Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 16 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite S STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor. Tel. U10-4-53 läßt man natürlich gelten, in allen Spitälern Deutschlands wird Salvarsan verwendet, aber seiner selbst, des großen Entdeckers dieses Heilmittels, darf nicht gedacht werden. Sein Name sei vergessen, denn der Träger war ein Jude! Armes Deutschland . . . Verdienst und Ruhm des toten deutschen Juden Ehrlich werden darob nicht kleiner werden, ärmer und kleiner ist nur das große lebende Deutschland geworden. Leuchten der Wissenschaft. Am zweiten Pessachtag ist in Frankfurt a. M. einer der bedeutendsten jüdischen Pädagogen, der weit über seine Lehrtätigkeit in Frankfurt hinaus in der wissenschaftlichen Welt als Sprachforscher großes Ansehen genoß, dahingegangen: Prof. Dr. Josef Caro erlag 71jährig einem Herzschlag. Als Sproß einer berühmten Rabbiner- und Gelehrtenfamilie in Rawitsch (Posen) geboren, promovierte Josef Caro 1886 in Breslau und wurde 1889 als Neuphilologe an die damals noch junge Realschule der Israelitischen Religionsgemeinschaft von Dir. Mendel Hirsch berufen, wo er vierzig Jahre wirkte. Neben seiner Schultätigkeit ist Prof. Caro aber ständig auch als Sprachforscher hervorgetreten. Auf dem Gebiete der hebräischen Grammatik galt Prof. Caro als Kapazität. Nach seinem Hinscheiden wird bekannt, daß er ein größeres Werk hinterlassen hat, das den Einfluß der Midraschim in einer poetischen mittelenglischen Bearbeitung von Genesis und Exodus (1. und 2. Buch Mosis) zum Gegenstand hat. An der Frankfurter Jeschiwah unterrichtete er Jahrzehnte lang die ausländischen Hörer in profanen Fächern. Kurz vor Vollendung seines 50. Lebensjahres wurde auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums der ordentliche Professor Dr. Richard Salomon an der Universität Hamburg in den Ruhestand versetzt. Prof. Salomon, in Berlin geboren, studierte an den Universitäten in Berlin und München Geschichte Osteuropas. Von 1906 bis 1914 war er Assistent an den jetzt zum Reichsinstitut erhobenen Monumenta Germanica Historica und gleichzeitig Assistent am osteuropäischen Seminar in Berlin. 1916 wurde Prof. Salomon aus dem Felde an das Kolonialinstitut in Hamburg berufen, um dort ein osteuropäisches Seminar aufzubauen. Mit dem Uebergang des Kolonialinstituts an die Universität Hamburg wurde Prof. Salomon Ordinarius und lehrte 14 Jahre lang historische Hilfswissenschaften. Paläographie und Quellenstudien an den alten lateinischen, griechischen und slawischen Schriften. Gleichzeitig stand er dem osteuropäischen Seminar vor, das sich speziell mit den byzantinischen Ländern und dem Balkan befaßte. 1923/24 bekleidete er an der Universität das Ehrenamt des Dekans der philosophischen Fakultät. * Der Senior der deutschen Chemiker, der frühere Professor an der Universität München Dr. Oskar Loew, beging dieser Tage seinen 90. Geburtstag. Loew wurde 1844 in Markdrewitz als Sohn eines Apothekers geboren und hat eine außerordentlich vielseitige und wirksame Tätigkeit auf dem Gebiet der Chemie, Botanik und Physiologie entfaltet. Seine Lehrtätigkeit führte ihn nach Tokio, New York, Washington und Portorico, bis er schließlich nach München übersiedelte, wo er bis zum Jahre 1913 die Professur für Pflanzenphysiologie innehatte. Von seinen Büchern, die große Verbreitung fanden, seien die bekanntesten „Der Kalkbedarf von Mensch und Tier" und „Die chemische Energie der lebenden Zellen" erwähnt. Loew war Gegenstand vieler Ehrungen. Er ist Ehrenbürger seiner Vaterstadt Markdrewitz, Inhaber der Liebig-Medaille und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften. Antisemitische Ausschreitungen in Saloniki. Vor dem Gericht in Saloniki hatten sich vier griechische Nationalisten. Mitglieder der faschistischantisemitischen Organisation E. E. E., wegen Urheberschaft der schweren antijüdischen Unruhen in Saloniki in der ersten Februarwoche 1934 zu verantworten. J. Kosmides, Söhn des Präsidenten der E. E. E., wurde zu einem Jahre Gefängnis, die drei anderen Angeklagten Kokinos, Maliiis und Skenderoglou wurden zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Alle vier müssen je •3000 Drachmen Geldbuße erlegen. Gemäß einem Regierungsentscheid, wonach Hörer staatlicher Hochschulen sich der Politik fernhalten müssen, haben die Rektoren der Hochschulen in Saloniki und in d'Edessa etwa 100 Hochschüler, die sich an antisemitischen Manifestat oneti dei E. E. E. beteiligt hatten, jelegien. Eine Gruppe der E. E E. angehörender junger Leute drang in das Lokal des Makkabi-Klubs in Saloniki ein und demolierte die Einrichtung vollkommen. Bevor Polizei zur Stelle war. waren die Täter geflüchtet Oerlangt in Catte asw, „Die WaarBeir*! Palästina-Nachrichten. Der Reichsinnenminister der Hitlerregierung in Deutschland, Dr. Frick, weilte am 7. und 8. April in Palästina. Die Polizei hatte einen speziellen Schutzdienst für ihn eingerichtet. Ueber den Grund seines Palästina-Besuches wird nichts mitgeteilt. * Die Palästinaregierung hat Schulden palästinensischer Landwirte an Steuern und Raten für Landwirtschaftsdarlehen in der Gesamtsumme von rund 96.000 Pfund gelöscht. Dieser Vergünstigung wurden ausschließlich arabische Landwirte teilhaftig. « Der von einem längeren Aufenthalt in Palästina zurückgekehrte Geistliche der Pariser amerikanischen Kirche Dr. C o c h r a n erklärt, daß die deutschen Nationalsozialisten die mohammedanische Bevölkerung in Palästina systematisch gegen die jüdische Einwanderung aufreizen. * Am vergangenen Donnerstag hätte in Tel Aviv die Jahreskonferenz des palästinensischen Brith Trumpeldor mit einer Massenkundgebung im Beth Am, der Sportvorführungen unter Teilnahme der Makkabi folgen sollten, eröffnet werden sollen. Der Stadtrat von Tel Aviv hatte unbeschadet des von ihm kürzlich ausgesprochenen Verbots der Veranstaltung öffentlicher Kundgebungen bis Ende der Levante-Messe ausnahmsweise diese Kundgebung gestattet. Nunmehr hat die Palästina- Regierung im letzten Augenblick die Abhaltung der Jahreskonferenz und der Kundgebung verboten. * Mehr als 500 prominente Persönlichkeiten des neuen Palästina, unter ihnen fast die gesamte palästinensische Gelehrtenwelt, wohnten der Eröffnung des Daniel Sieff- Instituts für landwirtschaftliche Ch'emie an der Hebräischen Universität zu Jerusalem bei. Das Institut wurde von Herrn und Frau Israel S i e f t in London zum Andenken an ihren verstorbenen Sohn Daniel gestiftet. Leiter des Instituts ist der frühere Präsident der Jewish Agency Dr. Chaim W e i z m a n n. Hauptredner bei der Veranstaltung war der berühmte jüdische Chemiker und Nobelpreisträger Professor Richard Willstätte r, früher eine Zierde der Münchener Universität, der nach der Uebernahme der Macht in Deutschland durch Hitler auf seine Proiessur aus Solidarität mit seinen aus den Aemtern gejagten jüdischen Kollegen Verzicht geleistet hat. Ansprachen hielten ferner der High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauchope, Dr. Chaim Weizmann, Harry Sacher, Simon Marks, Nahum Sokolow. Dr. Wilkansky und englische zionistische Führer. * Zahlreiche jüdische Arbeiter wurden dieser Tage in Kiar Saba von der Polizei verhaftet, weil sie vor jüdischen Orangen-Plantagen. in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden, Streikposten standen. Die Verhafteten gehören allen jüdischen Arbeitergruppen an. Die verhafteten Arbeiter sandten einen Appell an das in Jerusalem tagende zionistische Aktions-Komitee, daß es zu ihren Gunsten interveniere. Das Aktions-Komitee entsandte eine spezielle Abordnung nach Kfar Saba, um die Angelegenheit an Ort und Stelle zu prüfen. Die jüdischen Plantagenbesitzer erklären, sie seien gezwungen, arabische Arbeiter zu beschäftigen, weil ihnen infolge der Einwanderungspolitik der Regierung nicht genug jüdische Artf"eiterhände zur Verfügung stehen. # „üavar" teilt mit, daß sogar die Regierung, als Arbeitgeberin unter dem Mangel an Arbeiterhänden infolge ihrer die Palästinawirtschart schädigenden Einwanderungspolitik zu leiden hat. Bisher wurden gemäß den geltenden Bestimmungen im Eisenbahndienst nur Personen, die des Lesens und Schreibens kundig sind, eingestellt. Wegen Mangels an solchen qualifizierten Arbeitskräften hat sich die Palästina-Regierung dazu bequemen müssen, arabische Analphabeten für denEisenbahndienst zu engagieren. „Davar" unterstreicht, daß Palästina das einzige Land in der Welt sei, das Analphabeten in einem so wichtigen Dienst beschäftigt. * Das Amtsblatt veröffentlicht eine Liste von weiteren 436 Aerzten, unter ihnen 11 Frauen, und 11 Dentisten, unter ihnen 2 Frauen, die zur Ausübung der Praxis in Palästina zugelassen wurden. Es handelt sich in der Mehrzahl um Einwanderer aus Deutschland. Die letzte Registernummer der zugelassenen Aerzte ist nunmehr 1568, die der Dentisten 483. * Laut amtlichem Bericht beläuft sich der Geldumlauf in Palätina jetzt auf 3,634.664 Pfund. Der gesteigerte Geldumlauf ist eine Folge des jüdischen Kapitalszuflusses und der gesteigerten wirtschaftlichen Tätigkeit im Lande. Aus Biro-Bidschan. Die Regierung der Sowjetunion hat tür das Jahr 1934 als Budget für den jüdischen Aufbau in Biro-Bidschan im Fernen Osten, wo ein jüdisches autonomes Gemeinwesen (Republik) errichtet werden soll, eine Summe von 55 Millionen Rubel eingestellt. Davon sollen 20 Rubel allein für Häuser- und Fabrikenbau ausgegeben werden. 1934 sollen 3551 jüdische Familien mit insgesamt 15.000 Seelen nach Biro- Bidschan gebracht werden. Im ersten Jahresviertel jedoch konnten im ganzen 200 Familien und 481 Einzelpersonen, im ganzen 1209 Seelen, in das Land gebracht werden. ELSE KUNSTADT MAXIMILIAN HANF WIEN empfehlen sich als Verlobte. Rumänischer Hochschulantisemitismus Bei Anwesenheit von etwa 4000 Studenten aus allen rumänischen Hochschulen wurde in Baile Herculane (Herkulesbad) der Kongreß der christlichen rumänischen Studentenschaft abgehalten. U. a. hat der Kongreß in seiner Schlußsitzung eine Entschließung angenommen, in der von neuem die Einführung des Numerus clausus für Juden an den Hochschulen zum Schutze der nationalen Kultur verlangt wird. Der Kongreß ging in Ruhe zu Ende. Zum Protest gegen die Erlaubnis zur Abhaltung des Kongresses, die die Regierung nach anfänglicher Weigerung erteilt hat, ist Prof. T r a i a n B r a t u, der Rektor der Universität Jassy, von seinem Rektorposten zurückgetreten. Der Senat hat sich hinter ihn gestellt und hat in einem Telegramm au den Unterrichtsminister die Einberufung einer Hochschulkonferenz gefordert. Bratu ist in den letzten Jahren wiederholt als energischer Verfechter von Ruhe und Ordnung im akademischen Leben aufgetreten, sein demonstrativer Rücktritt findet starke Beachtung. Der Senat hat dem Antrag des Unterrichtsministers, die Pharmazie-Fakultät der Universität Jassv nach Bukarest zu verlegen, zugestimmt. In der vom Unterrichtsministerium gegebenen Begründung wird u. a. auch auf das Ueberwiegen der jüdischen Studentenschaft in Jassy angespielt. Der ehemalige Unterrichtsminister N. Costachescu verwahrte sich im Senat gegen die merkwürdige Unterscheidung zwischen christlichen und jüdischen Studentea Als Hauptgrund für die Verlegung gab das Unterrichtsministerium die Notwendigkeit der Konzentrierung der pharmazeutischen Studien an. Deutsch-jüdische Schule in Schweden. l:ine Schule für jüdische Kinder aus Deutschland wird am I. Mai auf einen» Bauernhot in der Gemeinde Högseröd in der siidschwedischen Provinz Schonen eröffnet. Unter der Leitung von Dr. Ludwig Pos euer hat eine Interessengemeinschaft vorläufig auf die Dauer eines Jahres das Gehöft mit Garten und einein größeren Stück Land gepachtet, um hier die Kinder nicht nur in den üblichen Schuliächern. sondern auch Iii Gartenarbeit und anderen praktischen Arbeiten zu unterrichten. Es werden 50 bis 10O Kinder Wer Aufnahme finden. Lettland gibt nach. Auf Beiehl des lettiändischen Innenministeriums ist der bekannte jiddische Dichter und Publizist Daniel Tscharni, der vor einigen Monaten aus Berlin nach Riga übers'edelt war. aus Lettland ausgewiesen worden. Wie die Zeitung „Frimorgn" mitteilt, war gegen Tscharni vorher eine Pressehetze ins Werk gesetzt worden, die aui die Initiative der deutscheu Gesandtschaft zurückzuführen ist. Nachdem bereits vor mehreren Monaten der jiddische Volkswirtschaftler und Korrespondent des New Yorker „Forward" Jakob Lestschinsky (wie die gleichgeschaltete „Rigaer Rundschau" feststellte, ebenfalls auf Betreiben der deutschen Gesandtschaft, wegen seiner Artikel gegen die deutschen Judenverfolgungen) aus Lettland ausgewiesen worden war. maoht sxh nun in jüdischen Kreisen eine Protestbewegung dagegen geltend, daß ausländische jüdische Schriftsteller in Lettland schutzlos sein und vom Belieben deutscher Kreise abhängig sein sollen. Sowohl Tscharni als auch Lestschinsky sind rtauische Staatsangehörige. WIENER BET HAMIDRASCH. Wien II.. Tempelgasse 3. Vorlesungen im Sommersemester 1934 (5694): Sonntag. 5—6 Uhr. Rabb. Lektor Dr. Rubin: Sprüche der Väter. 6— 7 Uhr, Rabb. Lektor Dr. Rubin: Talmud. Montag. 6—7 Uhr. Rabb. Dr. Rosen m;i n n: Jeremias. 7— 8 Uhr, Rabb. Dr. M u r m e I s t e i n: Kabbala. Dienstag, 6—7 Uhr. Prof. Dr. Krauss: Geschichte der Juden in der neuesten Zeit. 7—8 Uhr. Oberrabb. Dr. Tag Ii cht: En Jakob. Mittwoch, 6—7 Uhr, Rabb. Lektor Dr. Rubin: Midrasch. 7—8 Uhr. Rabb. Dr. Rosen mann: Jeremias. Donnerstag. 6—7 Uhr. Prof. Dr. Krauss: Geschichte der Juden in der neuesten Zeit. 7—8 Uhr, Prof. Dr. Krauss; Synagogale Gebräuche (Minhagim). Samstag. 11—12 Uhr, Prof. Dr. Krauss: Synagogale Gebräuche (Minhagim). Präzise 'A4 Uhr. Rabb. Lektor Dr. Rubin: Bibelvortrag. Der Vorstand: Ernst Vogel m. p. Dr. Jakob O r n s t e i u m. p. Schriftführer. Präsident. Vertrauenswürdige Inkassant in. Komtnissionäria oder Manipulantin mit langjährigen Zeugnissen und besten Referenzen sucht Stelle, event. lür halbe Tage. Zuschriften unter „Bescheidene Ansprüche" sind an die Administration dieses Blattes zu richten.