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Die Wahrheit · 1934-04-27 · Heft 18 (27.4.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 18 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Villa Kurarzt Di. L o e t> e I Hofgastein jüdische Intelligenz von allen Arten Beamtenstellen ausgeschlossen wird, wurde schon oft hervorgehoben. Aber für Unbelehrbare vergeblich! Eine dankenswerte Aufgabe für den ernsten Statistiker wird es sein, den Anteil der Juden an allen für die Intelligenz zugänglichen Berufen herauszurechnen, und man wird staunen, welch geringen Prozentsatz an Juden man finden wird im. Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Gibt es doch in Oesterreich allein 200.000 öffentliche Beamte, unter denen sich so gut wie keine Juden finden! Aehnlich steht es mit dem Anteil der Juden unter den Kassenärzten: Die Juden, denen öffentliche und Beamtenstellen versperrt sind, müssen sich mit den schlecht dotierten Kassenstellen begnügen. Kürzlich haben sich zum Beispiel um 45 ausgeschriebene Zahnarztstellen bezeichnenderweise nur Juden und nicht ein einziger Arier beworben! Ganz besonders kraß aber sind diese Verhältnisse bei den von den früheren Machthabern in Wien geschaffenen städtischen Stellen: Abgesehen von schlechter Bezahlung und sofortiger Kündbarkeit lag die Sache bei den Schulärzten zum Beispiel so, daß man die Kollegen damals aufgefordert hat, die Schularztstellen aus Idealismus gegen ein ganz kleines Entgelt anzunehmen, um diese neue Institution budgetmäßig zu ermöglichen. Daß unter den so schlecht bezahlten Schulärzten und Schulzahnärzten sich infolgedessen auch zahlreiche Juden befinden, wird jetzt als Protektionswirtschaft und Stellenjägerei, wohl auch als Benachteiligung der arischen Aerzte ausgelegt, während die gutdotierten pensionsberechtigten Stellen der Primarärzte, Physikats- und Bezirksärzte in arischen Händen liegen. Dieses Beispiel ist nur aus vielen herausgegriffen, um die Hinterhältigkeit unserer Gegner und ihrer statistischen Argumente zu kennzeichnen. Unsere wichtigste Aufgabe für die nächste Zeit ist es, eine ernste, einwandfreie und die einzelnen Fragen aufklärende Statistik zu liefern, um die im Trüben fischende PseudoWissenschaft entlarven zu können. * Die obigen Ausführungen dienen auch zur Widerlegung eines Angriffes, den die „Reichspos t", gestützt auf eine längst überholte Meldung eines ungarischen Antisemitenblattes, dieser Tage gegen die jüdischen Intellektuellen unternommen hat. Eine ganz kurze Zeit hat es so ausgesehen, als ob die „Reichspost" sich ihrer Verantwortung als Regierungsorgan auch in Fragen des Antisemitismus stärker bewußt geworden wäre und sich eine entsprechende Reserve auferlegen würde. Nun fällt sie jedoch wieder aus dieser ihr offenbar sehr unbehaglichen Rolle. Unter der Ueberschrift „Eine Statistik, die zu denken geben sollte" reproduziert sie die seinerzeitige Mitteilung der Budapester „Fackel" über den prozentuellen Anteil der Juden an den intellektuellen Berufen in Ungarn und erklärt hierzu: „Man braucht durchaus kein Anhänger der Meinung zu sein, daß eine mechanische Zuteilung der Juden an alle Berufe nach dem Bevölkerungsproporz alle Ungerechtigkeiten und Bedenklichkeiten zu beseitigen und restlose Ordnung in der Judenfrage herzustellen vermöchte, um zu finden, daß eine solche Monopolstellung des Judentums auf den wichtigsten Gebieten des kultursozialen und Wirtschaftslebens eines Landes, eine solche Vormundschaft ungesund, auf die Dauer unerträglich und gefahrdrohend ist." Küchen, Äbwaschtische, Vorzimmer Beste Bezugsquelle für Weichholzmöbel. Besichtigen Sie mein Mnsterlager- Ferdlnand Hohn, II., Taborsfroße 22 Telephon-Nummer R 40-7-14 Was geht bei den Zionisten vort Zu lange schon war es ruhig in unserem zionistischen Lager. Zu lange schon standen die feindlicher Brüder sich friedlich gegenüber, ja reihten sich sogar friedlich nebeneinander, wie aus der überraschenden Meldung zu ersehen war, daß Dr. Plaschkes, der noch bei den letzten Kultuswahlen die Herren Friedmann, Löwenherz und Grünbaum als „Verräter am Zionismus" gebrandmarkt hatte, sich diesen „Verrätern" anschloß, indem er und sein „Verband radikaler Zionisten" ihren Eintritt in den bis vor kurzem noch von ihnen so gelästerten Zionistischen Landesverband vollzogen. Dadurch wird ihm sicherlich auch die Möglichkeit gegeben sein, in den Klub der zionistischen Kultusvorsteher einzutreten und er wird es nicht mehr nötig haben, sich — wie bei der letzten Budgetdebatte — in bewegten Worten bitter darüber zu beklagen, daß die jüdischnationale Mehrheit im Wiener Kultusvorstand ihn, den braven Zionisten, von jeglicher Mitarbeit ausschließt. Zu lange also schon herrschte Frieden in dem so vielgestaltigen Lager. Seit einiget Zeit aber kaum man in diesen Kreisen eine lebhafte Unruhe feststellen, eine Unruhe, die in der Vorwoche sogar zu einer gewaltigen Explosion führte. Was ist denn los, was ist geschehen? Unsere Erfahrung, die wir aus langjähriger Beobachtung des so komplizierten Wiener zionistischen Betriebes gewonnen haben, lehrt uns, daß eine derartige Erregung, wie sie jetzt wieder im zionistischen Lager zu konstatieren ist, dort immer dann in Erscheinung trat, wenn es galt, öffentliche Ehrenstellen zu erringen, sei es im National- oder Gemeinderat oder im Wiener Kultusvorstand. Wenn diese Aussicht in greifbare Nähe rückte, dann gab es immer wieder Tumult in den jüdischnationalen Reihen, dann lagen sich die kurz vorher noch brüderlich vereinten Gesinnungsgenossen kriegerisch in den Haaren. Und nun bedenke man, daß wir knapp vor dem 1. Mai, dem bedeutungsvollen Tage der Verkündigung der neuen österreichischen Verfassung, ^die eine Reihe neuer gesetzgebender und beratender Körperschaften festsetzt, stehen, und man wird sich leicht einen. Reim auf das machen, was bei unseren Zionisten vorgeht. Die Geschehnisse in diesem Lager sind nicht so leicht zu überschauen. Man muß einigermaßen ausholen, um sie ganz verstehen zu können. Man muß daran erinnern, daß im Februar des Jahres 1931 der österreichische zionistische Delegiertentag den Beschluß faßte, die Landespolitik aus dem Tätigkeitsbereich des Zionistischen Landesverbandes auszuschalten. Dieser Beschluß bewies eine Einsicht, die man sonst bei unseren Jüdischnationalen nicht gewohnt ist, und weil man sie nicht gewohnt ist, war Vorsicht am Platze. Wie sehr eine solche Vorsicht zweckmäßig war, beweist die Tatsache, daß heute, also knappdreiJahre nach dem damaligen Beschluß, den Herren dieser Schritt schon leid tut; wieder einmal ein Beweis dafür, wie wankelmütig sie, die ihren innerjüdischen Gegnern stets zum Vorwurfe machen, daß ihre Politik keine geradlinige sei, in ihrer eigenen nationaljüdischen Politik sind. Noch mehr leid als der erwähnte Beschluß scheint den Herren aber jener Pakt zu tun, den sie gelegentlich der letzten Kultuswahl mit Herrn Oberbaurat Stricker abgeschlossen haben. Nach diesem Pakt sollte die Landespolitik, deren sie sich im Februar 1931 begeben hatten, von nun ab Sache der von Stricker geführten „Jüdischen Volkspartei" sein, und tatsächlich ist seit damals Herr Stricker, gestützt auf diesen Pakt, als der patentierte Vertreter der jüdischnationalen Landespolitik aufgetreten; das der Palästina-Regierung nahestehende einzige englische palästinensische Tagesblatt bezeichnete ihn sogar dieser Tage in einem Artikel des österreichischen Generalkonsuls Dr. Jorda — sicherlich zum größten Verdruß der dadurch Zurückgesetzten — als den „anerkannten Führer der österreichischen Zionisten". Eine solche Vormachtstellung kann man Stricker gerade in diesen Tagen, da es gilt, sich selber ins richtige Licht zu setzen, nicht zubilligen und deshalb muß ihm die Grundlage, auf der er diese gehobene Position aufbaut, entzogen werden. Also: der mit ihm geschlossene Pakt, nach dem AniHllTERTAG gedenket der toten MUTTER nggtcnisdies KönigsUcht iniiim II Man achte auf die _ _ „HYCklEN. KÖNI6SUCBI" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33=1-87 Erhältlich in allen einschlägigen besseren Geschäften uunuuuuuuuuuuuuuuuuuuunuuuuuuuuujst die Landespolitik Privileg seiner „Jüdischen Volkspartei" ist, ist heute den eigenen Aspirationen hinderlich und deshalb verlangte Dr. Oskar Grün bäum, der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, auf der in der Vorwoche begonnenen diesjährigen Landeskonferenz der österreichischen Zionisten eine Pauschalermächtigung, um den Beschluß des Delegiertentages vom Februar 1931 ganz oder teilweise außer Kraft setzen zu können, mit anderen Worten, er verlangte die Möglichkeit, die Landespolitik wieder in den Aulgabenkreis des Landesverbandes, also des von den allgemeinen Zionisten beherrschten Forums, eingliedern zu können. Das wieder war Herrn Dr. Plaschkes, dem neuen alten Mitstreiter im Landesverband, nicht ganz recht. Daß Herrn Stricker, mit dem er — bis auf Widerruf — jetzt innig verfeindet ist, die Landespolitik entzogen werden soll, paßt ihm zwar. Daß aber in diesem Punkt der Landesverband allein maßgebend sein soll, in dem die allgemeinen Zionisten die überwiegende Majorität besitzen, ist schon nicht so ganz nach seinen Wünschen. Und deshalb sprach er sich auf der erwähnten Landeskonferenz, auf der er nach den Jahren des Schmollens wieder zum ersten Male teilnahm, dafür aus, daß „die Galuthpolitik unter der Kontrolle der zionistischen Organisation vom zionistischen Präsidenten der Kultusgemeinde gemacht werden soll. Nur diese Art der Politik ist berechtigt." Wahrscheinlich stellt sich Herr Dr. Plaschkes vor, daß Dr. Friedmann mehr auf seinen weisen Rat hören wird als Dr. Grünbaum. Und wenn er schon nicht selbständig Landespolitik machen kann, so soll es auch kein anderer tun können, weder der verhaßte Stricker, noch der vorderhand geliebte Dr. Grünbaum; Dr. Friedmann soll sie machen, aber unter der Kontrolle des Herrn Dr. Plaschkes. Es ist schwer, sich in diesem Wust von Wünschen und Aspirationen, die einander so diametrat entgegenstehen, zurechtzufinden. Diese Empfindung scheint auch Dr. Grünbaum gehabt zu haben, als er, ohne daß über seine eigenen Anträge oder die des Herrn Dr. Plaschkes abgestimmt worden wäre, die mit großem Applomb» eröffnete Landeskonferenz plötzlich schloß und auf acht Tage vertagte. Protestrufe und stürmischer Lärm waren die Antwort auf diese höchst autoritäre Maßnahme, aber Dr. Grünbaum blieb fest. Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, tagt die fortgesetzte Landeskonferenz, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist. Wahrscheinlich werden sich, wie so oft, die erhitzten Gemüter beruhigen; man wird wieder einmal triumphierend eine notdürftig gekleisterte Einigung verzeichnen, eine Einigung, die — geht es nach den Wünschen der Herren —. auch an anderer Stelle ihre leuchtende Krönung finden soll._ o. h. öiiiäiCiHin

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