Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 26 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064504-3064529--19812-3084989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 1 Jüdisches Kinderheim an der Adrla, nächst Crikvenica. Leitung Fr. fl. ODerall, Schuldirektorin. Bes. günstige Bedingungen. Ärztliche Aufsicht. Auskünfte u. Prospekte VIII., Alserstraße 23 A 29-2-87 von 9—12 und 5—7. Qemeindeifkronifc. New-York. A. J. Altmeyer, ein Jude aus Madison im Staate Viscounsin. wurde zum Vize-Staatssekretär für öffentliche Arbeiten in die Regierung der Vereinigten Staaten berufen. Prag. Der Führer der Tschecho-Juden, Obermagistratsrat Dr. August Stein, langjähriger Präsident der Prager Jüdischen Kultusgemeinde, vollendete in diesen Tagen sein 80. Lebensjahr. Die maßgebende tschechisch und deutsch geschriebene Presse der Tschechoslowakei veröffentlichte aus diesem Anlaß Geburtstagsartikel, in denen Leben und Wirken des Jubaars anerkennend gewürdigt werden. Dr. Stein, der der zionistischen Bewegung ablehnend gegenübersteht und für Anschluß der Juden an den tschechischen Kulturkreis eintritt, bekundet ein stets reges und1 warmes Interesse für Dinge der jüdischen Allgemeinheit. Als Kultuspräsident verstand er es, mit Sorgfalt und Verantwortungsgefühl die Geschäfte der Gemeinde, in oft recht bewegten Zeiten, zu führen. Als hoher Beamter des Prager Magistrats hat er sich hervorragende Verdienste um die Regulierung des Prager Stadtbildes erworben. Als Uebersetzer hebräischer Gebete ins Tschechische hat sich Dr. Stein einen besonders geschätzten Namen gemacht. Die jüdische Presse in der Tschechoslowakei, ohne Unterschied der Pairteirichtung, begrüßt Dr. Stein zu seinem 30. Geburtstag: selbst die zionistische „Selbstwehr spricht den Wunsch aus, daß es dem Jubilar noch lange vergönnt sein möge, in Rüstigkeit sein großes Werk fortzusetzen. Eine besondere Auszeichnung erfuhr die am Dienstag, den 19. d. M. im Dr. Krüger-Heim anläßlich des Abschlusses des Schuljahres veranstaltete Feier. Die Gattin unseres Bundespräsidenten Frau Leopoldine M i k 1 a s war persönlich zu der gelungenen Veranstaltung erschienen und äußerte sich sehr zufrieden über das schöne Institut, dessen gediegene Einrichtungen sie bei ihrem Rundgang durch das Haus kennen zu lernen Gelegenheit nahm. Sie wohnte sodann, herzlichst begrüßt von Frau Ob.-Med.-Rat Dr. S. Krüger, der mit einer hübschen Akademie verbundenen Feier bei und zeigte sich über die hier gebotenen Leistungen der Zöglinge der Anstalt sehr erfreut. Wir werden über die Veranstaltung, die überaus zahlreich besucht war — u. a. wohnte ihr in Vertretung der Kultusgemeinde Vizepräsident Dr. J. Tic ho bei — noch einiges berichten; für heute sei nur noch vermerkt, daß sich besondere Verdienste um ihr Gelingen Komm.-Rat H. Smetana erworben hat. Im Merores-Waisenbaus fand am letzten Sonntag nachmittags ein Wohltätigkeits-Konzert statt, das man ruhig als Höhepunkt der jüdisch-gesellschaftlichen Veranstaltungen der nun abgelaufenen Saison bezeichnen darf. Nicht nur die Auserwähltheit des zahlreichen Publikums, das sich zu dem unter dem Protektorate der Präsidentin des Damenkomitees der Anstalt Frau Baronin Ciarisse Rothschild veranstalteten Konzert eingefunden hatte, rechtfertigt diese Charakterisierung, auch das gebotene Programm läßt sie als durchaus zutreffend erscheinen. Denn es waren nicht musikalische Darbietungen schlechtweg, die hier geboten wurden, es gab in dem gediegenen Rahmen derselben einen Glanzpunkt der weithin strahlte und zu strahlender Freude alle Anwesenden, insbesondere die entzückten Kinder des Hauses zwang. Kammersänger Friedrich Schorr hatte sich in nicht genug zu rühmender Liebenswürdigkeit bereit erklärt, die schöne Veranstaltung durch seine Mitwirkung auszuzeichnen. Und es war eine Auszeichnung für die Festgäste, den unübertrefflichen Sänger Lieder von Schubert Schumann und Wolf mit prächtiger Stimme und glänzendem Vortrag singen zu hören, es war eine Herzensfreude für die Kinder, deren enthusiastischer Beifall den großen Künstler sichtlich animierte, so daß er sich zu herrlichen Zugaben entschloß, die mit gleicher Begeisterung aufgenommen wurden. Es ist rühmenswert festzustellen, daß durch diese Glanzleistung Scfebrrs nicht das übrige Programm unbeachtet blieb, sondern im Gegenteil eine würdige Ergänzung dieser hervorragenden Darbietung bildete. Sowohl das ausgezeichnete Galimir-Quartett wie auch der brillante Violinkünstler Kurt Fuchsgelb errangen viel berechtigten Beifall, der ihrem gediegenen Können galt. Die Begleitung besorgte sowohl bei Kammersänger Schorr, wie bei Kurt Fuchsgelb Herr Dr. Kurt Pahlen. der auch in dieser Beziehung seine 'bekannt hervorragenden musikalischen Qualitäten erwies. Eingeleitet wurde die überaus gelungene Veranstaltung durch einen schönen Chor von Zöglingen des Hauses, dessen Wahl eine besonders Passende war, denn sein Motto: ..Des lauten Tages wüstes Treiben mach du. Musik, verstummen nun" galt im allgemeinen für die herrliche Feier, um deren Zustandekommen und Gelingen sich der ehrenamtliche Anstaltsarzt Ober-Medizinalrat Dr. H. Haase überaus große Verdienste erworben hat. Das Leichenbegängnis des Cafetiers I. Müller, das am vergangenen Freitag am Zentralfriedhof (IV. Tor) stattfand, gestaltete sich zu einer überaus imposanten Trauerfeier für den allzu früh verstorbenen edlen Menschen. Welche berechtigte Beliebtheit dieser brave Mann in weitesten Kreisen genossen hatte, kam bei dieser Trauerfeier zum Ausdrucke, der so viele Menschen beiwohnten, daß die geräumige Zeremonienhalle des Neuen Friedhofs die unübersehbare Menge der Erschienenen kaum fassen konnte. Neben der trauernden Familie, der sich das allgemeine Beileid, zuwendet, waren zahlreiche Vertreter all jener Vereine und Organisationen erschienen, in denen Isak M, ü 11 e r in hingebungsvoller Weise mitgearbeitet hat. Insbesondere sah man eine überaus stattliche Abordnung des Vereines „Wohlfahrt", der durch das Hinscheiden seines eifrigen Vorstandsmitgliedes einen sehr schweren Verlust erlitten hat. Rabbiner Prof. Dr. J. M. Bach gedachte in seiner innigen Trauerrede der hervorragenden Qualitäten des Dahingeschiedenen, der ein guter Mensch und treuer Familienvater gewesen ist und dessen edelsten Charakterzug seine Liebe für die Mitmenschen, insbesondere für die armen Kinder der Kinderbewahranstalt darstellte. Diese persönlichen Vorzüge haben ihm die Sympathien seiner unzähligen Freunde erworben, die in ihm so wie die von ihm so geliebten Kleinen in der Schiffamtsgasse den „Vater Müller" ehrten und die nun tieiergriiien unter dem Eindrucke der Trauerkunde stehen. Schmerzlich bewegte Worte fand der Präsident des Vereines „Wohlfahrt" Herr Moritz Oesterreicher für die Schilderung des großen Verlustes, den die Kinderbewahranstalt durch das Hinscheiden I. Müllers erlitten hat, denn was dieser der Anstalt, der er so pflichteifrig anhing, gewesen ist, das wird in den Annalen des Institutes ruhmreich iortleben. Auch die Direktorin der Anstalt Frau Fischer nahm tränengerührt im Namen des Personals und der Zöglinge herzlichen Abschied. Schließlich sprach noch Kultusvorsteher Dr. E. Feldsberg für die Chewra Kadischa und die „Union", welche beide Organisationen dem ihnen treu ergebenen Mitarbeiter I. Müller ein ehrendes Andenken bewahren werden. Unter den Trauergesängen des Herrn Oberkantors S. Postolow, dessen kantorale Funktion von oesonderer Innigkeit war. trugen Freunde und Verehrer den Dahingeschiedenen zur letzten Ruhestätte, die all die vielen Teilnehmer des Leichenbegängnisses mit dem Bewußtsein verließen, daß hier ein braver Mensch und guter Jude den ewigen Schlaf schläft. h. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten Jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 Tel. A4S-S-37 Es gibt im jüdischen Wien derzeit zwei Organisationen ehemaliger jüdischer Frontkämpfer, den „Bund jüdischer Frontsoldaten" und den vor einiger Zeit gegründeten „Legiti mis tischen jüdischen Frontkämpferbund". Wir haben schon anläßlich der Gründung der letztgenannten Organisation hervorgehoben, daß wir dieses Nebeneinander von zwei im Prinzipe gileichen Bewegungen nicht für vorteilhaft halten, und an dieser unserer Ansicht ändert auch nichts die anerkennenswerte Rührigkeit, die beide Vereinigungen entfalten. Noch in guter Erinnerung ist der Generalappell, den der „Bund jüdischer Frontsold at e n" vor einiger Zeit im bis hoch hinauf gesteckt vollen Zirkus Renz veranstaltet hat. und dem hervorragende militärische Vertreter des Landesverteidigungs- Ministeriums unter Führung des Generalmajors Viktorin beiwohnten. Der Generalappell, den Bundesführerstellvertreter S t i a ß n y und der Stabschef des Bundes Hauptmann a. D. Edler von Friedmann vornahmen, war mit einer Weihe der neuen Fahne des Bundes verbunden, die von Frau Erna Schwarz-Hiller als Angebinde der Frauengruppe desselben überreicht v/urde. Besonderen Eindruck machte nach den Reden der Herren Kultuspräsident Dr. D. Fried mann und des Rates der Stadt Wien Dr. J. Ehrlich die Ansprach© des Herrn Generalmajor Jaschke, der daran erinnerte, daß im Felde aille ohne Unterschied Schulter an Schulter gekämpft haben. Die Feier galt auch der nggicnisdics GROSSFLEISCHHAUEREr »EGM. KORNMEH1 «■■■■■■■■■■■■■■■■■■MMBHi wm ix* siMOAsn nr. i» HUALBi XVIII., WAHRINOUSTMUn 9T Telephon Nf. A 17*99 und A 18-3-34 Ltetofwt fflr Hallanstaltaa AbteilungentorKoscherfleisch unter AafoteM 4«s ihn. Rabbhmte» tar* KaltM||«m«iiMf« Mm. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prbna-Qualität zu den billigsten Marktpreis«!» neuen Aktton des Bundes, die noch ohne Schmuck und ohne Stein dastehenden 228 Heldengräber auf dem jüdischen Heldenfriedhof mit Gedenksteinen zu versehen, über welche Aktion das Mitglied der Bundesleitung Dr. Lamberg in gehaltvollen Worten sprach. Die machtvolle, vom Geiste bester Kameradschaft und tiefer Verbundenheit mit dem Vaterlande und Judentume erfüllte Kundgebung hat allgemeines Interesse gefunden, das auch aus den ausführlichen Besprechungen in der Tagespresse zu ersehen war. Unter der Devise „Haus Oesterreich und w i r" veranstalteten nun die „L e g i t i m i s t i s c h e n jüdischen Frontkämpfer" am 14. d. M. im Mittleren Konzerthaussaale eine recht gut besuchte Kundgebung, der auch eine große Anzahl führender Persönlichkeiten der legitfmistischen Bewegung Oesterreichs unter Führung des Ringführers des „Eisernen Ringes" Oberst Wilhelm Freiherr von Reichlin-Meldegg beiwohnten. Generalmajor Emil Sommer leitete die Kundgebung mit einer Ansprache ein. in der er die österreichischen Juden aufforderte, sich offen zur österreichischen Tradition zu bekennen. Chefredakteur Hans K a n d 1 war der Hauptredner des Abends, an dem u. a. auch Oberst Freiherr von Reichlin-Meldegg sprach und der Ansicht Ausdruck gab. daß im Rahmen der legitimilstischen Bewegung die einträchtige Zusammenarbeit mit der christlichen Bevölkerung herbeigeführt werden könne. Das Arrangement wurde in gelungener Weise von Stabschef Majcr Franz Reicher durchgeführt. Trauung. Sonntag, den 24. d. M., 'A3 Uhr nachmittags, findet im Tempel XIII., Fitelbergergasse 23 die Trauung des Fräuleins Sulamith Lewin, Tochter des Herrn Rabbiners Prof. Dr. M. Lew in und Frau, mit Herrn Dr. Robert Me liier, Sohn der Frau Rosa Mehl er, statt. Direktor Jakob Turnauer, der Direktor des Wiener Bankvereins, wird, wie wir erfahren, zum finanziellen Direktor der Semperit A. G. bestellt werden. Gleichzeitig ist ihm bei diesem Unternehmen ein bedeutender Wirkungskreis gesichert. Direktor Jakob Turnauer, der ein ausgezeichneter Bankwie Industriefachmann ist, zieht in die Semperit A. G. als Vertrauensmann der Credit-Anstalt ein. Klosterneuburg. Am 17. d. M. feierte die Chewra- Kadischa ihren eigenen 60jährigen Bestand und den des jüdischen Friedhofes in Klosterneuburg. Aus diesem Anlasse fand am Vormittag eine Festsitzung statt, bei der der Präses des Vereines. Herr Rudolf Grünwald, Worte des Gedenkens für die Gründer der Chewra-Kadischa in Klosterneuburg sprach und die Bedeutung der Feier in einer würdigen Ansprache hervorhob. Hierauf hielt der Primarius des allgemeinen Krankenhauses in Klosterneuburg, Obermedizinalrat Direktor Dr. Arthur Weiß einen historischen Rückblick über das Werden und die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Klosterneuburg, wobei er die Männer, die den Grundstock zur Gemeinde gelegt haben und die er persönlich fast alle kannte, ihre Liebe und Hingabe für das Judentum in sehr interessanten Ausführungen schilderte. Bei dem am Nachmittag stattgefundeneu Festgottesdienste hielt Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter eine ergreitende Festpredigt, die bei den zahlreich erschienenen Tempelbesuchern, unter denen man auch mehrere Gäste aus Wien bemerkte, eine nachhaltige Wirkung hervorrief. Den Gottesdienst leitete in hervorragender Weise Herr Kantor Wilhelm Steiner, ein Wiener Tempelchor, der bei der Feier mitwirkte, hat zur Hebung der weihevollen Stimmung viel beigetragen. Gratulationen langten beim Vorstand der Chewra-Kadischa vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, vom Oberrabbiner Professor Dr. Adolf Schächter in St. Pölten, von der Chewra- Kadischa in Floridsdorf ir. a. m. ein. Goldene Hochzeit. Der Josefstädter Tempel war Samstag, den 9. d. M. der Schauplatz einer erhebenden Feier. Das im Bezirke seit Jahrzehnten bekannte und allverehrte Ehepaar Herr Max und Frau Johanna Taubner beging das Fest der goldenen Hochzeit in seltener Frische und Rüstigkeit im Kreise der Kinder Herrn Bernhard und Ruth T a u b n e r. der Nichte Frau Jutiska Stengel usw. nebst zahlreicher Freunde und Bekannten. Unter Absingen eines Festchorales wurde das Jubelpaar von den nächsten Angehörigen zur Estrade geleitet, wo nach einem vom Herrn Oberkantor Armin Braun stimmungsvoll vorgetragenen Mischebarach Herr Rabbiner Studienrat Dr. Moriz Bauer in schwungvollen Worten die Bedeutung des Festtages schilderte. Herr Rabbiner Dr. Bauer, der das stüe, aber überaus segensreiche Wirken des Jubelpaares seit mehr als drei Jahrzehnten zu beobachten Gelegenheit hatte.