Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 24 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen Jüdische ni« ttUrUir In Deutschland verboten l Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlidnmgen der „Union österreichisch er Juden'* und den Amtlichen Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 50. Jahrgang Wien, 8. Juni 1934 Nummer 24 Wer kennt sieh da aus? Seit es einen jüdischen Nationalismus gibt, hört man von dessen Propagandisten die These verfechten, daß nur die Assimilation, das „Mirnikri-Judentum", den Antisemitismus fördere, während die Dissimilation, die freiwillige Abkehr der Juden von den kulturellen und politischen Interessen der „Wirtsvölker", deren Mißtrauen und Antipathie gegen ihre jüdischen Mitbürger besiege, ja in Zutrauen und Sympathie verwandle. Diese Auffassung schien zwar der Kritik des gesunden Menschenverstandes nicht recht standhalten zu können; denn im allgemeinen ist es nicht die Pflege, sondern im Gegenteil die Vernachlässigung der Interessengemeinschaft, was die Menschen einander entfremdet. Aber die Jüdischnationalen warteten mit gewichtigen Zeugen für die Richtigkeit ihrer Auffassung auf. Ein österreichischer Verlag brachte bekanntlich eine Broschüre heraus, in der ein christlichsozialer Minister und ein Zionist gemeinsam und auf Grund einheitlicher Argumente „Ordnung" in die Judenfrage zu bringen sich bemüht zeigten. In der letzten Zeit haben wiederholt antisemitische und jüdischnationale Zeitungen einander zitiert und sich gegenseitig die Richtigkeit ihrer Anschauungen in bezug auf das Judenproblem bescheinigt. Kurz: Antisemitismus und Zionismus schienen einander so wunderbar zu ergänzen, daß sogar Hitlers historische Mission von autoritärer zionistischer Seite, nämlich von dem hebräischen Dichter Bialik, dahin gedeutet wurde, „daß Hitler von Gott geschickt wurde, damit er unser krankes Volk heile", während die Wortführer einer jüdisch-christlichen Versöhnungspolitik offenbar als Sendboten des Teufels zu werten sind, die nur Verwirrung in der Welt anzurichten beflissen sind. Di« Verwirrung ist schon da! Italien galt bisher als das Land ohne Antisemitismus. Auch der Faszismus, der in anderen Ländern mit einer mehr oder weniger starken Dosis konfessioneller und rassischen Unduldsamkeit vergiftet erscheint, hatte sich in seiner italienischen Urheimat von diesem Uebel freigehalten. Plötzlich vernimmt man auch im dortigen Blätterwalde verdächtiges Raunen und Töne, die dem jüdischen Ohre aus anderen Ländern her nur zu wohl vertraut sind. Der Patriotismus der italienischen Juden, der bisher über jeden Verdacht erhaben war, wird auf einmal angezweifelt, den Juden werden politische Winke gegeben, um das Aufkommen des Anti- ^mtijmniHi—mwH.................■iiiiiiiiiimimbmhbb—mmbihiib.................in VERWALTUNGEN ^# SÄTZE - HVPÖTHEKEN^gav .ifr KÄUFE - VERKÄUFE^fc» VÄ„. X^m— BEI. «DT. 2EISAL TEL. A 10-5-69 SZILAGYI IX., ROTENLÖWENG. 3 semitismus in Italien zu vermeiden. Welche Tendenz haben nun diese Winke? Zielen sie etwa auf die vielgepriesene „reinliche Scheidung", die Grundlage der Czermak-Karbach- „Ordnung"? Werten sie, wie der „Völkische Beobachter" Hitlers, in der „Dissimilation" die einzige Chance der Judenheit für die Zukunft? Ueberraschenderweise ist das polare Gegenteil eingetreten: Der Zionismus erscheint der italienischen Presse nicht als Ehrenrettung der italienischen Juden, sondern als ein böses Zeichen ihrer patriotischen Unzuverlässigkeit und politischen Doppelzüngigkeit. Die „Regima fascista" erklärt ganz offen: „Wenn ihr, italienische Juden, bei uns nicht den Antisemitismus hervorrufen wollt, sagt euch von eurem Zionismus los . . ." Die faszistische Presse ist einig darin, daß der Zionismus ein anderes Vaterland erstrebe und daher nationaler Verrat sei. Man könne sich nicht für Bürger mit „doppeltem Gesicht" einsetzen. Mussolinis Blatt „Popolo d'Italia" nennt den Zionismus „die richtige Ablehnung jedes Vaterlandes, eine semitische Religion, welche jede Assimilation zum größten nationalen Verrat gegen die Tradition, gegen das jüdische Vaterland stempelt ..." Welches Mißtrauen die zionistische Propaganda in Italien gegen, die Juden hervorgerufen hat, erhellt aus der Meldung, daß bereits ein faszistischer Kommissär mit der Kontrollierung der Juden betraut wurde. Unheimliche Gedankenassoziationen mit den analogen Aufgaben der Vertrauensmänner des weißen Terrors anderer Länder entstehen: Man erinnert sich an die Hejjas und Pronays der erwachenden Magyaren, an den Nürnberger Streicher, den besten Freund Hitlers. Aber gerade dieser Vergleich bannt die Furcht vor einer ähnlichen Entwicklung in Italien. Während die Ritualmordlügen des Streicherschen „Stürmer" den unverhohlenen Zweck verfolgen, künstlich Mißtrauen zwischen den arischen und jüdischen Deutschen zu säen und aufrechtzuerhalten, spricht aus der italienischen Presse die ehrliche und aufrichtige Sehnsucht, die Keime solchen Mißtrauens zu töten. Während im „Angriff" des Herrn Goebbels die Haltung der deutschen Juden — diese mögen tun und lassen, was sie wollen — immer Objekt heftigsten Tadels sein wird, weil dies das traurige Geschäft ist, für das Hitlers Propagandaminister bezahlt wird, haben es die italienischen Juden tatsächlich in der Hand, die Gunst der öffentlichen Meinung in Italien zurückzugewinnen. Sie müssen sich dazu keiner hirnrissigen Verleumdungen erwehren, sondern bloß den Forderungen des gesunden Menschenverstandes Rechnung tragen, keine künstlichen Scheidewände zwischen sich und ihren andersgläubigen Landsleuten zu errichten. Und wenn der „Popolo d'Italia" sich über die eingangs zitierte Auffassung Bialiks, daß Hitler ein Segen für die Juden sef, weidlich lustig macht, ist dieser sachlich wohl fundierte Spott nicht RasiereDimgafundbUII$ Ocsterrelcblscfies QoailtäisTabrtftftt Ueberau erhältlich mit dem Zynismus des Selbstzweck-Antisemitismus zu vergleichen, dem die Verhöhnung des Judentums höchstes Ziel ist, sondern es handelt sich dem Blatte Mussolinis nur darum, an einem besonders krassen Beispiel aufzuzeigen, zu welch grotesken Entartungserscheinungen der jüdische Nationalgedanke führen kann. Die Zionisten sind natürlich über diese Bloßstellung ihrer ideellen und taktischen Methoden wenig entzückt. Die Hefren, die gewohnt sind, sich von den antisemitischen „Horuck-nach-Palästina! "-Schreiern als die einzig braven Juden feiern zu lassen, stehen den italienischen Kritikern ihrer Assimilationsfeindschaft fassungslos gegenüber. Sie verstehen die Welt nicht mehr und da sie dies im Interesse ihres Prestiges als große Staatsmänner nicht offen eingestehen wollen, drehen sie den Spieß um und erklären, daß die italienischen Journalisten die Welt nicht verstehen. In der „Neuen Welt" wird festgestellt, daß sich der Herausgeber des „Popolo d'Italia" im komplizierten jüdischen Problem nicht auskennt, mit den zionistischen Problemen nicht vertraut ist, sonst hätte er sich ganz anders zu den Ausführungen Bialiks stellen müssen. Woraus klar und deutlich hervorgeht, daß nur diejenigen sich in der Judenfrage auskennen, die gleichfalls Hitler als einen Segen für das Judentum empfinden. Wenn Herrn Streicher oder sonst einem Aufwärmer alter Ritualmordlügen und ähnlicher Verleumdungen wieder einmal Ignoranz in jüdischen Dingen vorgeworfen werden wird, wird dieser Vorwurf unter Berufung auf die jüdischen Verherrlicher Hitlers zurückgewiesen werden können . . . StenT" Sdivlbb« Erziehungsanstalt Wien I., Werdertor*. 12. Tel. U 28-1-97 Schuldirektion: Malvine Friedmann TOlktSdlBle für Knaben und Mädchen. 9 Uhr Schulbeginn. Öffentlichkeits-Recht. BaapOMftale mit(nach Wahl) Franz.,Engl.,Latein Torkeretlnnttiiiaue ilr alle HtttelMfeile Hebräische Sprachkurse rorfkMuif karte - BenüMMMMn* Sprachen, Handelst., Kunstgewerbe. Tagesheim Großer Garten Internat. Masik — Sport