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Die Wahrheit · 1934-06-08 · Heft 24 (8.6.1934) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 24 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT PALESTINE&ORIENT LLOYD die WELTORGANISATION äFüR PALÄSTINAREISEN vertretung für 'Österreich: REISEBÜRO cmr DR.J.H.KdRNER WIENJ. KOHLMARKT 8 TELEPHON NR.U-26-4-29 Sachliche Feststellungen der „Union". Die „Stimme", Jüdische Zeitung, das Organ der Allgemeinen Zionisten, herausgegeben vom Zionistischen Landesverband für Oesterreich, veröffentlichte am 1. Juni d. J. unter dem Titel „Geldsammlungen der ,Union* im Auslande" einen "vehementen ehrenrührigen Angriff gegen unsere Vereinigung. Wir überlassen es guten Gewissens der Beurteilung unserer jüdischen Mitbürger, ob ein derartiger Angriff von Juden gegen Juden in der heutigen Zeit — ganz abgesehen davon, ob er begründet ist oder nicht — zur Veröffentlichung gelangen durfte. Da wir den Antisemiten nicht ein ihnen willkommenes Schauspiel bieten wollen, beschränken wir uns — unter Vermeidung aller Angriffe gegen die Gegenseite — auf die Darstellung des Sachverhaltes und auf die knappe Zurückweisung der gegen die Leitung unserer Vereinigung, bzw. einzelne besonders namhaft gemachte Funktionäre derselben erhobenen Angriffe. Unserer Vereinigung, deren Hauptaufgabe die Abwehr des Antisemitismus und der Schutz der Gleichberechtigung der Juden Oesterreichs ist, obliegt jetzt besonders die Erfüllung der ernsten Mission, die sie vor nun 50 Jahren auf sich genommen hat. Sie kann sich auch heute nicht den Bitten von Glaubensgenossen verschließen, die sich an sie um Hilfe wenden. Die ihr von-Mitgliedern und Freunden zur Verfügung gestellten Mittel reichten nicht aus, um diese Aufgaben zu erfüllen. Unsere Vereinigung sah sich deshalb, sollte sie nicht gerade in der ernstesten Zeit versagen, zum ersten Male seit ihrem Bestände veranlaßt, an einen weiteren Kreis im In- und auch im Auslande mit dem Appell heranzutreten, der „Union" die Erfüllung ihrer Aufgaben auch weiterhin in dem notwendigen Ausmaße zu ermöglichen. Die „Union" bestellte zur Durchführung der geplanten Sammelaktion den ihr gut empfohlenen Herrn P. Sie übergab ihm einen Sammelbogen, der einen Aufruf enthält, der ganz klar und unzweideutig die Zwecke der Sammelaktion nennt. Da die Reisen des Herrn P. ins Ausland und der Aufenthalt dortselbst von ihm aus eigenen Mitteln und ohne jeden Anspruch auf Rückersatz zu bestreiten waren und er daher das Risiko allein trug, mußte ihm selbstverständlich eine entsprechende Vergütung eingeräumt werden. Im Zuge seiner Sammelaktion begab sich Herr P. u. a. auch nach England. Als während seines dortigen Aufenthaltes Präsident Dr. Friedmann unserem Präsidenten Dr. Ornstein mitteilte, daß Herr P. bei seinem Schweizer Aufenthalte einen Mißbrauch mit dem Namen Dr. Friedmanns getrieben hätte, ging sofort folgender, vom" 7. Februar datierter, von dem Schriftführer der „Union", Dr. Lenk, konzipierter und vom Präsidenten Dr. Ornstein unterfertigter Brief an Herrn P. nach London ab: Gestern teilte mir Präsident Dr. Friedmann folgendes mit: Er habe vom Schweizerischen Gemeindebund ein Schreiben erhalten, worin er gefragt wird, ob die Behauptung des Herrn P. richtig sei, daß er, Dr. Friedmann, den Aufruf der „Union" wohl gebilligt habe, ihn aber als Präsident der Gemeinde nicht unterschreiben konnte. Sie werden wohl begreifen, daß diese Mitteilung für mich, den Präsidenten der „Union", höchst peinlich war und ich setzte mich mit unserem Dr. Lenk sofort in Verbindung, der mir neuerdings erklärte, daß Sie die nötigen richtigen Informationen von ihm erhalten hätten, daß Sie die Verpflichtung übernommen haben, sich an die Wahrheit zu halten, und daß aus einem vertragswidrigen Verhalten Ihrerseits von uns die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden müssen. Ich müßte in meiner Eigenschaft als Präsident der „Union" die Ableitung dieser Konsequenzen fordern, sobald mir noch ein einziger Fall eines derartigen Verhaltens Ihrerseits zur Kenntnis gelangen würde. Dr. Ornstein. Unter dem gleichen Datum und unter einem ging an Herrn P. ein von Dr. Lenk gezeichneter Brief ab, in dem es zum Schlüsse heißt: Nun" fordere ich Sie neuerdings auf, sich an die Instruktionen zu halten und nicht durch phantastische Erzählungen die „Union" in ein schiefes Licht zu bringen. Ich bringe Ihnen dies deshalb nochmals in Erinnerung, weil, wie Sie aus dem beigeschlossenen Schreiben unseres Präsidenten ersehen, durch unrichtige Mitteilungen uns und Ihnen eine peinliche Situation bereitet wurde. Wenige Tage später sandte Herr Dr. Feldsberg an P. in derselben Angelegenheit ein Schreiben, in dem es u. a. heißt: Es ist ausgeschlossen, daß Sie in der Weise für uns Propaganda machen. Ich bitte Sie daher dringendst bei Ihrer Tätigkeit darauf Rücksicht zu nehmen, daß es uns nicht darum geht, unter allen Umständen Geld zu bekommen, sondern daß es uns vor allem darum geht unseren Namen rein, zu halten. Kurz darauf entschloß sich die „Union", Herrn P. trotz seines Leugnens abzuberufen und ihn zur sofortigen Einstellung seiner Tätigkeit aufzufordern. Am 17. Februar erhielt Herr P. von Dr. Feldsberg in einem Eilbrief die Weisung, nach Wien zurückzukehren. Weder diesem Auftrage noch einer telephonischen Weisung des Herrn Dr. Lenk, unverzüglich London zu verlassen, kam P. nach, wobei er bald die Legitimation dieser beiden Funktionäre, derartige Weisungen zu geben, zu bestreiten versuchte, bald sogar behauptete, diese Weisung wäre von einem der beiden Funktionäre inzwischen telephonisch zurückgezogen worden. Am 3. März ging neuerlich folgendes Telegramm an P.: „Einstellet Tätigkeit, rückkehret sofort Wien! Union österreichischer Juden." Und am Tage darauf schon sandte die „Union" folgendes, vom Schriftführer Dr. Lenk konzipiertes und vom Präsidenten Dr. Ornstein unterfertigtes Schreiben an Herrn P. nach London ab: J.-Nr. 994 Kzpt.: Dr. Lenk 4. März 1934 Ueber meinen. Auftrag telegraphierte Ihnen gestern die „Union", daß das zwischen Ihnen und der „Union" abgeschlossene Vertragsverhältnis gelöst ist und daß Sie demnach jede weitere Aktion einzustellen und nach Wien zurückzukehren haben. Bereits vor einiger Zeit waren Sie beauftragt worden, Ihre Sammeltätigkeit einzustellen. Beide Weisunsen haben denselben Grund, den ich bereits in meinem ersten Schreiben an Sie klargelegt habe. Es ist für die „Union" als angesehenen Verein als Ganzes wie im besonderen für mich als deren Prä- ' sidenten auch nicht eine Stunde erträglich, daß Sie, um in Ihrer Sammeltätigkeit Erfolge zu erzielen, zu u nerhorten Uebertreibungen und Unwahrheiten greifen. Ein hoher Funktionär, der soeben aus Paris, wo er mit Herren aus England zusammenkam, hier eingetroffen ist, berichtet u. a., daß Sie z. B. sich folgende falsche Behauptungen leisten: Die „Union" erhalte das Merores- Waisenhaus; die „Union" speise täglich vierhundert Emigranten und arme Leute aus; die „Union" verbreite verschiedene Flugschriften, wie z. B. die „Gerechtigkeit". Es dürfte Ihnen der Sinn dafür fehlen, daß wir dn der „Union" derartige vielleicht sonst übliche Praktiken nicht mitmachen können und wollen, Sie müssen aber es uns überlassen, was wir mit unserer Vereinsehre für vereinbar lieh haüten oder nicht. In dasmit Ihnen seinerzeit abgeschlossene Abkommen wurde vorsichtshalber deshalb auch ein Passus aufgenommen, der uns jetzt den Rechtstitel dazu bietet, den Vertrau; einseitig! aufzuheben. Um uns, aber auch Ihnen selbst jede weitere Unannehmlichkeit zu ersparen, werden Sie aufgefordert, sich an den Vertrag zu halten und unserer Anordnung gemäß die Aktion einzustellen. Union österreichischer Juden, Dr. Ornstein. Expreß! Aber noch immer reagierte Herr P. nicht, ja, er hatte in seiner Antwort vom 8. März sogar den Mut, die ihm vorgehaltenen unerhörten Uebertreibungen und Unwahrheiten strikte in Abrede zu stellen und zu erklären, daß er auf Grund der ihm durch Dr. Lenk erteilten Informationen zu seinen Mitteilungen berechtigt gewesen sei. Diese Behauptung des Herrn P. ist glatt erfunden. Als Illustrationsfaktum, wie Herr P. kombiniert und sich zu rechtfertigen sucht, diene folgende Stelle aus seinem Schreiben vom 8. März an Präsidenten Dr. Ornstein: ,.....Daß die .Union' das Merores-Waisenhaus erhalte und sie täglich mehrere hundert arme Juden ausspeise, beruht auf einer Aussage des Herrn Dr. Lenk an mich, und zwar: Herr Dr. Lenk teilte mir seinerzeit mit, daß Sie, Herr Doktor (Ornstein), gleichzeitig der Präsident des Merores-Waisenhauses sind, und da ich, wie Sie wissen, in der Vergangenheit auch Naturalien als Spenden für die ,Union' erhalten habe und ich durch Herrn Dr. Lenk diesbezüglich die Aufklärung erhalten' habe, daß diese Naturalien von der ,Union' für Ausspeisezwecke verwendet werden, sind meine Vorträge konklusive" (soll wohl heißen: konkludente. Anmerkung der Redaktion). Nichts charakterisiert besser die Methode des Herrn P.: Weil er erfährt, daß Her* Dr. Ornstein gleichzeitig Präsident der „Union" und des Merores-Waisenhauses ist, wagt er zu behaupten, Doktor Lenk hätte ihn informiert, daß die Spenden auch für das Merores-Waisenhaus bestimmt sind. Und weil ein einziger Sack Bohnen, den Herr P. gespendet erhalten hat, von der „Union" mit Wissen des Herrn P. der Ausspeiseaktion der Kultusgemeinde im Prater zur Verfügung gestellt wurde, schwingt sich dieser Herr zu der Behauptung auf, daß die „Union" täglich vierhundert Emigranten und arme Leute ausspeise und daß er eine solche Information von Dr. Lenk erhalten habe. So sieht der Informator der „Stimme" aus. Nach diesen Beispielen kann man sich vorstellen, wie gut fundiert die Behauptung des Herrn P. ist, er hätte auch die Information erhalten, daß die „Union" die „Gerechtigkeit" finanziell unterstütze usw..... Endlich Mitte März brach Herr P. seine Zelte in London ab, nachdem er in einem Schreiben an uns noch die Sache so dargestellt hatte, als wenn er von sich aus seine Tätigkeit abgebrochen hätte. Dies hinderte ihn aber nicht, kaum nach Wien zurückgekehrt, Entschädigungsansprüche an die „Union" wegen unbegründeter vorzeitiger Abberufung von London geltend zu machen. Damit abgewiesen, trat er mit der „Stimme" in Verbindung. Und diese benützte ihn als Informator für ihre Angriffe gegen die Leitung der „Union", ohne auch nur eine Anfrage bei der „Union" für nötig zu halten. Wir glauben, dieser sachlichen Darlegung der Tatsachen nichts hinzufügen zu müssen. De Valera nicht jüdischer Abstammung. Die irländische Regierung hat bekanntlich den Faschisten das Tragen der blauen Hemden verboten. Im irischen Parlament, wo dies Verbot behandelt wurde, erklärte der Regienungschef de Valera: Wie 1922 wird auch heute eine schmutzige Propaganda gegen mich geführt. Man glaubt micK schwer zu treffen, wenn man behauptet, ich sei jüdischen Abstammung. Mir persönlich ist es gleichgültig, was man über mich sagt, es ist aber Tatsache: in meinen Adern fließt kein Tropfen jüdischen Blutes. Weit entfernt davon, etwas gegen die Juden sagen zu wollen, er. kläre ich, daß ich väterlicherwie mütterlicherseits von Katholiken abstamme. Auch „jüdische Feigheit"? In der Militärkommandantur in Gr od no hat General Litwinowicz in feierlicher Zeremonie dem 80jährigen Juden Ja nkel Bojarski aus Mosti das Verdienstkreuz angeheftet. Der Greis, Pächter der Ueberfahrt über den Njemen, hatte im Juli 1920 mit seinem Sohn unter der Kanonade der sowjetrussischen Artillerie ein von den Bolschewisten verfolgtes polnisches Regiment samt Train mittels zweier Boote über das Wasser gesetzt und es so vor dem Untergang bewahrt. In der Kanzlei des Regiments in Grodno hängt seither Bojarskis lorbeer umkränztes Bild Aegypten tanzt nach deutscher Pfeife. Auf Ersuchen desdeutschenGesandten beschlagnahmte der ägyptische Außenminister die in Alexandrien unter den Auspizien des Oberrabbiners David Prato von Maxim Piha redigierte Zweimonatsschrift „Le Cahier Juif", die ganz der Darstellung des „jüdischen Beitrages -zur deutschen Zivilisation" gewidmet war. Die Maßnahme der ägyptischen Regierung hat in der Oeffentlichkeit viel Aufsehen erregt . »FAMILIEN SCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familientürsorge Wien II., Aspernbrflokennasse 2 Tel. R 43-500 Dtuch Monalsbeiträge von S 1 bis 10 kann nun bei uns sicherstellen: Studienbelträge fflr TSohter und Sühne Ausstattungsbeiträge für Töchter Vorsorge für das Alter und für die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hohe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit. 4. VolleGarantieder Lebensversicherungsgesellschaft .Phönix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Der „FAMILIBNSCHUTZ" wird von der Wiener Kalttuiemalnde befürwortet

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