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Die Wahrheit · 1934-05-18 · Heft 21 (18.5.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 21 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Konhurs-Aiissdireibiiiig. Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck gelangt die Stelle eines Rabbiners zur Neubesetzung. Bewerber, die sämtlichen nachfolgenden Bedingungen vollaui entsprechen können, mögen die beglaubigten Abschriften ihrer Zeugnisse mit Lichtbild bis spätestens zum 1. Juni 1934 dem gefertigten Vorstande ejnsenden. Bedingungen: 1. Oesterreichische Bundesbürgerschaft. 2. Ein an einer inländischen oder mit den inländischen gleichgestellten Hochschule erlangter Doktorgrad der Philosophie. 3. Die an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien abgelegte vollständige Rabbinerprüfung. 4. Stimmliche Befähigung, das Amt eines Vorbeters zu versehen. 5. Berechtigung zur Erteilung des öffentlichen Religionsunterrichtes an Volks- und Mittelschulen. 6. Nicht überschrittenes 35. Lebensjahr. Es wird besonders hervorgehoben, daß Gesuche von Bewerbern, die die österreichische Bundesbürgerschaft nicht besitzen, unter keinen Umständen berücksichtigt werden. Julius Pasch, Vorstand d. Israelit. Kultusgemeinde Innsbruck. r™ II Jfidi Jüdisches Hinderferienheim hervor und so darf der Josefstädter Tempelverein und seine umsichtige Leitung wieder einen Erfolg verzeichnen, zu dem alle Mitwirkenden glänzend beitrugen. Goldene Hochzeit. Am 5. d. M. hat das in allen Kreisen geschätzte und beliebte Ehepaar Alexander und Berta Guttmann im Pazmanitentempel die Goldene Hochzeit gefeiert. Bei diesem Anlasse hielt Herr Rabbiner Dr. Taubes an den Jubilar, der zur Thora aufgerufen wurde und eine namhafte Spende für verschiedene Wohlfahrtsinstitute widmete, eine herzliche Ansprache. Er schilderte ihn als einen außerordentlich charaktervollen Kaufmann und guten Juden, seine Gattin als prächtige Frau. Beide sind ihren Kindern, von denen zwei im Kriege gefallen sind, sehr liebevolle Eltern. Sie haben es verstanden, ihre Kinder so zu erziehen, daß diese für das Judentum reges Interesse und Anhänglichkeit bekunden. Seit vier Jahrzehnten im Leopoldstädter Kranken- und Unterstützungsvereine „Nächstenliebe" tätig, wirkte der Jubilar erst als Schriftführer, dann als Obmannstellvertreter und in der letzten Zeit als Obmann. Nun überreichte der Obmann des Tempelvereines, Herr Oskar Schrämek, dem Jubilar eine Gratulationsadresse der Kultusgemeinde und knüpfte daran gleichzeitig die Glückwünsche des Tempelvereines. Es waren erschienen: der Gesamtvorstand des Leopoldstädter Kranken- und Unterstützungsvereines „Nächstenliebe", viele Freunde, sehr viele Vertreter der Industrie und Kaufmannschaft, woraus die besondere Wertschätzung und Beliebtheit des Jubelpaares zum beredten Ausdrucke kam. — Am 8. d. M. fand aus diesem Anlasse im Cafe Arkaden eine gemütliche Zusammenkunft der Vorstandskollegen des Vereines „Nächstenliebe" samt ihren Frauen mit dem Jubelpaare und seiner Familie statt. Im Namen des Vorstandes des Vereines begrüßte der Obmannstellvertreter, Herr F r e i w i r t h. ein alter Freund des Jubelpaares dasselbe in herzlicher Weise und dankte dem Obmanne, daß er in der allerschwersten Zeit, die der Verein so wie andere Vereine mitzumachen habe, die Führung übernommen habe und seine ganze Kraft in den Dienst der guten Sache stelle. Vorstandsmitglied Herr Josef Klein beglückwünschte das Jubelpaar im Namen der Vorstandskollegen und Freunde mit einigen kurzen Worten und gab der Freude Ausdruck, daß es ihnen allen vergönnt ist, dieses seltene Fest mitzufeiern. Im Namen der Aerzte sprach der Chefarzt Herr Medizinalrat Dr. Braun herzliche Worte der Anerkennung. Dann sprachen noch die Vorstandsmitglieder Dr. Wagenreich und Herr Schwarz. Der Obmann, Herr Guttmann, dankte tief bewegt für die Ehrung und besondere Freundschaft und versprach, sich auch weiterhin mit ganzer Kraft in den Dienst des Vereines „Nächstenliebe" zu stellen. Auch der Sohn des Jubelpaares dankte für die besondere Ehrung und Sympathie, die den Eltern entgegengebracht wurden, und gab das Versprechen, ebenfalls im Sinne seiner Eltern stets für das Gute und Schöne als Jude zu wirken. Herr Obmannstellvertreter F r e i w i r t h begrüßte unter den anwesenden Vorstandskollegen des Vereines „Nächstenliebe" Frau Bundesstaatliche Fürsorgerat Ottilie Politzer mit besonders herzlichen Worten. 86. Geburtstag. Im Kreise seiner Familie feierte am 15. Mai der Schwiegervater des Herrn Kommerzialrates Hermann Smetana, Herr Karl Fantl, früher Kaufmann in Barau in Böhmen, in vollster geistiger und Körperlicher Rüstigkeit seinen 86. Geburtstag. Dem Jubilar, der wiederholt zu den hohen Feiertagen ehrenhalber im Liesinger Tempel vorbetete» kamen von vielen Seiten Gratulationen zu. Herr Fantl ist Mitbegründer des Vereines „Smetanas Wohlfahrtseinrichtung" und zählt noch heute zu seinen geschätzten Mitgliedern. Todesfall. Am 7. d. M. verschied Herr Ernst Walheg und wurde am 10. d. M. unter ungewöhnlich starker Beteiligung weitester Kreise zu Grabe getragen. Seinem Begräbnisse wohnten fast alle Mitglieder der ß nei Brith Loge „W a h r h e i t", zahilose Mitglieder der anderen Logen, Herr Hofrat. Prof. Frankfurter, der uesamtvorstand der Israelitischen Kinderbewahranstalt des Vereines „Wohlfahrt" und des Lehrlingsheimes ->4u k ü n f t" bei. In Vertretung der Kultusgemeinde erin schönster Lage Steiermarks, nimmt vom 8. Juli bis 10. September 1934 Kinder von 6—14 Jahren auf. Auskünfte und Prospekte bei Lehrer Max Jellinek, Graz, Steyrergasse 60, oder Dr. Karl Jellinek, Wien XV., MariahilfeistiaUe 166, Tel. R 35-480, H schienen Dr. K1 abe r. Regierungsrat Fuchsgclb und Amtsleiter F r e i s t a d t, von der Israelitischen Allianz Dr. K a m i n k a, sowie eine die große Halle nicht fassende .Menge von Freunden und Bekannten des leider allzu trüh verstorbenen Menschenfreundes. Herr Oberrabbiner Dr. T a g l i c h t hielt die Gedenkrede, für die Loge „Wahrheit" sprach Herr Komm.-Rat Bruno Weiß, für das Lehrlingsheim Herr Dr. G e 1 b a r d und für den Verein „Wohlfahrt" Herr Moriz Oesterreicher, die in Worten tiefster Trauer der Verdienste des Dahingeschiedenen gedachten. Promotion. Freitag, den 4. d. M. fand im Festsaale der Wiener Universität die Promotion des Herrn Karl S t e i n f e 1 d, Sohn des Herrn Arnold S t e i n f e l d, Vorstandsmitgliedes des Margaretner Tempelvereines und treuen Anhängers der „Union", zum Doktor der Medizin statt, wozu wir ihm und seinen Eltern herzlichst gratulieren. Ein Urteil von großer Bedeutung für die Vorstände der Tempelvereine wie auch für die Chorsänger fällte dieser Tage der Verwaltungsgerichtshof. Ein Chorsänger wurde mit Bescheid des Ministeriums für soziale Verwaltung als versicherungspflichtig erklärt, gegen welche Entscheidung der Vorstand eines Wiener Tempelvereines beim Verwaltungsgerichtshof Beschwerde erhob. Diese Beschwerde wurde von genannter Gerichtsstelle mit folgender Begründung verworfen: Jede Ausübung einer freien Kunst ist versicherungspflichtig. Weil nun nach allgemein gültiger Ansicht Chorgesang Musik ist und Musik eine Kunst darstellt, so fällt der Chorgesang unter den im Abs. I, Iit. e, AngVg 1928, angeführten Beruf. Der Chorgesang ist auch deshalb eine Kunst, weil die Tonstücke nach Tonhöhe und Zeitmaß richtig wiedergegeben werden müssen. Von einer mechanischen Tätigkeit eines Chorsängers kann deshalb gar keine Rede sein, sobald dieser selbst Tonstücke künstlerisch aufführt. Wegen der Eingliederung eines Chorsängers in den Chorbetrieb und seiner disziplinaren Verantwortlichkeit ist auch dann ein Angestelltenverhältnis gegeten, wenn die regelmäßig wiederkehrende Tätigkeit nur eine Stunde beträgt. Die Kürze der Frist $tern,sd>e Schal- und Erziehungsanstalt Wien I., Werdertorg. 13. Tel. U 28-1-97 Schuldirektion: Malvine Frie'dmann YOlhSSdlUle für Knaben und Mädchen. 9 Uhr Schulbeginn. Öffentlichkeits-Recht. nauplSfflnle mit(nach Wahl) Franz., Engl., Latein nebraisdie Sprafflkurse roribiidungsharse — Deraisaosblldonü Sprachen, Handelst., Kunstgewerbe. Tagesheim Großer Garten Internat. Musik — Sport stellt auch keinen Befreiungsgrund nach § 2, Z. 5, AngVG, 1928 dar, da dieser voraussetzt, daß der Dienstnehmer nur gelegentlich für eine von vornherein bestimmte, einen Monat nicht überschreitende Frist die Beschäftigung ausübt. Auf Grund vorstehender Begründung hat der Verwaltungsgerichtshof die Beschwerde abgewiesen. 70. Geburtstag. Am 8. d. M. feierte Herr Adolf Plaschkes. langjähriges Vorstandsmitglied des Tempelvereines X und aller humanitären jüdischen Vereine Favoritens, seinen 70. Geburtstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand herzlichster Gratulation. Warschau. In diesen Tagen begeht der bekannte jüdische Gelehrte und Warschauer Rabbiner Prot'. Moses Schorr seinen 60. Geburtstag. Ein aus Vertretern aller Schichten des Warschauer Judentums zusammengesetztes Jubiläums-Komitee bereitet eine entsprechende Feier vor. Prof. Schorr, 1874 in Lemberg geboren, habilitierte sich 1910 als Dozent für semitische Sprachen, 1923 wurde er als Rabbiner nach Warschau berufen und 1926 übernahm er den Lehrstuhl für semitische Philologie an der Warschauer Universität. Seit 1928 ist er Rektor des Warschauer Instituts für judaistische Wissenschaften. Belgrad. In Osijek (Esseg) wurde eine Bne Briss-Loge gegründet, die den Namen „Menorah" führt. Es ist dies die sechste Loge des Unabhängigen Ordens Bne Briss in Jugoslawien. Dadurch ist die Möglichkeit für eine jugoslawische Großloge gegeben und es werden Vorbereitungen getroffen, dieselbe ins Leben zu rufen. Bukarest. Am 10. Mai, dem rumänischen Nationalfeiertag (Tag der Befreiung Rumäniens) fanden in allen Synagogen und Tempeln des Landes feierliche Sondergottesdienste in Gegenwart von Vertretern der Behörden und der jüdischen Körperschaften statt. In den Predigten wurde auf den Befreiungstag hingewiesen. Chewra Kadischa XII—XV. Am Sonntag, den 6. d. M. fand im Sitzungssaale. XV., Turnergasse 22. in Anwesenheit einiger Delegierter von verschiedenen Korporationen die 69. ordentliche Generalversammlung der Chewra Kadischa XII—XV statt. Im Frauen, und Rekonvaleszentenheim „Philanthropia", XIII., Lainzerstraße 172, welches seit GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHi ^"""^"Bmmmmaxmmmi^m^mmmmmmtmmmmmmmmmm WIEN IX., BEIMMMS» MR. 1» FILIALE i XVIII., WAHRINOIRSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 18-9-34 Lieferant für Hallaiutaltea AbteilungenfürKoscherfleisch Aufsieht das ahf Isis KMltuagamaind» Ranbinataa dar Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zn den billigsten Marktpreisen 25 Jahren dem Wohle der leidenden Menschheit dient, sind für die Sommermonate noch einige Plätze in Ein- und Zweibettzimmern bei mäßiger Verpflegungsgebühr zu vergeben. Gute reichliche Verpflegung, Arzt, Bad, großer Garten. Auskunft daselbst, auch unter R 34-3-1.*. Anläßlich des Schewuaus-Festes wird Kantor Josef Feuer im Bethause III.. Steinsasse 18 fungieren. Legltimistische jüdische Frontkämpier. Das Zentralbüro dieser Vereinigung befindet sich Wien I., Parkring 4, Telephon R 27-7-57. Briefkasten. Auf zahlreiche Anfragen. Es hat wenig Wert, auf die im letzten Mitteilungsblatt der „V a t e rländischen Front" enthaltenen lobenden Würdigungen von zwei kürzlich in Oesterreich erschienenen antisemitischen Broschüren publizistisch zu reagieren. Diese beiden Broschüren sind in unserem Blatte bereits gebührend behandelt worden. Spazialhaua für Wolle und Strickgarn» Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Daß die „Vaterländische Front" ihnen trotz ihres ausgesprochen antisemitischen Inhaltes eine andere, nämlich eine wohlwollende Behandlung zuteil werden ließ, ist sicherlich höchst auffallend. Die „Union österreichischer Juden" hat in dieser Angelegenheit eine Eingabe an die Bundesleitung der „Vaterländischen Front" mit dem Ersuchen um Aufklärung gerichtet. Jiunst und JEitewatuv. Margarethe Bach, die beliebte Wiener Rezitatorin, trat am Montag, den 14. d. M., wieder vor das Wiener Publikum, das sie kennt und schätzt, obwohl man in letzter Zeit leider so selten Gelegenheit hatte, sie hier zu hören. Das hat seinen Grund in der Popularität, die sich die Meisterin des Vortrages Margarethe Bach nun schon in der ganzen Welt, auch jenseits des Ozeans, erworben hat; kann es denn eine größere Auszeichnung für eine Künstlerin geben, als an der Pariser Sorbonne vorzulesen, was Fräulein Bach demnächst tun wird? Die große Gemeinde, die Margarethe Bach in Wien besitzt, ist stolz auf diese internationalen Erfolge der Künstlerin, aber sie bleibt in ihrem Urteil unbeeinflußt hievon. Denn zu Wien besitzt Margarethe Bach eine ursprüngliche Beziehung, Wien ist prädestiniert als Boden ihrer Triumphe. Einen solchen ganz großen Triumph errang sie auf ihrem letzten Vortragsabend, der stimmungsvoll mit Vorlesungen aus der Bibel begann und über Goethe, Lenau, Hebbel und Herder überleitete zu zeitgenössischen Dichtern, die sie ebenso glänzend meisterte wie die Klassiker. Stürmischer Beifall lohnte ihre gediegene Kunst, das zahlreiche Publikum raste geradezu vor Begeisterung und erzwang in Mörikes „Schön Rothtraut" eine Zugabe, mit der der interessante Abend abschloß. Die junge Klavierkünstlerin Carla Z i n n e r, die an ihm mitwirkte, errang mit ihrer bravourösen Technik und ihrem für ihr kindliches Alter überraschend verständnisvollen Vortrag einen sehr schönen Erfolg. Die Ritualmordpropaganda, die in Deutschland wieder auflebt und von Julius Streicher in Nürnberg kräftig betrieben wird, greift auch auf die Hilsner-Affäre zurück, die um die Jahrhundertwende Oesterreich in Aufruhr versetzt hat. Franz von L i s z t, der größte deutsche Strafrechtslehrer, hat den Prozeß und das Urteil gegen Hilsner

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