Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 16 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064504-3064519--19719-3084886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 % DIE WAHRilElI '\ DIE VVi sind kein Ersatz für die jüdischen Kunstmäzene... Auch die deutsche Wissenschaft hat von der Verjagung der jüdischen Gelehrten zugunsten arischer Nachfolger bisher erstaunlich wenig profitiert. Sogar auf sportlichem Gebiet sind dem Volke des Turnvaters Jahn rühmliche Erfolge seit der Ausschaltung der jüdischfen Sportleute versagt geblieben. Die Blamage der Niederlage des Boxers Schmeling gegen den amerikanischen Juden Baer wird durch das jüngst von Goebbels erlassene Aufführungsverbot eines Films, in dem Baer agiert, nicht aus der Welt geschafft, sondern nur noch vergrößert. Kurz, der Sieg Hitlers über das Judentum ist dem deutschen Volke teuer zu stehen gekommen und den herrlichen Zeiten, mit deren Prophezeiung schon Kaiser Wilhelm 11. Pech hatte, ist es auch unter der glorreichen Führung des Herrn Streicher nicht um einen Schritt näher gekommen. Darum war es weise, den Jahrestag des April-Sieges still vorübergehen zu lassen. Für ein paar Schmutzkonkurrenten und Erben hochstrebender Juden mag es ein Sieg gewesen sein, für die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes liegt aber der Ton auf dem ersten Worte: April...April! Dr. Hugo Spie gl er. ■»■«■■■■—■■■■■■■■i ■■■■■■■■■■■i Weltfremd. Die Jerusalemer Tagung des zionistischen Aktionskomitees ist nach zwölftägiger Dauer geschlossen worden. Sie hat die Erwartungen, die man in zionistischen Kreisen an den Zusammentritt dieser Körperschaft gerade auf heiigem Boden, zum ersten Male im Hause der Jewisli Agency in Jerusalem knüpfte, nicht nur nicht erfüllt, die ärgsten .Befürchtungen sind vielmehr weit übertroffen worden. Denn in Jerusalem hat sich im kleinen nichts anderes abgespielt als in Prag im großen im Sommer des Vorjahres. Stand der damals dort abgehaltene Zionistenkongreß, obwohl er wenige Monate nach Beginn der Hitler-Herrscbaft in Deutschland zusammentrat, ganz im Zeichen eines mörderischen Parteienstreits, so hat sich seit damals diese Situation nicht nur nicht verbessert, der Bruderstreit hat Dimensionen angenommen, die einfach unglaublich sind. Die Auflösung des revisionistischen Sonderverbandes wurde nach einer sehr stürmischen Auseinandersetzung mit 27 gegen 11 Stimmen der Revisionisten und Misrachisten gebilligt, die revisionistische Forderung nach Annullierung des Beschlusses der Exekutive, dem Brith Trumpeldor kollektiv Einwanderungs-Zertifikate zu versagen, wurde vom Aktionskomitee zurückgewiesen. Der Brith Trumpeldor hat bekanntlich auf diese Verfügung mit einem Zirkulär geantwortet, in dem seine Mitglieder aufgefordert werden, auf die von den Palästina-Aemtern der Zionistischen Exekutive zur Verteilung gelangenden Einwanderungszertifikate für Palästina Verzicht zu leisten und statt dessen alle Anstrengungen zu machen, auf anderem Wege als durch die Palästina-Aemter. z. B. durch direkte Anforderung seitens palästinensischer Arbeitgeber, sich Einwanderungszertifikate zu verschaffen. Wegen dieses Zirkulars läuft eine Verhandlung beim Kongreßgericht gegen den Brith Trumpeldor, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist. die Revisionisten haben wegen Ablehnung von ultimativen Forderungen, die sie an das Kongreßgericht stellten, erklärt, daß sie nicht mehr vor dem Gericht erscheinen und das Gerichtsverfahren nicht anerkennen werden. Die versuchte Einigung mit den Misrachi ist nicht erzielt worden. Ein Beschluß des Aktionskomitees, wonach alle Verträge mit den Kolonisten, die auf dem Boden der Jewisli Agency oder des Keren Kajemeth angesiedelt werden, eine Klausel enthalten müssen, die den Siedler verpflichtet, den Sabbath zu beobachten, war für den Misrachi nicht weitgehend genug, um ihn zum Eintritt in die Exekutive zu bewegen. Auch die Bemühungen, einen allgemeinen Zionisten zum Eintritt in die Exekutive zu veranlassen, blieben fruchtlos; die vom Kongreß in Prag gewählte Exekutive Weibt also unverändert. Die oppositionellen Gruppen haben bekanntlich die Behandlung, die sie seitens der Exekutive erfahren, damit beantwortet, daß sie die zionistischen Fonds Keren Hajessod und Keren Kajemeth sabotieren. In einer Resolution stellt nun das Aktionskomitee fest, daß die Propaganda für eine solche Sabotage gleichbedeutend sei mit dem Bruch zionistischer Disziplin und daß jeder afe Delegierter zum Zionistenkongreß aufgestellte Kandidat nachweisen muß, daß er Keren Hajessod-Zahler ist. Ferner wurde eine Resolution angenommen, in der jede Provokation oder Gewaltanwendung innerhalb der zionistischen Reihen in Palästina und in den Diaspora-Ländern, ganz gleich von welcher Seite sie verübt werden, schärfstens verurteilt werden und angekündigt wird, daß solche Ausschreitungen auf das strengste verfolgt und daß Strafen bis zur Ausschließung aus der Zionistischen Organisarion verhängt werden würden. Man sieht, der Großteil der Resolutionen galt den innerzionistischen Streitigkeiten und in diesem Wust von Entschließungen, die der (sicherlich nicht endgültigen) Bereinigung dieser gewaltigen Streitfragen dienen sollten, geht jene Resolution einfach unter, in der das Aktionskomitee Forderungen an die die Einwanderung nach Palästina heute so schwer hemmende englische Mandatarmacht stellt. Diese Forderungen mögen an und für sich berechtigt sein, wir glauben nicht, daß sie viel Eindruck auf England machen werden, das so wie alle Welt heute die Zerrissenheit im zionistischen Lager sieht. Neuestens ist in diesem Lager auch ein Konflikt ausgebrochen, der nach Oesterreich hineinspielt. Im österreichischen Palästina-Amt wurden, so wie in allen öffentlichen Körperschaften unseres Landes, den Sozialisten, die dort als Vertreter der Poale Zion saßen, nach der Februar- Revolte die Mandate entzogen. Die zionistische Exekutive hat darauf beschlossen, dem österreichischen Palästina-Amt Einwanderungs-Zertifikate für Palästina so lange vorzuenthalten und das Wiener Palästina-Amt so lange von der zionistischen Exekutive nicht anzuerkennen, als nicht den Poale Zion ihre Mandate im Palästina-Amt zurückgegeben werden. Dieser Beschluß, der auf den überwiegenden Einfluß der Sozialisten in der zionistischen Exekutive zurückzuführen! ist, zeigt so recht die Weltfremdheit dieser Körperschaft. Die Herren in der zionistischen Exekutive machen ihre blau-weiße Palästinapolitik, die heute stark rot gefärbt ist, und kümmern sich einen Pfifferling um das, was anderwärts vorgeht. Sie beachten auch nicht, daß sie dadurch ihre Gesinnungsgenossen in anderen Ländern in eine mehr als unangenehme Situation bringen. Sie scheren sich wenig darum, daß sie im konkreten Fall ihre zionistischem Brüder in Oesterreich in einen schweren Gewissenskonflikt zwischen Loyalität gegenüber dem österreichischen Staate und Treue gegenüber der zionistischen Organisation ziehen. Der österreichische zionistische Landesverband ist dadurch in eine sehr peinliche Lage geraten, deren Lösung sicherlich recht schwierig sein wird. Er hat vorderhand gegen den vorliegenden Beschluß des Aktionskomitees protestiert und bereitet weitere Beschlüsse vor. Aus der braunen Hölle. In Kettwig v. d. Brücke (Rheinland) wurden auf dem auf einer Anhöhe liegenden jüdischen F r i e d Ii o f in einer Nacht 30 Grabsteine umgestürzt. Trotz der vom Vorstand der jüdischen Gemeinde ausgesetzten Belohnung konnte man der Täter noch nicht habhaft werden. * Zwölf große und künstlerisch wertvolle Fenster der Synagoge zu Beverungen in Westfalen wurden zertrümmert, die Tür der Synagoge wurde aus den Angeln gehoben. Wie die Polizei mitteilt, sind als Täter Mitß-lieder der S. A.-Sportschule in Beverungen ermittelt worden. ■ * Wie in mehreren anderen Städten in Hessen und anderswo wurde auch auf dem Viehmarkt in Frankfurt a. M. eine spezielle Abteilung für jüdische Viehhändler und ihre Ware geschaffen. Die arische Abteilung befindet sich rechts, die jüdische links. Auf dem Nürnberger Viehmarkt wurden Plakate herumgetragen mit der folgenden Inschrift: „Ich warne euch zum letztenmal: kauft nicht bei Juden! Jeder, der diese Warnung nicht beachtet, wird die Konsequenzen zu tragen haben!" Die Plakate trugen keine Unterschrift, doch nahm man an, daß die Warnung vom Gauleiter Streicher ausging. * Nicht nur in Franken, sondern auch im R h e i nland und in anderen deutschen Provinzen ist der antijüdische Boykott in vollem Gange. Der Distriktsführer der NS-Mago Alfred Witte erklärte auf einer Tagung der Gewerbstreibenden in Mehring an der Mosel in der Nähe von Trier: Unser Schlachtruf ist und bleibt: Kauft nicht bei Juden! Ich habe in Trier mehrere Juden zur Strecke gebracht, andere Juden werden ihnen folgen. Wir werden nicht ruhen, bis der letzte Jude aus Trier hinausgeworfen ist. Ungeachtet der Erklärungen des Reichswirtschaftsministers Schmitt und des Befehls des Reichskanzlers Hitler an die Reichsstatthalter, daß störende Eingriffe in die Wirtschaft zu unterbleiben haben, wird seitens der Staatsmacht nichts gegen den öffentlich betriebenen Judenboykott unternommen. Auf einer Kundgebung der NS-Hago in C a d o 1 zb u r g führte der Erste Bürgermeister Eicbner-Zirndorf dem Fürther Anzeiger zufolge aus. Cadolzburg könne" stolz sein, keine Juden zu besitzen, und es dürfe nie mehr einein solchen Einlaß bieten. * Oberstleutnant von Bogen, Administrator der Deutschen Adelsgenossenschaft, erklärte der „Deutschen Zeitung'*, die im Herbst 1933 eingeleitete Säuberung des deutschen Adels werde so durchgreifend sein, daß künftighin kein einziger Tropfen jüdischen Blutes in den Adern eines deutschen Adeligen fließen wird. Man werde keinen „Herrn von Shylock" im Adel mehr finden. * In Braunschweiß waren vorübergehend die Namensschilder der Jerusalem-Straße mit der Aufschrift „Baidur von Schirach-Straße" verdeckt worden. Nachdem inzwischen in der Oeffentlichkeit darauf hingewiesen worden war, daß die Straße ihren Namen zu Ehren des Abtes Jerusalem trage, sind die Aufschriften wieder entfernt worden. * Das Berliner Kriminalgericht verurteilte den Schauspieler Otto Hoffmeister zu acht Monaten Gefängnis wegen Beleidigung einer befreundeten Nation. Hoffmeister hatte im vergangenen Oktober zwei Türken belästigt, die er irrtümlicherweise für Juden gehalten hatte. Aus Amerika. Das Kongreßmitglied Kenney aus New Jersey brachte in der letzten Sitzung des Kongresses der Vereinigten Staaten eine Resolution ein, wonach Prof. Albert Einstein „bedingungslos der Charakter und die Privilegien eines Bürgers der Vereinigten Staaten verliehen" werden sollen. Kenney sagte, Prof. Einstein sei ein warmer Freund der Vereinigten Staaten und ein Bewunderer der amerikanischen Verfassung. * Das berühmte Warenhaus Wannaniakcr, eines der größten in Amerika, gibt bekannt, daß es keine Einkäufe mehr in Deutschland tätigt, weil das amerikanische Kaufpublikum sich weigert, deutsche Waren in Kauf zu nehmen. * Wie die Pariser Presse aus zuverlässiger Quelle berichtet, wird das Verbot des amerikanischen Max Baer-Films in Deutschland die unausbleibliche Folge haben, daß die amerikanische Filmindustrie, die bisher ihren Sitz für Europa in Berlin hatte, ihre Zelte in Berlin abbricht und in Paris aufschlagen wird. Der Fox-Film hat das bereits getan, Universal-Film ist dabei, diesem Beispiel zu folgen, das gleiche wird nun auch die Metro-Goldwyn-Mayer tun. Die Berliner Zeitungen bestätigen diese Mitteilungen. * Das jüdische Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten Samuel D i c'k s t e i n. auf dessen Antrag die Parlamentskommission zur Untersuchung der nationalsozialistischen Umtriebe gebildet wurde, teilt der Presse mit, er habe von Nazis so vieleDrohbriefe erhalten, daß er sich zu seinem Schutz eine ihn ständig begleitende Leibwache halten muß. Änti-Hitler-'Feldzug in Polen. Seit 1. April finden aus Anlaß des Jahrestages des deutschen Juderaboykotts in ganz Polen bis Ende dieser Woche jüdische Massenkundgebungen gegen Hitler-Deutschland statt. Es sollen über 1000 Massenkundgebungen abgehalten werden. Sämtliche Kundgebungen werden stark besucht und es kommt in ihnen die Entschlossenheit des polnischen Judentums zum Ausdruck, die Judenverfolgung in Hitler-Deutschland durch strengsten antideutschen Boykott zu quittieren. In mehreren -tausend Synagoge» in ganz Polen wurde die Judenschaft im Reden der Rabbiner zur Fortsetzung des Kampfes gegen Hitler-Deutschland aufgerufen. Anläßlich der Thora-Aufrufe wurden größere Summen für diesen Kampf gespendet. ösferreidilsdie Juden! Trelei der Valer landisdien front Lbei urai u