Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 18 (27.4.1934)
- Date
- 1934-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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tHE WAHRHEIT Seite 7 Freundschaft zwischen Juden, Katholiken und Protestanten. Warschau. Auf dem jüdischen Friedhof des Städtchens Krzepiec bei Czenstochau haben unbekannte Täter zehn Grabsteine zertrümmert und viele andere Gräber durch Zerstampfen und Besudeln der Grabhügel geschändet. Die Polizei hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Im Czenstochauer Distrikt wird seit einiger Zeit von den Nationaldemokraten eine wüste antisemitische Hetze entfaltet, die mehrfach schon zu Ausschreitungen geführt hat. New York. Die in New York ausgetragene Damen- Florettmeisterschaft der Vereinigten Staaten gewann die deutsche Jüdin Helene Mayer, die die vorjährige Siegerin Dorothy Locke besiegte. Helene Mayer, die einstige deutsche Meisterin und spätere Weltmeisterin im Damen-Fechten, mußte wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum (sie ist die Tochter des verstorbenen Vorstandsmitgliedes der jüdischen Gemeinde Offenbach und d^r Offenbacher Ortsgruppe des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, des Arztes Dr. Mayer) Deutschland verlassen und lebt als Emigrantin in Amerika. Warschau. Laut der amtlichen Statistik hat sich die Bevölkerung Polens im Jahre 1933 um 402.000 Seelen vergrößert. Darunter waren 260.000 Katholiken, 62.000 Griechisch-Orientale, 45.000 Uniierte und 26.000 Juden. Der Zuwachs der Griechisch-Orientalen macht 15,4 auf tausend, der der Uniierten 13 aui tausend, der der Katholiken 12,6 auf tausend, der der Juden aber nur 8,7 auf tausend. Zusammenarbeit der Assirailanten in den slawischen Ländern. Der Zentralexekutivausschuß des Verbandes slovakischer Juden beschloß in seiner letzten Sitzung, im Rahmen des Verbandes eine Auslandssektion zu errichten, deren Aufgabe es sein wird, eine enge Zusammenarbeit mit den Assimilationskreisen des Judentums in den heute zugänglichen slavischen Staaten, das ist in Jugoslawien, Polen und Bulgarien zu suchen. Mit der Durchführung dieser Arbeiten wurde der Verbandsobmann Primarius Dr. Hugo Roth betraut. Zum Schluß der Sitzung berichtete der Vorsitzende Primarius Dr. Roth, daß er auf seine Mitgliedschaft im Beratungsausschuß der jüdischen Neologengemeinde in Bratislava verzichtet haben, da die slovakische Führung dieser größten jüdischen Religionsgemeinde in der Slovakei auf Schwierigkeiten gestoßen sei und er sich in seinem Kampf für die slovakische Leitung dieser RePigionsgemeinde freie Hand lassen wolle. Semeindedkroiiiß. Philadelphia. Dr. Cyrus Adler, Präsident des American Jewish Committee und des Dropsie College in Philadelphia; hat seinen 70. Geburtstag im September v. J. in aller Stille begangen. Nunmehr versammelten sich im Hause von Richter Horace Stern etwa 60 führende Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit, um Cyrus Adler zwei Bücher zu überreichen: einen Band mit Resolutionen, die jüdische Organisationen der ganzen Welt anläßlich seines 70. Geburtstages gefaßt hatten, und einen Band mit ausgewählten Ansprachen und Abhandlungen über Judentum von Doktor Cyrus Adler nebst einer Bibliographie aller seiner Schriften. Horace Stern gab in seiner Ansprache an den Jubilar der Hochachtung und der Verehrung der amerikanischen Judenheit für den Führer Dr. Adler Ausdruck. Felix M. W a r b u r g, Ehrenpräsident des Joint Distribution Committee. hob die Verdienste Dr. Adlers um das Gesamtjudentum hervor und schloß seine Rede mit den folgenden Worten: „Cyrus Adler war für mich ein Beispiel: ich strebe immer danach, es ihm im Dienste an dem Judentum und der Hingabe für das Judentum gleichzutun." Berlin. Aus verschiedenen Teilen des Reiches laufen Meldungen ein, daß jüdische Schulen infolge der schwierigen Finanzlage der Gemeinden aufgelöst werden mußten und daß die Lehrer, die oft jahrzehntelang an der Schule wirkten, der Not anheimfallen, da keine Mittel für die Auszahlung der Pensionen vorhanden sind. So wurden u. a. die seit 60 Jahren bestehende Schule in Warburg, die in Borken, eine der ältesten jüdischen Schulen in Hessen-Nassau, und die in Guxhagen, Bezirk Kassel, aufgelöst. Herford. In der Prachtsynagoge in Herford, Westfalen, brach auf der Orgel-Empore ein Brand aus, der schnell um sich grüff und einen Teil des Gotteshauses zerstörte. Eine Brand-! Der Verein \ „Ost Seehospiz in Grado" j (Präsidentin Sofie Grünfeld) sendet Anfang Juli j zarte, zu Katarrhen und Blutarmut neigende! Mittelstandskinder im Alter von 6 bis 13 Jahren. unter ärztlicher und pädagogischer Aufsicht, in : sein eigenes Heim nach Grado (Italien). ' c Ein 30tä8'Ker Aufenthalt am Meer, bei j 5 Mahlzeiten (koscher) kostet S 6.— täglich. Reisej beitrag für Kinder über 10 Jahre S 60.—. unter! 10 Jahre S 45 — i Der unter dem gleichen Präsidium stehende Verein „Ferienheim entsendet in sein eigenes, rituell geführtes Heim nach Bad VÖSlOD erholungsbedürftige Kinder in obigem Alter. Preis S 4.— täglich. Anmeldungen im Vereinsbüro. IX., Türkenstraße 17, von 10—13 Uhr, Tel. A 1M-63. Ursache konnte bisher nicht festgestellt werden. Kopenhagen. Am 15. April fand in Kopenhagen die feierliche Einführung von Rabbiner Wolf S. Jacobson in der „Machsike-Hadass"-Gemeinde an Stelle des vor einigen Jahren verschiedenen Rabbiners Dr. Winkler statt. Wolf S. Jacobson spielt in der Arbeit der Weltorganisation Agudas Jisroel eine große Rolle sowohl als Publizist wie auch als Organisator des Schulwesens. Als Leiter des Keren Hathora machte er sith besonders um die Einrichtung des gesamten orthodoxen Schulwesens in Deutschland verdient. Berlin. Am 26. April vollendete der Dozent am Berliner Rabbinerseminar und Seelsorger der Gemeinde Adass Jisroel in Berlin, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, sein 70. Lebensjahr. Dr. Meier Hildesheimer hlat sich besondere Verdienste um den Ausbau des von seinem Vater Dr. Israel Hildesheimer gegründeten Berliner Rabbiner-Seminars erworben. Als Vertreter der Orthodoxie hat er sich in zahlreichen zentralen Organisationen und Einrichtungen der deutschen Judenheit führend betätigt. Er ist Mitglied des Zentralrates der Agudas Jisroel, in deren Auftrag er zweimal Reisen nach Amerika unternahm. Weit über die Kreise der unabhängigen Orthodoxie hinaus wird Dr. Hildesheimer von allen Parteien und Richtungen des deutschen Judentums besondere Wertschätzung entgegengebracht. Er gehört zu denjenigen Vertretern der Orthodoxie, die für eine Zusammenfassung des gesamten deutschen Judentums ohne Unterschied der religiösen Richtung unter der Voraussetzung eintreten, daß durch einen solchen organisatorischen Zusammenschluß die Unabhängigkeit der Orthodoxie in rein religiösen Fragen nicht berührt wird. Mannheim. Am 2. Mai findet in Mannheim die Uraufführung eines neuen Oratoriums. „Balak und Bilam", von Hugo Adler, statt Der Text ist der Buber-Rosenzweig'schen Schriftübertragung entnommen. Es ist dies das erste Mal, daß ein jüdischer Komponist diese eigenartige Uebersetzung zu einem abendfüllenden Werk gewählt hat. In den jüdischen Musikerkreisen findet das neue Werk große Beachtung. Der vom Jüdischen Lehrhaus in Mannheim veranstalteten Uraufführung wird mit Spannung entgegengesehen. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art ll.f Rotenkreuzgasae 3 Tel. A 45-5-37 ^mmaaminm^mmmmt^^mmmmi^mmmmammam* Der Tempelverein des VIII. Bezirkes (VIII., Neudeggergasse 12), veranstaltet am Donnerstag, dein 3. Mai, halb 8 Uhr abends, ein Tempelkonzert unter Mitwirkung berühmter in- und ausländischer Kantoren, und zwar der Herren Oberkantoren J. Mann aus Brünn, Heinrich Fischer vom Stadttempel, J. L. Müller vom Pazmaniten-Tempel und A.Braun vom Neudegger-Tempel. Karten zu diesem Konzert, das eine sicher würdige Wiederholung des überaus gelungenen vorjährigen darstellen wird und dessen Reinerträgnis frommen wohltätigen Zwecken zufließt, sind in. verschiedener Preislage in der Tempelkanzlet (Kanzleistunrien von 9 bis . 12 Uhr vormittags) erhältlich. 80. Geburtstag. Dieser Tage feierte der allseits hochverehrte Präsident der Wiener Börsekammer, Herr Julius Stern, Gesellschafter der Firma A. Stern & Sohn, in vollster Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Er war aus diesem Anlasse Gegenstand herzlichster Gratulationen, die um so verdienter sind, als sich Präsident Julius Stern mit vollstem Recht der größten Hochachtung in weitesten wirtschaftlichen uml gesellschaftlichen Kreisen erfreut. Trotz seiner hohen Position hat Präsident Julius Stern immer seine treue Zugehörigkeit zum Judentum bekundet und an vielen sozialen und sonstigen Aktionen der österreichischen Judenschaft regen Anteil genommen. Wie wir erfahren, hat anläßlich seines Geburtstages seine ihn hoch verehrende Familie einen namhaften Betrag der von der Kultusgememde verwalteten A. und B. Stern-Stiftung gewidmet. Chewra Kadischa XVL/XV1L Sonntag, den 22. d. M. fand die 25. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Vorsitzende, Herr Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch, begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Obmann des Bethausvorstandes Herrn Leopold S i t z m a n n als Vertreter der Kultusgemeinde und den Obmann des Vereines „Kinderfreunde" Herrn Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig, und gedachte sodann in seiner Eröffnungsrede der verstorbenen Vereinsmitglieder, insbesondere des langjährigen verdienstvollem Vorstandsmitgliedes Gottlieb Drab. Der vom Vorsitzenden erstattete Kassa- und Tätigkeitsbericht wurde beifällig aufgenommen und über Antrag des Revisors Rechtsanwalt Dr. Adolf Wölfler dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Die Herren Leopold Sitzmann und Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig anerkannten in lobender Weise das karitative Wirken dieser Vereinigung und sprachen der Vereinsleitung Dank und Anerkennung ans. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wieder- und Herr Oskar Herz neugewählt, woraui der Vorsitzende die sehr würdig verlauiene Generalversammlung Schlott. Jüdische Kulturstelle (JKa). Die „Jüdische Kulturstelle" (JKa) hat sich die Aufgabe gestellt, als Zentrale jüdischer Bildungsarbeit durch Zusammenschluß und Förderung aller jüdischen wissenschaftlichen und künstlerischen Organisationen jüdische Kultur in die breiten Massen zu tragen. Die JKa wird ihre Tätigkeit frei von allen politischen Strömungen innerhalb des Judentums ausüben. Um mit vereinten Kräften die Ziele der JKa verwirklichen zu können, haben sich folgende Organisationen der JKa angeschlossen: Verein zur Förderung jüdischer Musik, Jüdischer Gesangverein, Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Jüdische KunststeSle, Jüdisches Volksheim, Volksbibliothek Zion, Theatergruppe des Klubs Erez Israel. Das Arbeitsgebiet der JKa umfaßt u. a. Veranstaltung volkstümlicher Abende in den Wiener Bezirken und wissenschaftliche Vorträge. Zwecks Verbreitung musikalischer Bildung werden Musikkurse eingerichtet und Konzerte veranstaltet. Die Gründung eines jüdischen Volkskonservatoriums wird ebenfalls geplant. Zur Pflege des jüdischen Liedes sollen Singschulen bei den Jugendvereinen, Blattlesekurse und Chorvereinigungen gebildet werden. Ueberdies ist die Ausgabe eines jüdischen Liederbuches vorgesehen. Um die Aufführung guter jüdischer Stücke zu ermöglichen, wird eine eigene Theatergruppe ins Leben gerufen. Für kleinere Veranstaltungen wird eine Dilettantengruppe gebildet Sprechchöre sollen diese Kunstgattung auch den jüdischen Kreisen nahe bringen. Vorträge hervorragender Persönlichkeiten des In- und Auslandes werden das Publikum mit jüdischer Geschichte und Literatur vertraut machen. Ein bestehendes Lichtbilderarchiv wird weiter ausgebaut und für jüdisch-kulturelle Zwecke verwendet werden. Eine der vornehmsten Aufgaben der JKa wird es auch sein, zur Verbreitung des jüdischen Buches durch Bibliotheken und Gründung einer jüdischen Buchgemeinschaft beizutragen. Führungen durch Kunststätten und Veranstaltung von Aussteilungen werden das Interesse für bildende Kunst wecken. Jedes Mitglied der JKa erwirbt auch das Recht zum Bezug von Theater- und Konzertkarten zu ermäßigtem Preis im Wege der eigenen Kunststelle. Der Jahresbeitrag beträgt S 2.50 pro Jahr. Anmeldungen sind zu richten an die Jüdische Kulturstelle, Wien II., Aspernbrückengasse 2, Tel. R 48-2-91. * Soweit die oben erwähnte Neugründung dazu geeignet ist, jüdisches Wissen zu vermehren und die Liebe zum Judentum zu vertiefen, sei sie auch von uns herzlich begrüßt. Wenn aber hier der Versuch gemacht werden sollte, zur kulturellen Absonderung vonder Umwelt beizutragen, so wird ein solcher Versuch auf unseren schärfsten Widerstand stoßen. Ausspeisungsverein „Machsike Hadath" (Ii., Haidgasse 1). Täglich werden in den Speisesälen dieses mit so viel Liebe und Barmherzigkeit geführten Vereines 200 Personen ausgespeist, außerdem wird an mehr als 200 verschämte Arme das Essen nach Hause verabreicht. Was aber dieser edle Verein heuer an den Sederabenden leistete, das mußte in jedem Besucher die Ueberzeugung auslösen, daß hier Männer tätig sind, die für ihre Aufgabe volles Verständnis besitzen. Wenn man sich sowohl den großen, als auch den kleinen, hellbeteuchteten Speisesaal, die blendend weiß gedeckten Tische, für jedermann eine Serviette, ein eigenes Fiäschchen „Kiduschwein" und die servierten, vorzüglich zubereiteten Speisen angesehen hat, so mußte jeder befriedigt sein; im kleinen Speisesaal wurde ein zweiter „Seder" gegeben, ausschließlich für sehr würdige verschämte Arme. Ich war zu meiner Freude Zeuge, wie einige prominente Herren aus dem Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde der Verwaltung des Vereines für ihre Tätigkeit Dank und Anerkennung zollten. Es waren dies die Herren Vizepräsidenten Dr. Ornstein und Dr. Löwenherz, die Kultusvorsteher Geza Klinger, Vizepräsident der Fürsorgezentrale. Dr. E. Feldsberg und Dr. L. Landau, Amtsvorstand Emil Engel und Amtsleiter Dr. Nahum Blauer sowie andere Vorstandsmitglieder verschiedener humanitärer Vereine. Die Chewra-Kadlscha iür die Bezirke XII—XV hält am Sonntag, den 6. d. M., um halb 10 Uhr vormittags, einen Fünfuhrtee mit erstklassigem Programm 69. Ordentliche Generalversammlung ab. Der Verein Krankenbesuch Blkur Cbaulim veranstaltet am Sonntag, den 29. d. M., um 4 Uhr nachmittags, einen Fünfuhrtee mit erstklassigem Programm (Conference Hugo Knepler) im Hotel Continental, IL, Taborstraße 8. Außer an die schwerkranken, im größten Elend lebenden Glaubensgenossen müssen wir auch an unsere armen jüdischen Mütter in Lainz anläßlich des Muttertages denken. Alle müssen Opfer bringen, um den Allerärmsten in ihrem traurigen Dasein wenigstens einmal im Jahre einen Freudenstrahl zu bringen! Der „Verein für unengeltüchen Arbeitsnachweis", Wien IL, Taborstraße 59, Tel A-42-3-16. bittet die p. t Arbeitgeber, angesichts der Notlage der Jüdischen Arbeitslosen um Anmeldung ihres Bedarfes an QuaUiizierten kaufmännischen Angestellten. Arbeltern, Handwerkern, Sekretären, Nachhlüetehrern und Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst berücksichtigt. Barmizwahfeier. Samstag, den 21. d. ML. fand im Tempel des Bethausvereines „Adass Jeschurun", IX., Pfluggasse 5, die Barmizwahfeier des Sohnes des Vereinsmitgliedes Rechtsanwaltes Dr. S. Vogelbaum. Arnos Vogelbaum, unter großer Beteiligung, der Mitglieder des Vereines und des Bekanntenkreises statt Aus diesem Anlaß wurde der Barmlzwah vom Vorstande des Tempelvereines, mit einem schönen Gebetbuch beschenkt