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Die Wahrheit · 1934-06-29 · Heft 27 (29.6.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 27 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite? Jüdisches Kinderheim an der Adria, nächst Crikvenica. Leitung Fr. H. überall, Schuldirektorin. Bes. günstige Bedingungen-Ärztliche Aufsicht. Auskünfte u. Prospekte VIII., Alserstraße 23 A 29-2-87 von 9-12 und 5—7. Das jüdische Palästina-Regiment. Die Jewish Quild in Johannisburg gab zu Ehren des zum Besuch in der Südafrikanischen Union weilenden englischen Obersten John H. Patterson ein Frühstück, dem etwa 350 prominente Persönlichkeiten, unter ihnen der Bürgermeister von Johiannisburg D. Penry Roberts, der Vizebürgermeister M. Freeman und der Chef der Jüdischen Telegraphen-Agentur Herr Jakob Landau, beiwohnten. Oberst Patterson hat im Kriege das Jüdische Regiment in Palästina befehligt. Bürgermeister Roberts hieß Patterson im Namen der Stadt und insbesondere der jüdischen Bürger von Johiannisburg willkommen und wies auf die Schriften Pattersons hin, in denen die Leistungen der jüdischen Soldaten im englischen Heere auf Qallipoli und in Palästina in Worten höchsten Lobes anerkannt werden. Daran anknüpfend erklärte Oberst Patterson, es sei nicht seine Stärke, „Reden zu schwingen"; nicht immer gehe Redegewandtheit mit wirklicher Leistung Hand in Hand. Ich denke, fügte Patterson hinzu, da an einen gewissen Herrn, der allein dadurch zu seiner jetzigen Position heraufstieg, daß er sich die Kehle wund redete, der es aber in den vier Kriegsjahren, da er seinen männlichen Mut hätte beweisen können, nicht über den Rang eines Feldwebels hinaus brachte. Und doch hat er 65 Millionen Menschen so weit betört, daß sie glauben, alle ihre Sorgen und Nöte seien auf das eine Prozent Juden, das unter ihnen lebt, zurückzuführen. Was soll man von einem Volke denken, das glauben kann, daß ein Prozent in seiner Mitte das ganze Volk zerstören könne? Wir draußen wissen es anders, wir wissen, daß das alles Lüge ist: nichts als Hitler-Geschwätz. Die deutschen Juden sind ihrem deutschen Vater lande treuer als die Deutschen selbst. Man kann es verstehen, daß der jedem Engländer gleichgestellte englische Jude loyal zu England ist. Begegnet der Engländer einem klugen jüdischen Kopf, so schlägt er ihn nicht ein, sondern gibt ihm einen Posten als General, als Lord-Oberstrichter, als Vizekönig von Indien, ja als Premierminister. Die Liebe des deutschen Juden zu seinem Land und Volk findet keine Gegenliebe. Oberst Patterson erzählte, wie es im Kriege zu der Bildung des Jüdischen Bataillons kam. Er selbst bemühte sich beim Qenenal-Adjutanten um die Bewilligung von Koscherfleisch für die jüdischen Soldaten und um die Möglichkeit für diese, die religiösen Vorschriften zu beobachten. Als ihm diese Bitten als „Unsinn" abgeschlagen wurden, reichte er sofort seinen Rücktritt ein und setzte damit seinen Willen durch. Wie soll man denn aus Juden gute Soldaten machen, wenn man sie zwingt, schlechte Juden zu sein! Das Jüdische Regiment hielt denn auch im Kriege die besten Traditionen der britischen Armee aufrecht. Es übte höchste Disziplin und zeigte stets hohen Mut. Ritualmordhetze in Danemark. Das in Kopenhagen erscheinende nazistische Wochenblättchen „AngTeb" (Angriff) hat eine Sondernummer herausgegeben, die der Ritualmordbeschuldigung gewidmet ist. Die Nummer enthält eine gekürzte Wiedergabe der bekannten Artikel des Nürnberger „Stfirmer" mit drei Abbildungen, die „Blutabzapfung" darstellend. Die Abbildungen gleichen genau denjenigen des „Stürmer", wodurch erwiesen ist, daß die Klischees dem „Angreb" aus Deutschland zugestellt wurden. Iii einem weiteren Artikel werden speziell die därtischen Juden besudelt. Der Artikel gipfelt in der direkten Beschuldigung, daß das alljährliche spurlose Verschwinden von einem halben Hundert Menschen in Dänemark auf Ritualmord zurückzuführen sei, ferner daß die jüdischen Aerzte in den Krankenhäusern ihre Opfer zu gleichen Zwecken ermorden! Die Behörden scheinen diese Propaganda eicht ernst genug zu nehmen, um gegen sie einzuschreiten. Spaxialhaus für Voll« and Striekgarae Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TaboratfraAe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Bezirksorganisation Neubau der „Union". Die rührige Ortsgruppe Neubau berief für den 21. d. M. unter Hinweis auf die Vorgänge in und außerhalb der jüdischen Gemeinde eine Versammlung ein. Dieser Appell an die Neubauer Judenschaft hat auch seine volle Wirkung getan. Die Versammlung war ausgezeichnet besucht. Vizepräsident Dr. T i c h o sprach in glänzender Weise über das Wirken der Vertreter der „Union" in Vergangenheit und Gegenwart und kritisierte die gegnerischen Bestrebungen, aus der Kultusgemeinde eine politische Volksgemeinde zu machen. Reg.- Rat Dr. Lenk erörterte die jüdischen und vaterländischen Ziele der „Union". Die rege Arbeit der Ortsgruppe Neubau wurde bereits von der Gegenseite anerkannt. Denn in dieser Versammlung erschienen einige bekannte Versammlungsstörer, denen aber recht bald die Zwecklosigkeit ihres Erscheinens zum Bewußtsein kam. Denn einerseits wurden sie von der Versammlung in verdienter Weise behandelt, anderseits von den Referenten mit vornehmem Spott abgetan. Von der Pester Religionsgemeinde. Die Repräsentanz der Pester Israelitischen Reli- Kionsgemeinde hielt soeben unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung ihre Jahres-Generalversammlung ab. Präsident Hofrat Samuel Stern gedachte nach der Schilderung der internationalen Lage der Judenheit in Worten warmen Mitgefühls der vielgeprüften Judenheit in Deutschland und besprach sodann die Situation der heimischen Judenheit, besonders die Berufsmöglichkeiten der jüdischen Jugend, wobei er hervorhob, daß die Kultusgemeinde in jeder Beziehung und auf jedem Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbelten jeder Art II., Rolenkreuzgasse 3 Tel. A 45-5-37 Forum ihre Pflicht getan habe. Er würdigte ferner die Verfügungen der Gemeindevorstehung zur Vertiefung des Glaubenslebens und zur Bekämpfung der jetzt Mode gewordenen christlichen Bekehrungsaktionen. Er gedachte in herzlichen Worten des bedeutsamen Vortrages des reformierten Bischofs Desider Balthazar „Das Menschheitsideal des Alten Testaments", den dieser im Goldmark-Saale des Gemeindehauses gehalten hatte, und nahm jenen jüdisch-religiösen Reformbewegungen gegenüber Stellung, die in jüngster Zeit ihr Haupt erheben. Heute, sagte der Präsident, bedürfe es nicht einer Lockerung der Traditionen, sondern im Gegenteil einer Pflege des Konservatismus, und in dieser Erkenntnis habe die Vorstehüng ein Statut über die Reform der Tempeldistrikte und Aufstellung von Kommissionen zur Festigung der Glaubenstreue ausgearbeitet. Diesem Zweck werde auch die im Herbst d. J. erfolgende Eröffnung zweier neuer jüdischer Volksschulen dienen. Im Hinblick darauf, daß die Zahl der jüdischen Volksschulkinder innerhalb von zehn Jahren von 30.000 auf 18.000 zurückgegangen ist, müsse um so mehr Bedacht darauf genommen werden, möglichst allen jüdischen Kindern die Wohltat einer religiös betonten Erziehung zuteil werden zu lassen. Der Vorsitzende begrüßte den Patron der im Inland studierenden jüdischen Hochschüler, Oberhausmitglied Dr. Leo v. Buday-Goldberger. Präsidenten dies Ungarischen Israelitischen Landeskulturvereins, aus Anlaß des hundertfünfzigjährigen Bestandes der von ihm geleiteten Unternehmung Samuel F. Goldberger und Söhne und zu seiner hohen Auszeichnung durch den Reichsverweser. Er beglückwünschte Frau Josef V e s z i, Gemahlin des Chefredakteurs des „Pester Lloyd", zu ihrer Erwählung zur Präsidentin des Pester Israelitischen Frauenvereins. Die Edmund Lecbner-Gesellschaft hat die Pester Israelitische Kultusgemeinde für das Bauwerk des Heldentempels mit der Lechner-Medaille für 1931 ausgezeichnet Unter großer Begeisterung der Zuhörer teilte der Präsident weiter mit: Der Kultusminister hat mit Genehmigung des Reichsverwesers die Einberufung der neuen Landesversammlung der Kongreßjudenheit angeordnet. Diese Landesversammlung wird berufen sein, die neue Verfassung und die neuen Gesetze der konfessionellen Verwaltung zu schaffen. In dieser Tatsache kann die Gleichberechtigung der jüdischen Konfession mit den übrigen ungarländischen Konfessionen erblickt werden. Der Präsident betonte zum Schluß die Un«rschütterlichkei t des Patriotismus der ungarischen Juden, die im Geiste der Vorkämpfer der Rezeption, Wilhelm Vazsonyi und Max Szabolcsi, auf dem Wege der unveräußerlichen Verbundenheit ihrer Glaubeastreue und GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM. KORNMEHl UMMMHMMHHaaHBaMMMI «an ut* BERaoAsu mr. i» ttUALEi XVIII., WAMRINORRSTRAStt •* Telephon Nr. A 17-349 and A 1**3* LMwut fOr ItellMMMtM AbteilungeitfflrKoscherfleisch amtmr Aufsieht d«« «hrw. RabbhurtM Amr ter. K«ltMa*">«larf* nm. Sanükbe Flelacbsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreis« ihres Ungartunis tortschreitet. Die Pester Israelitische Kultusgemeinde konnte das letzte Verwaltungsjahr d e f i z i t f r e i abschließen. Der Budgetrahmen beziffert sich auf rund 4,300.000 Pengö. Nachdem noch eine lange Reihe von Rednern, an der Spitze die Reichstagsabgeordneten Dr. Eugen G a I, Paul S a n d o r und Dr. Wilhelm V a z s o n y i, die vorbildliche Tätigkeit der Gemeinde gewürdigt hatten, nahm die Generalversammlung den Jahresbericht, die Schlußrechnungen sowie das neue Statut für die Reform der Tempeldistrikte und die Aufstellung von Kommissionen zur Festigung des Glaubenslebens einstimmig an. Aus offer Weit Athen. Die Athener Akademie hat Prof. Dr. Alfred Philippson aus Bonn, der zur Zeit zu landeskundlichen Arbeiten in Griechenland weilt, als Mitglied aufgenommen. Zum ersten Male seit Begründung der Akademie wurde einem Ausländer eine derartige Aufnahmefeier bereitet. Der Präsident der Akademie, D. Kambouroglus, begrüßte Prof. Philippson als den grundlegenden Eriorscher der griechischen Länder und als warmen Freund des griechischen Volkes und seiner Kulturabgaben. — Prof. Alfred Philippson, der seit 1887 wiederholt Studienreisen nach Griechenland und Kleinasien unternommen und sich um die Vertiefung der Länderkunde Sudeuropas und des Mittelmeergebietes hohe Verdienste erworben hat, ist ein Sohn des Begründers der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Dr. Ludwig Philippson. Sofia. Die bulgarische Königin Johanna besuchte die Gedächtnisausstellung für Prof. Boris Schatz, Gründer und langjähriger Leiter der Bezalel-Schule in Jerusalem, der vorher in Sofia eine ganze Generation schaffender Künstler in Bulgarien ausgebildet hat. Die Königin erhielt von Herrn Bezalel Schatz, dem Sohn von Boris Schatz, zum Geschenk ein von seinem verstorbenen Vater vor 38 Jahren auf Silber gearbeitetes Bild — ein Basrelief des Königs Boris, damals zwei Jahre alter Thronfolger. Die Königin nahm das Geschenk hocherfreut entgegen und verblieb mehr als eine halbe Stunde in den Ausstellungssälen. Zürich. In der neuen Auilage des Buches des Züricher Regierungs- und Ständerates Dr. Oskar Wettstein „Die Schweiz" wird mitgeteilt, daß nach der Volkszählung von 1930 in der Schweiz 17.930 Juden lebten, das sind 0,4 Prozent der Bevölkerung, während 1910 und 1920 ihr Anteil 0.5 Prozent ausmachte. Ihr Anteil ist in rückläufiger Bewegung und wieder auf den Stand von 1900, also vor 30 Jahren, zurückgekehrt. Jerusalem. Ussischkin hat soeben das Diplom seiner Ernennung zum Ehrendoktor der Jüdisch-Theologischen Hochschule in New York erhalten. New York. Im Alter von 73 Jahren verstarb in Philadelphia der hervorragende hebräische Philnln«» und Grammatiker Pmchas M o r d e 11. Gemeindedkronik. Trauung. Der überaus beliebte Hietzinger Rabbiner Prof. Dr. M. Lewin und seine Gattin hatten am vergangenen Sonntag die Freude, ihre Tochter Sulamith im bis auf das letzte Plätzchen gefüllten schönen Hietzinger Tempel zur Trauung mit Herrn Dr. jur. Robert M e h 1 e r, Sohn der Frau Rosa M e h 1 e r, zu führen. Die Sympathien, die dem Brautvater mit vollster Berechtigung entgegengebracht werden, manifestierten sten in dem, wie erwähnt, kolossalen Besuch bei dieser Trauung, der u. a. beiwohnten: In Vertretung der Kultusgemeinde Vizepräsident Dr. J. T i c h o. Oberrabbiner Dr. D. Feucht wang, die Gesamtvorstände des Hietzinger Tempelvereines, der Bezirkskommission XII bis XV, der Chewra Kadischa dieser Bezirke, Prof. Heinrich Gtücksmann, Hofrat G. Engelsmann, Chefredakteur O. Hrrschfeld, eine starke Abordnung des Hietzinger Fraaenveremes, viele Schüler und Schülerinnen des Brautvaters, sowie Studienkollegen der Brautleute, die beide den gleichen Studiengans hatten und Doktoren der Rechte wurden. Nach einem feierlichen Halleluja des Chores und nach den stimmungsvollen Gesängen des Herrn Oberkantor S. Einhorn trat Rabbiner Prof. Dr. M. Lewin selbst auf seine Kinder zu, um den Trauungsakt zu vollziehen. Er hielt ihnen nochmals die Lehren vors Auge, die sie im Elternhause genossen, und ermahnte sie. diesen Lehren nachzuleben, und, wie sie es vor sich gesehen, ein gut jüdisches Haus zu begründen. Brauteltern und Brautpaar waren Gegenstand herzlichster Gratulationen, denen sich auch unsere Redaktion anschließt.

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