. Die Juden haben stets Schulter an Schulter mit uns an dem Wohl des Landes mitgearbeitet. Sie haben an der Seite der rumänischen Bauern im Kriege gekämpft Wer die Juden anfeindet, tut ihnen Unrecht. Tatsache aber ist, daß die Extremisten zu manchen Juden und Freimaurern Beziehungen unterhalten und von diesen materiell unterstützt werden. So unglaubhaft das auch klingen mag, ich habe sichere Beweise für das, was ich sage: Die extremistiscHe und antisemitische Bewegung wird selbst von manchen Juden gefördert Wenn ich das sage, so bin ich mir dessen bewußt, daß ich dabei mein Leben aufs Spiel setze. Ich tue es aber, weil ich es für meine Pflicht erachte, euch zuzurufen: Seid auf der Hut!" Die Rede des Unterstaatssekretärs hat viel Aufsehen erregt „Stürmer" eingegangen? Wie es heißt, hat der Wieinier „Stürmer", der sich mit Stofe, aber leider unberechtigt, das .einzige antisemitische Blatt1 Wiens nannte, sein Erscheinen eingestellt. Die Druckerei, die bisher an diese „Zierde deutscher Kultur" ihre Druckerschwärze vergeudete, soll angeblich die Mitarbeit an diesem Produkt entarteter Phantasie verweigern. — Oder sollte Hitäer die Geldsendungen! eingestellt habönj?

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