Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 16 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen Iii Deutschland verboten I Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreidiisdier Juden und den Amtlichen Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien I tolephöm "ü s"£Z» j %...........»...................„..„..£ mnnuiBniDHUmQQni Nafll PiUÄSIINA J durch den | PALESTINI & OBIENI- LLOYD Vertretung für Österreich:; RBISKBÜRO CITY, Dr. J. H. Körner ■ WIENI. KOHLMARKT NR. 8 Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 50. Jahrgang Wien, 13. April 1934 Nummer 16 April, April! Rasiere Dich got und billig Der 1. April ist sang- und klanglos im Dritten Reiche vorübergegangen. Im traditionstreuen Deutschland, wo heute noch jede noch so unbedeutende Schlacht, sofern sie nur mit einem Siege der deutschen Warfen endete, ais weltgeschichtlicher Erfolg in eilner Weise gefeiert wird, die der Umwelt aufs ein- und aufdringlichste die Fähigkeit der Teutonen, mit allen, noch so zähen „Erbfeinden**, die sich ihnen im Laufe der Geschichte entgegenstellten, fertig zu werden, vor Augen stellen soll, hat man diese Gewohnheit gerade an dem Tag vergessen, an dem man vor Jahresfrist zu dem entscheidenden Schlag gegen jenen „Feind" ausholte, den die politische Weisheit Hitlers als den gefährlichsten, ja einzigen wirklichen Gegner des Deutschtums entlarvt hat. Mögen die Deutschen noch so oft und noch so hart gegen „Welsche", Franzosen, Ungarn, Slawen, Mongolen und Türken sich ihrer Haut zu wehren gehabt haben — es geschah aus dem „Irrtum" mißverstandener politischer Konstellationen heraus. Erst Hitler hat den Deutschen die Augen geöffnet, so daß sie ihren wahren Erbfeind zu erkennen vermochten: Das Judentum. Wie? Die deutschen Juden haben die Heimat verteidigen helfen und im Weltkrieg 12.000 Gefallene auf dem Altare des Vaterlandes geopfert? Ja, Freund, das ist eben die jüdische Verstellungskunst! Jüdische Organisatianlsgenies und jüdische Erfinder haben es durch dies Kraft ihres Geistes möglich gemacht, daß die Deutschen noch lange durchhalten konnten, als die Strategie ihrer vielbewunderten Feldherren den Krieg auf den Schlachtfeldern bereits verloren hatten? Jüdische Täuschungsmanöver zur Maskierung der auf die eigene Weltherrschaft erpichten jüdischen Zersetzungstendenz! Je größer die jüdischen Opfer, je hervorragender die patriotischen Leistungen der Juden — desto gefährlicher die Tarnung, der Opfer und Leistungen gleichermaßen dienten. Hitler hat sich nicht täuschen lassen, er blieb gefeit gegen den faulen Zauber jüdischer Verführungskünste und hat als Reichskanzler am 1. April 1933 die große Vernichtungsschlacht glegen den einzigen wirklichen Feind nicht nur der Deutschen, sondern aller Arier, ja sämtlicher Rassen geschlagen. Zur Unterdrückung der jüdischen Weltherrschaftsgelüste inszenierte man den Boykott aller jüdischen' Geschäfte, Advokaturskanzleien und Aerzte; den parasitären" Neigungen der Juden begegnete man, indem man alle irgendwie an der Werte schaffenden Arbeit beteiligten industriellen und gewerblichen jüdischen Angestellten um ihre Stellungen brachte und auf den Genuß der Arbeitslosenunterstützung verwies. Anderseits förderte man den ^tfWta^lffll^||||)inilfl1IHIIIIMIIIIrfflllMI^ 4» VERWALTUNGEN SÄTZE - HYPOTHEKEN jft» KÄUFE - VERKÄUFE SZILÄGYI BEB. AUT. SEISAL ROTENLÖWENG. 3 TEL. A 10-5-69 Schaffensdrang der arischen Angestellten, indem man ihre jüdischen Chefs, die durch die Boykottbewegung um alle Einkünfte gekommen waren, zwang, ihnen trotz allem Mangel an Beschäftigung die früheren Gehälter weiterzuzahlen, also ihr Nichtstun durch ausgiebig© Renten zu finanzieren. Wie man sieht, war diese Schlacht nicht nur durch die Wahl des kunstvoll getarnten Feindes, sondern auch durch die taktischen Mittel ihrer Durchführung eine der genialsten der Weltgeschichte. Muß nicht vor ihrer Glorie der Ruhm der Schlachten bei Katzbach, bei Leipzig und selbst von Sedan verblassen? Aber merkwürdig: Während die Jahrestage der genannten Schlachten noch immer durch Truppenparaden und patriotische Feiern festlich begangen werden, hat der 1. April, an dem sich das Waterloo der deutschen Juden jährte, für das deutsche Volk nichts an historischer Weihe gewonnen, ja nicht einmal etwas von dem fatalen Nimbus verloren, den er schon früher hatte. Das bekannte Scherzwort: „Am 1. April foppt man dein Narren, wie man will", hat durch den antijüdischen Boykottfeldzug vom Vorjahre eine sehr unliebsame Bekräftigung erfahren. Bloß die ulkige Laune, die sonst Ursache und Folge des April- Triebes, den Hebten Nächsten zum Besten zu halten, ist, dürfte durch die Erkenntnis, welchen Reinfall der Wirtschaftskampf gegen die jüdischen Existenzen für Deutschland bedeutet, dort ein erhebliche Einbuße erlitten haben. Für die Stimmung der breiten Massen fehlt jeder Maßstab, da das freie Wort im Dritten Reiche unterdrückt und die Presse gleichgeschaltet ist. Um so beachtenswerter ist eine Betrachtung Dr. Lüers im „Angriff" über die trostlose Wirtschaftslage Deutschlands ein Jahr nach der Aprilschlacht. D&r „Angriff" ist das Blatt des Propagandaministers Goebbels und Dr. Lüer ist Reichsführer des Handels. Es klingt aber wenig propagandistisch für die nationalsozialistischen Methoden im Handel, was man da mit erstaunlicher Offenheit zu lesen bekam: „Es handelt sich im Augenblick gar nicht um programmatische Streitigkeiten zwischen Autarkisten und Welthandelsoptimisten. Deutschland ist einfach in eine Zwangslage versetzt worden, es kann keine Schulden bezahlen, wenn ihm keine Waren abgenommen werden." Dafür, daß Deutschland keine Waren abgenommen werden, sorgt der jüdische Weltboykott. Und da dieser eine Folge der vorjährigen Ereignisse am 1. April ist, stellt die Auslassung1 Dr. Lüers, obwohl der Form nach eine Vorbesprechung zu der Basler Transferkonferenz dies deutschen Reichsbankpräsidenten mit Vertretern Amerikas und Großbritanniens, m Wirklichkeit ein durch seine Ehrlichkeit verblüffendes Kriegsbulletin in dem Kampf Hitlers gegen das Judentum dar. Don Quichotte bot nach seiner Affäre mit den Windmühlen, die er für provozierende Riesen gehalten hatte, keinen kläglicheren Anblick als der reichsdeutsche Nationalsozialismus nach seinem Vorstoß gegen die jüdischen Existenzen, die er für die Not des deutschen Volkes verantwortlich geglaubt hatte. Dieser Glaube dürfte zumindest in den Führerkreisen, soweit er dort jemals ehrlich bestanden hatte, in dem Jahre seit der AprSschlacht sehr er- OesteireicMsdies QuaHtöfs-raMkaf Ueberau erhältlich schüttert worden sein. Die deutschen Juden sind wirtschaftlich erledigt, es geht ihnen so schlecht, wie es die kühnsten antisemitischen Träume nicht ärger ersehnen konnten. Aber hat dies die erhoffte Besserung der deutschen Gesamtwirtschaft zur Folge gehabt? Es ist pikant, daß gerade im „Angriff", der so oft den Untergang des deutschen Judentums als den Beginn des arisch-deutschen Aufstiegs verkündet hatte, jetzt die Elegie des nationalsozialistischen Handelstührers erschien, die das Eintreffen des Gegenteils zugibt und an diese Erfahrung gleich ein vernichtendes Werturteil über den früher heiligsten Wirtschaftsprogrammpunkt des Nationalsozialismus, die Autarkie, knüpft. Sie erscheint dem offenherzigen Dr. Lüer — und wohl nicht minder den anderen, weniger aufrichtigen Führern — als genau so wertlos wie die früher so heiß bekämpfte unbeschränkte Handelsfreiheit, die man jetzt schamhaft als „Welthandelsoptimismus", sanft genug, verspottet, wenn die goldenen Früchte ausbleiben. Und da nach Schillers Wort aus dem „F:tesko" der Herzog fallen muß, wenn sein Mantel fällt, sieht man jetzt den nationalsozialistischen Wirtschaftprogrammatiker Feder aus seiner Stellung im Wirtschaftsministerium zu einer minderbedeutenden bei der Siedlungsbewegung übergehen. Ein weicher Sturz, aber ohne Zweifel ein Sturz... Fest steht und treu allerdings der Organisator der vorjährigen Aprilschlacht, der Nürnberger Nur- Antisemit Streicher, jederzeit zu neuen Heldentaten gegen das geknebelte deutsche Judentum bereit, sobald nur der Osaf Lust verspürt, das deutsche Volk neuerlich mit der Streitaxt in den April zu schicken... Es scheint aber, daß man solche Experimente jetzt lieber vermeidet. Denn es ist klar, daß sich die Depossedierung der deutschen Juden noch mehr als für den Außenhandel auf die innere Wirtschaft unheilvoll' auswirkt. Man konnte zwar die jüdischen Unternehmer zwingen, ihre Angestellten trotz dem Ausbleiben der terrorisierten Kunden weiterzubesolden, aber es fehlte jede Handhabe, sie auch zur Aufrechterhaltung ihres früheren Lebensstandards im Privatleben anzuhalten. Und der jüdische Lebensstandard war entsprechend dem jüdischen Kulturniveau im Durchschnitt ziemlich hoch. Die Verarmung der gewaltsam aus gehobenen Lebensstellungen gerissenen jüdischen Intellektuellen hat daher nicht nur eine erkleckliche Zahl von Handwerkern um regelmäßige Bestellungen gebracht, sondern auch Künstler aller Fächer um ihre liebevollsten Förderer. Die deutschen Theater, der Buchhandel, sogar die Zeitungen spüren den Ausfall. Die S.-A.-Leute, die, wie man sich erzählt, strafweise zu den klassischen Stücken und Opern kommandiert werden,