Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 27 (29.6.1934)
- Date
- 1934-06-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064504-3064530--19819-3084997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*tfym Das Judenblut der Bismareks. DIE WAHRHEIT weiß, ob der Ausgangspunkt dafür mehr persönlich-politischer oder mehr sachlich-politischer Natur ist. Schon seit Jahr und Tag wird seitens gewisser Jüdischnationaler gegen den Religionsschulinspektor Studienrat Redisch Sturm gelaufen und ihm so zugesetzt, daß man hoffte, ihn zum „freiwilligen" Rücktritt vom Amte bringen zu können. Nun, da er nicht willig ist, soll Gewalt angewendet werden. Der blaue Bogen liegt schon vorbereitet. Unter jenen Herren, die auf Grund ihrer nationaljüdischen Parteiarbeit nun Anspruch auf die Nachfolgschaft erheben, ist schon lange ein heißer Wettstreit entbrannt. Wenn Studienrat Redisch überhaupt noch im Amte ist, so liegt wohl der Grund hierfür darin, daß es denn doch nicht so einfach ist, einem Manne von seinen hohen wissenschaftlichen, pädagogischen, ethischen, repräsentativen Qualitäten einen nur halbwegs würdigen Nachfolger zu geben: Die größte Chance hatte lange Zeit ein Mitglied des Kultusvorstandes, der neben dem erforderlichen Vorzug, ein eifriger nationaljüdischer Politiker zu sein, auch Erfahrungen auf dem Gebiete 4es Unterrichtes sich erworben haben soll. Man scheute sich offenbar doch, den Bogen zu überspannen. Uebrigens scheint der betreffende Kultusvorsteher nun für einen hohen Beamtenposten im internen Dienste der Kultusgemeinde in Aussicht genommen zu sein. Wir sind überzeugt, daß die national-jüdische Mehrheit des Kultusvorstandes so wie bisher genauest die persönliche und sachliche Eignung des Stellenwerbers überprüfen werde . . . Zionisten über zionistische Erziehung. „Die neue Welt" kommentiert in ihrer Nummer vom 19. Juni d. J. unter dem Titel „Sonderbare Erziehungsmethoden in Palästina" den Grazer Vortrag eines Delegierten des bekannten Kinderdorfes „Ben Schemen" über die dort praktizierten Erziehungsmethoden wie folgt: „Die religiösen Feste, vor allem Pessach, sind zu einer Farce geworden, deshalb — weg mit ihnen! Die Jugend wird in Ben Schemen nicht antireligiös (religionsfeindlich) erzogen, sondern „nur" areligiös (religionslos). Sie liest wohl die Bibel, aber nur als einen Teil des jüdischen Schrifttums, (also etwa wie deutsch-christliche Kinder die germanischen Göttersagen lesen). Kinder aus Kfar Jeladim (eine andere-Erziehungsfarm, wo die Kinder religiös erzogen werden) haben sich als hinterhältig und mit nicht ganz reiner Phantasie ausgestattet erwiesen (wohl wegen ihrer religiösen Erziehung!). Hingegen, sagte der Referent, ein Herr Jenö Weiß, zeichnen sich die Zöglinge Ben Schemens durch Wahrheitsliebe aus. (Kein Wunder, bei solch objektiver, freireligiöser Führung). Der Referent hob besonders hervor, daß den Zöglingen Ben Schemens der Besuch desnächstliegenden Gotteshauses am Jörn KippurfreigestelltO) wurde (für die 500 Seelen Ben Schemens selbst ist ein B e t h a u s nicht vonnöten). Unter den Zöglingen befinden sich auch solche vom 13—18 Jahren. Aber, erklärte Herr Weiß, nicht ein einziger Zögling macht von dieser Erlaubnis Gebrauch. Das berichtete Herr Weiß unter fröhlichem Lachen einer jüdischen angeblich „nicht links" orientierten Grazer Jugend. Eine Heiterkeit, die wohl das Traurigste dieses Abends war. Pessach, berichtet er, wird nur am letzten Tag gefeiert, also reduziert und natürlich „verbesser t". Kommentar überflüssig. Die Berliner Olympiade. William Garland, das amerikanische Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, der soeben von einer Europareise zurückgekehrt ist, veröffentlicht eine Erklärung, daß er seitens des deutschen Ausschusses zur Veranstaltung der Berliner Olympiade 1936 nochmals die Versicherung erhalten hat, daß in Deutschland keine Vorurteile gegen jüdische Sportler bestehen, daß die Deutschen ihre Versprechungen, den Juden das Trainieren zu erlauben, halten werden, und daß auch Palästina mit einem eigenen Team an der Olympiade in Berlin teilnehmen (!) wird. In der jüdischen und einem großen Teil der nichtjüdischen Oeffentlichkeit Amerikas wird diesen Versicherungen, denen beglaubigte Tatsachen gegenüberstehen, nicht geglaubt. Auch weiß man, daß die Teilnahme Palästinas durchaus nicht feststeht, es wäre eine Schmach und Schande, wenn das jüdische Palästina sich wirklich an der Olympiade Hitlers beteiligen würde. Bismarcks Enkel. Se. Durchlaucht, Fürst Otto v. Bismarck, Fideikommißherr auf Schwarzenbek, Herr auf Schönhausen und Plön, Botschaftsrat des Deutschen Reichs in London, und sein jüngerer Bruder Gottfried, Graf v. Bismarck-Schönhausen, Herr auf Reinfeld, Reichstagsabgeordneter der Nationalsozialistischen Partei, haben um ihre Aufnahme in die Deutsche Adelsgenossenschaft gebeten. Das Gesuch istabschlägigbeschieden worden. Denn die Enkel des Altreichskanzlers vermögen nicht den Bedingungen der Aufnahme zu entsprechen. Sie sind Blut von seinem Blut aber dies Blut ist nicht rein, ist nicht edel genug, um den Anforderungen zu genügen, die Adolf Hitler aus. Braunau an den deutschen Adel stellt. Bismarcks Enkel sind Nichtarier. Sind Judenstämmlinge. Die Deutsche Adelsgenossenschaft hat nicht verhehlt, wie schwer ihr diese Ablehnung geworden sei. Aber sie ist bestellt und berufen, über die rassteche Reinhaltung des deutschen Adels zu wachen. Das nationalsozialistische Prinzip ist unerbittlich. Gewiß, der Großvater hat allerlei für Deutschland getan, er mag selbst im Schatten Adolf Hitlers noch bestehen können, er hat sein historisches Verdienst als Wegbereiter eines Größeren. Aber die Großmutter hieß Alice Whitehead und stammte, wie die völkischen Genealogen feststellen, „aus der englischen Familie Whitehead, deren Chef Sir James Whitehead die Stelle eines Kultus-Vorstandes der israelitischen Gemeinde in London bekleidete". ' Als des Kanzlers Sohn Herbert, der zweite Fürst Bismarck, im Juni 1892 sich zu Wien mit cäie'pc^ Semmering ■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■■■■■■■■■■■■■■n der Gräfin Marguerite Hoyos. vermählte, kam der Alte aus dem Sachsenwald persönlich zur Hochzeit, die Reise hat aus mancherlei politischen Gründen späterhin historische Bedeutung erlangt, und es hat nicht den Anschein, als ob er Einwendungen gegen die junge Komtesse erhoben' hätte. Ob er den Stammbaum geprüft hat? Kaum, dieser neumodische Sport paßt wohl nicht zum Bild des Mannes, der einmal das Deutsche Reich zusammenschweißte. Und was hätte sich auch ergeben? Die künftige Fürstin war die Tochter eines k. u. k. Korvettenkapitäns außer Diensten, dem ein Schloß in Niederösterreich gehörte, und jener Engländerin, der Tochter des Robert Whitehead aus Triest, die das Geschlecht der Bismarcks „bastardiert" haben soll. Die klare und unzweideutige Feststellung, mit allen erforderlichen Namen und Daten versehen, findet sich in einem der heiligen Bücher des völkisch-germanischen Glaubens, es heißt: „Semigothaisches Genealogisches Taschenbuch ari(st)okratisch-jüdischer Heiraten mit Enkellisten. Aufsammlung »Her adligen Ehen mit vollblut-jüdischen und gemfechtblütigen Frauen. 1914. Dritter Jahrgang. Im Kyffhäuser-Verlag, München." Ein zierlicher schwarzer Band, mit zahlreichen niedlichen Hakenkreuzen versehen und mit einem wohlgelungenen Porträt Wotans in voller Kriegsbemalung mit beiden Raben. Als Motto findet sich ein Vers Goethes aus dem Jahrmarktsfest zu Plundersweileru: „Es ist ein jeglicher in deinem Land / Auf ein und andere Art mit Israel verwandt." Es war aber wohl derselbe Goethe, der da rief: „Weh dir, daß du ein Enkel bist!" Erstaunlich, wie dieser Dichter die Dinge voraussah! Die beiden Bismarck allerdings sind aufs tiefste erschüttert. Denn wenn die Ablehnung der Deutschen Adelsgenossenschaft in weiteren Kreisen des Volks bekannt wird — es ist nicht auszudenken! Zwar hat der Adelsmarschall mit Rücksicht auf die peinlichen Folgen, die eine Debatte des Falls Bismarck in der Oeffentlichkeit haben könnte, strengste Geheimhaltung der Angelegenheit verfügt. Da aber andererseits auch die wenigen Edehnge, die im Bade waren, sich über die Ablehnung ihrer eigenen Vettern aus rassischen Gründen ärgern mußten — schließlich ist ja auch eine nichtarische Base einigermaßen kompromittierend —, so ist die befohlene Diskretion zwar Ehrensache geblieben, dabei aber ein ftn engen Kreis heftig debattiertes öffentliches Geheimnis geworden. Der Adelsmarschall, ein Fürst zu Bentheim- Tecklenburg, hat nun die beiden Bismarcks darauf hingewiesen, daß es ihnen rechtlich zusteht, zur endgültigen Entscheidung den Adetegerfchtshoi anzurufen. Es scheint jedoch, daß sie ihr Glück nicht dem Wohlwollen der adligen Richter anvertrauen wollen. Und es wird, wie man hört, zur Zeit erwogen, ob sich nicht ein Mittelweg finden läßt. Denn von Amts und von Rechts wegen müßte der Botschaftsrat aus dem Dienst gejagt werden, jener immer noch so gebräuchliche Paragraph des Berufsbeamtengesetzes läßt darüber keinen Zweifel. Und wenn auch andererseits die Tätigkeit eines Reichstagsabgeordneten der NSDAP, keine sonderlich verantwortliche und folgenschwere Tätigkeit ist, so kann sie doch — und just darum — nur von einem garantiert reinblütägen Arier durchgeführt werden. Wenn man dabei wiederum bedenkt, daß die nationalsozialistischen Zeitungen auch hinsichtlich jenes Fräulein Tengbom aus Stockholm, das jetzt Fürstin Bismarck ist, gewisse Seufzer aus der arisch bedrängten Brust gestoßen haben, als der junge Fürst noch den Deutschnationalen angehörte, so kann man sich vorstellen, welcher Sturm derzeit durch den Sachsenwald braust. Und so wird wohl in wenigen Wochen die Zeit gekommen sein, da auch das deutsche Volk erfährt, daß die Enkel des eisernen Kanzlers Stellung, Ruhm und Ehre verloren haben, weil das Blut, das m ihren Adern rollt, nicht den Ansprüchen des löblichen Anstreichergesellen aus Braunau genügt. Und weil auch die Kraft eines Bismarck nicht ausreicht, in den Augen des dankbaren, heldenverehrenden deutschen Volks die Abkunit der Alice Whitehead wettzumachen. Die Enkel sind, um mit Hitler zu reden, Bastarde, die nach der jüdischen Seite* ausschlagen. Juda ist mächtiger als Bismarck. („Westland", Saarbrücken.) „Amtliche" LU± Das Auiklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpilege gibt eine statistische Zusammenstellung über die Berutsverhältnisse der Juden in Preußen aus, aus der hervorgeht, daß weit über die Hälfte, nämlich 58,8% Juden, in die Wirtschaftsabteilung Handel _und Verkehr iallen, während der Anteil der Gesarntbevölkerung in dieser Gruppe nur 17,11% beträgt. In der Wirtschaitsabteilung Industrie und Handwerk einschließlich Bergbau und Baugewerbe wurden 25.85.2S Juden gezählt. Bei der Gesamtbevölkerung stellt sich der entsprechende Anteil auf 40,94%. In der Landwirtschaft sind die Juden nur mit 1,74% gegen 29,5% bei der Gesarntbevölkerung vertreten. In der Wirtschaitsabteilung „Oeifentliche Verwaltung, Kirche und freie Berufe" stellt sich der Anteil der Juden auf 5,94%, während die entsprechenden Zahlen bei der Gesamtbevölkerung 4,85% betragen. Die Juden seien somit in dieser Wirtschaitsabteilung mit einem Prozent anteilsmäßig stärker vertreten, als die gesamte preußische Bevölkerung. Das Uebergewicht der jüdischen Bevölkerung ist in erster Linie bei den freien Berufen zu finden. In der Abteilung Gesundheitswesen stellt sich der Anteil des Judentums aui 4,35% gegen 1,88% bei der Gesamtbevölkerung. Hierzu schreibt der „Pressedienst des Vereines Deutscher Zeitungsverleger": „Die Statistik ergibt, daß bei dem Judentum offenbar eine Abneigung gegen die landwirtschaftlichen Berufe und gegen Handarbeit rn Industrie und Handwerk besteht. Andererseits fällt die enorme Beteiligung in den Berufen auf. die mit Handel und Verkehr zusammenhängen. Hieraus ergibt sich deutlich, heißt es weiter, die innere Verschiedenart i g k e i t der eingesessenen deutschen Bevölkerung gegenüber dem andersartigen fremdstämmigen Judentum." (Dieser grotesken Ausführung des VDZ-Dienstes wäre entgegenzuhalten, daß die Juden in Deutschland seit dem Mittelalter bis zur Zeit der Emanzipation von Landwirtschaft und Handwerk durch Gesetz streng ferngehalten wurden: wenndennech die Juden in der kurzen Periode seit der Emanzipation in Landwirtschaft und Handwerk gemäß den „amtlich" — aber dennoch tendenziös ungenau — festgestellten Ziffern eindringen konnten, so ist das eher ein Beweis für eine Zuneigung der Juden zur Landwirtschaft, Handarbeit. Industrie und Handwerk. D. Red.) „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis". Wien L Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65. gibt bekannt, daß derselbe nunmehr in dem unter dieser Adresse befindlichen Büro tätie ist und bittet die p. t. Arbeltgeber, bei Bedarf von kaufmännischem und gewerblichem Personal sich an den obbezelchneten Verei» wenden zu wollen.