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Die Wahrheit · 1934-04-27 · Heft 18 (27.4.1934) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 18 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Palästina-Nachrichten. Wie „Doar Hajom" berichtet, sind im Gefängnis von Jerusalem acht Juden, die als illegal Eingewanderte festgenommen worden sind, in den Hungerstreik getreten. Die Verhafteten verlangen, freigelassen oder deportiert zu werden. * Der gegenwärtig in Palästina weilende Leiter des Palästina-Amtes in Riga und Mitglied des lettischen Sejm Rabbiner M. Nurok wurde vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope in längerer Audienz empfangen. Auf eine Reihe von Beschwerden, betreffend die Handhabung der Einwanderungsvorschriften durch die Palästinabehörden, die von Rabbiner Nurok dem High Commissioner vorgetragen wurden, erklärte dieser, das Einwanderungsdepartement der Palästinaregierung werde derzeit reorganisiert, wobei darauf Bedacht genommen werde, daß künftighin Gesuche um Einwanderung schneller erledigt werden sollen als bisher.. * Die Gesamtsumme der Depositen, die in Palästina-Banken hinterlegt sind, beträgt jetzt nicht weniger als zehn Millionen Pfund und übersteigt die vom Ende 1932 stn das Doppelte. Es handelt sich hier um Gelder, die noch nicht in die palästinensische Wirtschaft investiert sind und die als Reserve für zukünftige wirtschaftliche Betätigung anzusehen sind^Der starke Zufluß von Barkapital bringt es mit sich, daß die Banken nicht in der Lage sind, für diese brachliegenden Gelder Zinsen zu zahlen. * Im englischen Unterhaus richtete der Abgeordnete Joel an den Kolonienminister die Frage, ob er mitteilen könne, aus welchen Gründen den arabischen religiösen Gerichten in Palästina, nicht aber den rabbinischen Gerichten und den religiösen Gerichten anderer Religionsgemeinschaften dieses Mandatsgebietes finanzielle Beihilfen gewährt werden und ob der Minister angesichts der Tatsache, daß die Angehörigen aller Religionsgemeinschaften zu den Staatseinkünften in Palästina beitragen, der Meinung sei, daß der gegenwärtige Zustand den bestehenden Bedingungen angemessen sei. In schriftlicher Beantwortung dieser Anfrage erklärte der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe- Lister: Zur Zeit der Besetzung Palästinas durch England bildeten die mohammedanischen religiösen Gerichte einen Bestandteil des Gerichtssystems des Landes; dieser Zustand wurde aufrecht erhalten, die Ausgaben für sie werden aus öffentlichen Mitteln getragen und ihre Einkünfte den öffentlichen Fonds zugeführt. Zur Zeit des türkischen Regimes wurden die rabbinischen Gerichte und die religiösen Gerichte der christlichen Kirchen trotz öffentlicher Anerkennung nicht vom Staat erhalten; diese Verhältnisse blieben unter britischer Verwaltung bestehen. Gegenwärtig ist eine Korrespondenz mit dem High Commissioner für Palästina im Gange, betreffend das Ansuchen des Rates der Jüdischen Gemeinschaft (Waad Leumi) um Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten der rabbinischen Gerichte, loh werde diesem Gegenstand volle Aufmerksamkeit schenken, sobald die endgültigen Vorschläge des High Commissioner in dieser Sache vorliegen werden. Die Exekutive der Agudas-Jisroel-Weltorganisaiion hat an den High Commissioner in Palästina telegraphisch das Ersuchen gerichtet, den endgültigen Abschluß der Verhandlungen um die Neugestaltung des palästinensischen Rabbinats um sechs Wochen zu verschieben, damit inzwischen der Rabbinische Rat der Agudas-Jisroel-Weltorganisation Gelegenheit habe, zu dieser Angelegenheit, der die Aguda eine über Palästina hinausreichende Bedeutung beimißt, Stellung zu nehmen. * In ganz Palästina geht jetzt eine intensive Kampagne für Boykott deutscher Waren und Dienste vor sich. Ein in diesen Tagen erscheinender „Wegweiser" wird Ladenbesitzer und Konsumenten darüber informieren, welche Waren — und es sind dies fast alle — man in gleicher Qualität und Preislage oder gar noch günstiger aus außerdeutschen Ländern beziehen könne. Zahlreiche Geschäftsinhaber haben sich verpflichtet, die Bekanntmachung auszuhängen, daß sie in Deutschland erzeugte Waren nicht mehr führen. In Tel Aviv haben die Mehrzahl der Eisen-, Galanterie- und Baumaterialien-Händler sowie fast alle Kleinhändler sich schriftlich verpflichtet, deutsche Ware weder zu kaufen, noch zu verkaufen. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, soll schon in diesem Jahre die Sorge für die Erhaltung des gesamten Gesundheitswesens in Palästina vom Jischuw selbst übernommen werden. Die bisherigen Zuschüsse aus dem Ausland zur Erhaltung der verschiedenen jüdischen Gesundheitseinrichtungen sollen in Hinkunft wegfallen. Die Beiträge ausländischer Organisationen und des Keren Hajessod für Krankenfürsorge und Gesundheitswesen in Palästina betrugen in den letzten fünf Jahren insgesamt etwa 100.000 Pfund. Seit längerer Zeit wird von interessierter Seite, tun mich beruflich zu schädigen, verbreitet, daß ich mich taabe taufen lassen, leb stelle hiermit fest, daß ich nf ein als getauft war. Knrarzt Dr. Robert Loebel, Hoigasteln. Die Jungen zwitschern lauter. In der großen Partei der polnischen Nationaldemokraten, die bekanntlich in ihr Programm die Entrechtung und wirtschaftliche Ausstoßung der Juden aufgenommen 'hat, hat sich eine Spaltung vollzogen. Der jüngere Flügel der Partei hat sich von der Organisation losgelöst und konstituierte sich als eine eigene Partei, die den Namen „Nationalradikales Lager" (Nationalsozialisten) führt. Ziel dieser neuen Partei ist, das nationaldemokratische Programm schärfer im Sinne des H i 11 e r i s m u s auszugestalten und namentlich die Bewegung zur Ausmerzung der Juden in Polen entschlußkräftiger zu betreiben. Das Programm dieser „Jungen Front" der Nationaldemokratie ist vollkommen aus dem der deutschen Nationalsozialisten abgeschrieben. Während den Ukrainern und Weißrussen volle Bürgerrechte zuerkannt werden, wird mit Bezug auf die Juden bestimmt, daß diese nie und nimmer Bürger des polnischen Staates sein dürfen und — so lange sie überhaupt noch in Polen leben — als „Fremde" behandelt werden sollen. Der Jude dürfe keinen Boden in Polen besitzen und keine Vermittlerrolle im Handel spielen. Juden haben kein Recht auf Arbeit, und ihre vollständige Auswanderung aus den polnischen Ländern sei anzustreben. Entjudung der Städte sei Vorbedingung für die gesunde Entwicklung der nationalen Wirtschaft. Der Parteirat der „Alten Fron f' der Nationaldemokraten unter Führung des berüchtigten Judengegners Roman Dmowski ist unter dem Eindruck der Abspaltung der Jungen zu einer Konferenz zusammengetreten, in der berichtet wurde, daß namentlich das „opportunistische" Judenprogramm der Nationaldemokratie den Jungen nicht genügte. Es wurde beschlossen, die Zügel nicht aus den Händen zu geben, sondern Programm und Taktik so auszubauen, daß die Jungen in der Partei verbleiben können. Der Kampf gegen die Regierung des Marschalls Pilsudski und der Ausrottungskampf gegen die Juden werden demgemäß intensiviert werden. Nach Bekanntgabe des neuen Programms des nationaldemokratischen Parteirates hat die Regierung die Schließung des ältesten nationaldemokratischen Klubs in Warschau, in dessen Räumen die Konferenz stattgefunden hatte, verfügt Inzwischen haben die jungen Nationaldemokraten in Polnisch-Oberschlesien begonnen, das neue Judenprogramm durchzuführen. Trupps polnischer Nationalsozialisten blockierten in Kattowitz die jüdischen Geschäfte und hielten mit Gewalt die Käufer fern. Die Polizei verhaftete einige polnische Hitler-Leute. Aehnliche Vorfälle ereignten sich in einigen anderen Städten Polnisch-OberscMesiens. Kanada wehrt sich. Gesetz gegen Rassen- und Religionshaß in Kanada. Der Provinziallandtag von Manitoba hat auf Antrag des Abgeordneten Marcus Hyman einstimmig ein Amendement zum Gesetz gegen Verleumdung angenommen, durch das jedem Angehörigen einer Rasse oder eines Glaubens, die durch Veröffentlichung und Verbreitung verleumderischer Beschuldigungen angegriffen werden, das Recht eingeräumt wird, Klage gegen die Urheber dieser Angriffe zu erheben. T)em Beschluß des Provinziallandtags kommt im Hinblick darauf, daß durch ihn zum erstenmal in Kanada ein Gesetz zum Schutz gegen antisemitische Propaganda geschaffen wurde, besondere Bedeutung zu. Sämtliche Zeitungen von Manitoba hatten sich für die Annahme des Gesetzentwurfes, der in nächster Zeit auch den übrigen Provinziallandtagen vorgelegt werden soll, eingesetzt. Der kanadische jüdische Kongreß hat die entsprechenden Gesetzesvorlagen für die Provinziallandtage fertiggestellt. Anlaß zu dieser Bewegung gab insbesondere die auch in Kanada überhandnehmende Nazi-PTopaganda und die Verbreitung des Pamphlets „Protokolle der Weisen von Zion". Um der in letzter Zeit von den Leitern der faschistischen Klubs in Kanada mit Hilfe des Rundfunks getriebenen antisemitischen Propaganda entgegenzuwirken, hat die kanadische Rundfunkkommission die Einführung der Zensur für private Radiostationen beschlossen. Dieser Beschluß und die ihm entsprechende soeben erlassene Regierungsverordnung sind darauf zurückzuführen, daß der Regierung in letzter Zeit massenhaft Beschwerden der Rundfunkhöhrer über die von den privaten Sendern ausgehende hetzerische Propaganda zugekommen sind. Schändung der Synagoge in Oslo. Die Presse der norwegischen Hauptstadt berichtet in Ausdrücken tiefster Entrüstung über die Schändung der Osloer Synagoge in Bjergstien 13 nnd spricht dabei die bestimmte Vermutung aus. daß es deutsche Nationalsozialisten gewesen seien, die durch eine solche Provokation die Aufmerksamkeit auf sich lenken wollten. Die Zeitungen bemerken weiter, der Käuferstreik des arbeitenden norwegischen Volkes gegenüber deutschen Waren wurde durch derartige Provokationen keineswegs gemildert werden. Das Portal und die Mauer der Synagoge waren übersät mit rot, blau und weiß (Landesfarben) gemalten Hakenkreuzen, die große Messingklinke war umgedreht, ein Baum im Garten war verwüstet, von dem Eisenportal war die eine Hälfte entfernt und weit weggetragen, so daß anzunehmen ist, daß kräftige Hände am Werke wären. i , STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: HL. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentraffriedhof, 3. Tor, Tel. LMO-4-53 25 Jahre Tel Aviv. Der Bürgermeister von Tel Aviv, Mayer D i z e ng o f f, ließ durch die Jüdische Telegraphen-Agentur au die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt die Einladung ergehen, an der Feier des 25jährigen Bestehensder jüdischen Stadt Tel Aviv, die am Sonntag, dert 29. April beginnt und bis Donnerstag1, den 3. Mai dauert, durch Entsendung einer Vertreterschaft teilzunehmen. Die Stadt ■ Tel Aviv (deutsch: Frühlingshügel)„ die erste rein jüdische Stadt in Palästina und in der ganzen Welt, wurde im Frühjahr 1909 auf den Dünenim Norden Jaffas mit Hilfe einer Anleihe des Keren Kajemeth Lejisrael gegründet und bestand ursprünglich. aus nur 60 Häusern, darunter dem hebräischen Gymnasium „Herzlia". Bis zum Kriege war die Bautätigkeit gering, sie entwickelte sich, aber nach der Besetzung- Palästinas durch die Engländer in rapidem Tempo. Die Seelenzahl der Stadt betrug 1909 rund 550, 1919 3600, Ende 1922 12.860, Ende 1929 bereits rund 40.000, heute schätzt man die Zahl der Tel Aviver Einwohnerschaft auf etwa 90.000. Seit 11. Mai 1921 tesitzt Tel Aviv ein eigenes Stadtrecht (lokale Polizei, Strafrecht für Kommunalvergehen, Steuerrecht). Die früher zu Jaffa gehörigen umliegenden jüdischen Quartiere Neweschalom, Newe-zedek, Machane Jehuda, Kerem hatemanim u. a. m. sind eingemeindet worden. Die Stadtverwaltung geht aus Proportionalwahlen hervor, auch die Frauen haben Wahlrecht Von den 6000 Dunam Bodenfläche sind mehr als 2000 Dunam unbebaut; trotzdem findet ein unaufhaltsames Vordringen auf die Audscha im Norden und den Jerusalemweg im Osten statt. Tel Aviv besitzt zahlreiche Kindergärten, etwa 80 Schulen, sehr viele große und kleinere Fabriksan1 lagen, in denen hauptsächlich Möbel, Silikatstein. Textilien, Wirkwaren, Leder, Schokolade u. v. a. erzeugt werden, ferner sehr viel Kteinindustrie, einige Theater,, mehrere Lichtspiele, eine meteorologische Station, Betonstraßen, eine moderne Wasserleitung und Kanalisation. Seit 1923 ist Tel Aviv Sitz der Jaffa Electric Company mit einem Kraftwerk, das nicht nur sämtliche Wohnungen, sondern auch die Industrie der Stadt und der Umgebung mit Licht und Kraft versorgt. Die gesunde, vollkommen malariafreie Stadt an der Nebenbahn Lud—Jaffa ist das Haupteinwanderungszentrum für die nach Palästina strebenden Juden und das Zentrum der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande. Tel Aviv ist ein Zentrum der hebräischen Literatur, hier lebte Achad Haam, hier leben Chaim Nachman Bialik und andere hervorragende Repräsentanten des hebräischen Schrifttums. Die Stadt ist Sitz einiger großer hebräischer Verlage, es erscheinen hier einige große hebräische Tageszeitungen und mehrere Zeitschriften. Tel Aviv veranstaltet seit etwa 5 Jahren alljährlich im Frühjahr eine Messe (Levante-Messe), die von zahlreichen Ländern Europas und Asiens beschickt wird und ein Mittelpunkt des Warenumschlags zwischen Europa und dem Nahen und Mittleren Orient ist. Aus attet Welt New York. Die Utility Products Company verklagte den jüdischen Kaufmann Jonas Haies in New York-Brooklyn auf Zahlung von 150 Dollar für bestellte Rohrlegeartikel, die Haies zurückgegeben hatte, weil es sich um deutsche Erzeugnisse handelt. Vor Gericht' erklärte Haies, er habe bei der Bestellung nicht gewußt, daß es sich um deutsche Erzeugnisse handelt, erst als er die Scharniere an verschiedene Unternehmer liefern wollte, wurde die A nnahme wegen des deutschen Ursprungs der Ware v e r w e ig e r t. So sah er sich genötigt, die ganze Warenlieferung der Utilitiy Products Company zurückzugeben. Der Richter am Munizipalgericht, Harold P. Kunstler, gab Haies recht und wies die Klage der Company zurüc k- Ataianta. Zum ersten Mal in der Geschichte der Heilsarmee wurde ein J u d e, der Direktor des Verbandes jüdischer Wohlfahrtsvereine Edward M. Kahn, auf einen Lehrstuhl im Southern Training College zur Ausbildung von Heilsarmee-Offizieren, das von Studierenden aus 15 Südstaaten besucht wird, berufen. Kahn wird über „Philosophie und Praxis der Sozialarbeit" lesen. Warschau. Von drei Studenten, die vor kurzem eine Stinkbombe in ein jüdisches Geschäft in Posen geschleudert hatten, wurden einer zu zwei Jahren, die beiden anderen zu je 18,Monaten Gefängnis verurteilt. In der Begründung führte das Posener Gericht aus, die Härte der Strafe soll alle Studenten vor unüberlegten Demonstrationen gegen unschuldige Mitbürger warnen. New York. Wie alljährlich hat die „Zeta Beta Tau Fraternity" (eine Gesellschaft zur Förderung des Friedens unter den Konfessionen) drei Predigern, dem Juden Rabbi Lazaron, dem Protestanten Rev. Clinchy und dem Kathöüken Pater Roß die Gottheil-Medaille verliehen. Die drei Ausgezeichneten reisten von der Küste des Atlantik mitten, durch den amerikanischen Kontinent bis zur Küste des Pazifik und predigten

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