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Die Wahrheit · 1934-06-08 · Heft 24 (8.6.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 24 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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umuyi |gCTyre,xW-^l^#»P»t'l'l"fflr^^^^^ « DIE WAHRHEIT Seite5 Streng i^d SEE FELD (TIROL) 1200 Meier Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wintersport, Pension Geschwister Schee f, im Hotel Hocnalm, bekannt erstklassige Verptlegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung- SpexialnaiM für Wolle and Strickgarn« Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TaborstiraAe Nr. 1*7 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 45-8-69_ Wahre Nächstenliebe. InNew York wurde soeben ein Komitee repräsentativer Persönlichkeiten der protestantischen und der katholischen Konfessionen Amerikas gebildet, das sich die Aufbringung von Geldern unter Christen zugunsten der deutschen Flüchtlinge, die hauptsächlich Juden sind, zum Ziele gesetzt hat. Der Vorsitzende dieses Komitees, Rev. Dr. S. Parkes Cadman, führte in einem Schreiben an den Präsidenten des United Jewish Appeal, Felix M. W a r b u r g, aus, das christliche Komitee sei auf Anregung des Hochkommissars des Völkerbundes für Flüchtlingshilfe, James Mac- Donald, gebildet worden, der. w&ederholt auf ^ias Versagen der christlichen Welt bei der Lösung des Problems der deutschen Flüchtlinge hingewiesen hat. Cadman schreibt: „Wir kennen unsere Verantwortung, wir respektieren . den vornehmen Geist unserer jüdischen Freunde, die ihre Hilfe allen Flüchtlingen ohne Unterschied der Rasse oder der Partei zuteil werden lassen. Wir wollen nun der christlichen Bevölkerung Gelegenheit geben, ihr Teil zur Linderung der Not der Opfer Hitlers, ob Christen oder Juden, beizutragen. Wir wollen den Drei-Millionen-Dollar- Drive des United Jewish Appeal nach Kräften unterstützen." Dauei sein, denn ich müßte dann auch wünschen, daß die Not ewig sei. Es gibt jedoch einen Satz der Hfiligen Schrift: „Niehl aufhören wird der Dürftige im Lande." Doch wir haben dafür einen Trost: „Nie versagen wird das gute Herz unserer lieben Wiener Frauen." Möge der von Ihnen, sehr geschätzte Damen, besonnene Bau, solange e* vonnötea ist, Hilfe und Segen bringen, Linderung der Not, Milderung dar Schmerzen. Dazu erflehe ich den Beistand des allgütigen Vaters im Himmel. Herzn. irait^tfini^ Tafimannsdorfi (BwrgenlM'f) Mineral-, Moor- und natürliche Kohlen-! säuresprudelbäder. Billiger Pensionspreis S inklusive Heilbäder. — Auskünfte und Prospekte: Kur-3 direktion oder Karkommission, Bad Tatimanns-i dorf, Burgenland, and in allen Fremdenverkehrsbüros.! Zwei rituelle Restaurants. | ia«aMaMMM««M* & f.. «••IMStHIMtlUIMIMafHUUMI ■««■■•■••■■ „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!" Aus der Rede, die der Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang in der Festversammlung gehalten hat, welche aus Anlaß . der Verteilung der Ehrenzeichen an die verdienstvollen Damen des Fräuerinotdienstes durch die Frau Bundespräsidentin Leopoldine Miklas in der Hofburg stattgefunden hat, veröffentlichen wir die folgenden markanten Stellen. Freude und Ehre ist es mir, in dieser hochansehnlichen Versammlung ein Wort an die geehrten Damen vom Frauennotdienst richten zu dürfen. Nach den schönen, warmen Ansprachen des Herrn Bürgermeisters, Sr. Eminenz des Herrn Kardinals und des Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrates hätte ich wohl nichts Wesentliches zu sagen. Doch ich folge dem Spruch aus dem Buch des Predigers: „Der mehrfach gewundene Faden wird nicht leicht zerrissen." In harmonischer Eintracht haben hilfsbereite Frauen verschiedener Bekenntnisse sich in den Dienst der hervorragend edlen Sache gestellt, zu dem sie unsere ailverehrte Bundespräsidentin aufgerufen hat. Stärker als Glück und Wohlergehen pflegen Not und Armut das Band der Eintracht und Liebe zu schmieden. Das Werk wahrer Menschenliebe findet seinen Lohn in sich. Folgen wir doch alle dem unsterblichen, unübertroffenen, fast unerfüllbaren, uralten Bibelwort aus dem neunzehnten Kapitel des dritten Buches Moses: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich s e 1 b s t," das Abgründe überbrücken könnte und sollte, das wir aber alle nie in seiner ganzen Tiefe erfassen. Der lebhafte Zuruf des Wortes genügt nicht. Es muß dem Worte das W s r k folgen. Wie viele erhabene Worte bleiben unerhört, unbefolgc. Die Lehre meint nie sich selbst, sie meint und verlangt die Tat. Sie, meine geehrten Damen, haben alle persönlich das Wort in Werk gewandelt. Und das verdient Anerkennung und Auszeichnung, auf daß viele in der Welt Ihrem Beispiele foigen, so wie Sie dem Vorbilde der Frau Bundespräsideplin fteudig und willig gefolgt sind, H*e>- in unserem herrlichen Wien, wo so viel Schönheit, Wärme. Würde und Güte und ach,, auch so viel Not und Elend sich finden, haben sie das wundervolle Wort 4es Spruchdichcers Salomo bewahrheitet: „Die Weisheit der Frauen hat ihr Haus gebaut." Dem Rufe der ersten Dame unseres geliebten Vaterlandes sind Sie gefolgt und haben den Bau begonnen. Ich Kann nicht wünschen, er m3gc \on ewiger Juden auf der englischen Ehrenliste. Anläßlich des 69. Geburtstages des Komas Georg von England wurde eine Reihe Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in England geehrt. Die Ehrenliste enthält auch jüdische Namen. Sir Hugo H i r s t, Vorsitzender der Allgemeinen Eiektrtzitäts-Gesellschaft, erhielt die Baronetswürde. Er ist jetzt 71 Jahre alt. seine Familie stammt aus Deutschland, er selbst wurde in München erzogen. Sir Hugo Hirst ist einer der Führer der englischen Industrie und bekleidet leitende Posten in einigen der größten Institutionen der englischen Wirtschaft. Sir Juäian C a h n, der bekannte Finanzmann und Prominenter im Cricket-Sport, erhielt ebentalls die Baronetswürde. Die Ehrenliste enthält auch die Namen einer Reihe palästinensischer Persö.iIichkeMen. Der bekannte Pionier der jüdischen Kolonisation in Palästina Mosche Smilansky, Präsident des Verbandes jüdischer Landwirte Palästinas, erhielt den Ehrentitel M. B. E. Smilansky, Besitzer eines großen Orangenhaines in Rechoboth und Vertreter englisch-jüdischer Cibrus-Konzerne in Palästina, ist ein v/armer Befürworter einer Zusammenarbeit mit den Arabern. Unter seinem arabischen Beinamen „Hawajja Mussa" hat er eine Reihe Schriften m hebräischer Sprache veröffentlicht. Er ist Redakteur des Organs der palästinensischen Landwirte ..Bustenai". Auf der Ehrenffiste figuriert noch eine Reihe arabischer und englischer Beamter in Palätirea, so z. B. der Generalinspektor für Polizei- und Gefängniswesen Roy Godfrey Bullen Spicer, Vizepolizeii.'ispektor Selim II Cafe Pension Eckstein Semmering Effendi Hanna, Einwanderungsinspektor Stanley Prosser, das Mitglied des Obersten Möslemitischen Rates Abdel Rahman Bey El Taji und der Leiter des Regierungshospitals in Jerusalem Dr. Yusuf Hajjar. Ägudas ]isroel und Palästina. Auf der dieser Tage in Warschau stattgehabten Tagung des Zentralrates der Weltorganisation Agudas Jisroel, fand auch eine sehr lebhafte Aussprache zur Frage der Palästina-Arbeit statt, nach der beschlossen wurde, eine vielgliedrige Delegation nach Palästina zur genauen Untersuchung der Lage im Lande zu entsenden. Der Zentralra't nahm eine scharf gefaßte Resolution gegen die die Einwanderung einschränkenden Maßnahmen der Palästinaregierung an. Beschlossen wurde ferner eine zentrale Aguda-Bank in Palästina zu gründen, einen Fonds von einer MiMion Zloty für den Keren Hajischuw zur Ansiedhing orthodoxer Juden in Palästina zu schaffen, sowie in Jerusalem eine Weltexekutive der Agudas Jisroel unter der Leitung von Dr. Isaac Breuer, bisher Frankfurt a. M.. einzurichten. In eine :alllgemein gefaßten Resolution sprach sich der Zentralrat der Weltorganisation Agudas Jisroel gegen die Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses aus und begründete seine negative Stellung zur Kongreßidee damit, daß der Gedanke eines Jüdischen Weltkongresses nur wenig Chancen auf eine erfolgreiche Verwirklichung habe und daß auch gegenüber der Außenwelt ein solches Unternehmen weniger wünschenswert sei als noch etwa vor einem Jahre. Kritik des Zionismus. Man schreibt uns aus Brünn: Unter diesem Titel sprach hier dieser Tage Kurt Blumenfeld, der langjährige Vorsitzende der deutschen zionistischen Organisation, über aktuelle jüdische Fragen. Ein Teil seiner Ausführungen war leider eine arge Entgleisung, die geeignet ist, die Position der Juden in aller Welt nicht nur zu erschweren, sondern einfach zu untergraben. Wenn ein führender Zionist den Juden das Recht abspricht, in der Wirtschaft oder Literatur eines Landes führend zu sein, so nähert er sich damit gewaltig der bestialischen Auffassung des Nazismus. Das Argument, welches Herr Blumenfeld für diese seine These anführt, ist einfach unerhört! Er fragte, ob es den Juden recht wäre, wenn ein Nichtjude in Palästina führend wäre? Da muß man sich an den Kopf greifen, man muß der Vermutung Raum geben, daß die geistige Seuche in Deutschland auch gewisse Teile der Juden selbst ergriffen hat. Denn die Position der Juden in Deutschland mit der eines Nichtjuden in Palästina zu vergleichen und daraus so wichtige, für die Juden existenzgetährdende Schlüsse zu ziehen, ist eine Entgleisung, wie sie in der jetzigen schicksalschweren Zeit wohl nicht ärger sein kann. Die Führerrolle von Juden auf manchen Gebieten der Literatur, Kunst, Wissenschaft und Publizistik in Deutschland und Oesterreich entstand nicht durch Vergewaltigung der Oeffentlichkeit, wie sie jetzt in Deutschland gehandhabt wird, sondern infolge der über den allgemeinen Durchschnitt hinausragenden Fähigkeiten der Juden auf vielen Gebieten des Lebens. Kann man einem Artur Schnitzler vorwerfen, daß er sich in arroganter Weise als führender Literat Oesterreichs aufgedrängt hätte? Oder kann jemand es Max Reinhardt verargen, daß er der führende Theaterregisseur Deutschlands geworden ist? Dasselbe kann man von Prof. Freud, Jacob Wassermann. Albert Einstein, Max Liebermann usw. behaupten. Oder könnte Herr Blumenfeld vielleicht einem Alfred Kerr zumuten, anstatt Kunstkritiker etwa Kantor oder Rabbiner zu werden, bloß deshalb, weil er Jude ist? Zu solchen absurden Schlüssen käme man, wenn man die Ausführungen des Herrn Blumenfeld einigermaßen ernst nehmen wollte. Er berücksichtigt bei seinen Gedankengängen nicht die historische Tatsache, daß die Juden in vielen Orten Deutschlands bereits länger angesiedelt sind als die Deutschen selbst. In Köln z. B. waren schon im 3. Jahrhundert n. Chr. Juden ansässig. Wenn es nichtjüdische Volksteüe geben würde, die in der jüdischen Gemeinschaft seit Generationen so aufgehen wie die Juden in Deutschland, dabei sich seelisch und kulturell zum Judentum bekennen, außerdem sich. noch solche Verdienste um das Judentum erworben hätten wie die Juden um die deutsche Kultur in allen Belangen, so würde kein Jude etwas dagegen haben, wenn solche Nichtjuden kraft ihrer Begabung und ihres Fleißes eine führende Rolle im Judentum einnehmen würden. Behandelt doch die sonst sehr exklusive jüdische Religion alle zum Judentum Uebergetretenen wie ihre eigenen Volksgenossen! Es ist daher sehr zu bedauern, daß ein führender Zionist so wenig Feingefühl und Verständnis für die besonders heikle Lage des Weltjudentums aufbringt und mit Gedanken zu operieren sucht, die zu einer äußerst gefährlichen Parole für antisemitische Faktoren in aller Welt werden können. Weiß denn Herr Blumenfeld nicht, daß Palästina heute nicht und kaum jemals alle Juden der Welt aufnehmen kann? Man darf doch nicht wegen einer kleinen Anzahl Juden, die nach Palästina auswandern, die Lage aller anderen verschlimmern. Würde sich die ungerechte und unmenschliche Richtung von der Sonderung der Menschen nach Rassen durchsetzen, so erleben wir in allen Ländern der Welt dieselbe Katastrophe wie in Deutschland. Es ist kaum anzunehmen, daß Herr Blumenfeld eine solche herbeizuführen beabsichtigt, vielmehr scheint er sich der Tragweite seiner Worte nicht voll bewußt zu sein. Das aber ist eine sehr traurige Tatsache, die nicht scharf genug gerügt werden kann. H. Chorsänger (l. Tenor) mit Arbeitsberechtigung für ei-un Wiener Tempel Pdr SOffOfft gesucht. Ausführliche Offene mit Alttrssngobe unter „Musikalische Kenntnisse" an die Administration dieses Blattes. V

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