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Die Wahrheit · 1934-07-13 · Heft 29 (13.7.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 29 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Sattelt rheumatische Krankheiten auch für Leiden der Atmungsorgane und des Darms Verwendung finden. * Das Jaffaer Kreisgericht als Berufungsgericht hat die über fünfzehn Führer arabischer Nationalisten wegen Beteiligung an den Unruhen in Jaffa im November 1933 verhängten Strafen abgeändert. Das Gericht beschloß, den Verurteilten eine Bewährungsfrist zuzubilligen, falls sie eine schriftliche Wohlverhaltungs-Verpflichtung abgeben. Nach Ablaut der gestellten Frist haben nunmehr vierzehn Verurteilte solche Erklärungen unterfertigt: sie gehen damit vorläufig straflos aus. Nur Scheich Abdul Kader Muzeffar hat die Unterzeichnung der auf drei Jahre lautenden Verpflichtung verweigert. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und bleibt nach Verbüßung der Strafe noch ein Jahr unter Polizeiaufsicht. * Das Sommer-Semester an der Hebräischen Universität in Jerusalem wurde soeben abgeschlossen. Die Universität zählte im letzten Semester 545 Studenten und Hörer. 70% der Studenten hatten abgeschlossene Mittelschulbildung, 17% außerdem akademische Bildung. Der Rest der Hürer waren Externe, Studenten aus fas: allen Lä.idern der Welt waren an der Universität inskribiert. Der größte Teil der Hörer besteht indessen aas Abiturienten des hebräischen Gymnasiums „Herzlia" in Tel Aviv. * Es wurde beschlossen, die an der Haifa-Bucht auf Beden des Keren Kajemeth geplante Siedlung für deutsche Juden „Kirjat Bialik" (Bialik-Stadt) zu benennen. Die Grundsteinlegung für diese neue Siedlung wird demnächst erfolgen. Geplant wird die sofortige Errichtung von vorläufig hundert Häusern. Zu dem Gründungskapital in Höhe von 40.000 Pfund steuert die Hälfte der südafrikanische „Binyan Haarez" bei. die andere Hälfte bringen die Siedler selbst auf. „ Wir wollen zusammenstehen/" Die Reichsvertretung der deutschen Juden verbreitet folgendes Manifest: In Tagen, die hart und schwer sind, wie nur je Tage der jüdischen Geschichte, aber auch bedeutungsvoll, wie nur wenige gewesen, ist uns durch die gemeinsame Entschließung der jüdischen Landesverbände, der großen jüdischen Organisationen und der Großgemeinden Deutschlands die Leitung und Vertretung der deutschen Juden übertragen worden. Kein Parteigedanke, kein Sonderwunsch hat darin gesprochen, sondern allein und ganz die Erkenntnis dessen, daß Leben und Zukunft der deutschen Juden heute durch ihre Einigkeit und ihren Zusammenhalt bedingt sind. Darum ist es die erste Aufgabe, diese Einheit lebendig werden zu lassea Jede Organisation und jeder Verband sollen in ihrer Lebenskraft und in ihrem Aufgabenkreise anerkannt.sein, aber in allen großen und entscheidenden Aufgaben "darf es nur die eine Gemeinschaft, nur die eine Gesamtheit der deutschen Juden geben. Wer heute Sonderwege geht, wer heute sich ausschließt, hat sich an dem Lebensgebote der deutschen Juden vergangen. Im neuen Staate ist die Stellung der einzelnen Gruppen, auch derer, die weit 2ahlreicher und stärker sind als wir, eine ganz andere geworden. Gesetzgebung und Wirtschaftsführung haben ihren gewiesenen Weg, eingliedernd und ausgliedernd. Wir sollen dies einsehen ohne Selbsttäuschung. Nur dann werden wir jede ehrenvolle Möglichkeit beobachten können und um jedes Recht, um jeden Platz, um jeden Lebensraum zu ringen imstande sein. Die deutschen Juden werden als arbeitnehmende und arbeitgebende schaffende Gemeinschaft im neuen Staate sich bewähren können. Eigene Gedanken, eigene Aufgaben zu verwirklichen, ist uns nur auf einem Gebiete, aber einem entscheidenden, gewährt, auf dem unseres jüdischen Lebens und unserer jüdischen Zukunft. Hier sind die bestimmtesten Aufgaben gestellt. Neue Pflichten jüdischer Erziehung sind zu erfüllen, neue Bereiche jüdischer Schule sind zu schaffen und alte zu wahren und zu schützen, damit dem heranwachsenden Geschlechte seelische Festigkeit, innere Widerstandskraft, körperliche Tüchtigkeit gegeben werde. Zu Berufenen, die ihr einen Platz im Leben zeigen, soll unsere Jugend in besonnener Auswahl herangebildet und umgeschichtet werden, damit ihr Dasein seinen Ausblick gewinne. Das Bestehende wie alles Begonnene und Versuchte soll hier zusammengeführt werden, um zu helfen und zu stützen. Allem Zersetzenden soll entgegengearbeitet, dem Aufbau auf dem religiösen Fundament des Judentums alle Kraft geweiht werden. Viel von einstiger wirtschaftlicher Sicherheit ist uns deutschen Juden genommen oder beeinträchtigt worden. Innerhalb dessen, was uns bleibt, soll der einzelne aus der Vereinzelung herausgeführt werden. Ständische Verbindungen und Zusammenschlüsse, soweit zulässig, können vorhandene Kräfte erhöhen und dem Schwachen einen Rückhalt geben, können Erfahrungen und Beziehungen für alle nutzbar machen. So manchem wird die Stätte der Arbeit und des Berufes auf deutschem Boden versagt sein. Vor uns steht als Tatsache, der gegenüber alles Fragen und Meinen aufhört, die deutliche, geschichtliche Notwendigkeit, unserer Jugend Neuland zu bereiten. Es ist zur großen Aufgabe geworden, Plätze zu erkunden und Wege zu bahnen, wie auf dem heiligen Boden Palästinas, dem die Vorsehung eine neue Zeit gelügt hat, so überall, wo Charakter, Fleiß und Tüchtigkeit des deutschen Juden sich bewähren können, niemandem Brot nehmend, sondern anderen Brot schaffend. Wir bauen auf den lebendigen Gemeinschaftssinn und das Verantwortungsbewußtsein der deutschen Juden wie auch auf die opferwillige Hilfe unserer Brüder uberall. Wir wollen zusammenstehen und im Vertrauen auf unserem Gott für die Ehre des jüdischen Namens arbeiten. Möge aus dem Leiden dieser Tage das Wesen es deutschen Juden neu erstehen! Spezialhaua für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborsfrafie Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Für den konfessionellen Frieden. Als Abschluß der anläßlich seines 50jährigen Priester-Jubiläums veranstalteten Feierlichkeiten hielt Kardinal Wiliiam O'B o n n e 11, der höchste katholische Geistliche der Vereinigten Staaten, eine Rundfunkansprache, in der er an die „Gläubigen aller Konfessionen, an Katholiken. Juden, Protestanten und die Angehörigen der übrigen Bekenntnisse" den Appell richtete, in Harmonie zusammen zu leben und „die Vaterschaft Gottes und die Brüderschaft der Menschen" zu proklamieren. Die christliche Welt, erklärte der Kardinal, dürfe nie vergessen, daß das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen ist, und daß das jüdische Volk dasjenige gewesen ist, von dem die ganze Welt jene großen Gebote übernommen hat, die Moses empfing. Die Leistungen der Juden für die deutsche Kultur. La culture allemande est-elle 100% aryenne? L'apport des Juiis d'Aliemagne ä la Civilisatlon allemande. Dem in der Ueberschrift genannten Thema ist das Doppelheft 5/6 der in Paris und Alexandrie herausgegebenen „Cahiers Juifs"*) gewidmet. Ein Heft fleißiger Sammelarbeit — fast dreihundert Seiten umfassend — wird hier vorgelegt, das in Ton und Sprache würdig ist und ein Dokument vorstellt aere perennius, das — die Geschichte wird es noch erweisen, sollten auch Jahrhunderte darüber hinwegstreichen — unseren Nachfahren zur Ehre gereichen und ihnenüberall die Pforten menschenfreundlicher Länder öffnen, den Nachkommen des jetzigen Deutschland aber zur bewußten Schande werden wird, die sie gutzumachen bestrebt sein müßten. Es ist unmöglich, hier im einzelnen zu zeigen, wie die zahlreichen Mitarbeiter, die die einzelnen Kulturzweige bearbeitet haben, die Leistungen der Juden für die deutsche Kultur beleuchten. Es muß genügen: namhafte Gelehrte zeigen, wie Technik und Kunst. Musik und Literatur. Mäcenatentum und Wissenschaft. Medizin und Mathematik, Bühne und Buchwesen, Sport und Film Juden mannigfache Anregung; wertvollste Schöpfungen und ungeheuren Erfolg verdanken. Nur die stets Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasae 3_Tel. A 45-5-37 bestehenden Hemmungen und: Behinderungen haben die jüdische Leistung nie zu einem Siege sich auswirken lassen. Was wir alle wissen, ist hier greifbar mit wenigen, aber den notwendigsten Daten wiedergegeben. Wenn Juden es allenthalben noch nicht wissen, und sie wissen oft nicht, welche Träger klangvoller Namen jüdischer Abstammung sind, so mögen sie dieses Heft lesen. Mehr noch aber ist es unsere Pflicht, für seine Verbreitung zu sorgen, damit die Nichtjuden der vom Judenhasse noch nicht verseuchten Länder, die noch auf Kulturgeltung Wert legen, sich bewußt werden, welche Werte in Deutschland der Vernichtung preisgegeben sind, wie auf manchen Gebieten gewiß dem geistigen Fortschritt der Ruin bereitet ist. Für die ganze Stimmung seien doch einige Proben und Hinweise vorgelegt. Dr. Leonhard Medici — alle Mitarbeiter zeichnen aus naheliegenden Gründen gar nicht mit ihrem vollen Namen — zeigt, wie die Zeitschriften und die Gesellschaften für psychoanalytische Forschung fast ausschließlich jüdispher Arbeit zu danken sind. In der „Gesellschaft deutscher Neurologen" waren Juden die tätigsten und geachtetsten Mitarbeiter. Die Bibliothek „Questions limitrophes de la vie nerveuse et psychique" haben die Juden Löwenfeld und Kurella begründet und viele Jahre geleitet. Das „Zentralblatt für die gesamte Neurologie und Psychologie" erschien unter der Leitung jüdischer Gelehrter. „Les Editions internationales psychoanalytiques", die ,/Revue Internationale de la Psychoanalyse" und „Imago" sind jüdische Schöpfungen. Und so geht die Aufzählung noch für etliche Zeitschriften und Sammelwerke weiter. Und der Verfasser fragt zum Schluß „Wie will Deutschland dies ersetzen? Ersetzen „le formidable deficit spirituel et culturel qu'il a cree lui-meme en elimina.nt les Juifs?". In seinem Beitrag über die Wissenschaften sagt Dr. Horace Goldie zutreffend und glänzend: Die nun eingesetzten Professoren usw. werden ein namhaftes Erbe antreten — wissenschaftliche Institute, von Juden organisiert. Arbeiten, die von Juden begonnen wurden, und Ergebnisse der Juden, die sie für die Forschung gemacht haben. Aber unter diesen sklavischen Bedingungen würde diö Wissenschaft den Aufschwung (l'öla'.i) nicht mehr nehmen können, der ihm die Achtung der zivilisierten Welt eingebracht hat Prof. Leibovitch weist in seinem Aufsätze „Orientalismus" mit Recht darauf hin. daß die Deutschen, die ihrem Hasse gegen diel Juden heute freien Lauf lassen, nicht mehr wissen, daß sie die Schriftzüge, deren sie sich bedienen, eine Schöpfung der alten Phönizier *) Das Heft (Preis 25 Francs) kann auch durch Le Bibliotheque, Anvers. Belgique, 38rue des Fortiiications, bezogen werden. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNNEHl •«■«■«■■■■■■■■■■■■■■■■aBa) WUN IX* MMMMSSK NR. 1» FfUAUf XVIII., WAMRMOXOSTilASS* 97 TdepboaNr. A 17-3-99 and A 1M-34 Uthful für NsilanateK*« AbteilungeimrKoscherfleisch MfleAsi' atarfSsioflaft rietet eliNw Rebea^aaveAeeft tfev^ SaartHcbe Fldscbsoriea von ausschlfeßlkii Prina-Qualrtitt za den billigsten Marktpreis«« nennen müssen, eines Volkes das semitischer Rasse und Sprache ist. Sehr instruktiv — trotz der Kürze — ist der Aufsatz über das jüdische Mäcenatentum, in dem die besten Namen der deutschen Geistesgeschichte seit Lessing anzutreffen sind. Candidus unterzeichnet diesen Beitrag. Auch H. M . . . muß seinen Aufsatz über Opinion publique — Verlagsanstalten und Bücherherausgabe — mit der Bemerkung schließen, daß dem deutschen Verlagswesen nun fehlen werde: die jüdische Aktivität, ein wichtiger und nicht zu vermissender Faktor — „facteur important. et msenarable du tout." Und ähnlich schließt K. Z. mit einem Zitat aus Werner Sombarts Buch „Das deutschee Wirtschaftsleben im 19. Jahrhundert"; „Sie le Juif n'existait pas. il laudrait I'nverter ..." Einige Seiten werden „documents" abgedruckt. Hier lese man Feders Aeußerungen über Heines Lorelei und neuere jüdische Schriftsteller und Dichter, um den Grad der Verblendung kennen zu lernen. Die Herausgeber dieses Heftes haben sich über ihre Absicht in einer Vorrede geäußert. Sie wollen keine apologetische Arbeit leisten, sondern denen, die objektiv die Wahrheit suchen, den Weg hierzu erleichtern. Aber nicht allein über die Fülle, sondern auch über die Arf der jüdischen Leistungen für die deutsche Kultur soll die Leserwelt allein zu urteilen imstande sein. Ein kurzes Vorwort hat außerdem Albert E i iistein geschrieben: aus ihm sei hier ein Passus — zum Abschluß — zitiert: „Et c'est justement au tnoment ou on les persecute. qu'il laut hautement oroclamer le fait que l'Occident doit aux Juifs. d'une Part sa religion, donc ses ideals ethiques les dIus precieux, d'autre part, daas une gründe mesure. la renaissance du monde spirituel grec. II ne faut pas non plus qu'on oublie que la langue allemande doit en partie son affinement ä la traduetion de la Bible. donc ä l'hebreu." Dr. P o s n e r. Antwerpen. Steiermark — das ideale Reiseland. E An der Schwelle zwischen Norden und Süden, bietet die Steiermark allen Reichtum eines Gebirgslandes und einer südlichen Landschaft. Schön ist es, die Berge und Wälder, Burgen und Städte der Steiermark vom bequemen Abteil des D-Zuges aus zu bewundern, noch schöner aber, den unerschöpflichen Wechsel der wunderbaren Landschaft im Auto zu genießen. Zahlreiche gute Straßen führen in und durch die Steiermark: Von Wien über den berühmten Luftkurort Semmering dem Mürz- und Murtal entlang näch Graz, von Salzburg oder Innsbruck durch das mittlere Ennstal mit dem einzig schönen Ennsdurchbruch, dem „Gesäuse", vorbei an den wildromantischen Dolomitgebirgen der nördlichen Kalkalpen mit einer Abzweigung in das nahe Salzkammergut, wo das weitbekannte Bad-Aussee und Altaussee mit seinen prachtvollen Seen zum Aufenthalte einladet — oder weiter über die interessante Paßstraße des Prebichl (1232 m) am weltberühmten Erzberg nach der Bergstadt Leoben und nach Graz oder von Leoben dem oberen Murtal entlang nach Murau-Stolzalpe nahe der Kärntner Grenze, oder vom früher erwähnten Gesäuse ostwärts weiter nach Mariazell, dem berühmten Höhenort und Wintersportplatz. Eine vorzügliche Straße verbindet Graz auch mit Budapest, eine Straße, welche über die bekannte Bergrennstrecke der „Ries" durch Oststeiermark, das Burgenland und vorbei am Plattensee führt. Victoria za Berlin. Allgemeine Versichenings-AcHea-Gesellschait. 80. Geschäftsjahr. E Die Generalversammlung der Victoria zu Berlin hat am 27. Juni unter dem Vorsitz von Dr. H. Scharf alle Vorschläge der Verwaltung einstimmig genehmigt. Der nach angemessenen Rückstellungen und Abschreibungen sowie Errichtung eines Unterstützungsfonds für Victoria-Angestellte ausgewiesene Ueberschuß von RM. 8,149.018.— floß wieder zum größten Teil (RM. 7,572.220.—) den Versicherten, deren Dividenden wie im Vorjahre festgesetzt wurden, zu. Dagegen hat sich die Aktionär-Dividende von RM. 90.— aui RM. 75.— je Aktie ermäßigt, wobei der derzeitige Kurs mit etwa öV*% verzinst erscheint. Die Gesellschaft weist mit Jahresende einen Gesamtversicherungsbestand von RM. 1002,5 Millionen und Garantiemittel von RM. 394,5 Millionen aus.

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