Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 20 (11.5.1934)
- Date
- 1934-05-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof. 3. Tor. Tel. U10-4-53 Ritaaimordhetze im Dritten Reich. Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat folgendes Telegramm an den Reichskanzler Adolf Hitler gesandt: „Der .Stürmer* verbreitet eine Sondernummer, die unter ungeheuerlichen Beschimpfungen und mit grauenerregenden Darstellungen das Judentum des Ritualmordes bezichtigt Vor Gott und Menschen erheben wir gegen diese beispiellose Schändung unseres Glaubens in feierlicher Verwahrung unsere Stimme." Dieser Protest der Reichsvertretung der deutschen Juden an Hitler — es ist dies seit Bestehen des Hitler-Regimes das erstemal, daß eine autoritative deutsch-jüdische Behörde sich offiziell an die nationalsozialistische Regierung wendet — bezieht sich auf die in der Vorwoche vom Gauleiter und Mitglied der Bayerischen Regierung Julius Streicher herausgegebene Sondernummer seines Nürnberger Wochenblattes „Der Stürmer", in der unter der Schlagzeile „Jüdischer Mordplan gegen die nichtjüdische Menschheit aufgedeckt" auf 12 reich illustrierten Seiten 131 angebliche jüdische Ritualmorde von 169 v. Chr. bis 1932 aufgezählt, bzw. geschildert werden. In der gleichen Nummer klagt Streicher das_ Weltjudentum an, einen Mord plan gegen Hitler ausgebrütet zu haben. Streicher verwendet dabei das Material, welches der vom Reichspropagandaministerium zur Führung der Judenhetze auf internationalem Boden begründete „Bund völkischer Europäer" durch seine Unterabteilung „World League against the Lie" verbreitet. Das Material wurde auch schon von zahlreichen nationalsozialistischen Zeitungen benutzt Es sollen im Auslande jüdische Ansichtskarten verbreitet worden sein, auf denen der Kopf Hitlers auf einem Opfertische abgebildet sei. Die in zehntausenden Exemplaren in ganz Deutschland verbreitete Ritualmordnummer des „Stürmer" hat im Zusammenhang mit der erneuerten Welle der Judenhaßpropaganda in der gesamten reichsdeutschen Presse und mit den wiederum sich häufenden judenhetzerischen Ausfällen der nationalsozialistischen Führer in der englischen OeffenÜichkeit wie auch in der anderer Länder große Aufmerksamkeit erregt. Es fällt auch auf, daß die in Berlin lebenden Korrespondenten auswärtiger Blätter, die unter der Einwirkung des Reächspropagandaministeriums aufgehört haben, der deutschen Judenfrage allzu große Aufmerksamkeit zu widmen, jetzt wieder nach dieser Richtung hin rege geworden sind; ein Beweis dafür, daß sie die Situation für die Juden in Deutschland wiederum als sehr gefährdet ansehen. scheidend ist vor allem, daß für den Religionsunterricht in der ersten und zweiten Volksschulklasse nur eine Unterrichtsstunde und von da ab zwei Unterrichtsstunden zur Verfügung stehen und daß selbst diese zwei Unterrichtsstunden selbstverständlich nicht allein mit dem Unterricht in der hebräischen Sprache ausgefüllt werden, sondern auch dem Unterricht in den übrigen Disziplinen zu dienen haben. Es bleibt daher für die Erlernung des für jede einzelne Klasse bestimmten Lehrstoffes der hebräischen Sprache so wenig Zeit übrig, daß bei allem guten Willen der Lehrer und der Schüler kaum viel erreicht werden dürfte. Wir haben diesen Lehrplänen auch hinsichtlich der hebräischen Sprache voll und ganz zugestimmt, da auch wir unbedingt dafür sind, die Kenntnis des Hebräischen zu fördern, um der Jugend diel Möglichkeit zu geben, wenigstens leichte Texte zu verstehen. Hiezu wird nebst dem ernsten Eifer der Lehrer und dem guten Willen der Schüler auch noch die Einführung entsprechender Lehrbücher erforderlich sein. Hiebei soll die Frage ganz unerörtert bleiben, ob und inwieweit durch die Intensivierung des hebräischen Sprachunterrichtes nicht der Unterricht in den übrigen Disziplinen Schadeini erleiden könnte, zumal in der systematischen Religionslehre selbst, da der Zweck des Religionsunterrichtes nicht ein Sprachunterricht sondern ein Religionsunterricht ist. Alles hängt vom Geiste ab, in welchem dieser Unterricht erteilt wird; auch der Sprachunterricht kann als Religionsunterricht erteilt werden, dies insbesondere dann, wenn einzelne Bibelstellen und insbesondere auch Gebete rein religiösen Inhaltes zur Uebersetzung herangezogen und in religiösem Sinne ausgewertet werden. Wir alle haben tiefes seelisches Interesse daran, unsere Jugend religiös zu erzielen, und wollen daher die Hoffnung hegen, daß die Intensivierung des hebräischen Unterrichtes eine Zurückdrängung der übrigen Disziplinen nicht herbeiführen und dein religiösen Gedanken in der Jugend fördern werde. Die Die neuen Religionsunterrichts- Lehrpläne. Von Vizepräsident Dr. Josef Ticho. In der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien vom 30. April wurden neue Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht an Volks-, Haupt- und Mittelschulen angenommen. Bekanntlich gliedert sich der Religionsunterricht in mehrere Disziplinen, wie jüdische Geschichte, systematische Religionslehre und Hebräisch. Die neuen Lehrpläne lassen die beiden zuerst genannten Disziplinen, nämlich jüdische Geschichte und systematische Religionslehre im großen und ganzen unverändert, so daß in dieser Hinsicht nichts zu sagen wäre. Der Unterricht im Hebräischen wird in den neuen Lehrplänen intensiver gestaltet, indem jetzt entgegen der bisherigen Uebung der Unterricht im Hebräischen systematisch betrieben werden soll. Hiebei ist nach einzelnen Unterrichtsstufen festgelegt welche Teüe der hebräischen Grammatik in den einzelnen Klassen behandelt werden sollen, um die Kenntnis der hebräischen Sprache in entsprechender Weise zu fördern. Ob und wie weit dies gelingen wird, mag dahingestellt bleiben. Ent- Aus der braunen Hölle. >, . - - " Ätftsfc^V'. __ _ 1" — , i j Die Polizeidirektion Konigshutte hat die Ortsgruppe der ostoberschlesischen „Jungen Nat i o n a 1 s o z i a 1 i s t e n1' ~& u f g e 1 ö s t. Die Auflösung dürfte dem „Berliner Tageblatt" zufolge in den antisemitischen Demonstrationen zu suchen sein, die von Mitgliedern durchgeführt wurden. (Man kann sich vorstellen, daß es tei „antisemitischen Demonstrationen" nicht sein Bewenden hatte. D. Red.) Der deutsche Adelsmarschall Fürst zu Bentheim- Tecklenburg erließ einen Aufruf „an den reinblütigen deutschen Adel", in dem er die Mitglieder der Deutschen Adelsgenossenschait auffordert, sofort mit der Aufstellung der Ahnentafel zu beginnen. J eder nichtarische Bluteinschlag auch in frühesten Generationen hat Verlust der Mitgliedschaft im Gefolge. Der Aufruf schließt: „Die den Staat tragende Bewegung verlangt von ihren Mitgliedern unbedingte Blutsreinheit ohne Beschränkung auf eine bestimmte Ahnenreihe. Da erachte ich einen Adel für sinnlos, der nicht gewillt ist, sich von jüdischem Blut zu befreien." * Vom 6. bis 15. Mai findet in Mannheim eine Verkaufsmesse statt. Wie das Jlakenkreuzbanner" in Mannheim meldet, hat man, „um den Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen", eine Sonderklausel für die jüdischen Händler eingefügt, die zum erstenmal nicht in der Front der christlichen Geschäfte erscheinen dürfen, sondern ihre Plätze am Ende deT Messe, erst nach den Geschirrverkaufsständen angewiesen bekamen. Das Blatt meint von dieser Neuordnung, man dürfe hier ruhig von einem Entgegenkommen (!) sprechen, das man den Juden gegenüber erweise: denn man schalte sie nicht ganz aus, sondern gebe ihnen die Möglichkeit ihr Gewerbe auszuüben. * Der Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen (Fachgruppe Rechtsanwälte) teilt mit: „Die Wahrnehmung deutscher Rechtsteziehungen zum Ausland liegt noch immer in bedauerlichem Umfang in der Hand jüdischer Rechtsanwälte. Die Beseitigung dieses Zustandes muß angestrebt werden und liegt auch im wirtschaftlichen Interesse der deutschen Anwaltschaft." „Union österreichischer Juden" veranstaltet anläßlich der Wiederkehr des Geburtstages Arthur Schnitzler's am Dienstag, den IS. Mai, 8 Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, eine SdmifcBler ~ Gedenkfeier Aus dem Programm: Prof. Dr. K. Kupier: „Jüdische Probleme in Schnitzlers Werken" Margarete Roederer: Vorlesung aus Schnitzlers Werken. Musikalische Umrahmung: Kurt Fuchsgelb (Violine) Betty Lewin (Klavier> Die Wiener Rezitatorin Margarethe Bach ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: In einem vielgelesenen Montags-Blatte ist ein'sehr liebenswürdiger Aufsatz über mich erschienen, von dem ich nur richtigstelle, daß ich in meiner Radio- Uebertragung aus Washington meinen Eltern keine Festgrüße zu Weihnachten geschickt, sondern daß ich mit Erlaubnis der National Broadcasting Company sie nur zu begrüßen die Gelegenheit hatte. Ein Jude modelliert Mussolini. In einem Raum eines Geschäftshauses am Hohen Markt arbeitet ein junger jüdischer Bildhauer. Obwohl man selten Gelegenheit hat, von. dem künstlerischen Schaffen dieses überaus begabten Plastikers zu hören, ist es geradezu staunenswert, was dieser talentierte jüdische Künstler trotz seiner jungen Jahre schon bisher in unermüdlichem Fleiß und Zähigkeit geleistet hat. Egon Wein er, kaum 27 Jahre alt, dessen. Leistungen mit jeder neuen Arbeit wachsen, ist Absolvent der Meisterschule für Bildhauer an der Akademie der bildenden Künste. Der erst kürzlich verstorbene große Meister H a n a k, Leiter der Meisterschule, dessen Schüler Weiner war, schrieb dem jungen Künstler ins Zeugnis: „Der Schüler hat eine Reifestufe erreicht, die ihn als vollwertig in die Reihen'der Künstlerschaft stellt, seih Weiterstreben steht auf einer künstlerischen Basis, die von einem hohen Idealismus gekrönt ist." Anläßlich einer Studienreise durch Italien, die Egon Weiner ohne Geld auf dem Fahrrad zurücklegte, hatte er in Rom Gelegenheit, Mussolini zu modellieren, welche Arbeit der Duce auch durch eine Auszeichnung Weiners würdigte. Vor zwei Jahren wurde zu Perg in Oberösterreich, dem Geburtsort des verstorbenen Altbundeskanzlers Schober, an dessen Geburtshause eine Gedenktafel enthüllt, die der jüdische Künstler noch zu Lebzeiten des Staatsmannes angefertigt hatte.. Für die große und vielseitige Begabung des jungen Plastikers, der u. a. auch den Blume nfeld-Preis erhielt, sprechen seine Werke „Der Mäher", „Die Kraft", „Der Speerwerfer", der Entwurf zu einem Theodor Herzl- Denkmal, das der Künstler für Tel-Awiw dachte, und unter seinen Porträtbüsten der Charakterkopf Nietzsches, das Porträt Conrad Veidts» ferner die Köpfe Piccavers und Lil Dagovers. Derzeit arbeitet Weiner an einer Komposition, die der junge Bildhauer „Das Schicksal" bezeichnet und die eine markante Darstellung der Leiden und Qualen der deutschen Juden bildet . . . Sulfur. „Verein für. unentgeltlichen Arbeitsnachweis",. Wien IL, Taborstraße 59, Tel. A 42-3-16, bittet die p. t. Arbeitgeber, angesichts der Notlage der jüdischen Arbeitslosen um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergehenden Bedarfes an qualifizierten kaufmännischen Angestellten, Arbeitern, Handwerkern, Sekretären» Nachhilfelehrern und Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst berücksichtigt. Die langerwartete hochaktuelle Neuerscheinung! JESAIAS PRESS Jj NEUES IMLEÄSTINA-Hj&NDBUCH II Der vollkommenste Reiseführer, mit 31 Karten und Stadtplänen. — Unentbehrlich für jede Palästinareise — Wichtig für jeden Palästina-Interessenten. 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