Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1934-06-15 · Heft 25 (15.6.1934) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 25 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064504-3064528--19801-3084977
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

«aHÄMtaa» Mitteilungen der „UNION OESTERREICHISCHER JUDEN", Wien IX« Berggasse 4. Telephon A 19-2-77. Jüdische Mitbürger! Trotz der bereits vorgeschrittenen Jahreszeit sieht sich die „Union österreichischer Juden" veranlaßt, ihre Versammlungstätigkeit fortzusetzen. Die Vorgänge in- und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft legen ihr diese Verpflichtung auf. Die Niederlegung der Mandate in das Vertreter- Kollegium und in die Kommissionen der Kultusgemeinde seitens der unionistischen Kultusvorsteher ist nur ein Symptom der durch die hemmungslose Haltung der Nationaljuden entstandenen Spannung im jüdischen Lager. Wir laden hiermit zu den am Dienstag, den 19. d. M., 8 Uhr abends, im Souterrainlokal des C af6 Excelsior, L, Rotenturmstraße24, und Donnerstag, den 21. d. M., 8 Uhr abends, im Souterrainlokal des Cafe Kandlhof, VII., Kaiserstraße 61, stattfindenden VERSAMMLUNGEN ein, in denen Vizepräsident Dr. Josef Tic ho, Kultusvorsteher Dr. Ernst Feldsberg und Reg.- Rat Dr. Max Lenk Referate erstatten werden. Da die Teilnahme an diesen Versammlungen auch Nichtmitgliedern der „Union" zugänglich ist, bitten wir unsere Mitglieder, Gäste aus ihrem Bekanntenkreise bei uns einzuführen. Der Zentralvorstand der Union österreichischer Juden. Bombenexplosion im Neudegger- Tempel. In der Nacht von Samstag auf Sonntag explodierte im Neudegger-Tempel ein offenbar von Nationalsozialisten gelegter Sprengkörper. Der Luftdruck war so stark, daß sämtliche Fensterscheiben der Außenseite des Tempels sowie das Haustor zertcüimmert und auch mehrere Häuser der Umgebung erheblich beschädigt wurden. Das Attentat ist nach Aussage des Portiers, der durch die Detonation vom Schlafe aufgeschreckt wurde, etwas vor 1 Uhr nachts erfolgt. Eine gegenüber dem Tempel wohnende Frau, die um diese Zeit aus dem Fenster geschaut hatte, will einen Radfahrer gesehen haben, der im Vorbeifahren ein Paket gegen ein Fenster oder die Türe des Tempels geworfen habe. Die Explosion scheint schon im Wurf erfolgt zu sein, und diesem Umstände ist es wohl zu verdanken, daß nur die Außenseite beschädigt und daß an der Inneneinrichtung, der Heiligen Lade usw., kein Schaden angerichtet wurde. Der Sachschaden beträgt mehrere tausend Schilling. Die Palästina-Einwanderung bleibt beschränkt Der Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur erfährt, daß im Verlauf der Palästina-Aussprache in der Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes die Frage der einschränkenden Politik der Mandatarmacht gegenüber der jüdischen Arbeiter-Einwanderung ziemlich ausführlich behandelt wurde. Ein Mitglied der Kommission hat den Vertreter der Mandatarmacht gefragt, warum zwischen den Zertifikat-Anforderungen der Jewish Agency und der von der Regierung bewilligten Zahl der Zertifikate für Arbeiter-Einwanderer ein so groBer Abstand zu verzeichnen ist. Wenn z. B. die Exekutive der Jewish Agency für das Halbjahr April-September 1934 eine Anforderung von 20.100 Zertifikaten gestellt und von der Regierung nur 5600 Zertifikate zugebilligt bekommen hat, so wäre es interessant zu wissen, aus welchen Gründen die Palästina-Regierung eine so drastische Behandlung der Anforderung der Jewish Agency für notwendig gehalten hat; ob sie glaubt, daß die Schätzungen des Arbeiterbedarfes seitens der Jewish Agency nicht ernst genug durchgeführt worden sind. Der Vertreter der Mandatarmacht erwiderte zunächst, daß in der Regel die der Regierung von der Exekutive der Jewish Agency for Palestine unterbreiteten Zertifikat-Anforderungen durchaus gewissenhaft ausgearbeitet seien und von der.Regierung auch sehr gewissenhaft HW SEE FELD (TIROL) 1200 Meter Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wintersport, Pension GeschwisterScheer, im Hotel Hochalm, bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung. —| ■ i geprüft werden. Die Regierung müsse jedoch bei Bemessung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes vorsichtig zu Werke gehen und insbesondere darüber wachen, daß die Arbeiter-Einwanderer eine ständige und nicht nur zeitweilige Beschäftigung finden. Ein Großteü der von der Jewish Agency geforderten Zertifikate bezöge sich jedoch auf zeitlich beschränkte Arbeitsmöglichkeiten. Andererseits müsse auch dem Umstände Rechnung getragen werden, daß alljährlich eine immer größere Anzahl von jungen Palästinensern ins Berufsalter tritt und Arbeitsplätze besetzt. * Im englischen Unterhaus richtete der Abgeordnete D. G. Somerville an den Minister für die Kolonien die Frage, ob er im Hinblick auf die Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung Palästinas wegen der Einschränkung der jüdischen Einwanderung in dieses Mandatsgebiet bereit sei, eine unparteiische Unter suchung darüber zu veranlassen, ob die Zahl der letztbewilligten Einwanderungs-Zertifikate dem vollen Ausmaß der Aufnahmefähigkeit des Landes entspricht. Kolonienminister Sir Philip C u n 1 i f f e - Lister erwiderte, die Aufnahmefähigkeit Palästinas könne am besten von Zeit zu Zeit durch den High Commissioner, der die dauernde Verantwortung für die Verwaltung des Gebietes trägt, beurteilt werden. Nach der Ansicht des High Commissioner seien genügend Einwanderungs-Zertifikate bewil- ■w Cafe Pension Eckstein Semmerinff ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■i ligt worden; er, der Kolonienminister, sehe keinen Grund für die vorgeschlagene E i nsetzung einer unparteiischen Kommission. * Das Gericht in Tel-Aviv verkündete am S. Juni das Urteil gegen fünf jüdische Jugendliche und einen 14jährigen Schulknaben, die wegen Teilnahme an den Unruhen in Tel- Aviv am 23. Mai angeklagt waren. Die Unruhen fanden bekanntlich im Zusammenhang mit dem von der Führung des jüdischen Jischuw proklamierten jüdischen Generalstreik als Protest gegen die Einschränkung jüdischer Einwanderung seitens der Regierung statt. Vier der Jugendlichen wurden zu je drei Monaten, der fünfte zu einem Monat Gefängnis und der Schuljunge zu zwölf Peitschenhieben verurteilt. Der Knabe schluchzte bei Verkündung des Urteils. Der Polizeirichter sagte ihm, die Strafe sei wohl eine strenge, er mußte sie aber aussprechen, weil eine leichte Strafe ohne Wirkung sein würde. Ein Kaufmannstag ist, so sollte man meinen, eine rein wirtschaftliche Angelegenheit. Bei einer solchen Tagung treffen sich die Vertreter des Kaufmannsstandes, um Vorträge zu hören, einander kennen zu lernen und sich über Standesfragen auszusprechen. Dies war auch der eigentliche Zweck des kürzlich in Villach stattgehabten Kaufmannstages, der vom Hauptverband der Kaufmannschaft einberufen wurde. Die Leitung dieses Hauptverbandes liegt in den Händen des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, in welcher von hervorragenden Männern der Wirtschaft geleiteten Organisation bekanntlich seit einiger Zeit interne Differenzen vorgekommen sind. Es liegt uns vollkommen ferne, uns in diese Differenzen irgendwie einzumengen. Der Kampf, der da geführt wird, tobt sehr heftig und es ist gewiß im Interesse des Gremiums gelegen, ihn irgendwie auszutragen. Allein diese Austragung darf nicht auf fremde Gebiete verschoben werden. Teile der gegen die Leitung des Gremiums gerichteten Opposition tun dies jedoch und glauben nach bewährtem Muster, ihren unsachlichen Interessen am besten dadurch zu dienen, wenn wieder einmal der Jude als Prügel- ■ isr. KaJlBSäemetflde Noit S«d. j KONKURS. ■ In der Novisader Isr. Kultusgemeinde ■ gelangt die Stelle eines BClUPOOS-, resp. He- ■ DTOlSdllelirerS zur Besetzung. ■ Von den Bewerbern wird gefordert: 2 möglichst die jugoslawische Staatsbürgerschaft. ■ vollständige Beherrschung der Landessprache, wie ■ auch Qualifikation zur Unterrichtertoilung an den 2 Mittelschulen. C ■ Absolventen eines Oberseminars werden 5 ■ bevorzugt. ■ 5 Bewerber wollen ihre Gesuche, nebst S ■ Nachweis der vorbezeichneten Erfordernisse, fer- ■ ■ ner ihres Alters, Familienstandes und bisherigen B a Wirkens an gefertigten Vorstand bis Ende Juni S ■ d. J. einsenden. S 5 Novi Sad (Jugoslawien), am 4. Juni 1934. J JJ Der Vorstand der Isr. Kultusgemeinde in Novi Sad. 9 ■ L. Mandel Julius Frank S £ Notär-Stv. Präsident ■ ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■5 knabe herhält. In der Leitung des Gremiums sitzen neben sehr vielen Nichtjuden auch prominente Juden, die teilweise Mitglieder von B. B.-Logen sind. Man sollte glauben, daß kein vernünftiger Mensch hier Zusammenhänge wird herstellen können. Aber bei unseren Antisemiten ist eben alles möglich und so lesen wir in den Ktagenfurter „Freien Stimmen" einen geharnischten Artikel, dessen Tenor darin besteht, den gruselnden Lesern die „K a m a r i 11 a" aufzuzeigen, die innerhalb der Leitung des Gremiums von Mitgliedern der B. B.-Logen gebildet wird. Der wahre Zweck dieser bekanntlich ausgesprochen humanitären Vereinigungen wird natürlich den Lesern nicht mitgeteilt, Andeutungen über die in diesen Vereinigungen bestehende Schweigepflicht sollen vielmehr den Anschein erwecken, als ob es sich hier um eine ganz infame Gesellschaft handelt, die nur darauf ausgeht „ihren Mitgliedern Vorteile zu verschaffen, was größtenteils auf Kosten aller anderen geschieht". Kenner der Verhältnisse werden über diesen blühenden Unsinn mitleidig lächeln, aber es ist keine antisemitische Bosheit zu dumm, um nicht geglaubt zu werden. Weil das unseren Antisemiten genau bekannt ist, deshalb sudeln sie eben all ihr verlogenes Zeug zusammen und säen Unfrieden auch in Organisationen, die berufen sind, nur der notleidenden Wirtschaft zu helfen. Aus der braunen Hölle. Die Tageszeitung der „Deutschen Arbeitsfront" und Organ des Reichsarbeitsminister Dr. Ley „Der Deutsche" hatte vor einiger Zeit unter der Ueberschrift „Ritualmord?" aus Regensburg gemeldet, daß der Sohn eines Straßenwärters in einem Kleeacker sterbend aufgefunden wurde. Bald darauf hat es sich herausgesellt, daß die beiden älteren Brüder des Knaben diesen im Spiel so unglücklich an der Kehle faßten, daß er infolge der Aufregung und des Würgens starb. Der unter dem Verdacht des Mordes verhaftete jüdische Hausierer J. Zache aus Tiefendobel wurde daher freigelassen. * In Hamburg, Gröbzig und in anderen deutschen Städten sind in letzter Zeit — angeblich im Einverständnis mit den jüdischen Gemeinden — Synagogen in Heimatmuseen umgewandelt worden. Eine Vorstellung, wie es in Wahrheit dabei zugeht, gewinnt man, wenn man einen Artikel des Nürnberger „8 Uhr-Blatt" liest, in dem darauf hingewiesen wird, daß in Sulzbach-Rosenberg die Synagoge leer steht, weil in der Stadt nur eine einzige jüdische Familie wohnt (sicherlich ist die jüdische Einwohnerschaft, wie dies auch in anderen fränkischen Orten der Fall war, dem Streicher-Terror gewichen). Der Artikel endet: „Wir meinen, daß sich die Synagoge — nach geziemender Ausräucherung und Reinigung — als Heimatmuseum recht gut eignen würde. Also nicht so zaghaft, ihr Sulzbach-Rosenberger, euer Heimatmuseum ist wichtiger als eine leerstehende Syna g o g e." Von der hessischen Kultusverwaltung wurde verfügt, daß der Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht an höheren Schulen im Einverständnis mit den kirchlichen Behörden in der Weise geändert wird, daß anstatt der biblischen Geschichte des Alten Testaments die des neuen Testaments in der Sexta und Quinta zu behandeln ist Anderseits hat Bischof Dr. S p r o 11 von Rottenburg anläßlich der Bischofskonferenz in Fulda vor 20.000 Katholiken erklärt: „Wir wollen das Wort Gottes verkünden, das Alte und das Neue Testament, ohne Abstriche, ohne Kompromisse." BiziKkMntbnittDhmrinitt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.