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Die Wahrheit · 1934-04-27 · Heft 18 (27.4.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 18 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ME WAHRHEIT Seite & Aas der braunen Hölle. Wie nachträglich mitgeteilt wird, stand der. Pogrom in Günzenhausen vor dem jüdischen Pessach-Fest unter dem Befehl des Nazi-Ortsgruppenletters Hans Beer. Im Verlauf des Pogroms wurden das Hotel des jüdischen Besitzers Strauß und das Cafe Waldmann vollkommen demoliert und auch mehrere Privatwohnungen devastiert. Die jüdische Bevölkerung hat bereits vollkommen die Hoffnung aufgegeben, daß je eine Untersuchung gegen die Urheber des Pogroms und die Mörder des greisen Rosenau und des jungen Rosenfelder eingeleitet werden. * Der Bund Nationalsozialistischer Juristen veröffentlicht Grundsätze für die Entwicklung des Ehe- und Familienrechtes, worin Reichsleiter Buch als Ziel aufstellt, daß deutscher, germanischer Geist überall auf 4er Erde die Völker befruchtet. Landgeriohtsdirektor Dr. Gfrörer-Görlitz stellt den Grundsatz auf: Die Eheschließung ist nur rassereinen, erbgesunden Vollbürgern zu gestatten. (Das bedeutet logisch, daß im Nazi-Staat Juden die Eheschließung auch untereinander verboten sein solle. D. Red.) * „Daily Telegraph" berichtet aus authentischer Quelle, daß bis jetzt etwa 200 Aristokraten aus der Deutschen Adelsgenossenschaft ausgeschlossen wurden, weil auf Grund der bis zum Jahre 1800 zurückreichenden Prüfung festgestellt wurde, daß sie einen jüdischen Bluteinschtag haben. Das Verfahren gegen die „Nichtarier" in der etwa 13.000 Mitglieder zählenden Adelsgenossenschaft ist noch nicht abgeschlossen, und es ist mit dem Hinauswurf sehr vieler weiterer Aristokraten zu rechnen. * Dem soeben erschienenen Band 11 der amtlichen „Deutschen Hochschulstatistik"' über das Sommerhalbjahr 1933 ist über das Studium von Juden an deutschen Universitäten u. a. zu entnehmen: Im Sommerhalbjahr 1933 studierten an den preußischen Hochschulen 1188 Personen rein jüdischer Abstammung und 447 Personen teilweise jüdischer Abstammung. Von den ersteren gehörten 1173, von den letzteren nur 23 der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Während im Sommersemester 1932 noch 3950 Juden und Jüdinnen an den Hochschulen des gesamten Reiches studierten, waren es im Sommersemester 1933 nur noch 1908 (1302 Juden, 606 Jüdinnen). Im Sommer 1933 also studierten im Reich! um mehr als die Hälfte weniger Juden als im Sommer 1932. Immerhin war der Anteil der Juden am deutschen Hochschulstudium — so stellt die amtliche Statistik fest — im Sommer noch 1,78 Prozent, während der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung 0,9 Prozent betrug. Nach privaten Schätzungen wird im Sommer 1934 der Prozentsatz jüdischer Studierender an deutschen Hochschulen — jetzt, wo das Gesetz über die Ueberfüllung der Hochschulen in Wirkung getreten ist — lange nicht das Verhältnis der Juden zur Gesamtbevölkerung erreichen. * Das Deutsche Nachrichten-Büro meldet; Zu der vom Reichswehrminister angeordneten D u r c h f ü hrung des Arierparagraphen in der Wehrmacht sind die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Insgesamt wurden davon betroffen: Im Reichsheer: 5 Offiziere, 2 Offiziersanwärter, 1 Sanitätsoffiziersanwärter. 31 Unteroffiziere und Mannschaften; in der Reichsmarine: 2 Offiziere. 4 Offiziersanwärter, 5 Unteroffiziere und Mannschaften. Sie scheiden bestimmungsgemäß aus der Wehrmacht aus. Diese Verlautbarung zeigt, daß der innere Widerstand in der Reichswehr gegen die Auswirkung des Arierparagraphen gebrochen wurde; man erwartet, daß nun in kürzerer Reihenfolge Verlautbarungen über die Ausstoßung weiterer nichtarischer Personen aus der Wehrmacht erfolgen werden. * Das Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege stellt fest, daß am 1. April 1934 die Zahl der nichtarischen Rechtsanwälte gegenüber dem 7. April 1933 um 38,84 Prozent abgenommen hatte, die der nichtarischen Notare sogar um 56,79 Prozent Insgesamt waren in den preußischen Oberlandesgerichtsbezirken am 1. April 1934 noch zugelassen 2066 nichtarische Rechtsanwälte (gegenüber 3378 am 7 April 1933) und 884 niohtarische Notare (gegenüber eine Bestände von 2046 am 7. April 1933). In Berlin hat sich die Zahl der nichtarischen Rechtsanwälte vom 7. April 1933 bis zum 1. Januar 1934 von 1911 auf 1227 verringert. In Breslau ist ein Rückgang der nichtarischen Kechtsanwälte um rund 39,5. in Düsseldorf um rund 48,3, in Hamm um rund 50 Prozent zu verzeichnen. Noch im April 1933 betrug der Anteil der nichtarischen Rechtsanwälte an der Anwaltschaft in Preußen 29,75 Prozent. Das Gesetz vom 7. April 1933 hat diesen Anteil auf 17,5 Prozent herabgemindert. Noch weit schärfer hat Sl9" das Gesetz bei den nichtarischen Notaren ausgewirkt. In Berlin allein beläuft sich der Rückgang der nichtarischen Notare auf rund 56.5 Prozen\ in Kassel sogar auf 73,33 Prozent. * Die Londoner „Morning Post" teilt aus Berlin mit: Uie Nationalsozialisten sind auf der Suche nach einem poeta laureatus. Der Reichsjugendführer Baidur v. Schirach veröffentlicht ein Preisausschreiben für das beste Gedicht, ersucht aber die Bewerber, gleichzeitig mit den Manuskripten ^re Photographien einzusenden. „Moming yost kommentiert diese Anweisung dahin, daß man furchtet, es könnte ein Nichtarier den Preis erhalten; nach den Photographien aber hofft man unterscheiden zu können, wer Arier und wer Nichtarier ist. Die „Anhaltische Tageszeitung" schreibt: „So ist es recht! Die Polizeiverwalhmg hat, wie wir in Erfahrung bringen, die jüdischen Geschäfte aufgefordert, ihre richtigen Namen an ihren Geschäften anzubringen. Das Behängen mit deutschen Namen war auch eine Erscheinung, die das verflossene System ihren Haltern eingeräumt hatte; damit ist nun ein für allemal Schluß." Das „Pariser Tagblatt" veröffentlicht eine Presse- Information, die vom Reichspropagandaministerium allen deutschen Zeitungen gesandt worden ist. Darin heißt es u. a.: „Ueber den Prozeß der Firma Goldschmidt und Rothschild gegen den früheren Kaiser darf an sich berichltet werden. Die Berichterstattung muß jedoch ruhig und objektiv sein. Es darf keine Polemik gegen den früheren Kaiser und seine Beziehungen zum Judentum und auch sonst keine antimonarchistische Propaganda damit verknüpft sein. Es handelt sich um Entschädigungsforderungen aus Vorkriegsansprüchen." * Die führende Kopenhagener demokratische Zeitung „Politiken" veröffentlicht einen Bericht über die Rede des nationalsozialistischen Führers Scherrer, die dieser in Dillingen über die Pläne der NSDAP im Saargebiet gehalten hat. Scherrer sagte u. a.: „Nach dem Plebiszit im Jahre 1935 wird unsere Partei in einem Zeitraum von 24 Stunden im Saargebiet einen exemplarischen Rassenfeldzug durchführen. Wir haben vom Führer um 48 Stunden gebeten, aber nur die Hälfte erhalten. Brüder, haltet eure Fäuste bereit; wir werden keine Sekunde verlieren dürfen, wenn wir an einem einzigen Tag die Arbeit vollenden sollen, für die kaum viele Tage genügen würden." Die Nazi-Nark rollf. Das Stockholmer Regierungsorgan veröffentlicht konkrete Zahlen über die Aufwendungen der Nazi- Propaganda im Ausland. Danach hat das Reichspropagandaministerium für seine Zwecke ausgegeben: In Oesterreich 15 Millionen Mark, in der Tschechoslowakei 5 Millionen, in der Schweiz 750.000, in Schweden 500.000, in Belgien 700.000, in den baltischen Staaten 500.000, in Dänemark und in Finnland 200.000, in Rumänien 500.000, in Holland 1 'A Millionen, 2 Millicnen in Südamerika und 4 Millionen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Außerordentlich große Summen, die jedoch nicht genau beziffert werden, wurden auch in Frankreich und England ausgegeben. Es gäbe heute Cafe Pension Eckstein Semmering ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■i kein einziges Land mehr, in dem nicht Nazizellen beständen. Die Zeitung teilt ferner mit, daß die Agenturen der großen deutschen Schiffahrtslinien wahre Filialen des Propagandaministers Göbbels darstellen. Obgleich das Geschäft der deutschen Linien um die Hälfte gesunken sei, habe man das Personal ihrer amerikanischen Filialen verdoppelt. Auch die deutschen Konsulate seien von Agenten bevölkert. Nicht weniger als 300 Emissäre seien allein in den Vereinigten Staaten tätig. Ein sehr großer Teil der oben erwähnten Riesensummen wird direkt für antisemitische Propaganda ausgegeben, weil die Leiter des Reichspropagandaministeriums aus Erfahrung wissen, daß man durch die Aufweckung des „Schweinehundes im Menschen" am besten den Boden für den Nationalsozialismus auflockert. lippige Phantasie. Die Berliner „Deutsche Allgemeine Zeitung" läßt sich aus Amsterdam berichten, daß das führende Flüchtlingskomi tee in Paris, das „Com'rtö de defense des juifs persecutes en Allemagne", sich mit militärischer und . wirtschaftlicher Spionage zu Ungunsten Deutschlands befaßt. Der Sitz dieser Organisation sei die Avenue des Champs Elysee und an ihrer Spitze stehe Pierre Dreyfus, der Sohn des bekannten Obersten Dreyfus. Es habe den Anschein, als ob die ganze jüdische Flüchtlingsfürsorge nur ein Deckmantel für diese Tätigkeit sei. Man schickt die Flüchtlinge, die über besondere wirtschaftliche Spezialkenntnisse verfügen, mit reichlichen Geldmitteln ausgestattet, nach Deutschland, um dort die Industriegeheimnisse auszukundschaften. Als Mittel für diese Zwecke seien im letzten Jahre 300.000 Francs verrechnet worden, während die gesamten Fonds des ComitS mit 12 Millionen Francs angegeben werden, von denen etwa 7 Millionen vom Pariser Rothschild stammen. Die „DAZ" hat hier zwei Komitees völlig durcheinander gemengt Das sogenannte Dreyfus- C o m i t e, das in der Tat den Namen „Comite de defense des juifs persecut6s en Allemagne" führt, befaßt sich im wesentlichen mit dem Schutz der Rechte der Juden in Deutschland und beteiligt sich zu diesem Zwecke an der Boykott-Bewegung. Daneben hat es sich bemüht deutsche Intellektuelle, besonders auch technische Spezialisten, in der französischen Wirtschaft unterzubringen. Es hat nie über beträchtliche Mittel verfügt. Es hat auch nie deutsche Emigranten nach Deutschland zurückgeschickt. Hingegen hat das große jüdische Hilfskomitee, das tatsächlich auch von der Familie Rothschild einen in viele Millionen gehenden Betrag überwiesen erhalten hatte, lange Zeit hindurch den deutschen Emigranten wirksame Unterstützung gewährt, aber keinen Pfennig für ander als direkte Hilfszwecke Dr. KBÜQEB-HEIK IL, Malzgasse 7 — Telephon A 48-0-T7 £ Schnellkochkurs Vegetarische o. WeekeadkBcfce ■ Anmeldung sofort Beginn Mittwoch, den 2. Mai. Streng rituell. 5 verwendet. „Temps", „Pariser Tageblatt" und andere Pariser Blätter veröffentlichen Darstellungen aus den Kreisen der Komitees, in denen die Behauptungen der „DAZ" als erlogen bezeichnet werden. .Pariser Tageblatt" iührt aus, der Verfasser der Zuschrift an die „DAZ" dürfte nicht in Amsterdam sondern im Reichspropagandaministerium sitzen. Hinsichtlich des Zwecks der „DAZ"-Verleumdung befürchtet das „Pariser Tageblatt" Schlimmes. Das jüdische Hilfskomitee — nicht das Dreyfus-Comite — hat allerdings solchen jüdischen Flüchtlingen, die den Wunsch hatten, nach Deutschland zurückzukehren, und von denen man annehmen durfte, daß sie als völlig unpolitische Menschen bei ihrer Rückkehr in die Heimat keine Gefahr laufen würden, die Mittel zur Rückreise gegeben. Ist nun die Amsterdamer Zuschrift der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" vielleicht die Einleitung, um diese armen, halbverhungerten Menschen nach ihrer Rückkehr auf deutschen Boden zu quäle n? Es ist in Deutschland heute sehr leicht, jemandem den Prozeß zu machen, und es ist sogar sehr leicht, in den Kellern der Gefängnisse der Geheimen Staatspolizei mit Gummiknütteln, Stahlruten und Ochsenziemern „Geständnisse" aus den wehrlosen Opfern herauszupressen. Man muß in Hitler-Deutschland auf alles gefaßt sein. Umsonst erfindet man dort keine Spionage mehr. Südafrika beschämt Deutschland. Am 18. April fand in Gegenwart zahlreicher Festgäste die Grundsteinlegung zu-t neuen Kapstädter Synagoge statt. Bei der Feier hielt der Justizminister und ehemalige Ministerpräsident von Südafrika General Smuts — Oberstkommandierender der südafrikanischen Truppen im Weltkriege und später Mitglied des britischen Reichskabinetts — eine Ansprache, in der er u. a. erklärte: „Ich bin fest davon überzeugt, daß der A n t isemitismus bei uns nicht erfolgreich sein wird. Solange ich Justizminister sein werde, wird es gleiches Recht für alle geben. Es wird in Südafrika nicht zu Zurücksetzungen und zur Errichtung eines Ghettos kommen. Den südafrikanischen Juden braucht es um ihre Zukunft nicht bange zu sein." Zum Schluß gab General Smuts seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Entwicklung letzten Endes überall zu einer Rehabilitierungder Juden führen werde. Mussolini kennt keine Rassentheorie. Der italienische Regierungschef Benito Mussolini hat seine Zustimmung zur Durchführung eines neuen Planes zur Hebung der Volksgesundheit in Italien gegeben. In der Einführung zu diesem neuen Gesundheitsstatut wird erklärt, das Ziel der Regierung sei es, eine gesunde Bevölkerung ohne Rücksicht auf deren rassischen Ursprung heranzuziehen. Allgemein sieht man hierin eine Desavouierung der Hitlerschen Rasseidee durch Mussolini. Christen beten für die deutschen Juden. Auf Ersuchen des Rates des Evangelischen Weltbundes erließ der Bischof von Worcester einen Aufruf an alle Christen in England, am Pfingstsonntag ein gemeinsames Gebet fürdie Juden im Hinblick auf die Judenverfolgungen in Deutschland zu sprechen. Der Erzbischof von York i'nd die meisten anderen englischen Kirchenoberhäupter befürworteten diesen Appell. Die Pariser Hilfskomitees ohne Mittel. Fast alle jüdischen Hilfskomitees in Paris sind der Mittel entblößt und den Aufgaben, die ihrer harren, nicht mehr gewachsen. Nicht nur das große Flüchtlingshilfskomitee hat die Hilfeleistung auf ein Minimum eingeschränkt, sondern auch das Komitee für Hilfe an die Ostjuden verfügt über gar keine Barmittel mehr. Auch die Eingliederung der deutschen Flüchtlinge und der Ostjuden in die französischen Arbeits- und Wirtschaftsfronten stößt auf fast unüberwindbare Schwierigkeiten, so daß für die Massen jüdischer Flüchtlinge und der Ostjuden in Frankreich die Weiterwanderung nach Palästina die einzige Hoffnung bleibt Demgemäß ist das Pariser Palästina-Amt ständig von Bewerbern um Zertifikate belagert. Tausende Gesuche liegen vor, während das Amt über wenige Dutzend Zertifikate verfügt. Etwa hundert jüdische Einwandererfamilien in Lille, Lens und Valentiennes sind von Ausweisung bedroht und die Beschaffung von Palästinazertifikaten ist für sie eine Lebensnotwendigkeit. Jedoch waren bis jetzt alle Interventionen nach dieser Richtung erfolglos.

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