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Die Wahrheit · 1934-07-06 · Heft 28 (6.7.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 28 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DDE WAHRHEIT Seite 3 ig IBtt SEE FELD (TIROL) 1200 Meter Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wintersport, Pension Geschwister Scheer, im Hotel Hochalm, bekannt erstklassige Verptlegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung- Sehr geehrte Redaktion! Zu dem offenen Brief des Herrn Rabbiners Dr. Grunwald an den Prof. Dr. P. Severin Grill O. Cist. erlaube ich mir, Ihnen folgende sehr wichtige Bemerkungen zur Verfügung zu stellen: Die Stelle Jebamoth 61, S. 1 (Ihr heißet Adam, die Völker der Welt heißen nicht Adam) wird seit Jahrhunderten von den Judenfeinden dazu benützt, um die heftigsten Angriffe gegen das Judentum und dessen Schrifttum zu verbreiten. Bis nun ist es keinem gelungen, diese Stelle restlos aufzuklären. Nun habe ich im Jahre 1915 in einer Abhandlung in der „Freien Jüdischen Lehrerstimme" nachgewiesen, was der wirkliche Sinn dieser Stelle sei. Für das deutsche Wort Mensch gibt es im Hebräischen viele Ausdrücke, z. B. Adam, isch, gewer usw. Nun heißt es im Midrasch Rabba zum 111. Buch Moses, daß der Ausdruck Adam einen besonderen Ehrentitel bedeutet. Gott sagte zu dem Propheten Ezechiel „Ben Adam", das heißt: Nachkomme frommer, vornehmer, edler Leute. Aus dieser Stelle folgt klipp und klar, daß der gewöhnliche Ausdruck für Mensch nicht adam, sondern isch oder enausch oder gewer ist, daß hingegen adam als Ehrentitel und Adelsprädikat gebraucht wird. Es ist nun klar, daß Rabbi Simon ben Jochai eben sagen wollte: Der Ehrenname adam gebührt nur dem Volke der Offenbarung, während die anderen heidnischen Völker wohl den Namen isch oder gewer usw., aber nicht den Ehrentitel adam führen. Es ist daher falsch, hier zu übersetzen: Ihr heißt Menschen und die anderen Völker heißen keine Menschen, sondern Rabbi Simon ben Jochai wollte nur sagen, was in der Bibel immer wiederholt wird: Ihr seid das Volk der Offenbarung, der zehn Gebote und habt den Ehrentitel Adam. Der verstorbene Hofrat Kellner, der selbst ein ausgezeichneter Talmudkenner war, schrieb dem Verfasser dieses Aufsatzes: „Ihr Aufsatz ist ein Kiddusch haschem. Endlich hat die berühmte, bezw. berüchtigte Stelle ihren Giftstachel verloren. Das ist eine geschichtliche Tat." Auf den Vorwurf, daß Talmud und Schulchan aruch die Nichtjuden herab- und zurücksetzen, ist Folgendes zu sagen: Alle mißliebigen Ausdrücke für andere Völker im Talmud beziehen sich nur auf Götzendiener, welche auch die sogenannten Noachidengesetze nicht beachten und Götzendienst und Blutschande treiben, Gottes Namen lästern, rauben und morden, ein Glied von einem lebenden Tier ausreißen und verzehren und sich keiner gesellschaftlichen Rechtsordnung unterwerfen. Alle anderen Nichtjuden aber, die diese sieben Gebote beachten, gelten als Kulturmenschen und werden im Talmud (Abodah Zara 64/2, Zeile 20 von unten) ger tauschow genannt, das will sagen, daß ein solcher Mann sich in Palästina niederlassen durfte, wo er die vollständige Gleichberechtigung und zwar nicht auf dem Papier genoß. Noch mehr: im Talmud Traktat Pessachim 21/2, Zeile 4 von unten heißt es: atah mezuwah Iehachjautau, daß man einen solchen Mann ernähren muß, wenn er in Not geraten ist. Es ist nun klar, daß auch alle unsere nichtjüdischen Mitbürger, von denen man wohl die Beobachtung der oben genannten sieben Gesetze voraussetzen kann, im alten Palästina nicht nur die vollständige Gleichheit vor dem Gesetze genossen, sondern auch auf alle sozialen und gesellschaftlichen Einrichtungen ebenso Anspruch gehabt hätten wie der bodenständige Jude. Wo ist da die Staatsgefährlichkeit des Talmuds? Aber diesen Vorwurf kann doch nur erheben, wer den Talmud überhaupt nicht kennt! Denn im Traktat Baba Kama 113, S. 1, Zeile 12 von unten, sagt der berühmte Lehrer Samuel: Dinah de malchutah dinah. Das heißt, daß jeder Jude verpflichtet äst, dem Gesetze des Landes, in dem er wohnt, sich zu unterwerfen, auch wo es gegen den Talmud entscheidet. Diese Anordnung wurde von Schulchlan aruch rezipiert und an zahlreichen Stellen angeführt. Nur folgende seien vermerkt: Sch. A. Choschan Mischpat, Abschnitt 104, § 2, und Abschnitt 259, § 7 in der Glosse, und 369, § 6. Welche Autorität der Schulchan aruch den Gesetzen auch der nichtjüdischen Regierung beimißt, kann man aus Folgendem ersehen: Nach dem angeführten Abschnitt (396, § 6) des Schulchan aruch wird Steuerhinterziehung dem Raube gleichgesetzt und der Hinterzieher als Räuber gebrandmarkt. So spricht der vielgelästerte, staatsgefährliche Schulchan aruch. Würde man Talmud und Schulchan aruch genau kennen, würde man ihre hohe Ethik bewundern; es gibt nur ein Mittel, die Giftquelle der Verleumdungen zu beseitigen: einen Lehrstuhl an der Universität zu errichten, wo Talmud und Schulchan aruch von berufener Seite vorgetragen wird. Wir Juden haben in unseren Schriften nichts zu verheimlichen, was wir fürchten müssen, ist Unwissenheit und boshafte Entstellung. Dr. Simon Rubin, Lektor am Beth hamidrasch. Die Nazi sollen denTalmud studieren... Während jüngst eine Verordnung der reichsdeutschen Schulbehörden den Unterricht im Alten Testament verbot und die Danziger Regierung dieses Beispiel nachahmen will, erhebt der „Völkische Beobachter" die Forderung: „Jeder Nationalsozialist muß den Talmud kennen!" Da diese überraschende Kundgebung im — Inseratenteil des Blattes erschien, ist es von vornherein klar, daß es sich dabei um ein Geschäft der Verlagsiirma handelt. Tatsächlich wird iür eine Talmudfälschung Reklame gemacht, die von der PALESTINE&OR1ENT LLOYD die WELTORGANISATION |füR PALÄSTINAREI'SEN VERTRETUNG FÜR ÖSTERREICH: REISEBÜRO CITY DR.J.H.KÖRNER \ WIENJ. .KOHLMARKT 8 TdiPHON NS.U-26-4-29 Verlagsiirma des Hitler-Blattes herausgebracht wurde. Das Fälschen des Talmuds ist ja eine altbeliebte Tätigkeit aller Antisemiten und diu vorige wie die heutige Nummer der „Wahrheit" beschäftigt sich mit solchen Versuchen. Das Inserat im „Völkischen Beobachter" sucht den Nazis die Talmud-Lektüre durch folgende Skizzierung des Inhalts schmackhaft .zu machen: „Diebstahl, Raub, Betrug, Wucher, Unterschlagung, Mord, Weltherrschaft, unsittliche moralische Regeln . . ." Wäre diese Ankündigung und das Buch, auf das sie sich bezieht, ein wenig früher erschienen, dann hätte Hitler im Zusammenhang mit dem Sündenregister, das er den von ihm jetzt beseitigten S.-A.-Führern vorhielt, bzw. als Nachruf widmete, behaupten können, daß sie alle ihre Laster durch die Lektüre des Talmuds erworben haben. So aber lieferten die Ereignisse der letzten Tage bloß den offiziellen Beweis, daß die früheren Zierden der Bewegung keiner gedruckten Anleitung zu Diebstahl, Mord und Unsittlichkeit bedurften. Ihr angeborenes Talent erwies sich als vollkommen ausreichend und sie hätten sich von der hohen Warte ihrer edelrassischen Ueberlegenheit höchstens über das jüdische Untermenschentum lustig gemacht, das aus seinem religiösen Schrifttum angeblich theoretische Belehrung auf Gebieten schöpft, deren praktische Meisterung iür die Roehms, Heines und Konsorten eine Gabe der Natur gewesen ist ... . Treue für Österreich. Die in Bielitz erscheinende „Jüdische Wochenpost" richtete jüngst einen beachtenswerten Appell an ihre Leser, bei der Wahl ihrer Sommerfrischen Oesterreich treu zu bleiben und begründet diesen Loyalitätsakt gegen unsere Heimat wie folgt: Wenn wir als jüdisches Blatt zu Reisen nach Oesterreich auffordern, so sind wir uns der Verantwortung, die wir durch diese Anregung aui uns TAPEZIERER ZERKOWITZ Spezialist im Tapezieren von Wohnungen und Lokalen unter Garantie. Werkstätte für modern« Mttbal sowie aller Reparaturen in bester Ausführung I., Neutorgasse 18 Telephon U 23-8-28 Werkstätte; L, Seitenatettengasse 2 Telephon U 22-7-31 nehmen, voll bewußt, rühren aber trotzdem ruhigen Gewissens unsere Werbetrommel, da nach den letzten Meldungen Ruhe. Ordnung und vor allem Sicherheit wieder gewährleistet erscheinen, nachdem es der Bundesregierung gelungen ist, mit dem Aufgebot aller ihrer Mittel dem umstürzlerischen Treiben dunkler Elemente erfolgreich entgegenzutreten. Wir Juden haben noch einen ganz besonderen Grund, den österreichischen Fremdenverkehr und somit den wirtschaftlichen Wiederaufbau Oesterreichs zu iördern. Denn Oesterreich ist heute das einzige deutsche Land, das sich, allen Verlockungen zum Trotz, der Rassentheorie und dem Antisemitismus fernhält und in der neuen Verfassung die Gleichberechtigung auch der jüdischen Bürger verbürgt. Die Bundesregierung hat einen schweren Kampf gegen die antisemitischen Kräfte zu führen, in welchem sie nicht unterliegen darf, da sonst das Schicksal der österreichischen Juden, besiegelt wäre. Es erwächst uns nun die Pflicht, alles, was im Bereich unserer Kräfte liegt, beizutragen, daß der österreichische Wohlstand sich hebe und den umstürzlerischen Kräften, die auf dem Nährboden schwerer Wirtschaftsnöte besonders gut gedeihen, den Boden zu entziehen. Wie man sieht, sind die Juden nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb Oesterreichs sich ihrer Verpflichtung, die Regierung Dollfuß im Kampfe gegen den 'Nationalsozialismus zu unterstützen, voll bewußt. Damit aber diese bemerkenswerte Treue gegen Oesterreich zu segensreicher Auswirkung kommen kann, ist es notwendig, daß Oesterreich.sich selbst treu bleibt. Leider sind immer wieder Hetzer am Werke, den gutmütigen Charakter der Oesterreicher, der den Aufenthalt unter ihnen so angenehm gestaltet, zu verfälschen und in sein Gegenteil aufzuputschen. So war jüngst in den offiziellen „Nachrichten des Deutschösterreichischen Gewerbebundes", Bezirksgruppe Ottakring, unter dem Titel „Die Judenfrage" zu lesen: „Wir müssen staunen, mit welcher Vorsicht man dieser für uns Arier so wichtigen Frage aus dem Wege geht . . . Roboten, schuften, kanalräumen usw. — nur für Christen, Rechtsanwälte. Aerzte — 90 Prozent Juden, 200.000 haben uns die Marxisten gegen jede Vorschrift nach Wien heimatberechtigt gemacht. Das christliche Wien wartet auf rascheste Ueberprüfung dieser Zuständigkeiten. Wie lange noch? Doch im Ausschuß für Heimatrecht im Rate der Stadt Wien sitzt der Jude Dr. Ehrlich!!! Da wird es allerdings nicht so rasch dazukommen. Bis zu diesem Zeitpunkte wollen wir;m die Lösung der Judenirage insofernc selbst schreiten, als wir ihnen nichts abkaufen. Leider sind es unsere Frauen, die es sich nicht abgewöhnen können, ihre Groschen zum jüdischen Geschäftsmann zu tragen. Sie gehen selbst in das schmutzigste Lebensmittelgeschäft hinein, nur weil sie eine Semmel um einen Groschen billiger als beim Bäcker bekommen . . . Also bald heran an die Lösung der Judenfrage, solange es noch Christen gibt!" Man könnte über diesen Erguß konkurrrenzneidiger Krämer, die der Ansicht sind, daß Aerzte und Advokaten nicht zu „roboten" und zu „schuften" brauchen und daß solchen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, statt daß sie sie beim Lebensmittelhändler — natürlich nur beim christlichen! — gegen bar kaufen, zur Tagesordnung übergehen, wenn nicht Zeitungen, die der Regierung noch wesentlich näher stehen, wie der „Bauernbündler" und sogar Organe der Vaterländischen Front ähnliche Weisheiten zum Abdruck brächten. So bringt das „Wiener-Neustädter Volksblatt" eine Verlautbarung der Propagandaleitung der Vaterländischen Front, in der erklärt wird: „Wenn man sich den enormen Andrang volksiremder Elemente zu gewissen Berufen vor Augen halt wird man es berechtigt und begreiflich finden, daß sich in allen Schichten der Bevölkerung Oesterreichs, vor allem auch bei der ländlichen Bevölkerung, ein Antisemitismus entwickelt, der unbedingt volle Beachtung finden muß." Wir glauben nicht, daß der österreichischen Wirtschaft mit der Erfüllung dieses Wunsches nach größerer Beachtung des hiesigen Antisemitismus sehr gedient wäre. Die Folge wäre eine Unterbindung solcher Aufforderungen wie der eingangs zitierten, Oesterreich die Treue zu wahren, im Ausland, und zwar nicht bloß auf dem für Oesterreich so lebenswichtigen Gebiete des Fremdenverkehrs, sondern auch in allen anderen Interessensphären der heimischen Wirtschaft. Wie wenig Spaß die Juden der ganzen Welt in bezug auf feindselige Einstellung eines Staates gegen seine Juden verstehen, muß Hitler-Deutschland in katastrophaler Weise spüren. Das kleine Oesterreich wäre einer solchen Belastungsprobe wahrscheinlich noch weniger gewachsen. Danhsägnng Außerstande jedem einzeln für dio vielen Beweise der Liebe und Anteilnahme an unserem schweren Verlust zu danken, bitten wir, auf diesem Wege unseren herzlichsten und innigsten Dank entgegenzunehmen. Familie J. Müller Cafetier

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