Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 25 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT i -» .3 41 s| » 11;,' lf M i * I % v ■f- V1 ftie1 $ «s 1 *H n i fj Deno. rraHenheinailj falimannsdorii fSDruenlandl \ Mineral-, Moorand natürliche Kohlen-• säuresprodelbäder. Billiger Pensionspreis: inklusive Heilbäder. — Auskünfte und Prospekte: Knr-s Direktion oder Kurkommission, Bad Tatzmanns-j dorf, Burgenland, and in allen Fremdenverkehrsbüros. 8 Zwei rituelle Restaurants. : ■■■■■■■■■■■■■■■S iMIHUHUU!■«■■■■■■■■■*•■«■■■■ Frauen ihre Glaubensstärke mit dem Tode gebüßt; und doch: oft hat die Gemeinde ehrenvolle Rechte erhalten üpd bei mancher Belagerung haben die Wormser Juden mit ihren christlichen Mitbürgern Waffendienst getan; iipmerkenswerterweise wurde von ihren Rabbinern dieser sogar für die Sabbate gestattet. Wer heute in den fesselnden Aufzeichnungen des uralten Wormser Minhag-Buches blättert, wer die Sammlungen des „Jüdischen Museums" in einem Nebengebäude der Synagoge, eine reiche Anzahl kostbarer Kültgegenstände und Urkunden durchstreift, erkennt die hohe Bedeutung dieser Gemeinde, sieht, wie reich und intensiv das jüdische Leben in Worms gewesen ist Für Jahrhunderte war Worms die volkreichste Judenstadt in Deutschland; ihre geistige Bedeutung hat das gesamte abendländische Judentum klar erkennen dürfen. Mannigfach hat diese Führerstellung Ausdruck gefunden: Als beispielsweise im 19. Jahrhundert ein Maler die Synagoge zu Mohilew am fernen Dnjepr auszuschmücken hatte, gab er zwei phantastische Städte wieder, die eine sollte Jerusalem und die andere, mit dem uralt-sagenhaften Wappentier der Stadt, dem Lindwurm gekennzeichnet, Worms, die alte Kehilla am Rhein, verkörpern.- Jerusalem und Worms waren dem Künstler symbolisch für die Ehre und Größe des Judentums und seiner Gemeinden im Lande und 4m Exil. Wenn heute Worms auf die vielfältigen, an Freud und Leid reichen stolzen Geschicke seines altersgrauen, ehrwürdigen Gotteshauses zurückblickt und jetzt eben dieses Gotteshaus — schlicht und fest gebaut — ins zehnte Jahrhundert seines Bestehens tritt, dann soll das deutsche Judentum iu all seinen Gruppen aus dieser Geschichte des Gottvertrauens und Lebenswillens die Kraft und Erhebung schöpfen, die es in diesen schweren Stunden braucht, um weiter (in Ehren bestehen und schaffen zu können. Hans Lamm. * Die von der Israelitischen Religionsgemeinde Worms anläßlich des 900jährigen Bestehens ihrer Synagoge am 3. Juni im Kreise, ihrer Gemeindemitglieder abgehaltene Weihestunde nahm unter Teilnahme des Vorsitzenden der Reichsvertretung der deutschen Juden Rabbiner Dr. Leo Baeck sowie zahlreicher Vertreter jüdischer Gemeindeverbände und Gemeinden einen erhebenden Verlauf. Vorstand und Rabbinat der Gemeinde hatten sich im vollen Bewußtsein dessen, daß der Ernst der Zeit im allgemeinen, nicht dazu angetan ist, Feste zu veranstalten, dennoch zur Abhaltung dieser Feier entschlossen, in der Erkenntnis, daß nicht nur die Gemeinde Worms, sondern das gesamte deutsche Judentum in diesen Tagen mehr denn je das Bedürfnis empfindet, in ehrfürchtigem Rückblick auf die jahrhundertelange jüdische Geschichte in Deutschland der vergangenen Geschlechter würdig zu gedenken. Rabbiner Dr. Leo Baeck führte in seiner Ansprache u. a. aus: Wenn eine Stätte, die neun Jahrhunderte besteht, zu uns spricht, dann hört diese Stätte auf, ein bloßer Anblick zu sein, dann wird diese Stätte ein Sinnbild. Neun Jahrhunderte, das bedeutet Adel. Adel ist kein Aeußerliches, Adel ist immer ein Geistiges. Wir deutschen Juden, wir sollten es auch uns in diesen Tagen so gesagt sein lassen. Bleiben wir Adlige, bleiben wir voller Noblesse, vergessen wir nicht, was das bedeutet, daß Generationsreihen eines Adels, der verpflichtet, eines Adels aus neun Jahrhunderten und vielleicht von den Fundamenten her von längerer Dauer der Tage zu uns sprechen! Adel der deutschen Juden, das ist das Symbol, das in dieser Stunde sich an unser Denken wendet Und neun Jahrhunderte des Gotteshauses, sie bedeuten Heimat. Das ist es, was auch uns deutschen Juden als Eigenes gegeben ist und uns bleiben wird, wohin immer ein Schicksalsweg uns führen möge: diese Verbindung von deutschem Boden und jüdischem Geist; was bleiben wird, so Gott es fügt, zum Segen des deutschen Landes, uns bleiben "wird, wohin immer Gott uns schickt, als Erbe, Adelserbe deutschen Bodens. Ein weiteres noch, fuhr Dr. Baeck fort, ist das Sinnbildhafte aus dieser Stunde. Worms, jüdisches Worms, das hat die Bedeutung erlangt: Sinn für die Gemeinschaft, Sinn für Einordnung und Unterordnung. Ein deutscher Jude, dem eine Partei, eine Genossenschaft mehr gilt als das große Ganze, als dieses Gemeinsame, das die Zeit der Not doppelt und dreifach fordert, das ist kein deutscher Jude, der ist dem Geist von Worms untreu geworden. Denn das soll und will ja die Reichsvertretung der deutcshen Juden sein: Verwirklichung des Geistes des jüdischen Worms, des Geistes von Worms und Mainz und Speyer, dieses Adelsstolzes der deutschen Juden. Ein Geschlecht geht und ein Geschlecht kommt, aber das Volk, das auf dem Boden der Ewigkeit steht, Israel, wird immer bleiben. Das ist das Wort aus den neun Jahrhunderten, die aus dieser Stunde zu uns sprechen. Das amtliche tschechoslowakische Pressebüro teilt aus Berlin mit: Die nationalsozialistische Zeitschrift „Der Stürmer", die vom Gauleiter von Franken Julius Streicher herausgegeben wird und in Deutschland sehr verbreitet ist, veröffentlicht einen Vorschlag zur Lösung der Judenf rage im Rahmen eines arischen Weltprogramms. Danach müßte man folgende Maßnahmen treffen: Konfiskation der Judenvermögen, rücksichtsloser wirtschaftlicher Boykott der Juden, planmäßige Entrechtung der Juden als Fremdvolk in der Gesetzgebung aller arischen Länder, Anlegung von JudenkarteUen in allen Ländern, Städten und Gemeinden, Einschränkung der Bürgerrechte aller Judenmiscblinge, Schaffung eines Judenstaates durch Zuweisung und Zwangsbesiedlung eines genügend großen Territoriums unter arischer Kontrolle, wozu — da Palästina zu klein ist — Madagaskar am besten geeignet sei. Als Begründung dieses Vorschlages kann man einem anderen Artikel des „Stürmer" folgendes entnehmen: „Der Jude ist der geborene Verbrecher. Als solcher haßt er zwangsläufig jede göttliche und menschliche Ordnung. Erbmäßig veranlagte Verbrecher aber sondert man von der menschlichen Gesellschaft ab. Man setzt sie in Zuchthäuser, köpft sie oder setzt sie auf den elektrischen Stuhl. Es zieht der Tag herauf, an dem die Völker der Erde Gericht halten werden über den Weltgangster „A11 - Juda". Es handelt sich bei dieser blutrünstigen Hetze nicht etwa um Aeußerungen einer isolierten Person, sondern um die eines der höchsten Parteiführer und eines intimen Freundes des Reichskanzlers Hitler. Kenner der Verhältnisse wissen, daß Julius Streicher, der auf keine erklecklichen Verdienste um die Partei hinweisen kann und innerhalb der NSDAP auf scharfe Gegnerschaft stößt, gerade durch seine blutdürstige Judenhetze sich beim Reichskanzler Liebkind machen will. Für die Resultate, die sich aus einer solchen wilden Hetze ergeben können, trägt die oberste Leitung des deutschen Reiches die Verantwortung. Streicher hetzt weiter. Wie „Die Währh6it^refti;m1tgeteilt hat, berief Julius Streicher, als Gauleiter von Frauken Mitglied der bayerischen Regierung, einen Kongreß der völkischen Gruppen Europas nach Nürnberg ein. Auf dem Kongreß, der Mitte September zusammentreten soll, soll die Gründung einer antisemitischen Internationale erfolgen. Wie nun aus Nürnberg gemeldet wird, stoßen die Vorbereitungen zum Kongreß auf Schwierigkeiten, da die großen faschistischen Organisationen des Auslandes ihre Beteiligung ablehnen. Italien wird auf dem Streicher-Kongreß nicht vertreten sein. Desgleichen sind von den englischenFas c h i s t e n Oswald M o s 1 e y s und von den unter Führung von Mussert stehenden holländischen Nationalsozialisten Absagen in Nürnberg eingelangt. Aus England werden nur Delegierte der zahlenmäßig bedeutungslosen faschistischen Union auf dem Kongreß erscheinen, zu dem auch Vertreter der Clausenschen Gruppe dänischer Nationalsozialisten, der polnischen Gruppe junger Nationaldemokraten und der rumänischen Eisernen Garde erwartet werden. Der Kongreß, dem Streicher persönlich präsidieren wird, soll einheitliche Richtlinien zur Bekämpfung des Judentums in allen Ländern aufstellen. Die R e i c h s r e g i e r u n g ist an der Veranstaltung des Kongresses zwar nicht beteiligt, man nimmt aber an, daß Streicher sich der Z ustimmung der maßgebenden Berliner Kreise zu seinem Unternehmen versichert hat. Kammersänger Friedrich Schonhat sich bereit erklärt, zu Gunsten des Merores-Waisenhauses ein Konzert zu geben. Dasselbe findet unter dem Protektorate von Frau Baronin Ciarisse Rothschild in der Halle des Heimes, XIX., Bauernfeldgasse 40, am Sonntag, den 17. Juni, um 5 Uhr nachmittags, statt. Die Begleitung hat Herr Dr. Kurt PahIen übernommen. Karten unter Telephon B 14-3-86 und A11-9-71. Nazipropaganda in Palästina. In der Sitzung des englischen Unterhauses vom 6. Juni richtete Golonel Josiah Wedgwood an den Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister: die Frage, ob en Berichte über neuere Umtriebe nationalsozialistischer Agitatoren in Palästina habe, namentlich übet Nazipropaganda im Zusammenhang mit der Levante-Messe in Tel-Aviv; ob ihm bekannt sei, daß unter den Arabern Palästinas eine Nazi-Organisation gebildet wurde; ob der Minister, eine Untersuchung anordnen wolle, um zu erkunden, ob arabische Zeitungen in Palästina Geldmittel aus Deutschland erhalten. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Hinsichtlich des ersten Teils der Frage habe ich keine Berichte erhalten; der zweite Teil der Frage ist meines Wissens mit Nein zu beantworten; ich habe keinen Anlaß, die im dritten Teil der Frage vorgeschlagene Untersuchung führen za lassen. ' Wedgwood fragte, ob der Minister in den Zeitungen gelesen habe, daß eine Gruppe Polizisten zur Messe in Tel Aviv mit Hakenkreuzen an ihren Uniformen und Helmen aufmarschierte. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, er habe von einem solchen Gerücht gehört, er würde aber so etwas nicht wiederholen, bevor er sich nicht von dessen Wahrheit überzeugt habe. Wedgwood entgegnete, der Bericht werde in Palästina für wahr gehalten und habe dort viel Aergernis verursacht; der Minister möge eine Prüfung der Angelegenheit anordnen. Der Minister erwiderte, die Verantwortung für das entstandene Aergernis falle auf die, die das Gerücht in Umlauf setzten, die Regierung trägt hier keine Verantwortung. Als Wedgwood dennoch darauf bestand, daß eine Untersuchung in dieser Angelegenheit eingeleitet werde, erwiderte Sir Philip Cunliffe-Lister: Wollte ich jedes in Umlauf gesetzte Gerücht als einen verantwortlichen Bericht behandeln, so müßte ich viel Zeit verlieren. Ich bin überzeugt, daß der High Commissioner — falls das Verhalten der Palästina-Polizei zu irgendwelcher Kritik Anlaß geben sollte — sofort einschreiten und mich unterrichten würde. Im Unterhaus richtete wenige Tage darauf Oberst Wedgwood an den Kolonienminister die Frage, ob der Regierung der Besuch Reichsministers Dr. F r i c k ina vorher angekünwar. Sir Philip Cunliffe-Lister wurde der Regierung bekannt- Herr Frick mit Begleitung im Mittelmeerreise zwei oder drei Tage in Palästina verweilen werde. Auf die. Pfage Wedgwoods, ob der Regierung bekannt sei, daß Frick ein berüchtigter Nazi- Agitator ist, gab der KoIonienmini!ster keine Antwort. : * ^. Die hebräische Presse in Palästina hat in "den letzten Tagen wiederum eindeutig klingende Tatschen mitgeteilt die auf das Bestehen einer systematischen Nazi-Propaganda im Nahen Orient, Palästina inbegriffen, schließen lassen. Die Zeitungen teilten mit, daß die in Palästina bestehende Nazi-Partei, ebenso wie die ägyptische Nazi- Partei, von einer in Kairo bestehenden und von Alfred Heß, dem Bruder des Reichsministers und Stellvertreters Hitlers in der NSDAP Rudolf Heß, geleiteten Zentrale kontrolliert wird. Alfred Heß ist in Kairo anläßlich der Klage des Juden Umberto Jabes gegen die Verbreitung antisemitischer Nazi-Literatur in Aegypten als Wertführer der Kairoer Nationalsozialisten aufgetreten. Als das Kairoer Internationale Gericht die jüdische Klage zurückwies, telegraphierte der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels an Alfred Heß: „Sie haben der deutschen Sache einen großen Dienst erwiesen." Die palästinensische Presse bringt genaue Nachrichten über Instruktionen, die Dr. Goebbels der illegal arbeitenden Palästina-Nazi-Partei, die mehrere hundert, raeist junge Araber zu ihren Mitgliedern zählt, gesandt hat. Auch ist bekannt, daß eine Menge Nazi-Literatur unter den Arabern Palästina zirkuliert Die hebräische Presse fordert eine energische Untersuchung dieser Umtriebe, bis jetzt ist von dergleichen jedoch nichts zu merken. Die Presse berichtet, daß der stellvertretende Polizeiinspektor Stafford, als man bei ihm über das Verhalten einer Gruppe englischer Polizisten, die mit Hakenkreuzen an den Helmen auf der Levante-Messe erschienen, Beschwerde führte, gelacht und nichts veranlaßt hat daß die Hakenkreuze entfernt werden. Die hebräische Presse fordert den Waad Leumi und die Jewish Agency auf, von der Regierung eine Erklärung über dieses Verhalten sihrer Organe zu fordern. des deutschen in P a 1 ä s t d i g t worden erwiderte, es gegeben, daß Verlaufe einer 'f r M i u sr i