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Die Wahrheit · 1934-07-06 · Heft 28 (6.7.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 28 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite & Spezialhaus für Wolle und Striokgame Moritz Nagel 'Wien, 2- Bez., Taborsfraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _ Telephon A 45-8-69_ Die älteste Synagogengemeinde Eng" lands an die älteste Synagoge Deutschlands. Der Aeltestenrat der Londoner Gemeinde spanischer und portugiesischer Juden hatte eine außerordentliche Sitzung einberufen, um des 900jährigen Bestehens der Synagoge von Worms würdig zu gedenken. Der Vorsitzende des Synagogenrats Arthur de Casseres betonte in einer Ansprache, wie bedeutsam •es gerade in diesen Tagen sei, sich vor Augen zu halten, daß in Deutschland ein jüdisches Heiligtum steht, in dem Juden rund ein Jahrtausend lang gelernt und gebetet haben. Die Mitglieder der Londoner sephardischen Gemeinde, die ihre Ahnenreihe in manchen Fällen bis auf die Tage Oliver Cromwells zurückführen, seien tief ergriffen, wenn sie des wechselvollen Schicksals jener Juden gedenken, die in den letzten 900 Jahren jüdischen Glauben in der historischen Stadt Worms bewahrten. Die Versammlung beschloß, an den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von Worms eine vom Vorsitzenden des Aeltestenrats Sir Francis A. Montefiore unterzeichnete Grußbotschaft abzusenden. Paul Szolnai ist gekränkt . . . Paul Zsolnay, Inhaber des gleichnamigen Verlages, richtete an das Berliner Nazi-Organ „Deutsche Wochenschau" ein Schreiben, in dem es u. a. heißt: „In Ihrer Nummer vom 9. Juni . . . erkühnen Sie sich, mich als ungarischen Juden zu bezeichnen, was eine Unwahrheit ist Ich ersuche Sie ebenso hötlich als dringend, in der nächsten Nummer Ihres Blattes eine Richtigstellung vorzunehmen, so zwar, daß ich tschechoslowakischer Staatsbürger bin und der dort lebenden deutschen Minorität angehöre. Mein ständiger Wohnsitz ist Oberufer bei Preßburg, woselbst ich . . . seit neun Jahren evangelischer Kircheninspektor und Schulvater der dortigen deutschen evangelischen Schulgemeinde bin . . . Des weiteren verbitte ich mir, daß Sie mich als Verleger von Frischauer, Franz Werfet. jVlax Brod und Saiten anführen, wenn dies ohne Aufzählung der anderen namhaften Autoren des Verlages geschieht . . ." Paul Zsolany ist mit einer Tochter Gustav Malilers verheiratet und seine Schwiegermutter, die einstige Frau Gustav Matolers. ist jetzt die Frau Franz Werfeis, mit dessen Werken er zwar ein gutes ■Geschäft macht, von dem er sich aber ..Unter den Linden" nicht gegrüßt sehen möchte. Sememdednonifz. Ferienheim für arme erholungsbedürftige Kinder •(Obmann Chefarzt Dr. Maximilian Tabak) bat dank •der Unterstützung des Herrn Maurice Timym seit 14 Jahren eine ersprießliche Tätigkeit zugunsten rekonvaleszenter Kinder armer arbeitsloser und ausgesteuerter Eltern entfaltet. Wie alljährlich wird auch heuer der Verein Kinder zur Erholung in Heimen auf •dem Lande unterbringen. Um aber sämtliche Gesuche würdiger und bedürftiger Kinder berücksichtigen zu können, bitten wir unsere Gönner und Förderer um gütige Unterstützung. Spenden wollen freundlichst auf das Postsparkassenkonto 48.342 überwiesen werden. Hilfsverein für arme, erholungsbedürftige jüdische Schulkinder. Sitz Cafe Nizza. II.. Taborstraße 60, wird heuer, dank der unermüdlichen Tätigkeit des Obmannes Jakob Morgenstern, eine beträchtliche Anzahl von jüdischen Schulkindern auf einige Wochen auf dem Lande unterbringen. Da die Zahl der angemeldeten Kinder viel größer ist als die vorhandenen Mittel für den Landaufenhalt es ertauben, ersucht der Vorstand alle Kinderfreunde um gütige Beiträge, welche auf das Postsparkassenkonto B 193.177 freundlichst erlegt werden mögen. Helfet, die segensreiche Tätigkeit des Vereines durchzuführen! Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs veranstaltet am 7. Juli 1934, um 8 Uhr abends, im Cafe- Restaurant „Hohe Warte". XIX., Hohe Warte 7, ein großes Gartenfest. Konzert, Dirigent Kurt Pahlen, Kabarett mit prominenten Künstlern und Tanz. Jazzkapelle des Bundes. Beginn 8 Uhr. Eintrittspreise: Einzelkarte S 1.50, Familienkarte für drei Personen S 3.50. Karten bei sämtlichen Bezirksgruppen, in der Bundeskanzlei, I.. Spiegelgasse 2, sowie an der Tageskasse. Ein Teil des Reinerträgnisses wird zur Errichtung von Heldengedenksteinen verwendet. Barmizwah, Am Samstag, den 30. v. M.. fand im Leopoldstädter Tempel die Barmizwah des Leopold Herlinger, Sohn des allseits beliebten Ehepaares Moritz und Malvine Herlinger, statt, an der viele Freunde der Familie teilnahmen. Oberrabbiner Taglicht hielt an den Barmizwanten eine Ansprache, in welcher er die Verdienste seiner Urgroßeltern, mit denen er persönlich befreundet war, hervorhob. Der Barmizwant, der zur Thora aufgerufen wurde, hatte die Haftora in schöner Weise vorgetragen. Bei dieser Gelegenheit wurden für verschiedene Wohltätigkeitszwecke Beträge gespendet. Die kantoralen Funktionen versalhten in vorbildlicher Weise Herr Oberkantor Margulies und I. Kantor Funke mit Chorbegleitung. Trauung. Dienstag; den 26. v. M.. fand in der Schiffschul die Trauung des Fräuleins Blank'a Freund, Tochter des Herrn und der Frau Daniel Freund, mit Herrn Julius Pennenberg, Sohn der Frau Regina Pennenberg, statt. Zu der Feier hatten sich zu Ehren des Brautvaters, der sich als pflichteifriger Beamter-der Ghewra.Kadischa allgemein großer Beliebtheit erfreut, der Vizepräsident der Chewra Kadischa, Herr Paul S c h w a r z s t e i n, und Amtsleiter W. Freistadt zu Ehren der Braut, die die tüchtige Sekretärin des Dr. Krüger-Heimes ist. Kom.-Rat H. Smetana, Dir. J. Friedmann und zahlreiche Vorstandsdamen des Institutes sowie das Lehrpersonal und Schülerinnen der dortigen Beth-Jakob-Schule eingefunden. Außerdem sah man viele Bekannte und Freunde der allseits geschätzten Brauteltern sowie des Brautpaares. Die Funktionen versahen Oberrabbiner S. Fürst und Kantor K u n s t a d t. Graz. Der hiesige jüdische Gesangverein hat unter Leitung seines Vereinschormeisters Friedrich Pollak ein Tempelkonzert veranstaltet, das dem zahlreich erschienenen Publikum einen erlesenen Genuß bot. Beginnend mit E. Bloch „Vidui" aus den chassidischen Stimmungen für Violine und Orgel und von dem sehr begabten jungen Geiger A. Schnee ausdrucksvollst vorgetragen, war eine eindrucksvolle Einleitung gegeben zum unmittelbar darauf folgenden 29. Psalm für gemischten Chor und Baritonsolo (a capella) von Würfel. Die Wiedergabe des Chorwerkes gelang dem Chor a capella klangrein und Herr Oberkantor K a t z- Jerech konnte in seinem Baritonsolo wie in dem nun folgenden Sabbatgebet von L Basser „Rezeiwimnuchosejnu" seine schönen Stimmittel zu innig beseelter Andacht entfalten. Nun wirkte L. Szaminskis „Adon olom" Chor mit seiner feierlichen Rhythmik und bildhaften Aufeinanderfolge von Männer- und Frauenchor besonders stimmungsvoll, wozu sehr wesentlich die innige Tenorstimme des Herrn S. Skolnik in seinem Solo beitrug. Einen Höhepunkt erreichte das Konzert mit M. Milners „Adana Adonoy" (13. Psalm). Frau Nora Wechsler verstand es durch die strahlende Höhe ihres dramatischen Soprans und vollendete Gesangskunst das Werk zum hinreißenden Erlebnis zu gestalten. Schuberts 92. Psalm gelang überraschend gut, woran das Soloquartett der Damen O. M e ß n e r, Grete Schwarz und der Herren S. S c h o I n i k und S. Stern sowie das Baritonsolo des Herrn Oberkantor Katz-Jerech ihren rühmlichsten Anteil hatten. Den zweiten Teil des Zimmermaler Kohlt empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Roiankreuzgasse 3_Tel. A 43-9-37 Konzertes eröffnete das berühmte Largo aus I. S. Bach. Doppelkonzert für zwei Violinen in D-Moll, das von den Herren A. Schnee und F. Blasfcopf sehr schön interpretiert und vom Tempelorganisten Herrn Bendel-Hohenstern ausgezeichnet begleitet wurde. Nun folgten zwei Stücke aus Haendels grandiosem Oratorium „Judas Maccabäus**. Frau Nora Wechsler und Frl. Grete Schwarz mit ihrem wohlgebildeten profunden Alt verlebendigten ausgezeichnet den Stil der mit einfachsten Mitteln ewig großen Musik Haendels, Der 121. Psalm für Männerchor wirkte unmittelbar als jüdische Musiki Starke -Wirkung erzielte auch H. Schabt „Knechte der Zeit", dem Herr S. Stern die Fülle seines kräftigen Basses lieh. Mit den hebräischen Gesängen von Max Bruch, begleitet von Orgel und Streichorchester, gab besonders das letzte „Arabiens Kamele am Jordan ziehen", aufgebaut auf die volkstümliche „Moaus Zur"-MeIodie, dem 1. Tempelkonzert einen krönenden Abschluß. Heldengedenkfeier der Ortsgruppe Eisenstadt des „Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs". Am 24. Juni fand in Eisenstadt die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel für die im Weltkriege Gefallenen der jüdischen Gemeinde statt. Auf einer schlichten', schwarzen Marmortafel an der Tempelmauer stehen 20 Namen und legen Zeugnis für das Blutopfer, welches diese kleine Gemeinde am Altäre der Vaterlandsliebe brachte. Die Feier fand unter militärischer Assistenz einer Ehrenkompagnie des Feldjägerbaon Nr. 1 (ehemals I. R. 76) mit Fahne und Musik, einer Ehrenkompagnie des Bundes jüdischer Frontsoldaten mit Fahne und eines Zuges der Burgenländischen Landesschützen im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten statt. Landeshauptmann Ing. Sylvester hielt eine zündende Aniiiiciisdici Köniösliclrt IlfHH Seit vielen Jahren das anerkannt beste Iraiül ös*Stumm Man achte auf die gas. gasen. Hark« „Hygkm. MSrigaUcM" und Haara Schabt Fabrik und Büro: mm» XIV., BraunhirsdMngMasB 3 Tttopfcaa R 33-1-87 GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM. KORNMEH1 ^■■■■■■■■■■HMMMMMMHi WHN IX., UROOMH NR. 1» nuALBi xviii., wAhrinomrstrass* •» Telephon Nr. A 17-349mi<l * 10-9-34 Lteterant für H«Ua«stelta» Abteilungenf&rKoscherfleisch Aafslsht 4mm «hrw. Isi*. Kalta«a«Hi«iada Wtaaw Samtöefae Fldschsorsm von auuchiidUica Prbns-QualitSt zu den billigsten Marktpreis«» spräche, in der er u. a. ausführte: „In einer Zeit, die viele Vorurteile gegen die Juden hege, ist diese Tafel ein Zeugnis dafür, daß auch die Juden das Verständnis haben für das größte Opier, das Blutopfer der Vaterlandsliebe; und wer dieses Verständnis habe, der habe auch Verständnis, und Liebe zum Vaterland." Landeshauptmann Ing. Sylvester schloß mit der Versicherung, daß dieses Opier nicht umsonst erfolgt sei. Todesfälle. In Zürich starb der aus Warschau stammende Kantor Simon Tominberg im Alter von 63 Jahren. — Im Cottage-Sanatorium in Wien verschied am 29. Juni mittags im 52. Lebensjahre der Prager Bankier und Großindustrielle Dr. Otto P e t s c h e k, Gesellschafter der Firma Petschek & Co., nach längcrem Leiden. Er war ein durch große Wohltätigkeit sich auszeichnender Glaubensgenosse. — Am 28. v. M. wurde nach langem schwerem Leiden unter großer Beteiligung der allseits bekannte und beliebte Cafetier Nathan Neugasser zu Grabe getragen. Der Verblichene war ein frommer, hochachtbarer und wohltätiger Mann. Auf Wunsch des Verewigten wurde er nach altem Ritus beerdigt. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der Witwe und seinem Sohne zu. Hirsch Loew-Vogl. Am Samstag, den 30. Juni, ist hier nach einer mit gottergebener Geduld ertragenen schweren Krankheit der bekannte Religionslehrer der Israelitischen Kultusgemeinde Herr Loew- Vogl gestorben. Der Dahingeschiedene erfreute sich zeitlebens ob seiner Pflichttreue und aufopferungsvollen Hingabe an seinen von ihm geliebten Lehrberui, wegen seiner bedeutenden Gelehrsamkeit und seines großen jüdischen Wissens, und nicht weniger ob seines autrechten Charakters und seiner Friedensliebe in weiten Kreisen der größten Wertschätzung und Beliebtheit. Dies kam auch während seiner Krankheit und dann bei seiner Beerdigung am 2. d. M. in rührender Weise zum Ausdruck. Eine andächtige Menge von Freunden und Weggenossen füllte den großen Zeremoniensaal und und folgte teilnahmsvoll den Worten des Herrn Rabbiners Dr. Murmelstein, der das Leben und Wirken des lehrenden und lernenden Loew-Vogl schilderte und als dessen Charakter- und Geiühlsmerkmale das Streben nach Frieden und Liebe bezeichnete. In Vertretung der Kultusgemeinde waren Vizepräsident Dr. Josef T i c h o. in Vertretung des Schulamtes Studienrat Dr. R e d i s c h und derzeitiger Obmann der Schulkommission Herr Moses Rath erschienen. — Zwi Hirsch Loew-Vogl s. A. Mit Hirsch Loew-Vogl, der allzufrüh dem Leben entrissen wurde, ist eine interessante Lehrergestalt in das Meer der Ewigkeit versunken. Die Judenschaft Wiens, und ganz besonders die des 20. Bezirkes, wird den kaum 63 Jahre alt gewordenen, echt jüdischen Jugendbildner schmerzlich vermissen. Er stammte aus Rosniatow, einem kleinen Nest Oscgaliziens und war ein Kind sehr frommer Eltern. Von Wissensdrang getrieben, wanderte er nach Ungarn, wo er als Jüngling seine dürstende Seele an berühmten Lehrstätten stillte, und der galizische Bocher bildete sich zum modernen Religionslehrer aus. Obwohl er lange vor dem Kriege den Posten eines Religionslehrers bekleidete und in Wien beheimatet war, war er glücklich, wenn man ihn zu den „Flüchtlingen" gezählt hat; er wollte die „Schmach" seiner Landsleute teilen. Ein Gespräch mit diesem ausgezeichneten Manne, dem die altjüdische Weisheit im Blute stak, lief nie ohne „Diwre Thorair* ab. Aus echter Liebe zum edlen Schaffen, erfand er eine hebräische Schnellschrift, die von Fachleuten Anerkennung fand; daß sie nicht eingeführt wurde, ist seinem Geschicke zuzuschreiben. In den letzten Jahren, da er in den Ruhestand ging, leitete er selbstlos und anspruchslos eine Talmudschule für die Jugend des 20. Bezirkes. Wenn die Neu-Deutschen immer wieder behaupten daß sie im Kriege unbewußt um die Faustische Seele des deutschen Menschen gekämpft haben, so kann man von Loew-Vogl sagen, daß er zu den Männern gehörte, die um die kabbalistische Seele des jüdischen Menschen gerungen haben. Jedes Geschehen in der Welt brachte dieser Schwärmer mit dem Schicksal des jüdischen Volkes in Verbindung. Und da gab es kein Einwenden. Denn Loew-Vogl hatte sofort eine Stelle aus dem jüdischen Schrifttum zur Hand und man sah sich geschlagen. Schade, daß er die letzten Ereignisse in Deutschland nicht erlebt hat. B. * In Budapest verstarb dieser Tage plötzlich der bekannte Rabbiner der Ofner Gemeinde, Dr. Berthold Edelstein, Schwiegersohn des ehemaligen Leipziger Oberrabbiners. Dr. Porges-Edelstein war auch derzeit am Rabbinerseminar, wo er jüdische Geschichte vortrug. Bei seinem Begräbnis würdigten 16 Redner die

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