Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 23 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064504-3064526--19785-3084959- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Seit« 5 Jüdisches Kinderheim an der Adria, nächst Crlkvenlca. Leitung Fr. B. Oberall, Schuldirektorin. Bes. günstige Bedingungen. Ärztliche Aufsicht. Auskünfte u. Prospekte VIII., Alserstraße 23 A 29-2-87 von 9—12 und 5—7. Aus der braunen Hölle. Reichsjustizkommissar Dr. Frank befaßte sich in einem Vortrag, den er anläßlich der Inaugurierung des von der Akademie für deutsches Recht an der deutschen Hochschule für Politik neu geschaffenen Lehrstuhls über „Erneuerung des deutschen Rechts" hielt, auch mit der Rassegesetzgebung. Er sagte u. a.: „Alle Drohungen des jüdischen Volkes in der Welt gegen unsere Rassegesetzgebung werden nicht hindern, daß wir auch hier voll und ganz den Weg der Entwicklung weiterschreiten werden. Es darf ein Jude an maßgeblicher Stelle des deutschen Rechtslebens künftig nicht mehr wirksam sein." * In einer Massenkundgebung in Harburg-Wilhelmsburg erklärte der Braunschweigische Ministerpräsident Klagges, einem Bericht des Deutschen Nachrichtenbüros zufolge, von den 150prozentigen Nationalsozialisten sei u. .a. behauptet worden, in der Judenfrage hätte die Regierung versagt. Es müsse doch zugegeben werden, daß die Juden aus allen öffentlichen Aemtern entfernt worden seien und daß sie nirgends mehr einen Einfluß hätten. Man könne natürlich das jüdische Volk nicht vollständig ausrotten. Das sei auch gar nicht die Absicht der Nationalsozialisten. * Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, verläßt der berühmte Bariton Alexander K i p n i s freiwillig die Berliner Staatsoper. Die Zeitung weist aus.diesem Anlaß darauf hin, daß im Vorjahr der erste Bassist der Staatsoper, Emanuel List, als Nichtarier ebenfalls freiwillig seine Stellnug aufgegeben hat Kipnis ist amerikanischer Staatsangehöriger und hatte einen langjährigen Vertrag mit der Staatsoper. Nur diesen Umständen ist es zu verdanken, daß er es an der Staatsoper bis jetzt aushalten konnte. Die Aussichten für die Berliner Olympiade werden schlechter und schlechter. Kürzlich hat der Welt verband Makkabi, Gruppe Palästina in Jerusalem erklärt, daß er für den Fall, daß sein Land zur Teilnahme an der Olympiade zugelassen wird, trotzdem an der Berliner Olympiade nicht teilneh.men wird, solange Hitler in Deutschland regiert. Der Verband der Amateur-Sport-Clubs von Palästina in Tel-Aviv gibt davon Kenntnis, daß er sich auf den gleichen Standpunkt stelle. Er weist gleichzeitig darauf hin, daß Oberst Kisch, der sich seit Jahren um die Aufnahme Palästinas in das internationale Olympische Komitee bemüht, niemals eine Teilnahme an der Hitler- Olympiade in Erwägung gezogen hat. Die durch die Berliner zionistische „Jüdische Rundschau" verbreiteten Mitteilungen des Deutschen Makkabikreises, die das behaupteten, waren falsch und irreführend. Sie sind offenbar unter dem Druck des Ministeriums für Propaganda und Volksaufklärung in Berlin entstanden. Damit ist diese merkwürdige Angelegenheit, die „Die Wahrheit" vor einigen Wochen behandelte, beigelegt. Der Plan des Dr. Göbbels, die Sportler Palästinas zur Teilnahme an der Olympiade zu veranlassen, damit sie solcher Art den amerikanischen Sportlern in den Rücken fallen, ist gescheitert. Palästina wird nicht ins Berliner Stadion einziehen. Und die Amerikaner werden wahrscheinlich auch zu Hause bleiben. Zur Zeit sind Bestrebungen im Gang, die Olympiade 1936 nach Barcelona zu verlegen, da kein Land, das auf seine Würde hält, es verantworten wird, wenn seine Sportler aus rassischen Gründen in Berlin mißhandelt werden. Die deutsche Regierung hat es abgelehnt, den höchsten sportlichen Grundsatz, das Fair play, zu gewährleisten. Kein Sportsmann von Rang und Ruf will es darauf ankommen lassen, in Berlin massakriert zu werden, wenn er einen Deutschen schlägt, von der Leichtathletin Martel Jakob, dem Tennismeister Daniel Prenn, dem Box-Doppelmeister Erich S e e 1 i g, der Weltfechtmeisterin Helene Meyer u. v. a., die gezwungen wurden, Deutschland zu verlassen und nicht zur Berliner Olympiade kommen können, gar nicht zu sprechen. Spazialhaua für Wolle and Strlekgaraa Moritz Nagel Wien, Z. Bez., Taborsiraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Eine mysteriöse Affäre. Der Londoner „Sunday Re-ieree" fragt, was es bedeuten solle, daß gemäß Beschluß der British Bridge League dem zum Wiener Internationalen Turnier im Juni zu entsendenden englischen Bridge-Team keine Juden angehören, obwohl das vom Juden Richard Lederer geführte Team hauptsächlich judischer Spieler zweimal hintereinander den Goldpokal, Englands höchste Bridge-Prämie, gewann und fünf von den sechs nach Wien delegierten Spielern beim Wettspiel um den Goldpokal durch Richard Lederers Quartett geschlagen wurden. Der Präsident der British Bridge League M a nning-Forster erklärte der Presse, daß in einem Biief aus Oesterreich empfohlen wurde, mit Rücksicht auf die dort gegenwärtig herrschende anti-jüdische Stimmung jüdische Spieler nicht in das englische Team autzunehmen. Manning-Forster fügte aber hinzu, daß dieser Brief Keinen Einfluß auf die Auswahl der englischen Mannschaft hatte; es sei reiner Zufall, daß das englische Team keine Juden in seiner Mitte hat. Richard Leder er sandte an Manning-Foster ein Schreiben, das u. a. besagt: Die Mitglieder meines Teams — drei Juden und ein Christ — fühlen sich verletzt durch die der Presse gegebene Erklärung, daß das nach Wien delegierte Team nach dem Grundsatz der Qualität gewählt wurde. Ich bestreite dies und fordere das ausgewählte Team zu einem Match heraus, das nach der Rückkehr der Mannschaft aus Wien stattfinden soll. Der Wiener JTA-Vertreter hatte Gelegenheit, mit den maßgebenden Persönlichkeiten der österreichischen Bridge-Liga zu sprechen; er ist von diesen autorisiert worden, auf das bestimmteste die Nachricht zu dementieren, daß die österreichische Bridge-Liga die British Bridge League ersucht hätte, keine Juden zu delegieren. Die Nachricht ist schon darum unsinnig, weil zahlreiche Juden hervorragend in der österreichischen Bridge-Liga tätig sind. Der Leiter des Turniers ist Dr. Paul Stern. Alter Herr der „Kadimah'*, der dem Vorstand der Internationalen Bridge-Liga angehört und Vizepräsident der österreichischen Bridge-Liga ist. An dem vom 7. bis 12. Juni in Wien stattfindenden Bridge-Turnier werden zahlreiche jüdische Spieler aus verschiedenen Ländern teilnehmen. Im sechsgliedrigen holländischen Team sind vier Juden, aus Oesterreich werden vier Juden, aus Ungarn fünf Juden, aus Belgien ein Jude teilnehmen. Palästina-Nachrichten. Die Assefath Haniwcharim hat in der letzten Sitzung ihrer soeben beendeten Session eine Resolution angenommen, in der der Boykott deutscher Waren und Dienste in Palästina für so lange empfohlen wird, als die Unterdrückung und Entrechtung der Juden in Deutschland andauert. (Dieser Beschluß kommt reichlich spät. D. Red.) * Eli jüdische Arbeiterführer, die auf Grund der neuen Verordnung, durch die das Postenstehen vor Betrieben, die arabische Arbeiter beschäftigen, verboten wird, in letzter Zeit verurteilt wurden, haben die Schawuoth-Feiertage im Gefängnis verbracht. Vier von ihnen sind erst am Freitag verurteilt worden, und zwar zu je zwei Monaten Zwangsarbeit ohne Berufungsrecht. Ein Strafaufschub bis nach den Feiertagen gegen Hinterlegung einer Kaution wurde ihnen verweigert. Bei Verkündung des Urteils erklärte der Richter, Commander Bodilly, die Regierung werde genötigt sein, die jüdische Einwanderung einzuschränken, ialli der Karnpi durch Postenstehen fortgesetzt werde. * Meldungen der Jerusalemer hebräischen Presse zufolge dürfte der gegenwärtige High Commissioner von Palästina General Sir Arthur Wauchope, dessen Amtsperiode in diesem Sommer abläuft für weitere zwei Jahre zum High Commissioner bestellt v/erden. Die Entscheidung hierüber soll anläßlich des bevorstehenden Aufenthaltes Sir Arthurs in London fallen. * Eric Mills, bis jetzt stellvertretender Chefsekretär der Palästina-Regierung, wurde zum Direktor des Einwanderungs-Departements der Palästina-Regierung als Nachfolger von Albert M. Ii y a m s o n. der nach Erreichung der Altersgrenze von 60 Jahren pensioniert wurde, ernannt Captain Mills, der 42 Jahre alt ist. steht seit 1920 im Dienste der Palästina-Regierung, bei der er seine Karriere als Vize-Gouverneur des Nablus- Distrikts begann. 1925 wurde er zum stellvertretenden Chefsekretär ernannt und vertrat auch einmal den High Commissioner. 1931 leitete er die Volkszählung in Palästina. Im Juni 1927 vertrat er die britische Regierung vor der Mandatskommission des Völkerbundes. * Wie der JTA. mitgeteilt wird, ist der Führer der Judenstaatspartei Meir Großmann als Vizepräsident des zionistischen Aktionskomitees zurückgetreten. Dieser Schritt GToßmannns steht im Zusammenhang mit der Auflösung des revisionistischen Sonderverbandes und der Weigerung der zionistischen Exekutive, die Judenstaatspartei anzuerkennen, ja auch nur diese Frage zur Erörterung vor dem Plenum des Aktionskomitees zuzulassen. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL iMHMMaa^BMHaiHaMB^^aaa won dc, unaoAsai nr. 1» nUAUi XVIII., WAMBlNOUtSfRJUSm 99 TtbpboaNf. A 17-349and A 1*444 AbteilungeitfflrKoscherfleisch äste» Hafalaat das ahn». Raabhurtaa aa» ha* MtaaaaaMiaala «taa. SäaitHdre Fleiachsorten von aunchliafiUch Prlm-Qaaltttt u den billigsten Marktpreis«» 900-Jahrfeier der Wormser Synagoge. Am 3. Juni findet in Worms aus AnlaU des 900jährigen Bestehens der Synagoge ein Weihe- Gottesdienst statt. Die Synagoge, eine Stiftung des kinderlosen Ehepaares Jakob und Rahel, ist im Jahre 1934 vollendet worden. Sie spiegelt in ihrem Bau die wechselnden Schicksale der Wormser Gemeinde wider und bildet ein steinernes Dokument für die Verbundenheit der deutschen Juden mit deutschem Boden und deutschem Schicksal. Biro-Bidschan. Von maßgebender Stelle wird dem JTA-Vertreter mitgeteilt, daß die Berichte der europäischen Presse, wonach Biro-Bidschan über eine eigene jüdische Armee und ein eigenes Münz-System verfügen wird, grundlos sind. Biro-Bidschan erhält eine autonome jüdische Verwaltung mit Jiddisch als offizieller Sprache. Semetndedntanik. Budapest Der Vorsitzende des Zentrabüros der orthodoxen Judenschaft Adolf F r a n k I hat in der letzten Sitzung des Zentralausschusses mitgeteilt, daß er den Vorsitz des Büros mit Rücksicht auf sein hohes Alter niederlegt. Zu seinem Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Samuel Kahan-Frankl kandidiert. Der bisherige Vizepräsident Ludwig Hartmann wurde zum geschäftsführenden Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt. Adolf Frankl wird seinen Sitz im Oberhause auch künftighin behalten, weil er dem Oberhause nicht in seiner Eigenschaft als Präsident des Zentralbüros, sondern als Vertreter der orthodoxen jüdischen Geistlichkeit angehört. Bund jüdischer Frontsoldaten, lieber den am 24. v. M. im Zirkus Renz abgehaltenen, recht würdig verlaufenen Generalappell des Bundes, dem u. a. hervorragende militärische Vertreter des Ministeriums für Landesverteidigung beiwohnten und der mit der Einweihung der neuen Fahne des Bundes. verbunden war, berichten wir infolge Raummangels in unserer nächsten Nummer. Trauung. Sonntag, den 27. v. M. fand im Stadttempel die Trauung des Fräuleins Reserl K o h n, Tochter des Ehepaares Ignaz K o h n, Wien I.. mit Herrn Dr. Theodor Kohn, Sohn des Ehepaares Arnold K o h n, Wien. XIV.. statt. Das Gotteshaus war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, ein Beweis für die großen Sympathien, deren sich das Brautpaar und seine Eltern in weitesten Kreisen mit Recht erfreuen. Die Väter von Braut und Bräutigam genießen tatsächlich überall große Beliebtheit. Herr Ignaz Kohn ist in der Inneren Stadt gut bekannt und geschätzt, während Herr Arnold Kohn in Rudolfsheim, wo er auch als eitriges Vorstandsmitglied der Storchenschul wirksam ist. einen großen Anhang besitzt. Auch die beiden Mütter sind brave jüdische Frauen, das Brautpaar selbst besitzt sehr viele Freunde und Kameraden. So waren denn die Voraussetzungen für eine herzliche Anteilnahme weitester Kreise gegeben, und man konnte im Stadttempel bei dem schönen Trauungsfeste die verschiedensten Kreise der Wiener Judenschart vertreten sehen, u. a. waren die Kultusvorsteher Dr. 1. K1 a b e r und Berthold Sinai, sowie zahlreiche Vorstandsmitglieder der Storchenschul unter Führung des Obmannes E. Weiss erschienen. Die Trauungsrede hielt in überaus herzlicher Weise als Freund der Familie Ignaz Kohn Rabbiner Dr. J. M. Bach, der daran erinnerte, wie er selbst Herrn Ignaz Kohn und seine treffliche Gattin getraut hab, und seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß die brave Tochter dieses würdigen Ehepaares einen Mann aus gut jüdischer Familie gefunden habe. Die Kinder solcher Eltern werden wohl die im Elternhause beobachtete Tradition im eigenen Hause hochhalten. Oberkantor H. Fischer versah die kantoralen Funktionen. Das Brautpaar und seine Eltern waren Gegenstand innigster Gratulationen, denen auch wir uns anschließen. Bar-Mizwah. Samstag, den 26. Mai d. J.. fand in der Synagoge des Israelitischen Tempel- und Schulvereines für den X. Bezirk die Bar-Mizwah des Herbert Feßler. Sohnes des beliebten Vorstandsmitgliedes Herrn Alfred Feßler und seiner Gattin. Frau Helene Feßler. statt, an der der Gesamtvorstand des Vereines teilnahm. Herr Rabbiner Dr. Albert Weiner hielt : n den F-ar-Mizwah eine Ansprache, in welcher er die Verdienste des verewigten Großvaters. Herrn Bern-