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Die Wahrheit · 1934-05-18 · Heft 21 (18.5.1934) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 21 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 fttoMDM Wien X., Seitonstottengasse 2, Tel. U 28-1-28 XL, Zentralfriedhof, Mttl im I- IN, Tel. U 1841-85 sicheren Erwartung Ausdruck, daß die Handhabung und Ausführung der Verfassungsgesetze auch deren Geiste entsprechen werden. In der folgenden Diskussion führte Regierungsrat Dr. Max Lenk aus, daß die nun vorliegende Verfassung die alten Grundsätze der „Union" zu neuerlichem Siege geführt hat. So wie die „Union" seit jeher auf religiösem Boden stehe, so seien auch die Grundbestimmungen der Verfassung vom religiösen Gedankengut erfüllt. Nach der Verfassung stelle die jüdische Bevölkerung wie in der Vergangenheit eine religiöse und nicht eine nationale Gemeinschaft dar. Infolgedessen hat auch die Verfassung nicht das Geringste an der Einrichtung und dem Wirkungskreise der Kultusgemeinden Oesterreichs geändert Ein weiterer Erfolg der „Union"- Politik liege darin, daß in der neuen Verfassung nicht der geringste Einfluß der nicht nur von antisemitischer, sondern auch von national jüdischer Seite propagierten Absonderungs-undDissimilationstendenzen zu verspüren ist. * Donnerstag, den 24. Mai, 8 Uhr abends spricht im Klubsaal des Cafe Central, II. Taborstraße 8 der Vizepräsident der „Union" Herr Dr. Karl Steurer über Die neue Verfassung Oesterreichs. „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Generalappell, Fahneuübergabe, Große Kundgebung am Donnerstag, den 24. Mai, um 8 Uhr abends, im Gebäude des Zirkus Renz, Wien IL, Zirkusg. 44, im Beisein offizieller Persönlichkeiten. Die Veranstaltung gilt auch als Auftakt für eine Aktion, durch welche die Heldengräber am Zentraliriedhof, I. Tor, mit Grabsteinen geschmückt werden sollen. Diese Aktion steht unter dem Protektorate des Präsidiums der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Platzanweisungen in der Bundesführung, Wien I., Spiegeig. 2/29, täglich von 10—1 und von 3—8 Uhr. Eintritt nur mit Platzanweisung und auf Namen lautende Einladung. Die „Wiener Bürgerschaft". (Knapp vor Blattschluß.) In die „Wiener Bürgerschaft" wurde als Vertreter der Israelitischen Religionsgenossenschatt Hauptmann außer Dienst Rechtsanwalt Dr. Jakob Ehrlich, Mitglied des Kultusvorstandes, berufen. Von jüdischen Mitbürgern wurde außerdem das langjährige Mitglied der „Union" und frühere unionistische Kultusvorstand Leopold Langer, Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, für den Berufstand „Handel und Verkehr" in die „Bürgerschaft" berufen. Stadt Berlin legt die Vormundschaft für jüdische Kinder nieder. Die Stadt Berlin hat die städtische Vormundschaft für nichtarische Kinder niedergelegt und die Zuschüsse für die Erziehung jüdischer Kinder, die unehelich geboren sind, eingestellt. Die Stadt forderte die Jüdische Gemeinde auf, die Vormundschaften zu übernehmen, andernfalls man die Kinder einfach ihrem Schicksal überlassen würde. Es wird angenommen, daß dieses Beispiel der Stadt Berlin sehr bald von allen anderen deutschen Gemeinden nachgeahmt werden wird. s Prag. Sämtliche Prager Zeitungen haben vor kurzem einen Polizeibericht wiedergegeben, wonach der als Emigrant in Prag lebende frühere Breslauer jüdische Führer, Rechtsanwalt Dr. Ludwig Foerder, auf der Straße bewußtlos zusammengestürzt ist, und, als er sich erholte, Zeichen geistiger Störung an ihm und an seiner ihn begleitenden Frau entdeckt und beide in ejne Nervenheilanstalt gebracht werden mußten. Doktor foerder und seine Frau wurden, wie wir erfahren, bereits vor mehreren Tagen aus der Anstalt entlassen, nachdem sich die Annahme, daß es sich bei ihnen um eine geistige Störung handelte, als falsche erstärztliche Diagnose herausgestellt hatte. Es handelte sich bei beiden um ein vorübergehendes Unwohlsein. „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis", Wien IL. Taborstraße 59. Telephon A 42-3-16. bittet die p. t Arbeitgeber angesichts der Notlage der jüdischen Arbeitslosen um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergebenden Bedarfes an qualifizierten kaufmännischen Angestellten, Arbeitern. Handwerkern, Sekretären, Nachhilfelehrerii und Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst berücksichtigt. Semeindedkwonik. Prof. Dr. Otto Marburg — 60 Jahre. Der hervorragende Gelehrte, Universitätsprofessor Dr. Otto Marburg, vollendet am 25. Mai sein 60. Lebensjahr. Professor Marburg, Vorstand des neurologischen Institutes, Verfasser richtunggebender Schriften und Werke auf dem Gebiete der Nervenheilkunde, bewirkte, daß viele ausländische Studenten, insbesondere aus Amerika und Japan, nach Wien kamen, um seinen Vorlesungen beizuwohnen, seine Forschungen und Lehren zu verwenden und zu verbreiten. Was aber Professor Marburg auszeichnet, ist nicht nur seine allgemein anerkannte medizinische Autorität, sondern auch seine edle Menschenfreundlichkeit, seine besondere Fürsorge, die er in rührender Liebe den Kranken zuwendet. Mögen dem charakterfesten, aufrechten, grundgütigen jüdischen Manne noch viele Jahre segenbringenden Wirkens zum Wohle der vom Leid bedrückten Menschheit beschieden sein. J. L. Der Klub der unionistischen Kultusvorsteher hat in seiner letzten Sitzung an Stelle des Herrn Vizepräsidenten Dr. Josef Ticho, dem für seine langjährige zielbewußte Führung der allgemeine Dank votiert wurde, Herrn Kultusvorsteher Doktor Paul Raumann einstimmig zum Obmann des Klubs gewählt. Mit der Nominierung des Herrn Dr. R a u m a n n, der trotz der Kürze seiner Wirksamkeit im Kultusvorstande sich wegen des Eifers und Ernstes, mit dem er alle ihm übertragenen Agenden, insbesondere die als Stellvertreter des Finanzreferenten erledigt, allseitiger Beliebtheit erfreut, hat der Klub der unionistischen Kultusvorsteher eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Chefredakteur Moriz Fuchs gestorben. Vergangenen Donnerstag abends ist ein hochgeachteter Veteran der Wiener Journalistik, der pensionierte Redakteur der „Neuen Freien Presse" Moriz Fuchs im 74. Lebensjahre gestorben. Nahezu ein halbes Jahrhundert hat Redakteur Fuchs dem Redaktionsstab der „Neuen Freien Presse" angehört. Fuchs hat im lokalen Teil seinen Mann gestellt und mit scharfer Beobachtungsgabe die Ereignisse des Tages behandelt. Er besaß Verj Kinder ins Gebirge! ■ DasaltreDommierteFerienheimWienerbrucka.d.Mariazeller- : bahn, 800 m Seehöhe, unterLeitungderbekaontenFädagogin ■ Elly Rothwein, nimmt Kinder im Alter von 3—15 Jahren. ■ Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Kinder-! heim Elly Rotwein, VII.,Mariahillerstr. 72/17,TelrB 36-0-52 bindungen bis in die höchsten Kreise, namentlich in der Diplomatie hatte er gute Freunde. Bei den Berufskollegen erfreute sich Fuchs wegen seines besonders scharf ausgeprägten Standesgefühles hohen Ansehens. Er fungierte auch durch lange Zeit als Vizepräsident der Organisation der Wiener Presse. Das feierliche Leichenbegängnis des Verblichenen, an dessen Bahre sein Bruder, der Sekretär des Rabbinats der Wiener Kultusgcmeinde, Josef Fu c h s und Ing. Fuchs, sowie seine Schwester, die Gattin des Herrn Rabbiner Prof. Dr J. M. B a c h, trauern, fand Sonntag vormittags unter kolossaler Beteiligung auf dem Zentralfriedhof,. IV. Tor, statt. Vertreter von Kunst und Literatur, öffentlicher Institutionen und aller Gesellschaftskreise waren gekommen, um dem prächtigen Manne das letzte Geleite zu geben. Auch die Wiener Judenschaft, die in d'em Heimgegangenen einen treuen Glaubensgenossen verliert, war zahlreich vertreten, man sah u. a. die Vizepräsidenten Dr. J. O r n s t e i n und Dr. J. T i c h o, Kultusvorsteher Dr. O. Grünbaum, Amtsdirektor Reg.-Rat G. Fuchsgelb, Amtsleiter W. Fr e istad t, sowie eine große Abordnung der oberen Beamtenschaft der Kultusgemeinde, die auf diese Weise ihre Anteil? nähme an dem Schmerze ihres Kollegen Sekretär Josef Fuchs bekundete. Rabbiner Prof. Dr. M. Bach rezitierte die religiösen Gebete, die kantorale Funktion hatte in würdiger Weise Oberkantor H. Fischer inne. Von den Trauerreden seien besonders erwähnt die des Chefredakteurs der „Neuen Freien Presse" Dr. J. Sternberg und des Präsidenten der „Concordia" L i pschütz, die in beredten Worten die hervorragenden Charaktereigenschaften des Verblichenen und sein ausgeprägtes Standesbewußtsein würdigten. Der Josefstädter Tempelverein hat anläßlich der Inkraftsetzung der neuen Verfassung am 3. d. M. in seinem schönen Gotteshause einen feierlichen Abendgottesdienst veranstaltet, an dem mit liturgischen Vorträgen die Oberkantoren Braun. Fischer und Müller aus Wien, sowie Oberkantor Mann aus Brünn mitwirkten. Der Würde dieses Abends entsprechend war sein erhebender Verlauf. Eine zahlreiche Gemeinde füllte den Tempel bis auf das letzte Plätzchen, auf diese Weise auch die Sympathien für den Tempelverein bekundend, der von seinem rührigen Vorstande mit dem tatkräftigen Obmann Komm.- Rat Siegmund F e 1 d m a n n an der Spitze so ausgezeichnet geleitet wird. Herrn Komm.-Rat Siegmund Feldmann ist auch das Verdienst dieses schönen Abends zuzuschreiben, auf den er wirklich stolz sein darf. Denn der Gesamteindruck war ein glänzender, die Einzeldarbietungen hervorragend. Alle Mitwirkenden wetteiferten an dem Bestreben, ihr Bestes zu geben, sie wurden feinfühlig unterstützt von dem gediegenen Männerchor, der bravourös von dem Chordirigenten des Josefstädter Tempels G r ü n b a 11 geleitet wurde. Oberkantor Mann, dem wir als Gast wiederum den Vortritt bei unserer Würdigung geben, faszinierte mit seiner großen, in allen Lagen ausgeglichenen Tenorstimme. Oberkantor Müller vom Pazmanitentempel brillierte durch sein in zartesten Tönen gebotenes unerreichtes Chasonus. Oberkantor F i s c h e r glänzte mit seiner schönen sonoren Baritonstimme und seiner ausgezeichneten Vortragsweise, die besonders deutlich bei dem von ihm rezitierten Maariw-Gebet zum Ausdrucke kam. Der noch im jugendlichen Alter stehende Oberkantor Braun überraschte durch die korrekte Art, mit der er seine Solis zu Gehör brachte. Jeder einzelne der Mitwirkenden rief bei den Anwesenden Begeisterung IU tr WOHLFAHRTSVEREIN EBEN5EITIGKEIT" WIEN IL, TABORSTRÄSSE Nr. 21 GEGRÜNDET 1904 / TELEPHON NR. A 42-0-13 : Abteilung Inr Hinterbliebenen-, Hlters-, Rinder- und Rranbenfursorge UNSERE LEISTUNGEN: Mit Monatsbeiträgen von S 1.— bis S 8.— können Sie bei uns sicherstellen: s Hinterbliebenen-, Hltersnnö Rranbenffirsorge s Hnsstaftangsbeifrage für ToAftr, Sfuöienbeifrage für Tochter nnö Söhne Yeriantfen sie onslöbrlldie Prospekte oder Besnch unseres Werbers UNSERE VORTEILE: 1 1. Sofortige Wirksamkeit, daher keine Warte- ■ zeit / 2. Minimale Beiträge / 3. Hohe Verg Sicherungssummen / 4. Volle Haftung der ■ „Gemeinde Wien, Städfisdie Versidie- ■ rungsanstalt" / 5. Keine Nebengebühren / £ 6. Keine ärztl. Untersuchung / 7. ünverfall- ■ barkeit nach dreijähriger Beitragszahlung ■

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