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Die Wahrheit · 1934-05-04 · Heft 19 (4.5.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 19 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Villa Ktirarzf Dr. L o e t> e I Hofgastein sinn bei der Entlarvung der schädlichen Motive, aus denen die Juden die Hochschulen „überschwemmen", erspart. Um so erfreulicher ist die Tatsache, daß es just in der Urheimat des antijüdischen Numerus clausus ein Repräsentant des Christentums unternommen hat, den Ursprung des jüdischen Wissensdurstes theologisch zu verklären: „Wenn das Wissen auch die Quelle der Erbsünde gewesen ist, so war es doch göttlicher Herkunft, denn auch der Baum der Erkenntnis wurde von Gott geschaffen." Zudem habe das Judentum das Wissen mit anderen, hochsittlichen Begriffen verknüpft: „Wissen, Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe — aus diesen erhabenen Begriffen hat das Judentum sein Menschenideal aufgebaut." Damit die Feinde der jüdischen Lehr- und Lernfreiheit und des Judentums überhaupt diese Ausführungen des Budapester Bischofs besser verstehen, seien sie aus der edlen Ausdrucksweise der Theologie ins gemeinverständliche Idiom der Politik übertragen: „Unwissenheit, Knechtseligkeit, Ungerechtigkeit und Haß wollen das Judentum am Aufbau seines Menschheitsideals hindern." Von der trüben Folie des Judenhasses hebt sich der Glanz der jüdischen Lehre nur um so strahlender ab, so wie die Bewunderung eines Faulhaber und eines Balthazar für das Judentum vom dunklen Hintergrund der antisemitischen Rassenhetze. Dr. H. S p i e g 1 e r. AHMUTIERTAti gedenket der toten MUTTER nugicnisdics BmfflHfflffltfflt'B^^ Rund um die Demission Dr. Ornsteins. KönigslicM Die Freunde und Anhänger Dr. Ornsteins konnten mit Fug und Recht erwarten, daß sein Rücktritt von der Leitung der „Union" und von den Eräsidialgeschäften der Kultusgemeinde einen ernsten und tiefen Eindruck unter den Juden Oesterreichs auslösen wird. Wir konnten erwarten, daß der Entschluß unseres Führers auf allen Seiten die willkommene Gelegenheit bieten wird, der fruchtbaren Wirksamkeit Dr. Ornsteins im Dienste des Judentums in dankerfüllten Worten zu gedenken. In dieser Hinsicht hat uns der Ablauf der letzten Woche auch nicht enttäuscht. Die herzlichen, von den Gefühlen des Dankes und der Verehrung erfüllten Kundgebungen aus den Kreisen der „Union" und darüber hinaus von Seiten zahlreicher Korporationen und Persönlichkeiten geben Zeugnis für die Sympathie und Wertschätzung, deren sich unser Dr. Ornstein überall erfreut. Um so peinlicher berührt es, daß gewisse jüdische Politiker auch davor nicht zurückscheuten, die Persönlichkeit Dr. Ornsteins und seine Demission zum Ausgangspunkt von Erörterungen zu machen, die das Gefühl für Takt und Anstand vermissen lassen. Gewissen Elementen scheint eben jedes Mittel recht zu sein, wenn es nur geeignet ist, ihren einseitigen Parteiinteressen zu dienen. Unsere Leser entsinnen sich wohl noch der Nachricht, daß in der Generalversammlung der Jugendgruppe der Agudah ein Antrag eingebracht worden wäre, der einen Vorstoß gegen die nichtreligiösen Mitglieder des Kultusvorstandes beinhaltete und in der Wiener „Reichspost" zur Verin-Schwarz-Malerei, sondern stellte immerhin noch heute mögliche Menschen auf die Beine. Seih Richard III. mußte schicksafsmäßig zum Mörder werden und sein König Philipp in Schillers „Don Carlos" war viel eher die Verkörperung eines autoritären Staatsprinzips als ein grausamer Vater. Ein Schuß Brutalität gleicht glücklich die fast zu hohe Geistigkeit Kortners aus. Aber in dem Kriegsstück „Rivalen" schlug ihn Hans Albers um Längen. Wo er reine Brutalität zeigen sollte, versagte bezeichnenderweise der Jude Fritz Kortner. Fritz Grünbaum. Ein kleiner, sehr jüdisch aussehender, ungemein häßlicher Mann steht wfe verlassen vor dem Vorhang, hinter ihm die riesige Bühne, auf der sich gleich äüniges begeben soll, unter ihm die vielköpfige Hydra Publikum. Aber keine Angst, es entpuppt sich ein Meister in der Kunst der Menschenbehandlung. Weitab von billiger Witzmacherei setzt er sein stupendes Wissen um in klingende glitzernde Münze, die er freigebig in die Menge wirft. Wir sftid eitel genug zu glauben, daß nur ein jüdischer Conferencier den Mut aufbringt, etwa eine Conference ganz und gar auf der iVeisheit der alten Griechen aufzubauen, alle Vergleiche, alle treffsicheren Witze aus diesem von einem Conferencier noch nie ausgebeuteten Fundus zu beziehen. Aber es schlägt ein: Denn die Leute wiehern vor Lachen und merken nicht, daß sie dem reizendsten aller Lehrmeister ins Garn gegangen sitad. Wissen wirksam bringen zu können, an seinem Teil und an einem auffallenden Platze macht Fritz Grünbaum, der auch die testen Operettentextbücher geschrieben hat, diese eminent jüdische Fähigkeit ungemein deutlich. öffentlichung gelangt war. Die „Union" und deren Vertreter in der Kultusgemeinde fanden keinen Anlaß, sich über das Temperament der jungen Agudisten, die in ihrem Uebereifer zu ungeeigneten Mitteln griffen, besonders aufzuhalten, denn sie hatten die richtige Empfindung und das dazugehörige gute Gewissen, daß der abgeschossene Pieil nicht ihnen gelten könne. Anders die zionistischen Wiener Organe, allen voran das der Strickerschen „Judenstaatspartei". Ausgerechnet die neorevisionistische „Neue Welt", deren politische Hintermänner allen Grund hätten, ihre eigene Jugend von assimilatorischer Nachahmung von Methoden anderer nationalistischer Parteien abzuhalten und ihr ein größeres Maß von bescheidener Zurückhaltung beizubringen, tut sehr aufgeregt, wenn eine andere Jugendgruppe über die Stränge haut. Sie kann sich aber auch nicht enthalten, so ein bißchen perfid gerade diesen Antrag der Agudah-Jugend im Zusammenhang mit der Demission Dr. Ornsteins zu einer Verleumdung der „Union" auswachsen zu lassen. Aber auch Verdrehungen haben kurze Beine. Einerseits hält Herrn Strickers Sprachrohr der „Union" ihre guten Beziehungen zur Agudah vor und anderseits •••••••••••••«•••••••••••••••««MW« Kuchen, Abwaschtische, Vorzimmer Beste Bezugsquelle für Weichholzmöbel. Besichtisen Sie mein Musterlager- FERDINAND MOHN. II., TüborslraOe Nr. 22 Telephon-Nummer R 40-7-14 •••••••••••••••••—••••••••••••••••« will es unter Zitierung einer, wie es sagt, „bezeichnenden" Bemerkung der christlichsozialen „Reichspost" den Anschein erwecken, als ob die Demission Dr. Ornsteins irgendwie mit der agudistischen Forderung im Zusammenhang stehen könnte, daß nur Juden von religiöser Gesinnung und ebensolcher Lebenspraxis dem Kultusvorstand angehören sollen. Dr. Grünbaums „Stimme" sucht ja seit jeher einen etwas feineren Ton anzuschlagen. Man ist schon etwas abgeklärter, ruhiger, hemmungsreicher. Aber so ganz auf kleine Unanständigkeiten kann sie ja doch — schon aus taktischen Gründen — nicht verzichten. Sie vergießt schmerzerfüllte Tränen über den Rücktritt Dr. Ornsteins, „dieses um seine Organisation und die jüdische Gemeinde so verdienten Mannes", und „brandmarkt" in heuchlerischen Worten die „befremdende Undankbarkeit" der „Union'*. . . . Auch die allgemeinen Herren müssen schon andere Methoden ersinnen: Es ist ihnen nicht gelungen und wird ihnen nicht gelingen, Differenzen zwischen Dr. Ornstein und seiner „Union" zu konstruieren. Wir hätten den Herren gewünscht, ungesehen Zeugen der Freundschaftskundgebungen zu sein, deren Schauplatz in der vergangenen Woche die Zentralvorstandssitzung der „Union" gewesen ist. Hätten sie aus dem Munde unseres Dr. Ornstein die in gleicher Weise erschütternden wie begeisternden Worte des Dankes für die unverbrüchliche Treue und Gefolgschaft der unionistischen Mitglieder, hätten sie aus seinem Munde die Versicherung des weiteren unentwegten Zusammenwirkens gehört, so wäre ihnen sicherlich die Schamröte ins Gesicht gestiegen ob ihrer vergeblichen Verdrehungsversuche. Man achte auf die Sie „HYOIEM. KÖNI69IICH1" un«l Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33» 1-87 Erhältlich in allen einschlägigen besseren Geschäften So groß ist ihre Verehrung für die Person Dr. Ornsteins, daß sie auch auf eine Indiskretion nicht verzichten, wenn sie nur ihrem Parteiegoismus nützen kann. Es kostet uns wahrlich eine schwere Ueberwindung, über all diese Dinge zu sprechen, denn für uns steht die Person Dr. Ornsteins zu hoch, um ihn ohne Zwang in Verbindung mit unwürdigen Vorgängen in die Diskussion zu ziehen. „Die Stimme" heuchelt, daß Herr „Dr. Ornstein auf eine ungewöhnliche, kränkende und unverdiente Art und Weise abgesägt wurde", und denunziert gleichzeitig den Vorschlag seiner Person als Vertreter der israelitischen Religionsgesellschaft in einer anderen wichtigen Körperschaft. Sie will also ihren zionistischen Lesern und, worauf es ihr offensichtlich mehr ankommt, etwaigen unionistischen Lesern weismachen, daßi die „Union" eine „kränkende und unverdiente Absägung" des Herrn Dr. Ornstein vornimmt, indem sie ihn als die weitaus geeignetste Persönlichkeit als Repräsentant der Wiener Judenschaft in der neu zu konstituierenden Bürgerschaft Wiens in Vorschlag brachte. In unserem Jargon nennt man das die verdiente Ehrung eines verdienten Mannes. In diesem Zusammenhange sei auch mit wenigen Worten der Artikel erwähnt, der vergangenen Sonntag in der „R e i c h s p o s t" unter dem Titel „Strömungen und Konflikte in der Wiener Judenschaft" erschien und großes Aufsehen erregte. Trotz des Lärms, der um diesen Artikel entstanden ist, wollen wir — wie gesagt — ihn nur mit wenigen Worten streifen und auf seine Details überhaupt nicht eingehen; dies geschieht teilweise in der Erwiderung des Kultuspräsidiums auf diesen Aufsatz, die wir an anderer Stelle unserer heutigen Nummer veröffentlichen. Unsere Reserve gegenüber den Auslassungen in dem christlichsozialen Tagesblatte erklärt sich aus der Abscheu, die wir davor besitzen, den innerjüdischen Hauszank hinauszutragen zur Freude unserer Antisemiten. Bei allem Verständnis für die Erbitterung, die in orthodoxen Kreisen wegen der Nichtbeachtung ihrer Forderungen vorherrscht, können wir diese Art der Austragung innerjüdischer Konflikte nur als durchaus verfehlt und abwegig bezeichnen. Abgesehen davon enthielt der Artikel so viele auf der Hand liegende Unrichtigkeiten, daß man nur feststellen kann, daß der angeblich so „unterrichtete" Einsender das Entgegenkommen, das er merkwürdigerweise bei der „Reichspost" fand, entschieden mißbraucht hat. Zum Schlüsse dieser Ausführungen rund um die Demission Dr. Ornsteins, die wir lieber aus Achtung vor seiner hochverehrten Person unterdrückt hätten, hätte nicht das jüdischnationale Pressegeheul uns zur Antwort gezwungen, noch folgendes offenes Wort: Klar ist jedenfalls, daß die Demission Dr. Ornsteins den Zionisten gehörig in die Glieder gefahren ist. Die „Neue Welt" spricht von einer „Kampfansage" der antizionistischen „Union" und zittert vor der Ersetzung des „mit der zionistischen Majorität zusammenarbeitenden" Dr. Ornstein „durch den ws&gm iE?5**»

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