Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 28 (6.7.1934)
- Date
- 1934-07-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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„Äug* um Auge, Zahn um Zahn . . So wenig Mitleid die jetzt von Hitler gemaß- Tegelten Naziverschwörer verdienen, kann man sich doch dem tragischen Eindruck nicht entziehen, den ihr Schicksal auslöst, die ganze Bitternis der im Dritten Reiche herrschenden Rechtlosigkeit, die sie selbst in grausamster Weise hatten mitbegründen helfen, am eigenen Leibe auszukosten. Von all den im kürzesten Verfahren zum Tode Geführten wird berichtet, daß sie vor ein ordentliches Gericht zu kommen wünschten. Schmerzlichst kam ihnen in der Todesstunde zu Bewußtsein, wie vorteilhaft es ist, Bürger eines Rechtsstaates zu sein . . . Die' rechtzeitig Geflüchteten müssen jetzt das von dhnen früher so oft zynisch verhöhnte Los von Emigranten auskosten. Aus Dänemark und anderen Ländern langen Nachrichten ein, daß hunderte nationalsozialistische Flüchtlinge aus Deutschland dort eingetroffen sind. In Prag wurde Samstag der berüchtigte Verfasser der Hetzbroschüre „Juden sehen dich an" und anderer in den Straßen der deutschen Hauptstädte in Massen verbreiteter Pogromliteratur Dr. v. Leers von Passanten erkannt. Er nimmt es jetzt offenbar ganz gern in Kauf, daß ihn Juden ansehen, wenn er nur dem Führer aus den Augen ist . . . Aus der braunen Hölle. In Nürnberg wird jetzt der Adolf Hitler-Platz neu dekoriert Auf der Rückseite des ehemaligen Telegraphengebäudes wird ein Wandgemälde geschaffen, das den folgenden darunter geschriebenen Spruch, der nach einem Preisausschreiben ausgewählt wurde, illustriert: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid" Und keinem Jud bei seinem Eid." Unseres Wissens sind die S.-A.-Bonzen, deren Eidbruch Hitler zum Einschreiten gegen sie gezwungen hat, weder Füchse noch Juden. Zoologie und Rassenlehre haben in diesem Falle versagt . . . * In Hamburg wurden auf dem Grindel-Friedhof 19 Grabsteine umgeworfen. Auf dem Grab- . stein 'des Vorkämpfers der Judenemanzipation Gabriel Riesser wurde eine judenfeindliche Losung eingeritzt. * Von dem ermordeten ehemaligen Generalissimus und Reichskanzler Schleicher ist zu sagen, daß er, als es sich darum handelte, Hitler und einige seiner Getreuen in eine Regierungskoalition .aufzunehmen, die Bedingung stellte, daß die bürgerliche Gleichberechtigung der deutschen Juden nicht angetastet werde. Es hieß damals sogar, daß an diesem Punkt die Verhandlungen gescheitert waren. Die „siegreich" gebliebenen Führer der deutschen Richtung sind allesamt in kritikloser Nachbeterei der Lehren ihres Meisters Hitler konsequenteste Judengegner, und es ist nicht anzunehmen, daß sich unter ihrem Regime in der Judenfrage etwas zum Guten ändern werde. * In seiner letzten Plenarsitzung hat der „Zentralausschuß der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" neue Richtlinien zur jüdischen Berufspolitik verabschiedet Die Frage der Berufsumschichtung konnte nur im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Einordnungs- und Unterbringungsmöglichkeiten behandelt werden. Während die im Handwerk Ausgebildeten wenigstens zum Teile in Deutschland untergebracht werden können, wird landwirtschaftliche Berufsausbildung, von einigen wenigen Möglichkeiten abgesehen, Berufsumschichtung mit dem Blick auf Palästina sein. Auf der anderen Seite erschien es notwendig, darauf hinzuweisen, daß die Erhaltung vorhandener Wirtschaftspositionen in Deutschland ein wichtiger Faktor jüdischer Berufspolitik sein muß. Zur Tragödie das Satyrspiel. Das Hegel-Wort, das sich in der Geschichte alles zweimal abspiele, wurde von Kart Marx wie folgt erweitert: „Einmal als Tragödie, das andere Mal als Farce." Noch bevor in Deutschland die Tragödie des nationalsozialistischen Führerkrieges zum offenen Ausbruch kam, war in der nationalsozialistischen Partei Ungarns dasselbe Ereignis als Farce vor sich gegangen. Der Führer dieser Partei, Graf Alexander Festetics, wurde von seinen Mitführern Zoltan Meskö und Graf Fidel Palffy brieflich ausgeschlossen, und zwar mit der merkwürdigen Begründung, daß er auf seinen Gütern Juden beschäftige und sogar seine von antisemitischen Phrasen strotzenden Flugzettel in einer jüdischen Druckerei habe herstellen lassen. Man muß zugeben, daß dies nicht die richtige Art ist, antisemitische Politik zu betreiben und seine Kündigung als Parteiführer gerechtfertigt erscheint Nur wird wahrscheinlich die Partei diese Entlassung ihres Chefs kaum lange überleben, da sie mit Festetics auch ihren reichsten und opferfreudigsten Mäzen eingebüßt hat. Ein fOfiihffUer Plann. Sohn eines Rabbiners, der selbst im Besitze Beglaubigangs- Atteste von drei orth. Raoblner Ist, bef ndet sich in Ermanglang jeder Hilfe in bitterer Not and bittet um gütige Zuwendung von Kleidern, Witchettflcken ond Schaben. Adresse: Isr. Deutsch. «I.. gotensteragnsse 14, III. St. Tar %* Für den konfessionellen Frieden. Ministerpräsident Julius v. Gömbös hielt in Oedenburg eine Rede, in der er von der hehren Idee des konfessionellen Friedens sprach und u. a. folgendes sagte: „Ich werde darüber wachen, daß der fluchbeladene Geist der Politik sich in das Leben der Konfessionen nicht einschleiche, deren Mission viel erhabener ist: Zusammenfassung aller seelischen Kräfte der Nation für die Nation, gleichviel um welche Konfession es sich handle." .- . Im Hinblick auf gewisse Erscheinungen des Antisemitismus in der Gruppe Mosleys und in anderen kleineren faschistischen Gruppen stellt „Evening News" in einem Leitartikel fest, daß das englische Volk sich nie und nimmer dazu bequemen wird, in dem Juden den Sündenbock für Mißgeschicke zu sehen. Der Antisemitismus ist dem Engländer fremd. Die englischen Juden hajjen sich um ihre Heimat stets verdient gemacht. Palästina-Nachrichten. Die Palästinaregierung hat Pläne zur Errichtung einer großen Radio-Sendestation in Jerusalem ausgearbeitet. Die Reichweite des Senders soll sich über alle Länder erstrecken. * Wie offiziell bekanntgegeben wird, betrug der Budgetüberschuß der Palästinaregierung am 30. April 1934: £ 2,862.386.—. Im März 1934 betrugen die Eingänge £ 454272.—, die Ausgaben £ 402.072.—, der Ueberschuß stellte sich also auf £ 52200.—. Vom 1. April 1933 bis 31. März 1934 ergab sich ein Budgetüberschuß von £ 280.636.—. Das Steuerdepartement hatte im erwähnten Jahre eine Einnahme von £ 1,868.598.—, an Lizenzgebühren gingen £ 857.180.— ein. Die Gesamteinkünfte betrugen £ 3,985.942.—, die Gesamtausgaben £ 2,704.855.—. * Die Palästina-Exekutive hat außer den als Vor? schuß gegebenen 1230 Zertifikaten den Palästina- Aemtern 1596 Zertifikate aus der neuen Arbeiterein- •••WW«WWW»W»M»»«1 Wohnzimmer s 270— bestehend aus 1 Kasten, 3 türig Vollbau, 1 Lotterbett, 1 runden Tisch und 2 Fauteuils. FERDINAND HOHN. II., TäborStraOe Nr. 22 MMMMIMIMMIMMIIMIMMMMMI wanderungs-Schedule zugewiesen. Hiervon erhielten Deutschland (einschließlich der Zertifikate für aus Deutschland ausgewanderte Juden in Paris, Warschau, Triest, Basel, Antwerpen, Luxemburg, Prag und Lissabon) 538, Warschau 530, Bukarest 100, Aden 80, Kowno, Riga, Prag je 40, Moskau 35, Wien 25, New York 20, Bagdad und Konstantinopel je 15, Paris, Rotterdam. Zagreb, Teheran und Kabul je 10, Buenos Aires 6, Budapest, Antwerpen, Danzig, Basel, Triest, Beirut, Alexandrien und Kairo je. 5, Helsingfors, Stockholm, Ottawa, Rio de Janeiro, Havanna und Mexiko je 3, Montevideo, Santiago de Chile und Melbourne ie 2 Zertifikate. Der Distriktskommissar für Jerusalem Campbell lud die Führer des palästinensischen Rabbinats, die Oberrabiner Kook und Jacob Meier, zu sich und erklärte ihnen, daß der vom Rabbinat zugunsten des zum Tode verurteilten Stavsky veröffentlichte Appell Stellen enthält, in denen eine Beleidigung des Gerichtes erblickt werden könne. Campbell warnte die Oberräbbiner vor den Konsequenzen. BBziBbEtundVBFbFBitBtDiBiaahFhBit! Oberrabbiner Kook erwiderte, es habe dem Rabbinat ferngelegen, das Gericht anzugreifen; das jüdische Gesetz schreibt aber vor, daß in Fällen, wo es sich um die Rettung eines unschuldigen Lebens handelt, nicht nur das Urteil eines irdischen Gerichtes, sondern auch ein Gesetz der heiligen Thora außer Wirkung gebracht werden dürfe. * Aus Wadi Hawarith wird gemeldet, daß in den sumpfigen Gegenden dieses Gebiets mehrere neue Siedler in letzter Zeit an Malaria erkränkt sind. Gegen die Regierung wird die Beschuldigung erhoben, daß sie trotz rechtzeitiger Warnung nicht die nötigen Maßnahmen getroffen hat, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhüten. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringend a) Stellen für Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Manipulanten, Inkassanten, Lageristen, b) Arbeit für gewerbliche Fachkräfte aller Art (darunter auch Bäcker, Bauingenieure, Anstreicher), sowie ungelernte Arbeiter, c) handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen. Jüdischnationale Personal-Politik in der Wiener Ktdtusgemeinde. In der letzten Nummer unseres Blattes lenkten wir die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit auf die von den heutigen jüdischnationalen Machthabern geplanten Personalveränderungen im Schulwesen dqr :Gemeinde und gaben der Ueberzeugung Ausdruck, daß bei Besetzung von Posten parteipolitische Gesichtspunkte nicht ausschließlich entscheidend sein werden. Wie wir nun erfahren, soll auch im Rabbinate für einen strammen jüdischnationalen Parteigänger Platz gemacht und deshalb ein langjähriger, infolge sefc ner Sachkenntnis heute fast unentbehrlicher; Beamter in den Ruhestand versetzt werden. Aber nicht nur bei Vergebung leitender Posten versucht man, sich für geleistete Partei- Arbeit dankbar zu erweisen, selbst für kleine Aushilfsstellen muß man scheinbar blauweiß geeicht sein. Und es liegt Methode darin, wie es gemacht wird: Um einen „verdienten" Agitator im XX. Bezirk zu versorgen und ihm S 250 im Monat zuzuschanzen, macht man ihn zum Leiter eines Ausspeise-Vereines und „beruft" seinen ehrenamtlichen Vorgänger in diesem Verein als Beamten in die Gemeinde. Nur so weiter . . . . . Zwischen Rom und Berlin. Professor Dr. Guido Bartolotti schreibt in seinem Buch „Christlicher Ständestaat: „Das kaiserliche Rom hat niemals Ausschreitungen und schreiende Kontraste in der Behandlungsweise eigener Staatsbürger zugelassen. Das christliche Rom, welches doch wahrlich immer besorgt um die Ausbreitung des Glaubens war, würde niemals das Leben der Menschen unter materialistischen rassischen Gesichtspunkten vergewaltigt haben. Das faschistische Rom endlich, unser Drittes Reich, wenn man will, wäre aus Realismus wie aus Humanität niemals imstande, die hegemoniale Idee eines auserwählten und überlegenen Volkes hervorzubringen, das sich auf physische Kraft und Herrschaft beruft und das zugleich seine geistige Ueberlegenheit, aufgeteilt von Professoren und Doktrinären, nicht anders zu begründen wünscht, als auf völkisch-heidnischem Heroismus und einem Mythos von der Rasse!" Das jüdische Kolonisationswerk in Rußland. In einer Konferenz der Gesellschaft für Zuführung der Juden zur Produktion OZET. die aus allen Teilen der Sowjetunion beschickt war, gab der Vorsitzende folgende interessante Ausblicke auf das jüdische Siedlungswerk: Allein der Distrikt Stalinfeld in Biro- Bidschan, der nur einer der fünf dort geplanten Distrikte ist, ist zweimal so groß wie alle vier autonomen jüdischen Gebiete in der Krim und^der Ukraine zusammen und er übertrifft diese bei weitem an wirtschaftlichen Hilfsquellen und Aussichten für die Zukunft. Freilich bilden die Juden heute nur "16 Prozent der allgemeinen Bevölkerung in Biro-Bidschan, aber dje Entwicklung der jüdischen Arbeit geht rapid vor sich. In Biro-Bidschan wird eine metallurgische Riesenanlage gleich der von Magnigotorsk errichtet werden und tausenden jüdischen Arbeitern eine Produktionsstärte sein. Die Ansiedlung ausländischer Juden in Biro-Bidschan könne nur auf Kosten ausländischer Juden vor sich gehen. „FAMILIEN SCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familienfürsorge Wien II.. AspernbrDokenqasse 2_Tel. R 43-500 Durch Monatsbeiträge von S 1 bis 10 kann nun bei uns sicherstellen: Stadleobelträge für TSchter und S3hae Ausstattungsbeiträge für Töchter Vorsorge für das Alter und für die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hobe Versicherungssummen. 3. Keine Wattezeit, daher sofortige Wirksamkeit. 4. VoUeGarantieder Lebensversicherungsgesellschaft.Phönix". 5. Keine Nebeogebühreo. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. . Der „FAJtn.IBKSCHOrZ" wird von der WIeaer K«lt*»«ci*clndo bcflmocteC