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Die Wahrheit · 1934-06-22 · Heft 26 (22.6.1934) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 26 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Statt Karten Daniel Freund und Frau und Regine Pennenberg laden ao( diesem Wege zur Vermählung ihrer Kinder Bianca und Julius ein, die am Dienstag, den 86. Juni 1934, um 1 Uhr mittags im Tempel 11., Gr. Sdtiffgasse 8, stattfinden wird. Gratulationen nur Samstag, den 28. d. M. vormittags. Die Palästina-Einwanderung. In Beantwortung einer Frage des Abgeordneten Oberstleutnant Todd, ob es noch eine illegale Einwanderung nach Palästina gäbe und wie groß sie sei, erklärte Kolonienminister Sdr Philip C u n 1 i f f e- Lister im Unterhaus, die Durchschnittszahl der monatlich unerlaubt nach Palästina Einwandernden werde für die Monate November 1933 bis Januar 1934 auf 300 geschätzt, gegenüber durchschnittlich etwa 1000 monatlich in den ersten 10 Monaten des Jahres 1933. Es seien Maßnahmen getroffen worden, um dieses Problem zu lösen. ■ , , Captain S t r i c k 1 a n d fraigle hierauf: „Ist diese unerlaubte Einwanderung nicht zu einem großen Teil auf die von der Regierun« verfügte Einschränkung der legalen Einwanderung zurückzuführen, eine Einschränkung, die die Entwicklung der Bautätigkeit, die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung wesentlich aufhält?" Der Kolonienminister: „Nein. Das sind vollständig irrige Feststellungen. Es sind nicht die Maßnahmen der Regierung, die zu unerlaubter Einwanderung führen. Es liegt bestimmt im Interesse aller Beteiligten, daß nur zulgelassene Einwanderer nach Palästina kommen." Gaptaim Strickland fragte hierauf den Minister, ob es ihm nicht bekannt sei, daß in Palästina Arbeiter für Häuserbau gebraucht werden und daß Häuser infolge des Arbedtermangels nicht fertiggestellt werden können. Darauf antwortete der Kolonienminister, der High Commissioner müsse bei der Festsetzung der Zahl zuzulassender Einwanderer die allgemeine Zukunft des Landes ebenso berücksichtigen wie die augenblickliche Lage. Auf die Frage von David Adams, ob die Regiei-ung die jüdischen Proteste gegen die Unzulänglichkeit der bewilligten Einwanderer-Quote zur Kenntnis genommen habe und Schritte unternehmen wolle, eine Revision dieser Quote herbeizuführen, erwiderte Kolonienminister Sir Phillip Cunliffe-Lister schriftlich: Es hat stets Uebereinstimmung darüber geherrscht, daß die Verantwortung für die Festsetzung der Halbjahrsquote für Arbeiter-Einwanderer dem High Commissioner für Palästina überlassen werden muß. der am besten in der Lage ist, die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes zu beurteilen. Aus der braunen Hölle. Wie jetzt bekannt wird, haben in der Hauptstadt Badens, Karlsruhe, anläßlich der Demonstration der Nazi-Jugend vor den Pfarrhäusern auch umfangreiche Kundgebungen gegen die Juden stattgefunden. Vor allen Häusern, in denen Juden wohnen, wurden antisemitische Rufe ausgestoßen. Die Juden verließen ihre Wohnungen an diesem Tage nicht. * Die vom Oberrabiner Carlebach redigierte Beilage des Hamburger „I s r. Familienblattes", in der die Rätualmordbeschuldigune widerlegt wurde, wurde wegen „Beunruhigung der Bevölkerung" beschlagnahmt * Oberregierunigrat Schraut vom Reichs Justizministerium forderte in einem Vortrag in der Hochschule für Politik harte Bestimmungen gegen mäscbrassige Ehen und außereheliche Vermischung zwischen verschiedenrassägen Menschen. * In Württemberg wird, nach einer soeben erlassenen Verordnung. isTaelitischeT Religionsunterricht an den höheren Schulen nicht mehr erteilt Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln für Rdigtonsuntenricbt der jüdischen Gemeinden werden nicht gewährt * Der „Völkische Beobachter", das Blatt des Reichskanzlers Hitler, schreibt: ,£ine der ersten Aufgaben des nationalsozialistischen Staates war es, die deutschen Hochschulen von volksfremden Elementen zu reinigen, den deutschen Hochschülern wieder die Lehrer zu geben, die sie verlangten, die ihnen ihrer blutmäßigen Zusammensetzung nach «ehörten. Um so mehr muß es verwundern, daß — wie der Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen mitteilt — über die Massen viele Studenten ihr Wissen bei jüdischen Repetitoren holen. Wir können die Ansicht des B. N. D. J. nur aufs schärfste unterstreichen, daß es heute eines deutschen, arischen Studenten unwürdig ist jüdische Repetitoren und jüdische Lehrer zu besuchen." Der Allgemeine Deutsche Kantoren-Verband hat eine Mitteflung der Reichsmusikkammer erhalten, wonach eine Eingliederung des Verbandes in die Reichsmusikkammer nach den neuesten Richtlinien.nicht in Frage kommen kann. Dies bedeutet, daß Kantoren nicht im Nebenberuf als Solisten oder Musikpädagogen wirken dürfen. Rumänien beschämt Deutschland. In einer kürzlich abgehaltenen Presse-Konferenz stellte der Vertreter des „Czernowitzer Morgenblatt" an den Ministerpräsidenten Tatarescu die Frage, ob es nach sedner Auffassung in Rumänien eine Judenfrage gebe. Ministerpräsident Tatarescu erwiderte: „Ich kenne nur rumänische Bürger. Da die Juden rumänische Bürger sind, ist es selbstverständlich, daß sie der gleichen Rechte und Pflichten teilhaftig werden wie alle anderen Burgern. Ich muß bei dieser Gelegenheit konstatieren, daß in der letzten Zeit einzelne Gruppen von Bürgern allzuviel von ihren Rechten und weniger von ihren Pflichten sprechen. Es ist gut und notwendig, daß im Ausmaß der Rechte und Pflichten ein gewisses Gleichgewicht gewahrt bleibt" Auf die Bemerkung, daß in der Bukowina, wie in den anderen neuen Provinzen, Tausende von Bürgern leben, welche, obwohl sie auf diesem Boden geboren sind und schon ihre Eltern hier ihren Wohnsitz hatten, noch immer nicht das Staatsbürgerrecht besitzen (es handelt sich in der Hauptsache um Juden, die Red.), antwortete der Ministerpräsident: Wir befinden uns augenblicklich in der ersten Phase unserer Tätigkeit. Wir werden uns selbstverständlich mit dieser Frage eingehend befassen. „FAMILIEN SCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familienüürsorge Wien II., Aspernbriickenoasse 2_Tel. B 43-500 Durch Monalsbeiträge von S 1 bis 10 kann man bei uns sicherstellen: Studienbeiträge für Töchter und Söhne Aus8tattung8beiträge für Töchter Vorsorge für das Alter und för die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hobe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit. 4. Volle Garantie der Lebensversicherungsgesellschaft „Phönix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr: ~ Der „FAMILIENSCHUTZ" wird von der Wiener Kultusgcmelnde befürwortet Veröffentlichungen der „Union tt Die „Union österreichischer Juden" hatte am Dienstag, den 19. d. M., zu einer Versammlung im Cafe Exceisior eingeladen, um die Gründe klarzulegen, die die unionisfischen Kultusvorsteher bei d«r Niederliegung ihrer Mandate im Vertretexkollegium und in den Kommissionen leiteten. In überaus großer Menge hatten Mitglieder und Freunde der „Union" dieser Einladung Folge geleistet. Mit lebhaftem Interesse und immer steigender Erregung folgten die Zuhörer den Ausführungen der Referenten Vizepräsident Dr. J. Ti ch o und Kultusvorsteher Dr. E. F e 1 d s b e r g, die in eindringlichen Worten düle einseitig parteiischen Methoden der Jüdischnationalen bei ihrer Herrschaft in der Kultusgemeinde geißelten. Dr. J. T i c h o legte in überzeugender Weise den Vertragsbruch der' Jüdischnationalen klar, die den mit den Nichtnationalen für die ganze Funktiionsperiode geschlossenen Vertrag plötzlich nicht mehr respektieren wollen. Dr. E. Feldsberg erbrachte schlagende Beweise für die parteiegoistische Willkür der/Jüdischnalrionalen, die nun auch zu dem unjüdischein Kampfmittel der moralischen Diskreditierung ihrer Gegner gegriffen haben. Der Vorsitzende, Kultusvorsteher Doktor M. S ti gl itz, faßte die ausgezeichnten Ausführungen der beiden Referenten in einem! Resume" zusammen, in dem ejr die Bereitwilligkeit der „Union" zur sachlichen Mitarbeit betonte, jedoch unter lebhafter Zustimmung der Versammlung feststeJttet daß die Jüdischnarionalen an der Gefährdung dülesefr Arbeit Schuld tragen. Die eindrucksvoll verlaufene Versarnmlung, die wiederholt in stürmischer Weise ihrer Empörung über das Jntransigente Vorgehen der Jüdischnationaien Ausdruck verlieh, nahm schließlich auf Antrag des Herrn Kommerzialrates Wiener einstimmig folgende Resolution an: _ Die am 19. Juni 1934 abgehaltene Versammlung der „Union österreichischer Juden" gibt ihrem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, daß durch Zwedts Gbnng der denisdien Spradie möchte religiöse ung. Familie, ihren Sohn (Juristen) auf die Daner der Sommerferien (2 Monate) bei ähnlicher Familie in Wien oder Umgebung placieren. Gegen Bezahlung oder Tausch eines Familienmitgliedes in eigene Villa am Plattensee. Olferte unter „Direktor" an Ann.- Büro Josef Exdös, Budapest, Terezkörut 35. die völlig parteiische Haltung der Jüdischnationalen die weitere sachliche Mitarbeit in der Kultusgemeinde unmöglich gemacht wurde. Sie billigt die Haltung der unionistischen Kultusvorsteher und spricht ihnen Dank und Anerkennung für ihre Tätigkeit im Interesse der österreichischen Judenschaft aus. Donnerstag, den 28. Juni, 8 Uhr abends, große Versammlung der „Union" im Saale des Hotel Stefanie, IL, Taborstraße 12. Referenten: Vizepräsident Dr. J. Tic ho, Kultusvorsteher Dr. E. Feldsberg. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■!' Palästina-Nachrichten. Die arabischen nationalistischen Zeitungen füllen nach wie vor ihre Spalten mit Text- und Bildmaterial, vor allem der Bilder von Hitler und Goebbels, das ihnen — wie die Zeitungen selbst zugeben — direkt aus Berlin zugegangen ist. Die arabische Jugend wird aufgefordert, sich im Kampf gegen die Juden an Hitler ein Beispiel zu nehmen. Die Jaffaer Zeitung „AI Dipo" druckt Hitlers „Mein Kampf" ab. Der Generalinspektor der palästinensischen Polizei befaßt sich in einem Kommuniquö mit den Meldungen' der hebräischen Zeitungen, wonach eine Abteilung der Palästina-Polizei zum Dienst auf dem Messegelände zu Tel Aviv in mit Hakenkreuzen geschmückten Helmen erschienen ist. In dem Kommunique des Generalinspektors wird demgegenüber festgestellt, daß nur ein einziger Polizist ein Hakenkreuz, am Helm trug, das aber am Helm bereits angebracht, war, als der Plclizist diesen ausgefolgt erhielt. Als einr zweiter Polizist die Aufmerksamkeit auf das Abzeichen' lenkte, wurde der Helm sofort entfernt und nicht wieder' benutzt. Der Generalinspektor bedauert trotzdem diesen Vorfall, den er als „im höchsten Grade ge-. sc h macklos" erachtet; er" findet es beklagenswert, daß sich innerhalb der Palästina-Polizei derartiges ereignen konnte. M i s r a c h i dn Palästina hat, wie der JTA-Vertreter erfährt, seine Vertreter aus dem Waad L e u m i (Nationalrat als exekutives Organ der Organisation des palästinensischen Judentums Knesseth Jisrael)1 zurückzuziehen beschlossen, nachdem die Revisionisten den Wa.adLeumibereitsver-' lassen haben und die Agiudas Jisroel in ihm nie vertreten gewesen ist * Die Agudas Jisroel-Zentrale hat gemäß Abkommen mit der Jewish Agency von der letzten Zertifikat-Sche-. duäe 350 Zelrtäfikate erhalten; hiezu'kommen noch 70 Zertifikate, die noch von der vorigen Schedule restieren und über welche noch Verhandlungen gepflogen werden.- Von diesen 420 Zertifikaten bekommt ein Drittel Polen und ein Drittel Deutschland; das letzte Drittel wird auf die anderen Landesorganisationen der Agudas Jisroel aufgeteilt. * Die zionistische Exekutive in Palästina und die Exekutive des Waadi Leumä (Nationalrat des Jischuw) haben in einer gemeinsam - abgehaltenen Sitzung1 beschlossen, in Palästina ein Theodor Herz 1 -Mausoleum zu errichten, welches die sterblichen Reste des Begründers der zionistischen Bewegung Dr. Theodor Herzl beherbergen wird. Für die Errichtung des Mausoleums wird ein spezieller Fonds geschaffen. Wiener „UFA" vollkommen judenrein. Nun ist auch, was die Wiener Juden hoffentlich entsprechend beachten werden, der letzte Jude, der noch bei der Wiener „UFA" beschäftigt war, der langjährige kommerzielle Direktor Singer, aus dem Unternehmen geschieden. Dies soll sich nicht ohne dramatische Zwischenfälle abgespielt haben. Am Dienstag traf, gleichsam als „Entjudungskommissar", der Berliner „UFA"-Direktor Major v. Theobald, in Wien ein, um Singer zu entfernen. Alle anderen jüdischen Angestellten der Wiener „UFA" waren schon vor mehr als einem Jahre über Nacht entfernt worden. Direktor Singer wurde wegen seiner großen Verdienste bisher noch gehalten; er hat bereits viermal den ersteh Preis im Erfolgswettbewerb unter den UFA- Filialleitern erhalten.

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