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Die Wahrheit · 1934-06-29 · Heft 27 (29.6.1934) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 27 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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spideji beweisen, mit einer Bewertung von „Nicbtjuden" nichts zu ton hat. Uebrigens steht dort „Kutibim". Das . sind nicht Nichtjuden im allgemeinen, sondern die den Juden feindlichen „Samaritaner". Aber nicht nur die Auswahl Inner Talmudzitate zeigt, daß Sie sich auf diesem Gebiete nicht sicher bewegen. Noch deutlicher vielmehr die Art, wie Sie zitieren. Die Titel der Talmudtraktate sind hier trotz der Benützung der Uebersetzung, wie schon die obigen Proben zeigen, so falsch wiedergegeben, daß man, zumal bei der Fehlerlosigkeit des übrigen Textes dieser Ihrer. Aufsätze, nicht an Versehen des Setzers glauben kann. Ferner zitieren Sie nicht nach allgemeinem Brauch die betreffenden Seiten des Talmuds, sondern oft nur nach Mischnah-Sedarim. Ungefähr so, wie wenn man eine Zeitungsnotiz nur mit Angabe des entsprechenden Jahrganges anführen würde. Ebenso befremden muß die Literatur, die Sie benutzen. Es sind einige zumeist längst überholte unmaßgebliche Schriften jüdischer Verfasser, deren einer übrigens gleichfalls mit verstümmeltem Namen bei Ihnen erscheint Von christlichen Autoren zätieren Sie aber nicht etwa wirkliche Kenner des Stoffes, wie Herford, Moore u. a., sondern ausgesprochen antisemitische Machwerke. Ueber den einen dieser Judenfeinde, den getauften Juden Dr. Justus, sowie über Dr. Ecker, den Gutachter im Schulchan Aruch-Prozeß zu Münster, hat Dr. J. S. Bloch 1891 in österreichischen Reächsrat unter „schallender Heiterkeit" des Hauses — in einer Sitzung, an der u. a. auch Dr. Lueger aktiv teilnahm — Aufklärungen erteilt, die in seinen „Erinnerungen", Bd. I, S. 372, zu lesen sind. In dem erwähnten Prozeß in Münster entschied der Richter auf das Gutachten Dr. Eckers hin gegen den Schulchan aruch. Deshalb behandeln Sie dieses Werk als res iudicata, als gerichtsnotorisch chrisienfeindlich und halten Sie Zitate aus ihm für überflüssig. Wenn aber nun, wie Sie selbst erwähnen, auf dar anderen Seite in dem Wiener Prozeß das Urteil des Gerichtes zu g u nsten des Talmuds ausgefallen ist, dann hätte man doch folgerichtig erwarten dürfen, daß Sie sich auch in diesem Falle mit dem richterlichen Erkenntteus begnügen, d. h. auf Anführung von TalmudsteUen verzichten würden. In diesem Falle schien Ihnen jedoch vermutlich die Autorität der Gutachter nicht so unanfechtbar wie in dem ersten Prozeß zu Münster. Und nun schreiben Sie ja gerade dem Talmud als einem „Gesetzbuch" der Juden, die Kraft zu, die „Grundhaltung" der Bekenner des Judentums Sa der Gegenwart entscheidend zu bestimmen. Daß auch dies ein Fehlurteil ist, kann Ihnen jederzeit ein oberflädiMcher Blick auf das Leben dar Juden von heute beweisen. Leider! so klagen die traditionstreuen jüdischen Kreise, Ja, die wenigsten Juden des Westens wissen vom Talmud mehr, als das, was gelegentlich aus Talmudpolemtken und Talmudprozessen durch die Zeitungen bekannt geworden ist Und damit, sehr geehrter Herr Professor, erledigt sich nicht nur die zweite, sondern zugleich auch die dritte Ihrer Thesen von selbst Zu dieser letzten sei mir noch eine Bemerkung gestattet. Ich verstehe Ihren oben von mir zitierten Appell an die Behörden nicht. Nehmen wir an, wofür aber nicht der geringstöe Anlaß vorliegt, die Juden fühlten sich „auf Grund eines Sonderrechtes gegenüber den anderen bevorzugt", wie könnten sie in dem „christiich-demokTatischen Staat", von dem Säe sprechen, „den anderen Teil rechtlich degradieren"? Da dies die Juden im eigenen Staate nicht taten, ja, nach altjüdischem Gesetz, dem Gebote Gottes gar nicht tun dürfen, wie sollten sie es in einem anderen auch nur tun wollen, ganz abgesehen davoni, daß sie es gar nicht tun k ö n n e n? " Doch in dem Schlußsatz stimme ich mit Ihnen völlig überein. Gewiß, „vor dem Gesetz sind alle gleich." Darum diese meine Antwort auf Ihre Herausforderung. So, wie Sie öffentlich gegen Juden eine schwere Anklage erhoben haben, rn.it dem gleichen Rechte Stent es diesen frei, sich dagegen zu wehren. Auf ihren Appell an die staatlichen Behörden zu erwidern, bleibt diesen anheimgestellt. Durch die Anerkennung des jüdischen Glaubensbekenntnisses und -die ApprobSerung der Lehrbücher für den jüdischen Relig^sutiterricht hat der österreichische Staat jedenfalls seine Stellung zu dieser Frage grundsätzlich festgelegt. Von Ihrer Gerechtigkeit, sehr geehrter Herr Professor, die Sie ja in Ihrem Aufsatz für sich in Anspruch nehmen, erwarte ich, daß Sie sie auch meiner Entgegnung widerfahren lassen. Und so schließe Ich hochachtungsvoll Dr. Max Grun w a 1 d. HOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang Jüdischnationale Dialektik. Wir haben in der letzten Zeit wiederholt Gelegenheit gehabt, die beklagenswerte Kunst gewisser jüdischnationaler Kreise, die Wahrheit zu entstellen, unseren Lesern vor Augen zu führen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß sie es in der Praktik, die Tatsachen auf den Kopf zu stellen uud die Gehirne ihrer eigenen Anhänger zu vernebeln, zu einer unerreichbaren Höhe gebracht haben, so hat der Bericht in der letzten Nummer der „Stimme" über die am Sohntag stattgefundene Wahl in die Baden er Kultusgemeinde einen meisterhaften Beweis hiefür geliefert. Die Gegenüberstellung der Tatsachen und der Darstellung des genannten Blattes erhärtet unsere Behauptung. Unter der Judenschaft Badens besteht schon seit mehreren Jahren eine heftige Fehde, die bereits auch in der nichtjüdischen Bevölkerung unliebsames Aufsehen erregt sowie städtische und staatliche Behörden beschäftigt hat. Der Streit dreht sich nicht um sachliche Gegensätze, es handelt sich nicht um Differenzen zwischen Zionisten und Nichtzionisten, sondern fast ausschließlich — wir können nicht umhin, ein öffentliches Geheimnis zu lüften — um die Person des dortigen Oberrabbiners, eines hochachtbaren, strenggläubigen Gelehrten, der sich bemüht, die Gemeinde in konservativem Sinne zu führen. Wir mußten und müssen es uns aus Achtung vor der Würde, die nach unserer Auffassung der Stellung des Oberrabbiners einer Gemeinde zukommt, versagen, Einzelheiten anzuführen und dadurch den Schmutz aufzuwühlen, mit dem die offenen und versteckten Gegner des Oberrabbiners diesen seit Jahr und Tag bewerfen. Wir haben Freunde in Baden, die sich seit eh uhdj je bemühen, den Frieden in der "Kille wieder herzustellen und vor allem die Person des Führers der Gemeinde außer Streit zu stellen. Um dieses sicherlich erstrebenswerte Ziel zu erreichen, haben sich unsere Freunde mit gleich friedlich gesinnten orthodoxen Gemeindemitgliedern zur „Jüdischen Arbeitsgemeinschaft" zusammengeschlossen. Dieser Gruppe standen nun im „Wahlkampf' die persönlichen Gegner des Oberrabbiners und seiner konservativen Gemeindeführung gegenüber, die als sogenannter „Wirtschaftsverein" auftraten. Als Einpeitscher und Aufpeitscher zu Haß und Verachtung fungierte die kleine Zionistengruppe von -Baden. Obwohl ihre dortige Organisation kaum drei Dutzend Kultuswähler umfaßt, verstand sie es, mit ihren jugendlichen Braunhemden eine „Bewegung" vorzutäuschen und den „Wirtschaftsverein" in ihr Schlepptau zu nehmen. „Die Stimme" fabelt von einem „grandiosen zionistischen Wahlsieg" über die Agudas Jisroel. Sie kennt die Wahrheit und sagt sie nicht, denn sie weiß, daß die Mehrheit des „Wirtschaftsvereins" nicht nationaljüdisch eingestellt ist. Sie weiß aber auch, daß sich inder Gruppe der „Arbeitsgemeinschaft" viele Zionisten befinden. Wo ist da die „klare zionistische Majorität", von der „Die Stimme" spricht, um aus dem „Sieg" in Baden einen Beweis dafür abzuleiten, daß „die zionistische Idee in Oesterreich unwiderstehlich Gemeingut der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich wird". Eigentlich sind die Herrschaften recht bescheiden geworden, da sie sich mangels größerer Erfolge der zionistischen Idee bemüßigt sehen, so verhältnismäßig geringfügige Ereignisse zu einer „vernichtenden Niederlage der Agudas Jisroel" vor ihren von der zionistischen Idee noch unerlösten Lesern aufzubauschen und zu einer Anrempelung der „Union" zu benützen. Daß sie auch dabei sich mit der Wahrheit in Widerspruch setzen, belastet sicherlich nicht ihr Gewissen. Die „Union" hat es absichtlich vermieden, sich in den kleinlichen und das Ansehen der Judenschaft schädigenden lokalen Streit zu mengen. Sie hat während des Wahlkampfes weder in ihrem publizistischen Organ noch , auch sonst in irgend einer Form zu dem häuslichen Badener Streit Stellung genommen. Ganz im Gegensatz zu den Jüdischnationalen Wiens, die in Wort und Schrift sich der Sache bemächtigten, um im Trüben ein zionistisches Fischlein zu angeln. Die „Union" aber ist buchstäblich bis zum Tage vor der Wahl vollkommen abseits gestanden. Einzig und allein am Samstagabend, also in der 1 e t z t e n Versammlung der „Arbeitsgemeinschaft" sind über Ersuchen derselben drei Redner der „Union" autgetreten, um im Sinne der endlichen Beseitigung des für die österreichische Judenschaft abträglichen Konfliktes zu wirken. Die Informatoren der „Stimme" lügen also, wenn sie, wie es in der „Stimme" zu lesen ist, behaupten, daß die „Union österreichischer Juden" alle Anstrengungen gemacht hätte, um die Niederlage der Agudas Jisroel zu verhindern. Sie 1 ü g e n, wenn sie behaupten, daß die Ausführungen eines der unionistischen Redner, des Zentralvorstandsmitgliedes Dr. Lenk, bei den Agudisten stürmischen Widerspruch gefunden hätten. Sie 1 ü g e n, wenn sie behaupten, daß er seine Rede hätte unterbrechen müssen und sein Abzug aus dem Saal einer Flucht verteufelt ähnlich gesehen hätte. Wahr ist daß eineinziger, und zwar ein zionistischer Anhänger der „Arbeitsgemeinschaft" Widerspruch erhoben, sich aber nach erhaltener Aufklärung entschuldigt hat. Wahr ist, daß Dr. Lenk, provoziert durch eben diesen zionistischen Zwischenrufer, die Verleumdungsfaktik jüdischnationaler Drehköpfe brandmarkte und dabei seine in dem letzten Wiener Kultuskampf gefallene Bemerkung, daß für jeden Fremden, um so mehr für jeden Wiener, ob Jude oder Nichtjude, der Stephansdöm das Währzeichen'Wiens ist, ins richtige Licht rückte. Wahr ist, daß Dr. Lenk die tiefe Verbundenheit der österreichischen Judenschaft mit ihrem Vaterlande Oesterreich und deren wohlgesinnten Bevölkerung hervorhob, wahr aber ist auch, daß hiebei aus den Reinen der zionistischen Jugend, die sich inzwischen an der Eingangstüre und an den offenen Fenstern des Versammlungslokales angesammelt hatte, erst vereinzelt und dann im Chore wiederholt der Ruf erscholl: Unser Vaterland ist Palästina! Wahr ist, daß diese verwerfliche Demonstration in der Versammlung einen Sturm der Entrüstung und Empörung auslöste und daß bei Schluß der Versammlung Dr. Lenk auf der Straße von den zionistischen Jungen neuerdings mit den Rufen: Unser Vaterland ist Palästina! empfangen wurde, Die Zionisten nennen uns Denunzianten, wenn wir Unionisten von unserer Vaterlandsliebe sprechen. Die verantwortlichem zionistischen Führer und Erzieher sollten ihren ganzen Einfluß aufwenden, damit nicht ein falscher Eindruck in der Oeffentlichkeit hervorgerufen werde. An diesem Beispielen ist gezeigt wie gut. fundiert die Mittelungen und Informationen der „Stimme" sind, so z. B. die systematisch seit Jahren lancierte Information, daß die „kleine Gruppe der Union" an einem rapiden Mitghederschwund leide. Die JüdSschnationaleö könnten sehr zufrieden sein, wenn ihre Mitglieder-Kartothek in gleichem Maße anwachsen und zumindest weniger zionistische Mitglieder an die unionistische Organisation verlieren würde. In dasselbe Kapitel gehört auch die Bemerkung der „Stimme" über die Sammlungen der „Union". Wir haben unseren' jüngsten Darlegungen in dieser Sache vorläufig nichts hinzuzufügen. Deutschland-Flüchtlinge. 6 Personen, welche aus Deutschland anter Zurücklassunk der.Wohnung flüchten kwBten. bitten um Ueberlässünx vor EinrlchtunESueaenstanden. Gefällige Angebote a. dV Redaktion ds. Blattes unter „Großes Elend".

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