Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1934-05-11 · Heft 20 (11.5.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 20 (11.5.1934)
Date
1934-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064504-3064523--19760-3084931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

\ Ü1E WAHRHEIT Seite? Scholem Alediem, der Klassiker jüdischen Humors. Zur 75. Wiederkehr seines Geburtstages. In diesen Tagen wäre der populärste jiddische Schriftsteller unseres Zeitalters, Schalom Rabbin o \v i t s c h, als Schriftsteller bekannt unter seinem Pseudonym Scholem Alechem, 75 Jahre alt geworden. Es gibt kaum einen Schilderer des jüdischen Lebens, der sich bei dem jüdischen Publikum in aller Welt einer solchen Beliebtheit, ja sagen wir ruhig einer solchen Liebe erfreuen kann, wie dieser humorvolle Dichter der jüdischen Kleinstadt, dieser Schilderer idyllischer Zustände, dieser Zeichner fein ausgearbeiteter humoristischer Bilder aus dem Leben des kleinen jüdischen Mannes. Und wenn auch der satirische Anstrich nicht fehlt, so ist doch sein Gesamtscharfen das Abbild eines originellen, anmutigen und in seiner Art so erquickenden Geistes, daß seine Werke ihren Erfolg behalten haben, Kinder ins Gebirge! DasaltrenommierteFerienheiraWienerbrucka.d.Mariazellerbahn, 800 m Seehöhe, unter LeituDgderbekannten Pädagogin Elly Roth wein, nimmt Kinder im Alter von 3—15 Jahren. Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Kinderheim Elly Rotwein, VII., Mariahilferstr. 72/17,Tel. B 36-0-52 auch wenn die Zustände, aus denen sie hervorgegangen sind, nicht mehr bestehen, auch wenn der größte Teil seiner heutigen Leser ihn nur aus Uebersetzungen kennt. Er war der erste und blieb bis heute unter den jüdischen Schriftstellern der einzige, der den Frohsinn der jüdischen „Gasse" entdeckte und in übermütiger Schöpferlaune, der freilich hie und da der jüdische Stoßseufzer nicht fehlt, seine einzigartigen Werke schuf. Das befreiende Lachen war der neue Ton, den Scholem Alechem in die jüdische Literatur gebracht hat, die Sympathie für die Armen und Bedürftigen die Brücke, die ihn hinüberführte in die .breite Popularität, deren er sich heute erfreut. Einige Daten aus seinem bewegten Leben sollen der Probe aus seinen Werken beigegeben werden, die wir zu seinem Andenken im Feuilletonteil unserer heutigen Nummer, veröffentlichen.. Er wurde geboren im Jahre 1859 — beim damaligen Fehlen der Einrichtung eines Standesamtes steht der Tag nicht so genau fest —, es mag im April oden im Mai gewesen sein. Sein Geburtsort war Perejaslaw im Gouvernement Poltawa und sein Vater war ein Gutspächter, der ihm eine sorgfältige jüdische Erziehung angedeihen ließ. Erst mit 15 Jahren begann er sich unter der Wirkung der damals neu auftretenden Aufklärungsbewegung, der Haskala, allgemeinen Studien und den europäischen Sprachen zu widmen, ohne daß er dabei seine Talmudstudien vernachlässigte. Von 1877 bis 1880 war er Hauslehrer und wurde dann Kreisrabbiner in Lubni. Aber schon während dieser Zeit begann er mit der Veröffentlichung von kleinen schriftstellerischen Arbeiten, meist Feuilletons, in den damals führenden größten hebräischen Tageszeitungen „Hamelitz" und „Hazefira". Der größeren Oeffentlichkeit wurde er bekannt durch seine Mitarbeit an dem in Petersburg herausgegebenen „Jüdischen Volksblatt", für das er Romane, Erzählungen und Lieder schrieb. So gab er denn bald seine .Rabbinerstellung auf und ließ sich als Journalist in Petersburg nieder. Aus seiner ersten Schaffenszeit sind zu erwähnen die Novelle „Natascha", das Drama „Das Kontorgeschäft", die Satire „Die Weltreise" und seine Gedichte „Ein Bündel Blumen". 1888 erlaubte es ihm eine Erbschaft, selbst unter die Verleger zu gehen und nach Kiew überzusiedeln. Er gab dort die literarische Zeitschrift ».Die jüdische Volksbibliothek" heraus, an der die bedeutendsten jüdischen Schriftsteller, wie Perez, Gordon, Frischmann und andere mehr mitarbeiteten. Diese Schaffensperiode begründete seinen Ruhm als den des unübertrefflichen jüdischen Humoristen. Durch unglückliche Spekulationen verlor er aber sein Vermögen und auch die Herausgabe jüdischer Jahrbücher brachte ihm geschäftliche Verluste. So übersiedelte er nach kurzem Aufenthalt in Paris und Wien nach Odessa, wo er mit der Veröffentlichung seiner jüdischen Volksbibliothek fortfuhr, kehrte aber 1893 wieder nach Kiew zurück und wurde Mitarbeiter an den jüdischen Zeitungen „Hausfreund", „Freund", „Tag", „Weg" usw. Die Pogrome des Jahres 1905 ließen ihn Rußland den Rücken kehren. Er begab sich auf Reisen und hielt Vorlesungen in Oesterreich, der Schweiz und England. Schließlich wanderte er nach Amerika aus, wo er mit Enthusiasmus aufgenommen wurde und der berühmteste Mitarbeiter der dort schon zu großer Bedeutung entwickelten jüdischen Presse wurde. Für das jüdische Theater schrieb er dort einige Dramen. Er konnte sich aber in Amerika nicht einleben und kehrte 1907 nach Europa zurück. Der Ausbruch des Weltkrieges erreichte ihn in dem Kurort Nervi an der italienischen Riviera. Noch einmal fuhr er nach New York, aber sein unruhiger Geist ließ ihn nicht seßhaft werden, er begab sich wiederum auf Reisen und starb 1916 bei einem Aufenthalt in Kopenhagen. Nach seinem Tode erschienen vielfach Gesamtausgaben seiner Werke, die größte in Wilna, die 28 Bände umfaßt. Soll man aus der großen Fülle seines Schaffens einzelne Typen, die er verewigte, herausgreifen, so sind es vor allem die Geschichten von „Tewje, dem Milchhändler", „Menachem Mendel", „Moddl Pese, der Chasen", „Von zwei Welten" und die „Eisenbahngeschichten". Neben Mendele Mocher Sforim und Perez behauptet Scholem Alechem unangefochten die erste Stelle in der jüdischen Literatur. Er war es, der in der jüdischen Belletristik das künstlerische Element befestigte und das Volk durch befreiendes Lachen seine Leiden vergessen ließ, er war es, der das jüdische Leben in der patriarchalischen Begehung der Feier- und Festtage mit seinem Humor vergoldete. Eine einzigartige Stellung nehmen seine Kindererzählungen ein, in denen er mit zärtlicher Lyrik auf das Gemüt des jüdischen Kindes wirkt. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jedsr Art II., Rotnkrenzga»»e 3 . TeU A 45-8-37 Palästina-Nachrichten. Das Amtsblatt (Official Gazette) gibt bekannt, daß die Zahl der von der Palästina-Regierung der Jewish Agency für das nächste Halbjahr bewilligten Arbeitereinwanderungs-Zertifikate 5600 beträgt. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, entspricht dies einem Drittel der Zahl von Zertifikaten, die von der Jewish Agency für diese Periode angefordert wurde. Am Dienstag, den 1. Mai, abends, wurde im großen Stadion der Levante-Messe zu Tel Aviv die Reihe der Feiern aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der jüdischen Stadt Tel Aviv eröffnet. Neben den vielen tausenden Einwohnern von Tel Aviv fanden sich ijn Stadion zahlreiche Abordnungen jüdischer Großgemeinden aus allen Ländern der Welt ein. Der Bürgermeister von Tel Aviv, Mayer Dizengoff, von den Anwesenden mit stürmischen Ovationen empfangen, gab in seiner Eröffnungsansprache einen Ueberblick über das Wachstum von Tel Aviv. Als zweiter Redner charakterisierte der Präsident der Jewish Agency Nahum S o k o 1 o w die Bedeutung Tel Avivs im Leben der jüdischen Gesamtheit. Es folgten als Redner der palästinensische Landesrahbiner Kook und der Vorsitzende des Waad Leumi Ben Zwi. Die Reden waren von orchestralen und chorischen Darbietungen umrahmt. 16 Mitglieder des Vereines „Schomre Schabbos" in Tel Aviv wurden am letzten Samstag verhaftet, als sie jüdische Auto- und Motorradfahrer mit dem Hinweis auf die Sabbathheiligungspflicht am Weiterfahren hindern wollten, wobei es zu einer Schlägerei kam, in deren .Verlauf mehrere Personen, unter ihnen der intervenierende Polizeiinspektor Spector, leichte Verletzungen erhielten. Da die Verhafteten sich weigerten, die Pflicht auf sich zu nehmen, an den kommenden Sabbathtagen derartige Kundgebungen nicht zu wiederholen, wurde ihnen das Recht, gegen Hinterlegung einer Kaution_aus der Haft entlassen zu werden, entzogen. Sie bildeten im Gefängnis ein „Minjan" und verrichteten kollektive Gebete. * Die Nazi-Gruppen in den palästinensischen Städten, die ihr Zentrum in Haifa haben, halten Versammlungen ab, zu denen besonders ausländische „arische" Touristen, Schiifsbeamte und Matrosen eingeladen werden. In den Ansprachen wird auch scharf gegen die Juden gehetzt Die jüdische Presse weist auf die Gefahr solche r Umtriebe für die Ruhe im Lande hin. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEH1 tjammmmmmmammmammmmmamammmm^mmmmmmmmm WIEN IX., BEIHIOAS» NR. 1» PIUUli XVIII., wAhrinmrstrasss »» Telephon Nr. A 17*99 und A 1S-9-34 Uafaraat fflr Itellanstaltaa AbteilungenfürKoscherfleisch mtor Aataleht *mm ihm. RabbhurtM lar. Koltuaa«n«ind* Sämtliche Fletscbsorten von ansichlitfiUcb Prisw-Qualität zo den billigsten MarktprelMa Fräulein aus bürgerlichem Haus sucht tagsüber Stelle zu Kindern von 2 bis 8 Jahren. Jahreszeugnisse. Nähkenntnisse, hilft auch im Haushalt. Unter „Gute Referenzen" a. d. Adm. d. Bl. Konzert Juliusz Wolfsohn. Im großen Musikvereinssaal trat am 26. v. M. Juliusz Wolf söhn nach längerer Pause wieder vor das Wiener Publikum. Das Programm: Chopin und . . . Wolfsohn. Das Klavierkonzert in E-Moll von Chopin zu besprechen und die Wiedergabe desselben durch Wolfsohn zu würdigen, ist überflüssig. Wolisohn zählt, selbst im Heimatlande Chopins, zu dessen besten Interpreten. Wir wollen uns hauptsächlich mit dem jüdischen Komponisten Wolfsohn und seiner Suite hebraique für Klavier und Orchester in vier Sätzen, die er als zweite Programmnummer spielte, näher beiassen. In diesem Werke gelangte Wolfsohn an die Quelle des. jüdischen Lebens, der jüdischen Seele. Jüdische Lieder, Volksweisen und Tänze bearbeitete er meisterhaft zu einer Sinfonica judaica. Diese Lieder,^Weisen und Tänze stammen so wie der Meister, der sie hörte, verstand und deshalb so phänomenal verband, von dort, wo der jüdische Pulsschlag am stärksten fühlbar ist, von dort, woher Heifetz, Horowitz und Hubermann stammen, aus dem Osten. Im ersten Satz des Werkes, der als „Prolog" bezeichnet ist, führt uns Wolisohn in den jüdischen Himmel auf Erden, ins Beth Hamidrasch. Tiefe, mitunter klagende Töne, die den Gesang des Talmudisten, die Laute des inbrünstig Betenden, unterbrochen durch den Schrei einer verzweifelten Mutter, ausdrücken. Alles harmonisch verbunden und zart untermalt. Zweiter Satz „Reigen". Ein chassidischer Reigen. Dritter Satz „Liebestod". Eine Volksweise, die in Verklärung beginnt und in Tod endet, auf das gefühlvollste instrumentiert. Vierter Satz „Hochzeitstanz". Eine Reihe Hochzeitilieder, welche, von Wolfsohn verbunden, die jüdische Hochzeit ausdrücken. Zusammenfassend, eine jüdische Sinfonie (keine hebräische), aus welcher wir das Leben und Leiden von sieben Millionen Juden hören. Ein Meisterwerk des genialen Komponisten Wolfsohn. Ein auserlesenes jüdisches Publikum, .das den Saal füllte, lauschte mit nahezu religiöser Ergriffenheit Tönen, in welchen es das eigene Ich entdeckte. Ein glanzvoller Abend, trotzdem jener Teil des jüdischen Publikums, welcher mit Rücksicht auf ihre Kunst (?) den auf Reinrassigkeit eingestellten Pianisten oder Hitler-Dirigenten die Säle füllt, fehlte. Zu erwähnen sei noch der Dirigent des Abends, Dr. Ernst B a c h r i c h, der das neugegründete Konzertorchester sicher leitete. Wir wollen hoffen, daß Wolfsohn sein nächsten Konzert recht bald wird folgen lassen. m. Semeindedktonitz. Warschau. Der polnische Ministerpräsident Janusz Jendzejewicz übernahm das Protektorat über die vom „Verein jüdischer Teilnehmer an den Kämpfen für Polens Unabhängigkeit" in ganz Polen veranstalteten Feierlichkeiten, die am 27. Mai zum Andenken an den jüdischen Obersten Berek J o s s e l e w i c z, der vor 125 Jahren an der Spitze seines jüdischen Regiments in der Schlacht bei Kozk gefallen ist, stattfinden werden. In den Feiern wird auch ailer anderen im Kampfe für Polens Unabhängigkeit gefallenen Juden gedacht werden. Todesfälle. Am Donnerstag, den 3. Mai, wurde Herr Komm.-Rat Carl Fuchs zu Grabe getragen, der im 82. Lebensjahre dahingeschieden ist. Mit ihm ist ein aufrechter Mann heimgegangen, aufrecht sowohl in physischer Beziehung, denn bis knapp vor seinem Tode war Komm.-Rat Carl Fuchs von ungebeugter Frische, als auch was seinen Charakter anbelangt, den wegen seiner Ehrlichkeit jeder seiner unzählig vielen Bekannten, die er hauptsächlich in der Leopoldstadt besaß, schätzte. Im politischen Leben dieses. Bezirkes hat Komm.-Rat Carl Fuchs seinerzeit eine große Rolle gespielt, er bekundete auch großes Interesse für jüdische Angelegenheiten verschiedenster Art und hatte als Weingroßhändler einen geachteten Namen. Seinem Leichenbegängnisse wohnten zahlreiche Freunde und Bekannte bei, u. a. sah man in Vertretung der „Union" die Herren Dr. J. O r n s t e i n, Reg.-Rat Dr. M. Lenk, Komm.-Rat S. Planer und Rat E. H o f m a n n, eine große Abordnung des „Vereines zur Unterstützung armer alter Männer", in dessen Namen der Obmann Gustav Planer dem dahingeschiedenen eifrigen Vorstandskollegen den herzlichsten Dank für seine hingebungsvolle Mitarbeit bekundete, ferner Herr Paul Schwarzstein für die Chewra Kadischa. Amts- 'I,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.