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Die Wahrheit · 1934-07-13 · Heft 29 (13.7.1934) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 29 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DtE WAHRHEIT „FAMILIEN SCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familientürsorge Wiea II.. Asperabrückeimasse 2_Tel R 43-500 Oatch Monaisbeiträge von S 1 bis 10 kann man bei uns sicherstellen: Studienbeiträge für Tochter und Sahne Ausstattungsbeiträge für Tochter Vorsorge für das Alter und fflr die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hobe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit. 4. Volte Garantie der Lebens Versicherungsgesellschaft „ Phönix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Der „PAMMENSCHUTZ" wird von der Wiener Knttosgcmciiida befürwortet Aus der braunen Hölle. Nach einer Zusammenstellung der statistischen Angaben aus 16 deutschen Großstädten ist seit Jahresbeginn ein starker Rückgang der jüdischen Bevölkerung festzustellen. In Berlin erreicht der Rückgang 10,6 Prozent, in Hamburg 13,7 Prozent, in Frankfurt 10,2 Prozent und in Pforzheim über 13 Prozent * Das Berliner Cafe „Trianon" auf dem Bayerischen Platz, das ausschließlich von Juden besucht wird, wurde von S. A.-Leuten überfallen, wobei die Einrichtung in Trümmer geschlagen und Personal wie Gäste, darunter zwei amerikanische Staatsbürger, verletzt wurden. Die S.A., die ihre Auflösung befürchtet, will offenbar ihre Unentbehrlichkeit und Nützlichkeit beweisen. * Die S.S.-Leute, die in Hirschberg eingetroffen waren, um die zwangsweise auf „Urlaub" geschickte S.A. abzulösen, haben als erste „Aktion" einen Verfolgungsfeldzug gegen die Hirschberger Juden eingeleitet Ohne ersichtlichen Grund wurden 25 Juden aus den Betten heraus verhaftet in die Kaserne gebracht und furchtbar verprügelt Vier Juden, und zwar ein Rechtsanwalt ein Kaufmann, ein Arzt und dessen Frau wurden nach Görlitz abtransportiert und zwei Kilometer von Hirschberg entfernt niedergeschossen. Unter der Hirschberger Judenschaft herrscht furchtbare Bestürzung und Trauer. Aber auch unter der christlichen Bevölkerung macht sich ungeheure Empörung über den Mord an vollkommen friedlichen und unschuldigen Menschen geltend. Die vier Erschossenen waren bei der Bevölkerung außerordentlich beliebt und hatten nichts mit Politik zu tun. Die Meuchelmorde werden als Ablenkungsmorde betrachtet — in Agnetendorf, dem Wohnort Gerhart Hauptmanns im Riesengebirge, wurde ein jüdischer Villenbesitzer verschleppt Man nimmt an, daß er ebenfalls getötet wurde. * In der Nacht vom 28. zum 29. Juni 1934 sind auf dem jüdischen Friedhof in Paderborn insgesamt 54 Grabsteine gewaltsam umgestürzt und teilweise zerstört worden. Der Hamburger Gemeindefriedhof, über dessen Schändung wir schon in der vorigen Woche berichteten, ist neuerlich von Hakenkreuzlern heimgesucht worden, wobei ganze Reihen von Grabsteinen umgestürzt wurden. * In Wiesbaden begann ein Prozeß gegen 15 Nazi, die beschuldigt werden, einen Judenpogrom in Idstein, wobei einzelne Ueberfallene zu Tode mißhandelt wurden, durchgeführt zu haben. Die Verhandlung ist geheim. — Bisher hatte man von diesem Judenpogrom überhaupt nichts gehört. Kein Exportartikel! „Der deutsche Nationalsozialismus ist kein Exportartikel", erklärte jüngst der Propagandaminister Goebbels. Die Jüdische Telegraphenagentur aber berichtet: Seit einiger Zeit mehren sich in Kopenhagen die Fälle, wo Fensterscheiben in jüdischen Geschäften eingeschlagen, öffentliche Gebäude, wie Synagoge, Parlament und Freimaurerloge, mit Hakenkreuzen und nationalsozialistischen Parolen mit schwer zu entfernender ätzender roter Farbe beschmiert werden. In der Redaktion der großen Tageszeitung „Politiken", die von den Nazis zur „Judenpresse" gezählt wird, wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Der Redaktion gingen mehrere Drohbriefe zu. Im Redaktionszimmer des „Extrabladet" wurde ein Redakteur von einem jungen Nationalsozialisten überfallen. Die Polizei besetzte das Hauptquartier der Kopenhagener Nazis und verhaftete dort 16 Jugendliche, von denen 10 als an den erwähnten Umtrieben beteiligt erkannt ins Gefängnis eingeliefert wurden. * Der rumänische Ministerrat hat nach Anhörung des Berichtes des Ministers des Innern angeordnet, daß sämtliche politischen Formationen der deutschen Minderheit in Rumänien, die ein Programm haben, das im Widerspruch zum Wortlaut des Gesetzes über den Schutz der Sicherheit des Staates steht aufgelöst werden. Diese Anordnung betrifft vor allem die politischen Formationen nationalsozialistischen Charakters. Die in Zürich erscheinende „Front" brachte in ihrer Nummer vom 28. Juni auf der letzten Seite unter der Ueherschrift „Achtung" die sensationelle Enthüllung, daß der Gymnasiast Princip, der a,m 28. Juni 1914 die tödlichen Schüsse auf den österreichischen Thronfolger und seine Gemahlin abfeuerte — ein Jude und Freimaurer gewesen sei. „somit", so heißt es weiter im Text. ..haben Juden und Freimaurer den Weltkrieg entfacht". In Wirklichkeit war Princip weder Jude noch Freimaurer, sondern ein serbischer Exponent jenes nationalen Mordfanatismus, der sich jetzt im Zeichen des Hakenkreuzes allerwärts austobt. * In Thrazien hat die türkische nationalistische Organisation „Hali Ferkassi Ismeli" einen Boykott der jüdischen Kaufleute proklamiert und vor allen jüdischen Geschäften Boykottposten aufgestellt Der Gouverneur von Adrianopel hat sich geäußert, jüdische Proteste könnten die Durchführung des nationalen Willens nicht hindern. Die Juden von den Dardanellen vertrieben. Einige Hundert jüdische Familien, die in den Vororten Konstantinopels an den Dardanellen wohnten, wurden von den Behörden gezwungen, sofort ihre Heime zu verlassen. Diese jüdischen Familien konnten nichts von ihrer Habe mit sich führen, sie sind materiell ruiniert Laut einer im türkischen Parlament abgegebenen Regierungserklärung handelt es sich um Uebergriffe untergeordneter Beamten. Den Vertriebenen stehe die Rückkehr frei. Ueber die verzweifelte Lage der Vertriebenen liegt folgende Meldung vor: Die täglich aus Adrianopel in Orestiada eintreffenden Züge sind voll von jüdischen Frauen und Kindern, die mit unbestimmtem Reiseziel weitertransportiert werden. Sie berichten, daß die Männer in der Ortschaft Ouzoinkiipru konzentriert wurden. Ihr Schicksal ist unbekannt Eine Anzahl von Kindern wird vermißt Die Flüchtlinge erzählen, alle Juden des türkischen Teils von Thrazien hätten ihre Wohnorte verlassen müssen, nachdem sie ihre Habe zu Spottpreisen losgeschlagen oder überhaupt im Stiche gelassen hatten. Die Eisenbahnstationen seien von Tausenden Juden überfüllt, die auf Waggons zur Reise nach Konstantinopel warten. Doch stünden nur wenige Viehwagen zur Verfügung. Die Lage sei katastrophal, man befürchte den Ausbruch von Epidemien. Die Judenfrage in Danzig. Der Präsident des Senats des Freistaates Danzig Dr. R a u s c h n i n g, übergab der Presse ein Kommunique, in dem dargelegt wird, daß die Besorgnisse der jüdischen Bevölkerung wegen einer Sonderbehandlung <ler Juden im Erejslaat. Danzig unbegründet seien; auf dem Gebiete des Freistaates werde eine Sonderbehandlung fm Hinblick auf Abstammung und Religion nicht Platz greifen. Die Verfassung des Freistaates Danzig schließe die Möglichkeit auch nur der mindesten Vergewaltigung des Rechtes seiner Einwohner oder auch nur eines Teiles seiner Einwohner vollkommen aus. Insbesondere liege die Durchführung eines wirtschaftlichen Boykotts nicht im Bereich der Möglichkeit, weil der Senat des Freistaates allen Bürgern die uneingeschränkten konstitutionellen Rechte garantiert Der Senat des Freistaates wünsche — in Uebereinstimmung mit der Willensmeinung der gesamten Bevölkerung — eine korrekte wirtschaftliche Konkurrenz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften, bei der die sachlichen Fähigkeiten den Ausschlag geben. Der Senat werde alle gesetzlichen Mittel zur Stärkung dieses seines Standpunktes zur Anwendung bringen. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde brachte beim Senatspräsidenten persönlich die Beschwerden der jüdischen Bevölkerung hinsichtlich des befürchteten Erlasses eines Schächtverbots für Danzig vor. Auch die Frage des E h r e n s c h u t z e s für die jüdische Bevölkerung, sowie des Wirtschaftsboykotts, der gegenüber der jüdischen Bevölkerung in zahlreichen öffentlichen Versammlungen propagiert wird, waren Gegenstand der Besprechung. Senatspräsident Dr. Rauschning nahm die Beschwerde entgegen und stellte Prüfung und nach Möglichkeit auch Beseitigung der Mißstände in Aussicht. Die Zahl der Juden in Jugoslawien. Das Statistische Jahrbuch für Jugoslawien enthält Angaben über Zahl und Verteilung der Juden im jugoslawischen Königreich. Nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 31. März 1931 gab es in ganz Jugoslawien 68.405 Juden, d. i. 0.49% der Gesamtbevölkerung. In den einzelnen Banaten (politische Verwaltungseinheiten) wohnen: Im Drau- Banat (Slowenien) 820 Juden (0,07% der Gesamtbevölkerung), im Drina-Banat (Bosnien) 10.043 (0,65%), im Donau-Banat (frühere ungarische Gebiete) 18.518 (0,78%), im Morava-Banat (Alt-Serbien) 586 (0,04%), im' Küsten-Banat (Dalmatien) 578 (0,07%), im Save- Banat (Kroatien) 19.575 (0,72%), im Vardar-Banat (Süd- Serbien) 7579 (0,48%), im Vrbas-Banat (Nord-Bosnien) 11.060 (0,11%), im Zeta-Banat (Montenegro) 610 (0,07%) und in der zu keinem Banat gehörenden Hauptstadt Belgrad 8936 (3,09%). — An der Universität Zagreb (Agram) waren im Sommersemester 1933/34 360 jüdische Hörer bei einer Gesamthörerzahl von 5078 inskribiert Die Judenemanzipation in Rumänien. Am 8. Juli feierten die rumänischen Juden den 15. Jahrestag ihrer Emanzipation. Auf Veranlassung der Union rumänischer Juden fanden in allen Tempeln und Synagogen des Landes Gedenkfeiern statt. IL, Taborstraße 12 — Telephon R 46-5-57 empfiehlt sich mit seiner reichhaltigen Speisenauswahl erstklassiger Zubereitung und exakter Bedienung. Billige Menüs schon von S 1.60 an. Schöner schattiger Garten. Speisen am Rost, täglich frische Fische. Erklärung der Rabbiner Wiens. Zum Falle Stavskyv Die Rabbiner Wiens veröffentlichen folgende Erklärung: „Abraham Stavsky, ein junger Jude, ist in Palästina auf Grund einer Indizienbeweisführung durch Majoritätsspruch des Richterkollegiums des Mordes an dem Zionistenführer Arlosoroff schuldig erkannt und zum Tode verurteilt worden. Der Oberrabbiner von Palästina Kook und mit ihm das. palästinensische Rabbinat sowie ein großer Kreis hervorragender Persönlichkeiten haben in einem Aufruf an die Judenheit der ganzen Welt beteuert, daß-nach ihrer Ansicht Abraham Stavsky an dem Morde gänzlich unbeteiligt sei. Unter dem Eindrucke dieser Kundgebung und bestärkt durch die Erklärung eines der Richter des ersten Gerichtshofes, De' Valero, der gleichfalls von der Unschuld Stavskys überzeugt ist, geben die Rabbiner der Wiener Gemeinde dem innigen Wunsch und der Hoffnung Ausdruck, daß" die Ueberzeugung so vieler hervorragender Menschen von der Unschuld Stavskys durch das weitere gerichtliche Verfahren volle Bestätigung finden möge. Für die Rabbiner Wiens: Der Überrabbiner Dr. David Feuchtwan 2." « Oberrabbiiier Dr. David Feuchtwang erhielt das folgende dringend aufgegebene Telegramm vom Oberrabbiner Kook: „Gefahr droht. Tun Sie Ihr Möglichstes iür den unchuldigen Stavsky!" Das Telegramm war nicht in Jerusalem, dem Amtssitze des Rabbiners Kook, sondern in Beirut aufgegeben worden. Der Jerusalemer Oberrabbiiier Duschinsky vom Waad Hair Hoaschkeniasy hat zur Protestbewegung gegen das Todesurteil gegen Stavsky folgende Erklärung abgegeben: Er sei unbedingt dafür, daß alle nur gangbaren Wege zur Erlangung der Begnadigung des zum Tode Verurteilten erprobt werden. Aber es sei allen Außenstehenden, die nicht an der einjährigen Untersuchung und an der Verhandlung teilgenommen haben, unmöglich, ein Urteil über Schuld und Unschuld abzugeben. Der Weg. der uns offenbleibt, ist das Gesuch um Begnadigung: dieser Weg muß mit aller Energie beschritten werden. Palästina-Nachrichten. Die Palästinaregierung hat der Jewish Agency weitere 500 Einwanderungs-Zertifikate für Handwerker mit einem Eigenkapital von mindestens 250 Pfund außerhalb des Rahmens der Arbeiter- Schedule bewilligt Von diesen Zertifikaten sind 200 zur Verteilung in Polen, 200 zur Ausgabe in Deutschland. Und 100 für aus Deutschland ausgewanderte Juden in verschiedenen Ländern bestimmt. * Der Palästinazentrate der Aguda wurden erstmalig von der englischen Palästina-Regierung direkt 24 Zertifikate für die von ihr vorgeschlagenen Rabbiner zugewiesen. * Nach einer soeben veroh'entlichten offiziellen Statistik wurden aus Palästina im Laufe dieser Saison 5,526.097 Kisten Orangen ausgeführt. 64% des Exports gingen nach England, 23% nach Deutschland. * Die Palästinaregierung hat die Paß-Abteilungen der englischen Konsulate angewiesen, von nun an auch von denjenigen jüdischen Touristen, die erster Klasse nach Palästina reisen, dis Hinterlegung der bisher nur für Reisende der übrigen Klassen vorgeschriebenen Kaution von 60 Pfund zu fordern. * Die „Tiberias Hot Springs C). Ltd." trifft die letzten Vorbereitungen für die Neufassung der altberühmten Thermen von Tiberias und zur vollständigen Modernisierung des Bades. Mit dem Bau eines modernen Badehauses, eines Inhalatoriums und einer Trinkhalle wird jetzt!*sgonnen. In Zukunft werden die Quellen von Tiberias, ihrer chemischen und physikalischen Beschaffenheit entsprechend, außer für

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