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Die Wahrheit · 1934-05-18 · Heft 21 (18.5.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 21 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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PALESTINE&OR1ENT LLOYD DiEWELTORGANISATlONäFüa PALÄSTINAREISEN VERTRETUNG FÜR ÖSTERREICH: REISEBÜRO CITY DR.J.H.KÖRNER WIEN,I. KOHLMARKT 8 TELEPHON N8.U-J6-4--29 DIE WAHRHEIT Herzu. franenhcilbäd: Tatzmannsdorij (Ourgenland) [ Mineral-, Moor- und natürliche Kohlen- ■ 5 säuresprudelbäder. Billiger Pensionspreis: •inklusive Heilbäder. — Auskünfte und Prospekte: Knr-J direktion oder Kurkommission, Bad Tatzmanns-j Jdorf, Burgenland, und in allen Fremdenverkehrsbüros.! Zwei rituelle Restaurants. £ '.„...,„..............................■■■>■■••■■••••••••••••——•••I Das Schicksal der Saar~Juden. Das „Comite des Delegation» Juiv e s" und in Zusammenarbeit mit ihm das Joint Foreign Committee der britischen Juden haben dem Völkerbundrat Memoranda überreicht, die den tatsächlichen Zustand der Juden im Saargebiet sowie den Standpunkt dieser jüdischen Körperschaften in dieser Frage darlegen. Sie fordern darin insbesondere, daß — für den Fall eines Ausganges des Plebiszites, der eine andere Lösung als die Weitererhaltung des jetzigen Völkerbundregimes mit sich bringt — der Staat, dem dieses Gebiet angegliedert würde, noch vor dem Plebiszit Verpflichtungen eingeht, die bereits in einer großen Anzahl von Minderheitschutzverträgen enthalten sind. Wenn gewisse rein formelle Gründe den Völkerbund bis jetzt daran hindern konnten, direkt gegen die Verfolgungen der Juden in Deutschland einzuschreiten, so können für das Saargebiet, das unter unmittelbarer Oberhoheit des Völkerbundes steht, solche Vorwände keineswegs geltend gemacht werden. Das Ansehen des Völkerbundes würde eine weitere und außerordentlich schwerwiegende Schädigung erleiden, wenn er die Minderheiten im Saargebiet, und insbesondere die jüdische Minderheit, nach einer eventuellen Rückgliederung dieses Gebietes zu Deutschland jenem sicheren Schicksal überlassen würde, das allen nur allzu gut bekannt ist, ohne ihnen irgendeinen Schutz zu sichern. Ermunterung zum Pogrom. In der Nacht zum Himmelfahrtstag wurde die Mauer des jüdischenFriedhofesinSaarbrücken, etwa 50 Meter von der französischen Orenze entfernt, von fachkundigen Händen mit folgendem Text beschmiert: „Judentod beseitigt Saarlands Not." Diese Schrift wurde auf einer Länge von 30 Meter und einer Höhe von 1 Meter angebracht. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag ist die Schrift — wie die Zeitungen mitteilen: auf Anordnung der „Deutschen Front" — wieder beseitigt worden. Masaryk verneint die Rassenunter« schiede. Der französische Publizist Emile Schreiber und Gattin wurden vom Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Thomas G. Masaryk, eingeladen, ein Wochenende im Schloß L a n a zu verbringen. In der Pariser Zeitschrift „L'Illus t r a t i o n" berichtet Schreiber über seinen Besuch und gibt einen Teil seiner Gespräche mit Masaryk wieder. Zur Judenfrage bemerkte Präsident Masaryk: „Kürzlich besuchte mich Dr. Z o 11 s c h a n, ein jüdischer Arzt aus Karlsbad; er erklärte mir, daß er einen internationalen anthropologischen Kongreß zu organisieren beabsichtige, um auf wissenschaftliche und objektive Weise festzustellen, daß es unmöglich ist, die menschlichen Rassen voneinander zu unterscheiden. Ich habe ihn lebhaft angespornt, das zu tun, und schließlich habe ich ihm empfohlen, auch die Repräsentanten der deutschen Wissenschaft offiziell zu laden, damit sie dort, vor dem Areopag der Gelehrten aus aller Welt, ihren Standpunkt darlegen, der dann diese Frage, unabhängig von der Politischen Doktrin, lösen wird." (Dr. Ignaz Zollschan ist ein bekannter Anthropologe und Verfasser des Buches „Das Rassen- Problem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassenfrage".) Dr. Hans Bachrach praktiziert wieder in Badgastein, Lainerhaus. Schewuoth. Weit hingebreitet liegt das Land, Im Silberglanz die Berge stehen, Vom Himmel hoch und weit umspannt. Kristaliklar dort die Lüfte wehen. Und auf der Firnen reinem Schnee Ruht Sonne strahlend ausgegossen. Der Priester steigt empor zur Höh' Vom Hauch des Ewigen umflossen. Ein Donnerschlag. Die Erde bebt Und Blitze zuckend niederflammen. Gewölk, das dicht den Berg umschwebt; Die Nebel ballen sich zusammen. Die Stimme Gottes laut durchdringt Naturgewalten, die vernichten. Dem Mund entströmen, klar beschwingt, Der heiligen Gesetze Pflichten. Und wieder träumend liegt das Land. Der Horebsberg in Glanz gebadet, Des hehren Bundes Unterpfand, Ewig mit Gottes Huld begnadet. B. B. Palästina-Nachrichten. Von den 17 Mitgliedern des Tel Aviver Vereins der S c h o m r e S c h a b b o s, die am vergangenen Samstag in den Straßen von Tel Aviv Motorzyklisten anhielten und am Weiterfahren verhinderten, wurden zwei zu Geldbußen von je 10 Pt'und oder zwei Monaten Gefängnis, drei zu je fünf Pfund oder einem Monat Gefängnis verurteilt; sieben wurden zu sechsmonatigem Wohlverhalten verwarnt, die übrigen fünf wurden freigesprochen. * Die Palästinaregierung plant, die Zulassung zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufes in Palästina einzuschränken und jährlich nur noch fünf neue Rechtsanwaltslizenzen auszugeben. Die Jewish Agency Cate Pension Echsfein Semmering hat mit den an dieser Frage interessierten Organisationen Fühlung genommen und beabsichtigt, bei der Palästinaregierung Vorstellungen zu erheben, da durch die neuen Bestimmungen vor allem nach Palästina einwandernde deutsche Juden betroffen werden würden. Der jüdische Juristenverband Palästinas hat sich entschieden gegen die Einführung einer Quote im Rechtsanwaltsberuf ausgesprochen. * Die Zentralbank der Kooperativen in Palästina hat beschlossen, 10.000 Pfund für Anleihen an deutsch-jüdische Flüchtlingte in Palästina zu produktiven Zwecken, wie Ankauf von Werkzeugen und Inventar, zur Verfügung zu stellen. Die Einzeldarlehen werden 100 Pfund nicht überschreiten, die Rückzahlung muß innerhalb 5 Jahren erfolgen. * Die Inkraftsetzung des neuen Gesetzes, welches die Stellung jüdischer Streikposten als Demonstration gegen A Hofmeister, Hauslehrer für alle Mittelschultypen, m!* Kenntnissen fremder Sprachen, sportlich geschult, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische nochs.chu laussch'uß, IX.. Alserstraße 26. Telefon A 25-2-28 von 13 tis 17 Uhr. Jüdische Kinder aufs Land. Mit einem Kostenaufwand von rund 50.000 S hat die Kultusgemeinde Wien im Vorjahre 2536 erholungsbedürftigen Kindern ermöglicht, im eigenen Erholungsheim sowie in Heilstätten, Ferienkolonien, Sommerlagern und Tagesheimstätten einige Wochen in Luit und Sonne zu verbringen. Die Zahl der armen Kinder, bei denen laut ärztlichem Befund Land- oder Heilstättenauienthalt dringend empfohlen ist, hat angesichts der jetzigen Verhältnisse derart zugenommen, daB die Kultüsgemeinde außerstande ist, die erforderlichen Mittel beizustellen. Der Vorstand der Kultusgemeinde' sieht sich daher veranlaßt, an die breite jüdische Oeifentlichkeit den Appell zu richten, durch reichliche Spenden dazu zu verhelfen, daß wenigstens eine große Anzahl der allerbedürftigsten Kinder auch heuer der Erholung zugeführt werden können. Es gilt, Kinder wenigstens einen Monat aus ihrem grauen Dasein hervorzuheben in Licht und Sonne, in unbeschränktes Jugendglück! Für neunzig Schilling kann einem Kinde ein Monat Kinderglück gesichert werden! Spenden wollen an die Fürsorge-Zentrale der israelitischen Kultusgemeinde, I„ Seitenstettengasse 2, „Aktion jüdische Kinder aufs Land" überwiesen werden. Postsparkassen-Konto B 29.659. Tel. U 25-5-85. die Beschäftigung arabischer Arbeiter in jüdischen Plantagen verbietet, wurde zunächst durch Entsendung von polizeilichen Verstärkungen nach Kfar Saba und die anderen Kolonien im Tale Sharon demonstriert. Gleichzeitig haben die jüdischen Plantagcnbesitzer ihre Söhne in die Sharon-Kolonien entsandt, damit sie neben den Arabern arbeiten, um auf diese Weise das Prinzip gemischter Arbeit zu verteidigen. „Davar" beschuldigt den Verband jüdischer Pflanzer und seinen Leiter Smiliansky, das neue Gesetz zu unterstützen. Der Pflanzerverband, sagt „Davar"', sieht in dem Gesetz einen Sieg der Pflanzerinteressen. In Anwendung des neuen Gesetzes gegen Streikpostenstehen wurde bereits in Kfar Saba zwei jüdische Arbeiter zu je einem Monat Zwangsarbeit verurteilt. * Die Jewish Agency hat eine Untersuchung über die Zahl der in rein jüdischen Orangenplantagen Palästinas beschäftigten arabischen Arbeiter angestellt, die das folgende Ergebnis erbracht hat: Ende Februar 1934 waren in 1044 rein jüdischen Plantagen 6800 jüdische und 4548 arabische Arbeiter beschäftigt. Die Araber machten demnach etwas mehr als zwei Fünftel der Gesamtarbeiterschaft in diesen Hainen aus. — Von 25 Kolonien, die zur Untersuchung herangezogen wurden, beschäftigten nur 14 allein jüdische Arbeiter. « Die plötzlich gesteigerte antijüdische Propaganda in Palästina und in den benachbarten Ländern bringen eingeweihte Kreise mit dem kürzlichen Besuch des Reichsinnenministers Dr. F r i c k in diesen Ländern in Zusammenhang. Die arabischen Zeitungen in Beirut und in Bagdad bringen jetzt Hitlers „Mein Kampf" in Fortsetzungen, einige arabische Zeitungen in Palästina publizieren Artikel mit Lobgesängen auf Hitler. Man weiß, daß mehrere arabische Zeitungen in Aegypten schon von irüher her aus den Fonds des Reichspropagandaministeriums gespeist werden, seit Fricks Orientbesuch werden auch die arabischen Zeitungen der übrigen Orientländer aus den Fonds des Reichspropagandaministeriums bedacht. Aus gut informierter Quelle wird ferner mitgeteilt, daß in Kairo ein Nazi-Amt besteht, das sein Budget und seine Instruktionen direkt vom Berliner PropaganUaministerium erhält. Arabische Agenten werden regelmäßig nach Berlin eingeladen, wo sie einer Art „S c h ulung" als Propagandisten unterworfen sind. Die „ Union" zur neuen Verfassung Die letzten Versammlungen der „Union" galten der Stellung dieser Organisation zur neuen österreichischen Verfassung. In allen Wiener Gemeindebezirken fanden solche Versammlungen statt, die einen starken Zuspruch fanden und in denen prominente Redner der „Union" in fesselnder Weise den Standpunkt der vaterländisch-österreichischen Juden zum Neuaufbau unseres Staates entwickelten. Eine wahre Massenversammlung war die vergangenen Donnerstag im 3. Bezirk abgehaltene Kundgebung, von der auch die Tagespresse entsprechend berichtete. In der überaus zahlreich besuchten Versammlung entwickelte der neugewählte Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. Josef T i c h o, die Stellungnahme der „Union". Mit hoher Genugtuung stellte der Redner fest, daß die Präambel des Verfassungsgesetzes, die sich auf Gott als die Quelle allen Rechtes beruft, voll und ganz auch der jüdisch-religiösen Auffassung entspreche. Die Normierung der Gleichheit aller Bundesbürger vor dem Gesetze hat in der österreichischen Judenschaft volle Befriedigung ausgelöst. Es ist nicht der geringste Anlaß vorhanden, daß die Bestimmung der Verfassung, wonach nur sachliche Gründe eine ungleiche Behandlung von Bundesbürgern in den Gesetzen rechtfertigen, in der Judenschaft Beunruhigung hervorrufe. Denn die Zugehörigkeit zur mosaischen Religionsgemeinschaft liefere sicherlich nicht einen sachlichen Grund für eine ungleiche Behandlung. Es ist in der Verfassung ausdrücklich festgelegt, daß der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte, sowie die Zulassung zu öffentlichen Stellen und Würden vom Religionsbekenntnis unabhängig ist. Mit besonderer Freude hat es die österreichische Judenschaft aufgenommen, daß auch "an der Einrichtung und dem Wirkungskreis der Kultusgemeinde durch die Verfassung nichts geändert wurde. Der Redner gab unter lebhafter Zustimmung der Versammlung der BSP*^.'

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