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Die Wahrheit · 1934-05-25 · Heft 22 (25.5.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 22 (25.5.1934)
Date
1934-05-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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iPlE WAHRHEIT Seite T Jüdisches Kinderheim an der Adrla, nächst Crikvenica. Leitung Fr. B. Oberall, Schuldirektorin. Bes. günstige Bedingungen- Ärztliche Aufsicht. Auskünfte u. Prospekte VIII., Alserstraße 23 A 29-2-89 von 9—12 und 5—7._ ©emeindecfironifär. Personalnachricht. Herr Universitätsprofessor Dr. Hugo Stern, Vorstand der Abteilung für Stimm- und Sprachkranke an dar laryngologischen Universitätsklinik, wurde von der Societe Francaise de Phoniatrie (Paris) zum korrespondierenden Mitglied ernannt. Wir gratulieren dem hervorragenden Arzte und Wissenschaftler auf das herzlichste. 70. Geburtstag. Dieser Tage feierte der allseits sehr bekannte und geschätzte Inspektionsarzt der Produktenbörse Ob.-Med.-Rat Dr. Heinrich Haase seinen 70. Geburtstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand berechtigter herzlichster Gratulationen aus weitesten Kreisen. Ob.-Med.-Rat Dr. Ha ase, der eine Zeitlang auch dem Wiener Kultusvorstande angehörte, genießt in der Wiener Judenschaft wegen seiner tiefgründigen jüdischen Gelehrsamkeit und seines intensiven Interesses für alle jüdischen kulturellen und karitativen Angelegenheiten große Achtung; er hat sich auf jüdischem Gebiete auch wiederholt schon literarisch betätigt, seine diversen diesbezüglichen Abhandlungen haben größte Beachtung gefunden. Bei der Friedenskundgebung, die anläßlich des Tages des guten Willens im Konzerthaussaal stattfand und über deren sehr würdigen Verlauf die Tagesblätter ausführlich berichteten, wurden von der Vorsitzenden Frau Bundespräsident Leopoldine M i k 1 a s in herzlichsten Worten der Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Pollitzer, die auch die Botschaft der Kinder von Wales verlas, der Dank des Komitees für ihre Bemühungen um das Gelingen der schönen Feier ausgesprochen. In den Bethausvorstand HU wurden jüngst das Zentralvorstandsmitglied der „Union österreichischer Juden", Prof. Dr. Hugo Stern, und der Obmann der Bezirkskommission III/XI der Kultusgemeinde Dr. Simon Händler gewählt. Die beiden neuen Bethausvorstände wurden beim Vormittagsgottesdienst des 1. Schewuauth-Tages im Stadttempel feierlich zur Thora aufgerufen und widmeten aus diesem Anlaß Spenden für verschiedene wohltätige Zwecke. Trauung. Sonntag, den 27. d. M., halb 4 Uhr nachmittags, findet im Seitenstettentempel die Trauung des Fräuleins Reserl Kohn, Tochter des Herrn und Frau Ignatz Kohn, Wien I., mit Herrn Dr. Theodor Kohn, Sohn des Herrn und Frau Arnold Kohn, Wien XIV., statt. „Bund jüdischer Frontsoldaten." In feierlicher Weise wurde am 8. d. M. das schöne neue Heim der Bezirksgruppe Leopoldstadt (IL, Praterstraße 66) eröffnet. Für die Bundesführung sprach der Bundesführer-Stellvertreter Diplom-Kaufmann S t i a ß n y. Nach innigen Gedenkworten für die toten Kameraden begann Bezirksführer Hauptmann May mit seinem ganz ausgezeichneten Vortrag über die jüdischen Helden vom Altertum bis heute. Starker Beifall bewies die Dankbarkeit für das Gebotene. Noch lange blieben die Kameraden und ihre Damen gemütlich beisammen. Leo V a 1 b e r g, den Herr May iun. am Klavier begleitete, brachte in seiner gewohnt künstlerischen Art einige Lieder iura Vortrag, die ihm stürmischen Beifall eintrugen. Unter den Gästen bemerkte man die Herren der Bezirksleitung der Vaterländischen Front, von der Bundesführung Hauptmann v. Friedmann, Diplom-Kaufmann Stiaßny, Dr. Lamberg. Dir. Wittlin und Dr. Weitzmann, den Vizepräsidenten der Chewra-Kadischa Paul Schwarzstein, Chefredakteur Oskar Hirschfeld, den Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Spiegier und Kameraden aller Bezirksgruppen. Jüdisches Museum. Am Montag, den 14. d. M.. fand die 25. ordentliche Generalversammlung der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums (Jüdisches Museum)" statt Der Präsident der Gesellschaft Hofrat Frankfurter gedachte nach einigen einleitenden Worten der im Verlauf des letzten Jahres gestorbenen Mitglieder, besonders Max Schlesingers und Ernst Walbecks. Dann erwähnte Hofrat Frankfurter die durch die allgemeine Krise noch verschärfte mißliche Lage des Museums und wies besonders auf die Lokalschwierigkeiten hin. Hierauf las Herr Rudinger den Kassenbericht vor, dann folgten Wahlen, bei denen sämtliche ausgeschiedenen Kuratoriumsmitglieder wieder gewählt wurden. Nach Erledigung dieser geschäftlichen Angelegenheiten hielt Frau Dr. Fanin Halle den Festvortra_g über „Volk und Reich der Chazaren". Dieses Volk, das schon dadurch so merkwürdig ist, weil bei ihm der König und der Adel sich zur jüdischen Religion bekannten, ist wohl ursprünglich türkischen oder fin- STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 nisch-ugrischen Ursprunges und kam ungefähr zu Beginn der christlichen Zeitrechnung über den Ural in die Gegend der unteren Wolga und des Kaspischen Meeres, wo es in den folgenden Jahrhunderten das Zentrum seines Reiches hatte, das sich westlich zeitweise bis an den Don, zeitweise aber, wie manche annehmen, bis gegen Polen, Böhmen, Kärnten und Mecklenburg ausdehnte. Die Tatsache, daß dort das Judentum Staatsreligion wurde, wird damit begründet, daß das Chazarenreich sich südlich bis in den Kaukasus und nach Armenien erstreckte, ferner die Krim umfaßte, in welchen Gegenden bereits seit Zerstörung des ersten Tempels eine starke jüdische Einwanderung nachgewiesen ist. Die Juden waren im Chazarenreiche das aufbauende, Kultur verbreitende Element. Dazu kam, daß das Chazarenreich neutral zwischen zwei Weltreichen lag, dem byzantinischen, der christlichen, und dem arabischen, der islamischen Vormacht, und sich daher aus naheliegenden Gründen für die zwischen Islam uud Christentum in der Mitte liegende jüdische Religion entschieden haben dürfte. Dieser Staat, der von dem „Chagan" genannten König regiert wurde, nahm kulturell und wirtschaftlich im frühen Mittelalter eine überragende Bedeutung ein. Ein Zeugnis für seine Regierungsweise und für die jüdische Religion in demselben gibt der Briefwechsel zwischen dem jüdischen Großwesir des spanischen Kalifen Abdul Rahman namens Cbasdai ibn Schaprut und dem Chazarenkönig aus dem 10. Jahrhundert Im 11. Jahrhundert wurde der Chazarenstaat des größten Teiles seiner Gebiete durch die Eroberungen des russischen Großfürsten Swjätoslaw beraubt hielt sich jedoch am Kaspischen Meer und im Kaukasus bis zum Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert. Die Grusinischen Juden und die Bergjuden im Kaukasus Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rolenkreuzgasse 3 Tel. A 45-9-37 sind direkte Nachkommen der Chazaren. Ferner ist die Vortragende der Ansicht, daß ein großer Teil der heutigen üstjuden von den Chazaren abstammt und damit nicht rein semitischer Herkunft ist. Vom Chazarenreiche verbreiteten sich Juden schon im 8. Jahrhundert nach Westen, bildeten in Kiew eine bedeutende Gemeinde und trafen dann in Polen mit den aus Deutschland und Böhmen infolge der Judenverfolgungen zur Zeit der Kreuzzüge auswandernden Juden zusammen. Die Verschmelzung dieser beiden Judengruppen, aus der das üstjudentum hervorging, war noch im IS. Jahrhundert nicht völlig abgeschlossen. Reicher Beiiali lohnte den interessanten Vortrag. Konzert. Am 14. d. M. fand im Militärkasino am Scliwarzenbergplatz ein gemeinsames Konzert des Symphonie-Orchesters des Bundes Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs und des Wiener jüdischen Gesangvereines statt, das als eine Sensation im Wiener Musikleben zu werten ist. Das Konzert, das als Mendelssohn - Goldmark - Abend veranstaltet wurde, lieferte den Beweis, wie durch Energie und Zielbewußtsein eine ideale Sache zum Erfolg zu führen ist. Das Orchester brachte als Einleitung unter der Leitung des in der Musikwelt bereits bekannten Dr. Kurt P a h 1 e n, der, wie wir hören, die künstlerische Führung des Orchesters erst knappe drei Wochen vor der Autiührung übernommen hatte, die Schottische Symphonie von Mendelssohn in geradezu virtuoser Form. Der Vortrag des Adagio-Satzes kann jedem Vergleich, sowohl was Intonation wie auch Vortragstechnik anbelangt, standhalten, und brachte einen wohlverdienten Beifall. Es folgte die Darbietung von Mendelssohns 114. Psalm durch den Chor des Gesangvereines in Begleitung des Orchesters sowie die ungemein schwierige Frühlingshymne von Goldmark, beide unter der Leitung des Chormeisters des jüdischen Gesangvereines J. Brandtmann. Insbesondere die Frühlingshymne zeigte die eminente Hingabe, mit welcher sich alle Beteiligten der Bewältigung dieses ungemein schwierigen Werkes widmeten. Das von Frau Ilse Sachs gesungene Alt-Solo der Hymne war eine Glanzleistung, welche die großartigen Stimmittel der Solistin voll zur Geltung brachte. Frenetische Beiiallsstürme des vollbesetzten Saales entfesselte die zum Abschluß des Konzertes gebrachte Sakuntala-Ouvertüre von Goldmark. Die jüdische Bevölkerung Wiens darf auf ihre beiden repräsentativen musikalischen Körperschaften stolz sein. Es bleibt nur der Wunsch übrig, der Wiener Judenschaft nahezulegen, auch ihre materielle Mitwirkung in jeder Beziehung angedeihen zu lassen. Darbietungen, wie das besprochene Konzert können als höchst positive schöpferische Leistungen in der heutigen Zeit nicht hoch genug gewertet, das ideale Streben der Ausführenden nicht ausgiebig genug unterstützt werden. A. R. Eine interessante Barmizwahfeier. Am 5. d. M. iand im Prate'rtempe! „Tefilath Jeschurun" eine Barmizwah statt, die wegen der Familienverhältnisse des an diesem Tage zum ersten Male zur Thora gerufenen Knaben besonders bemerkenswert ist. Eduard Pollak, so heißt dieser Knabe, ist der Sohn jüdischer Eltern, sein Vater weilt schon seit vielen Jahren ia der Ferne, seine Mutter ist eine brave jüdische Frau, die recht kümmerlich von ihrer Hände Arbeit lebt. Ein christliches Ehepaar hat das Kind Im Alter von 6 Monaten in Pflege GROSSFLEISCHHAUEREr IIEGM. KORNMEHl U^HMBMHHBMHMMBHMBHMMaMilMMHHMMHa* Wim DL, BCROQASSS NR. 1» nuuii xviii., WAMRHiaaRsnuun «r Telephon Nr. A 17*99 und A 18-9-34 UthfUt für HallanaMta» AbteilungenfflrKoscherfleisch ■ater tohioM Im ahr*. Rabbhurtes «m> Ist. KnltMg«n«lade Wtaa» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen genommen, jedoch nur unter der Bedingung erteilten die Eltern hiezu die Einwilligung, daß das Kind jüdisch erzogen werden müsse. Der katholische Lokomotivführer i. P. und seine Frau gingen auf diese Bedingung nicht nur rückhaltslos ein, die christliche Ziehmutter selbst veranlaßte, daß der Knabe auch außerhalb der Bibelschule hebräisch lerne. Auch für die körperliche Ertüchtigung) des Jungen sorgten die braven Leute vorzüglich, das ehemals schwächliche Kind wuchs unter der liebevollen Pflege seiner Zieheltern zu einem kräftigen Jungen heran. Und so konnte man am Tage seiner Barmizwah den Knaben als lebenden Beweis dafür vor die Thora treten sehen, daß wahre Menschenliebe den unnatürlichen Haß überbrücken kann. Die Feier entsprach dem besonderen Anlaß, den sie bot, Rabbiner Dr. Zickier und Oberkantor Wahrmann versahen die Funktionen in wirklich erhebender Weise. Barmizwahfeier. Samstag, den 19. Mai, fand im Seitenstettentempel die Barmizwah des Paul T i c h y, Sohn des Herrn und Frau Robert T i c h y. statt. Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwan» richtete an den jungen Tichy eine herzliche Ansprache, in der er insbesondere die Beliebtheit hervorhob, deren sich Herr Robert Tichy, der langjährige Amtsdiener im Rabbinat der Kultusgemeinde und im Stadttempel, wegen seines zuvorkommenden Wesens überall erfreut. Erich Mann liest jüdische Erzähler. Der jüdische Mark Twain Scholem Alejchem wird von der ganzen jüdischen Welt anläßlich seines 75. Geburtstages und seines 50jährigen Schriftstellerjubiläums gefeiert. Erich Mann liest charakteristische Proben der Scholem Alejchemschen Prosa, vorher Erzählungen von Awigdor Hameiri, Leopold Hichler. Martha Hoffmann, J. L. Perez. Mitwirkend Valerie S c h n e c k. Einleitende Worte Dr. Oskar Rosenfeld. Der Abend findet Mittwoch, den 30. Mai, um 8 Uhr, im Ingenieur- und Architektenverein, I., Eschenbachgasse 9, statt. Karten in der „Jüdischen Kulturstelle", II.. Aspernbrückengasse 2. Ein großes internationales Schwimmfest wird vom Schwimmklub Hakoah am 16. und 17. Juni I. J. im WienerStadion durchgeführt. Dieses Schwimmfest, das aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums der Hakoah veranstaltet wird, wird sicherlich eines der größten sportlichen Ereignisse des Jahres sein, da durch die bereits gesicherte Teilnahme der holländischen Meisterschwimmerinnen (darunter Den Ouden. die beste Schwimmerin der Welt), der italienischen, jugoslawischen, tschechoslowakischen, ungarischen und österreichischen Meisterinnen und Meister die Gewähr für hervorragenden Sport gegeben ist. Da schon jetzt die Nachfrage nach Sitzplätzen eine sehr große ist, ist es ratsam, sich schon jetzt Plätze durch Vormerkung zu sichern. Auskünfte im Sekretariat der Hakoah. Wien I., Wiesingerstraße 11. Telephon R 25-0-10. Laut Verordnung des Herrn Bürgermeisters von Wien vom 19. Mai 1934 haben alle Grabsteingeschäfte in Wien an Sonn- und Feiertagen geschlossen zu halten. Nach den Strafbestimmungen wird auchderBesteller strenge bestraft. Das Weltjudentum Probe aus dem soeben im Verlag B. H o r o w i t z, Brünn, erschienenen hochaktuellen Buch „Bibel oder Hakenkreuz" von Harry Holden. Preis Kc 13.—. Es stellt eine Uebertreibung dar, von einer Weltmacht des Judentums zu sprechen. Vielleicht in keinem Volk der Welt herrscht ein solcher Partikularismus vor wie im Judentum. Wenn das Judentum nach Eroberung der Welt streben würde, wie seine Feinde behaupten, müßte es vor allem einheitlich organisiert sein. Denn eine stramme Organisation von 16 oder 17 Millionen Menschen, die in aller Welt zerstreut sind, wäre gewiß mindestens das Gerüst für eine Art Weltmacht Dis raeIi, der große jüdisch-englische Staatsmann, sagte, daß die Juden in den Ländern, wo sie menschlich und gerecht behandelt werden, die besten Patrioten sind, die von keinem Volksstamm darin übertroffen werden. Nur dort wo sie entrechtet Verfolgungen und Schikanen ausgesetzt sind, gebietet ihnen der Selbsterhaltungstrieb, eine Abwehrstellung einzunehmen. Der Selbsterhaltungstrieb ist es, der die Juden auch opportunistisch macht. Der jüdische Lord denkt sicherlich anders als der jüdische Krämer oder Proletarier. Ein jüdischer Geistlicher hat sicherlich eine andere Auffassung als ein jüdischer Kommunist usw. Kein Volk wird so wie das jüdische von allen Ereignissen in der Welt betroffen. Jede wirtschaftliche Katastrophe, jeder Krieg, jedes außerordentliche Ereignis verursacht größere oder kleine jüdische Opfer. Durch seine Zerstreutheit aui fast der ganzen Welt ist es an

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